Die vorliegende Ausarbeitung beschäftigt sich mit einer speziellen lexikalischen Gruppe des deutschen Wortschatzes: den Neologismen. Neologismen repräsentieren nicht nur die Vielfalt, den Erfindungsreichtum und die Kreativität einer bestimmten Sprache und deren Produzenten, sie sind auch ein Abbild des Zeitgeistes. Betrachtet man die Liste der von der Gesellschaft für deutsche Sprache gewählten Wörter des Jahres oder auch die einer linguistischen Fachjury auserkorenen Unwörter des Jahres fällt nicht nur die große Anzahl von Neologismen darunter auf, sondern auch, welche gesellschaftlichen Phänomene zu welchem Zeitraum in Deutschland bzw. der Welt eine Rolle spielten. Anti-Terror-Krieg, Burnout, Cyber-Mobbing, Klimakatastrophe, Raucherkneipe, Alcopops oder SARS - all diese Wörter, die in den letzten Jahren und Jahrzehnten aufgekommen sind, weisen darauf hin, wie sich das Leben verändert und sich die Sprache daran angepasst hat. Im Folgenden soll dargestellt werden, wie sich der Begriff des Neologismus eingrenzen lässt und in welche Wortkategorien sich Neologismen unterschieden lassen. Weiter werden Wortbildungsmöglichkeiten von Neologismen erläutert und erklärt, welche Funktionen sie in unserer Sprache erfüllen können. Auch Schwierigkeiten, die die Verbreitung von Neologismen mit sich bringen können, sollen kurz angerissen werden. Anschließend folgen ein persönliches Fazit sowie Angaben zu Quellen und weiterführender Literatur.
Inhaltsverzeichnis
0. EINLEITUNG
1. BEGRIFFSDEFINITION
2. UNTERSCHEIDUNG
2.1 NEULEXEME
2.1.1 NEUE WORTKOMBINATIONEN
2.1.2 FREMDWORTÜBERNAHMEN
2.2 NEUBEDEUTUNGEN
2.3 SONDERSTELLUNG: OKKASIONALISMEN
3. BILDUNG
3.1 KOMPOSITION
3.2 DERIVATION
3.3 KONVERSION
3.4 ABKÜRZUNG
4. FUNKTIONEN
5. SCHWIERIGKEITEN
6. PERSÖNLICHES FAZIT
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das linguistische Phänomen der Neologismen im Deutschen. Ziel ist es, den Begriff einzugrenzen, verschiedene Arten der Wortbildung und Kategorisierung zu erläutern sowie die Funktionen und Schwierigkeiten bei der Etablierung neuer sprachlicher Einheiten aufzuzeigen.
- Definition und Wortherkunft von Neologismen
- Kategorisierung in Neulexeme, Neubedeutungen und Okkasionalismen
- Wortbildungsmechanismen wie Komposition, Derivation, Konversion und Abkürzung
- Soziale und funktionale Bedeutung von Sprachinnovationen
- Normunsicherheiten und lexikographische Herausforderungen
Auszug aus dem Buch
2.3 Sonderstellung: Okkasionalismen
Insbesondere Boulevardmedien wie die BILD-Zeitung sind bekannt für ihre spektakulären Schlagzeilen, die immer wieder neue Wortkombinationen und Kunstwörter beinhalten. Tauchte beispielsweise im Rahmen der EHEC-Epidemie 2011 noch häufig das Wort Killerkeim auf den Titelseiten auf (vgl. Abb. 3), fällt gegenwärtig gehäuft das Wort wulffen ins Auge. Entstanden im Kontext der aktuellen Medien- und Kreditaffäre um Ex-Bundespräsident Wulff, wird das Wort, Szenesprachenwörterbüchern zufolge, gebraucht, wenn „man nicht direkt die Wahrheit sagt, aber dennoch nicht als Lügner dastehen will“. Obwohl der Ausdruck momentan in den Medien häufig genutzt und diskutiert wird, ist er dennoch in keinem der untersuchten Wörterbücher lexikographisch erfasst. Auch die google-Tools ngram-viewer und insights for search zeigen keine messbare Häufigkeit im eingescannten Datenbestand bzw. melden, dass „das Suchvolumen zu gering ist, um Grafiken anzeigen zu können“.
Genauso verhält es sich beim Begriff Killerkeim. Die Ergebnisse sprechen dafür, dass es sich bei den Beispielen weder um allgemeinsprachliche Lexeme noch um einen Neologismen handelt. Eher können sie als Okkasionalismen, also als Gelegenheitsbildungen verstanden werden. Solche Wörter werden oft nur ein einziges Mal oder in einem begrenzten Zeitraum verwendet. Ihr Zweck erfüllt sich ad hoc, mit der „Füllung einer lexikalischen Lücke“ (ELSEN 2011: 21). Es ist aber durchaus möglich, dass ein Okkasionalismus die erste Stufe zur Entstehung eines Neologismus darstellt. Dies geschieht beispielsweise, wenn eine individuelle Wortschöpfung auf die Begeisterung der breiten Masse stößt, sich somit schnell verbreitet und längerfristig genutzt wird.
Zusammenfassung der Kapitel
0. EINLEITUNG: Die Einleitung führt in das Thema der Neologismen als Ausdruck sprachlicher Kreativität und Spiegelbild des Zeitgeistes ein und definiert den Aufbau der Arbeit.
1. BEGRIFFSDEFINITION: Dieses Kapitel erläutert den Begriff des Neologismus anhand verschiedener wissenschaftlicher Definitionen und seiner etymologischen Herkunft.
2. UNTERSCHEIDUNG: Hier werden unterschiedliche Kategorien von Neologismen wie Neulexeme, Neubedeutungen und die Sonderstellung der Okkasionalismen voneinander abgegrenzt.
3. BILDUNG: Dieses Kapitel stellt die häufigsten Wortbildungsarten im Deutschen dar, darunter Komposition, Derivation, Konversion und Abkürzung.
4. FUNKTIONEN: Hier wird analysiert, welche Aufgaben Neologismen in der Kommunikation erfüllen, insbesondere zur Benennung neuer Phänomene und zur Gruppenzugehörigkeit.
5. SCHWIERIGKEITEN: Dieses Kapitel beleuchtet Herausforderungen bei der Nutzung neuer Wörter, etwa Rechtschreibunsicherheiten, Genusfragen und Probleme der Flexion.
6. PERSÖNLICHES FAZIT: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und hebt die Bedeutung von Online-Wörterbüchern und moderner Sprachkreativität hervor.
Schlüsselwörter
Neologismus, Neulexem, Okkasionalismus, Wortbildung, Komposition, Derivation, Konversion, Abkürzung, Sprachwandel, Lexikographie, Sprachnorm, Jugendsprache, Medien, Zeitgeist, Sprachkreativität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Seminararbeit?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Gruppe der Neologismen im deutschen Wortschatz und untersucht deren Entstehung, Verwendung und Einordnung.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Arbeit deckt die Definition, die systematische Unterscheidung, die verschiedenen Wortbildungsarten sowie die Funktionen und Anwendungsschwierigkeiten von Neologismen ab.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, ein Verständnis dafür zu schaffen, wie Neologismen als sprachliche Neuerungen entstehen und wie sie in der heutigen deutschen Sprache sowie in der Lexikographie wahrgenommen werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Auseinandersetzung, die auf einer Sichtung von Fachliteratur, Wörterbüchern und aktuellen Textkorpora sowie der Analyse von Online-Tools basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Differenzierung von Neologismen, die Darstellung der produktivsten Wortbildungsprozesse (Komposition, Derivation etc.) und eine kritische Betrachtung von Gebrauchsschwierigkeiten.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Neologismus, Wortbildung, Okkasionalismus, Sprachwandel, Sprachnorm und Lexikographie.
Warum werden Okkasionalismen in der Arbeit als Sonderstellung bezeichnet?
Okkasionalismen sind lediglich Gelegenheitsbildungen, die oft nur einmalig verwendet werden und somit keine etablierten Neologismen im Sinne eines dauerhaften Lexikoneintrags darstellen.
Welche Rolle spielen Medien bei der Verbreitung von Neologismen?
Medien, insbesondere Boulevardmedien, fungieren als Katalysatoren, indem sie durch spektakuläre Schlagzeilen neue Wörter oder Kunstwörter prägen und verbreiten.
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- Ena Weiss (Author), 2012, Wortschatz: Neologismen, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/204698