In den letzten Wochen waren die Gehälter der Manager erneut im Fokus der Medien. Zeitungen, Zeitschriften und Nachrichtensender berichteten ausführlich über dieses Thema.
Vor dem Geschäftsjahr 2006 waren Unternehmen lediglich zur Veröffentlichung der Gesamtsumme aller Vorstandsgehälter verpflichtet. Schon zu diesem Zeitpunkt äußerte man sich kritisch über die Höhe dieser Summen. So beschloss die Regierung unter Kanzler Gerhard Schröder dem weiteren Anstieg der Vorstandsgehälter entgegenzuwirken. Daraufhin wurde ein Gesetz eingeführt, welches den Unternehmen vorschreibt, die Gehälter ihrer Vorstände im Einzelnen vorzulegen. Diese öffentliche Darlegung entfachte die Diskussion über die Vorstandsvergütungen von neuem.
Beispielsweise wurde aufgrund des Gesetzes bekannt, dass Josef Ackermann, Vorstandsvorsitzender der Deutsche Bank AG, zweistellige Millionenbeträge an Vergütungen für das Geschäftsjahr 2006 erhalten hatte. Da solch hohe Zahlungen in Deutschland durchaus kein Einzelfall sind, erwägt man nun, die Managergehälter gesetzlich zu begrenzen.
Für viele stellt sich deshalb die Frage, wie solch hohe Gehälter zustande kommen können und ob die Leistung eines Managers mehrere Millionen Euro wert sein kann.
Im Folgenden wird auf diese Problematik genauer eingegangen.
Inhaltsverzeichnis
I. Erneute Diskussionen über die Vergütung von Managern
II. Darstellung hoher Vorstandsvergütungen anhand von Beispielen
1. Michael Frenzel, Vorstandsvorsitzender der TUI AG.
2. Klaus Kleinfeld, ausgeschiedener Vorstandsvorsitzender der Siemens AG
3. Wendelin Wiedeking, Vorstandsvorsitzender der Porsche AG
III. Gesetzliche Grundlagen für die Vergütung von Vorständen
1. Aktiengesetz
2. “Deutscher Corporate Governance Kodex“
IV. Umstände, die zur Entstehung von hohen Vergütungen führen
1. Transparenz bei der Vergütung von Vorstandsmitgliedern
2. Zusammensetzung des Vergütungsausschusses
3. Mangel an qualifizierten Führungskräften
V. Gefahren, die von zu hohen Managervergütungen ausgehen
1. Gefahren für die Unternehmen
1.1 Beeinträchtigung der Kooperation in der oberen Führungsebene
1.2 Kurzfristige Bindung der Manager an das Unternehmen
2. Gefahren für die Gesellschaft
2.1 Wachstum der Kluft zwischen Arm und Reich
VI. Lösungsvorschläge und deren Bewertung
1. Diskussionsführung
2. Erstellung eines Kodex für angemessene Vorstandsvergütung
3. Verbesserung der Transparenz
4. Besteuerung von Abfindungen
5. Einführung von Höchstgrenzen für Managergehälter
VII. Gute Managerleistungen sind großzügige Vergütungen wert
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die Problematik der hohen Vergütungen von deutschen Managern im Kontext aktueller gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Debatten, analysiert die Ursachen dieser Entwicklung sowie die potenziellen Risiken für Unternehmen und Gesellschaft und bewertet kritisch verschiedene Lösungsansätze.
- Analyse der historischen Entwicklung und aktuellen Situation der Vorstandsvergütungen in Deutschland.
- Untersuchung der rechtlichen Rahmenbedingungen wie Aktiengesetz und Deutscher Corporate Governance Kodex.
- Identifikation der Ursachen für Gehaltssteigerungen, insbesondere durch Transparenz und Fachkräftemangel.
- Bewertung von Risiken durch überhöhte Gehälter, etwa für das Betriebsklima oder die soziale Gerechtigkeit.
- Kritische Würdigung politischer und gewerkschaftlicher Lösungsansätze zur Begrenzung von Managerbezügen.
Auszug aus dem Buch
1. Transparenz bei der Vergütung von Vorstandsmitgliedern
Im Jahr 2005 riet Harvard-Professor Rakesh Khurana den Deutschen „nicht dem amerikanischen Modell der Transparenz zu folgen“. Er warnte davor, dass durch die Offenlegung der individuellen Gehälter der Vorstände diese weiter steigen werden.
Vor 20 Jahren versuchte man in Amerika, durch mehr Transparenz zu verhindern, dass die Vergütungen der Führungskräfte weiter ansteigen. Dadurch wurde jedoch das Gegenteil bewirkt. Im Jahr 1990 betrugen die Gehälter der amerikanischen Manager circa das Hundertfache eines Durchschnittslohns. In den folgenden 16 Jahren hat sich dieser Betrag vervierfacht.
In Deutschland sind die Unternehmen seit dem Geschäftsjahr 2006 dazu verpflichtet, neben wenigen Ausnahmen, die Gehälter ihrer Vorstände im Einzelnen zu veröffentlichen. Auch in Deutschland konnte man beobachten, dass durch die neue Transparenz die Vergütungen gestiegen sind. Nach einer Studie der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapier-Besitz sind allein im ersten Jahr der Pflichtveröffentlichung die Gehälter um elf Prozent gestiegen.
Die Ursache dafür ist die Tatsache, dass auch gut bezahlte Führungskräfte unzufrieden sind, wenn ein Kollege deutlich mehr verdient. „Wer fünf Millionen Euro verdient, bekommt schlechte Laune, wenn er einen Manager-Kollegen trifft, der zehn Millionen bekommt“. Bekommen Manager das Gefühl nicht angemessen bezahlt zu werden, erledigen sie ihre Arbeit unter Umständen mit weniger Einsatz und Motivation. Eine derartige Senkung der Arbeitsleistung könnte in der freien Wirtschaft zu großen Schäden oder gar zum Ruin einer Firma führen. Deshalb sind die Unternehmen bereit, sich dem hohen Gehaltsniveau anzupassen. So wurden beispielsweise auch die Gehälter der Vorstände bei Siemens und Thyssen-Krupp angepasst.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Erneute Diskussionen über die Vergütung von Managern: Dieses Kapitel führt in die aktuelle öffentliche Debatte über Managergehälter ein, die durch neue gesetzliche Offenlegungspflichten ausgelöst wurde.
II. Darstellung hoher Vorstandsvergütungen anhand von Beispielen: Anhand konkreter Fallbeispiele prominenter Konzernlenker werden die tatsächlichen Dimensionen von Vorstandsbezügen illustriert.
III. Gesetzliche Grundlagen für die Vergütung von Vorständen: Es werden die relevanten Bestimmungen des Aktiengesetzes und der Corporate-Governance-Kodex-Richtlinien erläutert, die den Rahmen für Vergütungsentscheidungen bilden.
IV. Umstände, die zur Entstehung von hohen Vergütungen führen: Hier werden die Faktoren analysiert, die zu einer stetigen Aufwärtsspirale der Gehälter führen, darunter Transparenzvorgaben und der Wettbewerb um knappe Führungskräfte.
V. Gefahren, die von zu hohen Managervergütungen ausgehen: Dieses Kapitel beleuchtet sowohl die negativen Folgen für das unternehmensinterne Betriebsklima als auch die gesellschaftliche Problematik der wachsenden Schere zwischen Arm und Reich.
VI. Lösungsvorschläge und deren Bewertung: Verschiedene Ansätze wie öffentliche Debatten, Kodizes, Transparenzsteigerungen und steuerliche Eingriffe werden auf ihre Wirksamkeit und Umsetzbarkeit geprüft.
VII. Gute Managerleistungen sind großzügige Vergütungen wert: Den Abschluss bildet eine persönliche Einschätzung, in der zwischen leistungsgerechter Vergütung und exzessiven Fehlentwicklungen differenziert wird.
Schlüsselwörter
Managervergütung, Vorstandsgehälter, Aktiengesetz, Corporate Governance, Transparenz, Einkommensschere, Abfindungen, Leistungsgerechtigkeit, Unternehmensführung, Aufsichtsrat, Gewinnbeteiligung, Vergütungsausschuss, Soziale Marktwirtschaft, Personalführung, Bonus
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Facharbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Debatte um überhöhte Vergütungen von deutschen Vorständen, untersucht deren Ursachen und Folgen und bewertet verschiedene Ansätze zur Begrenzung dieser Gehälter.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Felder sind die gesetzlichen Rahmenbedingungen (Aktiengesetz), die Auswirkungen von Transparenz, die Risiken für Unternehmen und Gesellschaft sowie politische Lösungsvorschläge.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, ein Verständnis für die Dynamik der Managergehälter zu schaffen und zu prüfen, ob und wie eine gesetzliche oder gesellschaftliche Regulierung zur Wahrung der Verteilungsgerechtigkeit sinnvoll ist.
Welche wissenschaftliche Methode wurde angewandt?
Die Arbeit basiert auf einer deskriptiven Analyse, die durch aktuelle Fallstudien, statistische Daten und eine Auswertung von Wirtschaftsberichten und Gesetzestexten gestützt wird.
Welche Inhalte werden im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden sowohl die Treiber der hohen Gehälter (Transparenz, Marktmechanismen) als auch die negativen Auswirkungen auf das Betriebsklima und die soziale Kohäsion detailliert erörtert.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Vorstandsvergütung, Transparenz, soziale Schere, leistungsgerechte Vergütung und regulatorische Maßnahmen charakterisiert.
Wie beeinflusst der Aufsichtsrat die Gehaltshöhe?
Laut Arbeit besteht die Gefahr, dass der Vergütungsausschuss, oft besetzt mit ehemaligen Vorständen, nicht objektiv handelt und eigene Interessen bei der Gehaltsfestsetzung einfließen lässt.
Ist eine gesetzliche Deckelung der Gehälter laut Autor sinnvoll?
Der Autor bezweifelt die rechtliche Umsetzbarkeit und ökonomische Sinnhaftigkeit einer strikten Höchstgrenze, favorisiert jedoch eine steuerliche Begrenzung von Abfindungen.
- Arbeit zitieren
- Julia Müller (Autor:in), 2008, Das Problem der Hohen Vergütung von deutschen Managern, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/204895