Diese Referatsausarbeitung wird das Thema „Wie man ein politisches Gemeinwesen gründet“ am Beispiel zweier Denker des 16. und 17. Jahrhunderts behandeln.
Zunächst wird der florentinische Politiker, Dichter und Staatsmann Niccolò Machiavelli herangezogen. Da sich seine Werke nur schwer aus ihrem spezifischen historischen Kontext lösen lassen, wird ein knapper historischen Überblick geliefert, um zu zeigen, welchen Problemen sich Machiavelli in der Zeit der Renaissance, speziell im Stadtstaat Florenz gegenüberstand. Es folgt ein Versuch, Denken und Verständnis dieses umstrittenen politischen Pragmatikers in groben Umrissen darzustellen, um seine Gedanken über Politik und Staatsführung besser verstehen zu können. Anschließend wird sein eigener Verfassungsentwurf bzw. seine Idee eines politischen Gemeinwesens, zu finden in seiner kurzen „Denkschrift über die Reform des Staates von Florenz“, vorgestellt. Hier wird bewusst darauf verzichtet, zu detailliert die einzelnen Ämterverteilungen und Amtslaufzeiten zu erläutern, da vielmehr eine allgemeine Betrachtung über seine Verfassungsvorstellungen gewonnen werden soll.
Als zweiter großer Theoretiker wird John Locke mit seinen „Zwei Abhandlungen über die Regierung“ herangezogen, um seine Idee der Staatsgründung durch einen Gesellschaftsvertrag darzustellen. Es wird sich zeigen, dass dieser Vertreter der Aufklärung ein ganz anderes Menschenbild und Verständnis von politischer Ordnung hat. Auch folgt Locke der Tradition der Naturrechtslehre und fragt sich zunächst, wie die Menschen ursprünglich, d.h. herrschaftslos, lebten. Hier muss bedacht werden, dass es den Sozialvertragstheoretikern jedoch nicht primär um eine historische Theorie der Staatsentstehung ging, da sie vielmehr die Absicht verfolgten, die Legitimität politischer Herrschaft auf rationale Weise zu begründen.1 Und auch Machiavelli als politischer Realist wollte keine Theorie der Staatsentstehung begründen, sondern eine praktische Anleitung liefern, wie sich Stabilität und Ordnung in Florenz herstellen lassen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Niccolò Machiavelli
2.1 Biographie und historischer Kontext
2.2 Die Frage nach der richtigen Regierungsform
2.3 Machiavellis Menschenbild und Denkansatz
2.4 Staatsorganisation nach Machiavelli am Beispiel Florenz
2.5 Allgemeine Betrachtungen zur Verfassungsgebung
3. John Locke
3.1 Biographie und historischer Kontext
3.2 Der Naturzustand bei Locke
3.3 Staatsgründung durch Gesellschaftsvertrag
3.4 Ideale Staatsorganisation
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, wie Niccolò Machiavelli und John Locke die Gründung eines politischen Gemeinwesens konzipieren. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie diese beiden Denker aus unterschiedlichen Jahrhunderten Stabilität, Herrschaftslegitimation und die Rolle des Individuums in staatlichen Strukturen verstanden haben.
- Politische Philosophie der Renaissance und Aufklärung
- Vergleich zwischen machtpolitischem Pragmatismus und Naturrechtsdenken
- Entwicklung und Legitimation politischer Ordnungen
- Rolle des Gesellschaftsvertrags und der Staatsorganisation
Auszug aus dem Buch
3.2 Naturzustand
Locke zeigt in seiner Schrift „Zwei Abhandlungen über die Regierung“ wie Entstehung, Zweck und Institutionen eines Regierungssystems zu denken seien, die von freien Menschen als legitim anerkannt werden können.
Er beginnt die Entfaltung seines politischen Systems mit der Feststellung, dass man, um politische Macht richtig verstehen und von ihrem Ursprung ableiten zu können, erwägen müsse, in welchem Zustand sich die Menschen von Natur aus befinden. Er bedient sich also zu diesem Zwecke der aus der Tradition der Naturrechtslehre bekannten Konzeption eines herrschaftslosen Naturzustandes, in welchem Menschen ursprünglich lebten oder „in den sie hypothetisch versetzt werden können, um herauszufinden, wie politische Herrschaft entstanden ist.“
Zu Beginn seiner Analyse zeigt er auf, welche Rechte und Pflichten die Menschen unabhängig von aller positiven staatlichen Gesetzgebung haben. Locke versteht den Naturzustand als einen Zustand vollkommener Freiheit innerhalb der Grenzen des Gesetzes der Natur. Freiheit wird hier als das Recht der Menschen verstanden, „ihre Handlungen zu regeln und über ihren Besitz und ihre Persönlichkeit so zu verfügen, wie es ihnen am besten scheint, ohne dabei jemanden um Erlaubnis zu bitten oder vom Willen eines anderen abhängig zu sein.“ Ebenso ist es ein Zustand der Gleichheit. Denn jeder wird im Naturzustand in die gleiche Lage hinein geboren, teilt die gleiche Natur, Fähigkeit und Macht sowie die gleichen Vorteile der Natur. Somit hat auch jeder ein Recht auf seine natürliche Freiheit. Dies bedeutet jedoch nicht, dass alle Menschen de facto gleich wären.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema der Staatsgründung bei Machiavelli und Locke ein und erläutert die methodische Herangehensweise.
2. Niccolò Machiavelli: Dieses Kapitel analysiert das Politikverständnis Machiavellis vor dem Hintergrund der instabilen Verhältnisse in Florenz und seine Überlegungen zu Republik und Führungsstilen.
3. John Locke: Dieser Abschnitt widmet sich Lockes liberaler Staatstheorie, dem Naturzustand und der Begründung politischer Ordnung durch einen Gesellschaftsvertrag.
4. Fazit: Das Fazit fasst die wesentlichen Unterschiede zwischen Machiavellis machtpolitischem Pragmatismus und Lockes naturrechtlich geprägter Vertragstheorie zusammen.
Schlüsselwörter
Staatsgründung, Niccolò Machiavelli, John Locke, Politische Theorie, Gesellschaftsvertrag, Naturzustand, Republik, Souveränität, Macht, Legitimität, Verfassungsgebung, Eigentum, Renaissance, Aufklärung, Gewaltenteilung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Konzepte zur Gründung und Gestaltung politischer Gemeinwesen bei zwei bedeutenden Philosophen des 16. und 17. Jahrhunderts, Niccolò Machiavelli und John Locke.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Felder sind die Legitimation von Herrschaft, das Menschenbild der jeweiligen Epochen, die Rolle der Verfassung sowie die Voraussetzungen für staatliche Stabilität.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die unterschiedlichen Herangehensweisen der beiden Denker an die Herausforderung der Staatsgründung gegenüberzustellen und zu erläutern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine politikwissenschaftliche Analyse der Primärtexte und ordnet diese in ihren jeweiligen historischen und ideengeschichtlichen Kontext ein.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst Machiavellis Vorstellungen (insbesondere in Bezug auf Florenz) und anschließend Lockes Theorie des Naturzustands und des Gesellschaftsvertrags detailliert dargelegt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselbegriffe sind unter anderem Staatsgründung, Gesellschaftsvertrag, Naturzustand, Souveränität, Legitimität und Verfassungsgebung.
Wie unterscheidet sich Machiavellis Verständnis von dem eines "normalen" Republikaners?
Machiavelli wird als politischer Pragmatiker gesehen, der die Republik nicht zwingend als Idealzustand, sondern als bestmögliche ordnungspolitische Lösung zur Stabilisierung eines Staates begreift.
Warum spielt das Eigentum bei John Locke eine so zentrale Rolle?
Locke sieht den Schutz des Eigentums als Hauptzweck der Staatsgründung, da der Mensch natürliche Rechte auf Leben, Freiheit und Besitz hat, die im Naturzustand ohne eine übergeordnete Instanz gefährdet sind.
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- Nika Ragua (Author), 2007, Wie man ein politisches Gemeinwesen gründet - Machiavelli und Locke, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/204342