Die 50er und 60er Jahre des 20. Jahrhunderts waren sehr aufregende Zeiten mit vielen neuen Entdeckungen und vielen Umbrüchen und Konflikten. Nationen Ost und West standen sich gegenüber und fochten einen Kalten Krieg, der die Menschen auf beiden Seiten in Unruhe und Unsicherheit versetzten. Aber diese Jahre waren auch geprägt von neu entwickelten Lebensstilen, der 68er Bewegung, der Freiheit in der Öffentlichkeit zu rauchen, Spritpreise, die einen kein Loch in die Haushaltskasse fressen und natürlich der guten Musik. Dem gegenüber steht der Mauerbau 1961, die Kuba-Krise 1962, die Ermordung John F. Kennedys 1963 und der Vietnamkrieg. Trotz alledem gab es ein Gebiet, das sowohl Ost als auch West faszinierte: der Traum das unerreichbare Weltall endlich zu erforschen. Mit Sputnik 1 schaffte die Sowjetunion den ersten Schritt ins All, der kleine Satellit wurde am 4. Oktober 1957 in die Umlaufbahn der Atmosphäre geschickt und umkreiste sodann die Erde. Danach folgte, ebenfalls von den Sowjets initiiert das erste Lebewesen im Weltraum. Die Hündin Laika wurde weltberühmt, berühmter wurde nur Juri Gargarin, der 1961 als erster Mensch ins Weltall geschickt wurde und somit bis dahin dem Mond am nächsten kam. Im Westen, genauer in den USA, wurden bis dato zwar Versuche gestartet Raketen und Satelliten in die Umlaufbahn zu schicken, jedoch scheiterten viele bereits beim Start. Der amerikanische Präsident John F. Kennedy kündigte seinem Volk noch vor dieser Errungenschaft an, dass schon bald auch ein Amerikaner zum Mond und zurück fliegen wird. Einen Monat nach dem Flug des Kosmonauten Gagarins versuchte Alan Shepard in einer Kapsel die Erdumrundung, scheiterte jedoch an der Leistung der Raketen und kehrte schon nach 15 Minuten zurück auf die Erde. 1969 war nun endlich das Jahr in dem am 20. Juli 1969 um 21.35 Uhr Ortszeit (Houston) der amerikanische Astronaut Neil Armstrong als erster Mensch den Mond betrat. Hundert Millionen Zuschauer verfolgten dieses mediale Ereignis und die Mondlandung besiegelte das Duell zwischen Ost und West, zumindest im Hinblick auf den Wettlauf zum Mond.
Die Landung auf dem Erdtrabanten brachte nicht nur Ruhm und Ehre für die Astronauten und ihr Volk, sondern wirkte sich auch direkt auf Gesellschaft und Kultur aus. In der Musik ließen sich Künstler wie Pink Floyd oder David Bowie inspirieren und schrieben Alben und Songs wie „The Dark Side oft he Moon“ und „Space Oddity“. (...)
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Inhalt
2.1 Planeta Bur (1962)
2.2 Voyage to the Prehistoric Planet (1965)
2.3 Voyage to the Planet of Prehistoric Women (1968)
2.4 Zusammenfassung
3. Die unterschiedliche Bedeutung der Frau(en)
3.1 Die sowjetische Frau: Masha
3.2 Die amerikanischen Frauen: Dr. Marsha und die Venusfrauen
4. Das Prinzip des Compilation Films
5. Nachwort
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Phänomen des filmischen Recyclings anhand des sowjetischen Science-Fiction-Films "Planeta Bur" und dessen US-amerikanischen Neuadaptionen. Dabei wird analysiert, wie durch die Verwendung von Stock Footage in neuen Produktionen die ursprüngliche Erzählstruktur verändert wird und welche kulturhistorischen Unterschiede sich insbesondere in der Darstellung der weiblichen Rollenbilder zwischen den Nationen zeigen.
- Filmische Analyse von "Planeta Bur" und seinen Adaptionen
- Kulturelle Gegenüberstellung sowjetischer und US-amerikanischer Frauenrollen
- Methodik des "Compilation Films" und die Verwendung von "Stock Footage"
- Einfluss sozio-politischer Kontexte auf die Filmproduktion der 1960er Jahre
- Untersuchung von dramaturgischen Veränderungen durch Materialrecycling
Auszug aus dem Buch
Die sowjetische Frau: Masha
Das weibliche Mitglied der Kosmonauten auf der Venusmission ist Masha. Eine junge hübsche Frau, die als einziges Mitglied auf dem Raumschiff bleiben muss, um die Rückkehr auf die Erde sicher zu stellen. Eine sehr verantwortungsvolle und wichtige Aufgabe. Während die männlichen Begleiter der Reise den fremden Planeten erforschen, harrt die Kosmonautin im Wettstreit mit ihren Gefühlen im Orbit aus. Wie sah allerdings die Rolle der Frau zur Entstehungszeit des Filmes aus?
1961 waren die Grundbausteine des Kommunismus in der Sowjetunion bereits gelegt und ein neues Parteiprogramm war von Nöten. In diesem dritten Parteiprogramm seit Errichtung des Sozialismus ist die Gleichberechtigung der Frau verankert, sowohl formell als auch faktisch. Die Ungleichheit der Stellung der Frau soll beseitigt werden und es sollen Vorraussetzungen geschaffen werden, die der Frau erleichtern eine glückliche Mutterschaft mit einer aktiven und produktiven Beteiligung an der Gesellschaft zu arrangieren. Trotzdem war es für die Sozialisten eine Selbstverständlichkeit, dass die Frau nicht nur Fleiß, Disziplin und Patriotismus zeigen soll, sondern auch die traditionelle Rolle der Frau als Mutter und Hausfrau verinnerlichen.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Dieses Kapitel erläutert den historisch-politischen Kontext der 1950er und 60er Jahre, insbesondere den Wettlauf ins All zwischen Ost und West, und führt in die Thematik der Film-Recycling-Praktiken ein.
Inhalt: Hier werden die drei untersuchten Filme "Planeta Bur", "Voyage to the Prehistoric Planet" und "Voyage to the Planet of Prehistoric Women" sowie deren inhaltliche Ausgestaltung kurz vorgestellt.
Die unterschiedliche Bedeutung der Frau(en): Dieser Abschnitt vergleicht das sowjetische Frauenbild der Masha mit den US-amerikanischen Frauenfiguren und analysiert die kulturellen Diskrepanzen in deren Darstellung.
Das Prinzip des Compilation Films: In diesem Kapitel wird die filmtheoretische Einordnung der Filme als "Compilation Film" unter Verwendung von "Stock Footage" vorgenommen.
Nachwort: Das Nachwort zieht ein Fazit über die ökonomischen Beweggründe des Materialrecyclings und resümiert die Unterschiede in der künstlerischen Qualität und inhaltlichen Aussage der Filme.
Schlüsselwörter
Planeta Bur, Science Fiction, Compilation Film, Stock Footage, Weltraumrennen, Frauenrolle, sowjetisches Kino, Filmgeschichte, Adaption, Masha, Dr. Marsha, Venus, Cold War, Montage, Filmökonomie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse der Wiederverwendung von Filmmaterial (Recycling) anhand des sowjetischen Science-Fiction-Klassikers "Planeta Bur" und dessen zwei US-amerikanischen Adaptionen.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Die zentralen Themen sind Filmtheorie (Compilation Film), kulturwissenschaftliche Vergleiche zwischen Ost und West sowie die filmische Darstellung von Frauen in der Science-Fiction-Ära der 1960er Jahre.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie das Recycling von Bildmaterial die inhaltliche Aussage und die Rollenbilder der Filme verändert, abhängig vom kulturellen Hintergrund der produzierenden Nation.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine filmwissenschaftliche Analyse, die Inhaltsangaben und Charakterdarstellungen der Filme vergleicht sowie theoretische Begrifflichkeiten wie "Stock Footage" anwendet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die Handlungen der Filme detailliert, die soziopolitische Stellung der Frau in der Sowjetunion versus USA gegenübergestellt und das technische Prinzip des Compilation Films erläutert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören "Planeta Bur", "Compilation Film", "Stock Footage", "Kulturvergleich" und "Geschlechterrollen im Film".
Wie unterscheidet sich die sowjetische Masha von den amerikanischen Frauenfiguren?
Die sowjetische Masha wird als kompetentes, gleichberechtigtes Mitglied der Expedition dargestellt, während die amerikanischen Adaptionen sie entweder ersetzten oder zu einer reinen Verbindungsperson zur Erde degradierten.
Warum wurde in den amerikanischen Filmen oft auf Stock Footage zurückgegriffen?
Die Verwendung von Filmmaterial aus dem Originalfilm war aus ökonomischen Gründen kostengünstiger, als Szenen mit Schauspielern in aufwendigen Kulissen komplett neu zu drehen.
Welche Bedeutung hat der Roboter John in den Filmen?
Der Roboter John fungiert in allen Versionen als essenzielles technisches Hilfsmittel für die Kosmonauten bzw. Astronauten bei der Erkundung des feindseligen Planeten Venus.
- Arbeit zitieren
- Phuong Anh Phi (Autor:in), 2012, Das Recycling sowjetischer Filme am Beispiel von Planeta Bur, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/204806