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Das Motiv der Verwandlung in der modernen Literatur

Von Kafkas Käfer bis Ibsens Puppenheim

Titel: Das Motiv der Verwandlung in der modernen Literatur

Bachelorarbeit , 2011 , 48 Seiten , Note: 1,3

Autor:in: Carolin Hildebrandt (Autor:in)

Literaturwissenschaft - Moderne Literatur

Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

Verwandlungen sind seit jeher ein Sujet, das den Menschen immer stark interessierte. Dabei variieren die Herangehensweisen an das Thema sowie an das tatsächliche Phänomen ebenso wie die Erscheinungsformen dessen, was man zusammenfassend unter Metamorphosen versteht. Die Entwicklung einer Raupe hin zu einem Schmetterling empfindet man als faszinierend, wohingegen der Verwandlung eines konservativen, bürgerlich angepassten Menschen ins Anarchistische mit Abscheu und Skepsis begegnet wird. Das durch Eigeninitiative herbeigeführte Umformen des Phänotyps oder auch des Charakters, der Angewohnheiten und dergleichen, erleben wir als angenehm und beachtenswert. Die willenlose beziehungsweise gar ungewollte Transformation hingegen versetzt uns in Schaudern und schreckt ab.
Bei der Auseinandersetzung mit Verwandlungen jedweder Art befindet man sich automatisch in einem Zustand, der stetig zwischen Faszination und Abscheu pendelt. Einerseits lockt jenes vielseitige Phänomen mit seinem Facettenreichtum und der imponierenden Grenzüberschreitung; andererseits symbolisiert es auch eine Gefahr, nämlich durch die Bedrohung und Veränderung des Bekannten, des Anerkannten und Akzeptierten.
Gerade darin liegt wohl der abschreckende Zauber von Verwandlungen, dass sie den Beobachter und/oder den Verwandelten der Zeit entheben und einen fließenden Übergang mehrerer, konturenloser Zustände implizieren. Eine konkrete Fixierung der zahlreichen Einzelstadien und Verlaufsmomente ist während eines solchen Prozesses unmöglich, gleich ob man die Verwandlung nun selbst erleben sollte oder ob man als Außenstehender einen objektiveren Blick auf die Ereignisse behaupten kann.
Unter dem Punkt ‚Verwandlung als psychologisches Phänomen‘ soll ein kurzer Einblick in die psychologischen Grundlagen gegeben werden. Aufgrund der Fülle der unterschiedlichen Theorien im Bereich der psychischen Verwandlungen als Krankheitsbild werden zwar viele Abhandlungen in meine Betrachtung einfließen, jedoch werde ich den Fokus auf bestimmte Perspektiven legen, die für meine Untersuchungen als geeignetes Analyseinstrument dienlich sind. Dieses Kapitel soll die nachfolgenden Untersuchungen von Verwandlungsdarstellungen in der Literatur untermauern und gewissermaßen verständlicher machen.
[...]

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. EINLEITUNG

2. THEORETISCHE GRUNDLAGEN

2.1 VON NEUROSEN UND PSYCHOSEN: Die Verwandlung als psychologisches Phänomen

2.2 VON DICHTERN UND GEDICHTETEN: Die Verwandlung als literarisches Motiv

3. LITERARISCHE VERWANDLUNGEN

3.1 DAS TIER IN UNS: Verwandlungen in der Epik

3.1.1 Franz Kafkas Käfer

3.1.2 Carlos Ruiz Zafóns Schmetterling

3.2 AUSBRUCH DER IDENTITÄTSLOSEN: Verwandlungen in der Dramatik

3.2.1 Die späte Einsicht der Nora von Henrik Ibsen

3.2.2 Die Ohnmacht des Graf Öderland von Max Frisch

3.3 REIFEN UND ALTERN: Verwandlungen in der Lyrik

3.3.1 Die Stufen des Hermann Hesse

3.3.2 Die Identität der Hilde Domin

4. FAZIT

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das Motiv der Verwandlung in ausgewählten literarischen Werken der Epik, Dramatik und Lyrik. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie und warum sich diese Werke mit Metamorphosen befassen, welche Muster der Auslösung oder Unterdrückung existieren und inwiefern der Schreibprozess selbst als lebensspendende oder emanzipatorische Verwandlung des Autors und seiner Protagonisten verstanden werden kann.

  • Psychologische Grundlagen von Neurosen und Psychosen als Analyseinstrument
  • Die Rolle des Dichters als "Hüter der Verwandlung"
  • Verwandlung als Emanzipation von gesellschaftlichen Zwängen
  • Das Spannungsfeld zwischen natürlicher Metamorphose und künstlicher Degradation
  • Die Wechselwirkung von Sprache, Identitätsverlust und Schreibprozess

Auszug aus dem Buch

3.1.1 Franz Kafkas Käfer

„Als Gregor Samsa eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, fand er sich in seinem Bett zu einem ungeheuren Ungeziefer verwandelt.“ Mit diesem Satz beginnt Franz Kafkas Geschichte über die tragische Verwandlung eines jungen Mannes in einen überdimensionalen Käfer. Es ist genau dieser eine Satz, der die unbeschreibliche Magie des Textes ausmacht und unzählige Interpreten der Literaturwissenschaft zu den verschiedensten Denkweisen trieb. „Die Ungeheuerlichkeit des Vorgangs“, „die ganze unerhörte Begebenheit: die Verwandlung eines Menschen in ein Insekt“ überrascht den Leser mit einer solch enormen Kraft, dass es ihm schwer fällt, eine gewisse Distanz zu den dargestellten Ereignissen zu wahren. Vielmehr verfällt er ebenso in eine Zwischenebene, die weder Traum noch Wirklichkeit zu sein scheint, wie es dem Protagonisten selbst ergeht. Auch wenn dieser vorgibt, klar zu erkennen, dass es kein Traum war, was er da an seinem eigenen Körper feststellte, so ergeben sich doch im Folgenden einige Zweifel, was seine Selbstwahrnehmung und -bewertung betrifft.

Es soll in diesem Kapitel davon abgesehen werden, eine systematische Darstellung und Wiedergabe der einzelnen Interpretationswege zu unternehmen. Vielmehr soll eine Mischung der plausibelsten Ansätze und Überlegungen angestrebt werden, um das zentrale Motiv der Verwandlung Gregor Samsas in seiner Ganzheit analysieren zu können.

Zusammenfassung der Kapitel

1. EINLEITUNG: Die Einleitung führt in das universelle Sujet der Verwandlung ein und definiert die methodische Herangehensweise der Arbeit anhand ausgewählter literarischer Gattungen.

2. THEORETISCHE GRUNDLAGEN: Dieses Kapitel erläutert psychologische Krankheitsbilder wie Neurosen und Psychosen, um eine Grundlage für die Analyse der literarischen Metamorphosen zu schaffen.

3. LITERARISCHE VERWANDLUNGEN: Der Hauptteil analysiert exemplarische Werke der Epik, Dramatik und Lyrik auf ihre spezifische Verwandlungsthematik hin.

4. FAZIT: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und hebt Sprache, Ambivalenz und Emanzipation als zentrale Aspekte der literarischen Verwandlungsdarstellung hervor.

Schlüsselwörter

Verwandlung, Metamorphose, Identität, Literatur, Neurose, Emanzipation, Psychoanalyse, Sprache, Kafka, Hesse, Ibsen, Frisch, Zafón, Domin, Rollenzwang

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht das literarische Motiv der Verwandlung und analysiert, wie Autoren durch Metamorphosen psychische Prozesse und gesellschaftliche Entwicklungen in ihren Texten reflektieren.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die zentralen Themen umfassen die Rolle des Autors als Schöpfer, das Spannungsverhältnis zwischen Individuum und Gesellschaft sowie die psychologischen Hintergründe von Identitätskrisen.

Was ist das primäre Ziel oder die zentrale Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, wiederkehrende Muster der Verwandlung zu identifizieren und aufzuzeigen, wie Literatur genutzt wird, um Identität zu hinterfragen und Emanzipation zu ermöglichen.

Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse verwendet?

Die Untersuchung folgt einer komparatistischen Methode, die klassische Gattungsdreiteilung (Epik, Dramatik, Lyrik) nutzt und psychologische Theorien zur Deutung literarischer Metamorphosen heranzieht.

Was genau wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in Analysen von epischen Werken (Kafka, Zafón), dramatischen Texten (Ibsen, Frisch) und lyrischen Gedichten (Hesse, Domin), um die jeweilige Ausprägung des Verwandlungsmotivs darzustellen.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Untersuchung?

Wichtige Begriffe sind Metamorphose, Identitätsbildung, Entfremdung, das Verhältnis von Sprache und Wirklichkeit sowie die psychoanalytische Deutung literarischer Charaktere.

Inwiefern beeinflusst der Begriff des "Hüters der Verwandlung" die Analyse?

Der Begriff von Elias Canetti dient als theoretischer Rahmen, um die Fähigkeit des Dichters zu verdeutlichen, durch Sprache Identitäten zu gestalten und Zugänge zwischen Menschen offenzuhalten.

Warum wird Franz Kafkas "Die Verwandlung" als zentrales Beispiel für eine Neurose angeführt?

Die Arbeit argumentiert, dass Gregors Zustand als eine unbewusste Reaktion auf verdrängte Konflikte und den Druck seines familiären sowie beruflichen Umfelds gedeutet werden kann, was symptomatisch für neurotische Störungen ist.

Ende der Leseprobe aus 48 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Das Motiv der Verwandlung in der modernen Literatur
Untertitel
Von Kafkas Käfer bis Ibsens Puppenheim
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen
Note
1,3
Autor
Carolin Hildebrandt (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2011
Seiten
48
Katalognummer
V204315
ISBN (eBook)
9783656312543
ISBN (Buch)
9783656313076
Sprache
Deutsch
Schlagworte
motiv verwandlung literatur
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Carolin Hildebrandt (Autor:in), 2011, Das Motiv der Verwandlung in der modernen Literatur, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/204315
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  48  Seiten
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