Im Rahmen des eLearning spielen Plattformen eine zentrale Rolle. Sie sind es, die die
technischen Anforderungen des eLearning praktisch umsetzen müssen und zwar für
unterschiedliche Ziele und Zwecke, die jeweils abhängig sind von der jeweiligen konkreten
Anforderung. Hierbei variieren die Anforderungen je nach aktueller Ist-Situation. Auf der
Suche nach der einer „Lösung“ ist daher zunächst eine umfassende Bestandsaufnahme des
individuellen Ist-Zustandes vonnöten und abzuwägen, welche der bestehenden Lösungen am
ehesten den eigenen Anforderungen entsprechen. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt gibt es
zahlreiche fertige Lösungen, die sich den webbasierenden Plattformen verschrieben haben.
Die „richtige“ auszuwählen und –soweit möglich- an die eigenen Anforderungen anzupassen,
setzt u.a. umfangreiche Kenntnisse in den Bereichen Kommunikation, Didaktik,
Administration und Technik der einzusetzenden Lösung voraus. Jedoch bleibt die Auswahl
der in Frage kommenden Plattform von entscheidender Bedeutung. So bemerkt Brunner:
„Noch gibt es keine Lernplattform die in zufriedenstellender Weise die Funktionen vereint,
die für Hochschulkurse als notwendig erachtet werden. [...] Viele Anbieter [haben] die
spezifischen Anforderungen von Hochschulen noch nicht begriffen und versuchen, die in der
Privatwirtschaft erfolgreichen Produkteportfolios und Marketingkonzepte unverändert auf
diese anzuwenden.“
Aus diesem Zitat geht hervor, dass insbesondere Institutionen, d.h. Universitäten und
Fachhochschulen im Rahmen einer eLeraning-Umgebung miteinander vernetzt werden. Im
konkreten Fall der Lernplattform Blackboard Learning Management System (s. 4. ff.)
kommen weitere Klienten wie Regierungseinrichtungen, aber auch führende kommerzielle
Unternehmen als Lizenznehmer in Frage.
Zwecks Evaluation von Lernplattformen wurde seitens des österreichischen
Bildungsministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur eine Studie in Auftrag gegeben,
einen weltweiten Überblick über Evaluation, Auswahl und Praxis von Lernplattformen
(Learning Management Systemen) zu verschaffen, deren Ergebnisse im folgenden behandelt
werden sollen.
Im Anschluss daran soll die webbasierende Plattform „Blackboard“ LM vorgestellt werden.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Definition Lernplattformen
2. Bewertungsverfahren für Lernplattformen
2.1 Kriterienkataloge
2.2 Rezensionen
2.3 Vergleichsgruppen
2.4 Expertinnenurteile
3. Praktische Umsetzung des Evaluationsprozesses
3.1 Numerische Gewichtungsprozeduren
3.2 Qualitative Gewichtungsprozeduren
4. Blackboard Learning Management System™
4.1 Allgemeines zu Blackboard
4.1.1 Blackboard Inc.
4.1.2 Klienten
4.2 Allgemeine Funktionen von Blackboard Learning System
4.3 Kommunikation, Kooperation und Kollaboration
4.3.1 Synchrone und asynchrone Kommunikation
4.3.2 Asynchrone Kommunikation
4.4 Didaktik
4.5 Administration
4.5.1 Personalisierung
4.6 Technik
4.6.1 Distributierbarkeit, Services und Dokumentation
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit hat zum Ziel, einen Überblick über Methoden zur Evaluation von Lernplattformen zu geben und exemplarisch das Blackboard Learning Management System als eine hochwertige Lösung vorzustellen.
- Definition und theoretische Einordnung von Lernplattformen.
- Analyse und Vergleich verschiedener Evaluationsverfahren (Kriterienkataloge, Rezensionen, Vergleichsgruppen, Expertinnenurteile).
- Darstellung praktischer Gewichtungsprozeduren bei der Evaluation.
- Funktionsumfang und technische Merkmale von Blackboard Learning Management System.
Auszug aus dem Buch
3.1 Numerische Gewichtungsprozeduren
Bei der numerischen Gewichtung einzelner Lernplattformen wird die sog. Multi-Attribute Utility Analysis angewandt, die eine vergleichbar einfache und beliebte Evaluationsmethode darstellt. Die einzelnen Schritte wären hierbei folgende:
1. Bestimmung der einzelnen Dimensionen (z.B. Qualität, Interaktivität, Usability etc.) und Erstellung einer linearen Skala (z.B. 1-7)
2. „Direkte“ Bewertung der Leistungen der jeweiligen Lernplattform in die einzelnen Skalen
3. Multiplikation von Leistungspunkten und Gewichtung, anschließend Summierung der einzelnen Gesamtleistungen
4. Erstellung eines Rankings (je nach Höhe der Gesamtzahl, die der Evaluand erreicht hat)
Die numerischen Gewichtungsprozeduren bringen hinsichtlich der qualitativen Bewertung vielerlei Probleme mit sich. Die „willkürliche“ Einordnung eines Qualitätskriteriums in eine lineare Skala, die ihrerseits lediglich auf Zahlenoperationen beschränkt ist, bleibt fragwürdig. Zumal zugleich die Möglichkeit besteht, insbesondere da hier mit Check-Listen gearbeitet wird, eine Fülle unwesentlicher Informationen („Problem des Detaillierungsgrades“) ins Endergebnis mit einfließen zu lassen, die dieses letztlich manipulieren. Die ‚erreichte’ Gesamtzahl und das Ranking verlieren somit an Aussagekraft - das Endergebnis hinterlässt „keine Spuren“.
Die Schwächen dieses Verfahrens wurden seitens Scriven zwar erkannt, weswegen eine erweiterte Methode („Numerische Gewichtung mit Minima“ – neue K.O.-Kriterien) zum Tragen kam, in der Evaluanden, welche die definierten K.O.-Kriterien nicht erreichten, im Vorfeld ausschieden. Dadurch wurde jedoch lediglich das hohe Aufkommen an Datenmaterial verringert – die Schwächen des Gesamtverfahrens (Rechenoperationen) blieben weiterhin bestehen.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in die Bedeutung von Lernplattformen im eLearning und Vorstellung der Zielsetzung der Arbeit.
1. Definition Lernplattformen: Theoretische Abgrenzung und Definition von Lernplattformen durch verschiedene Autoren.
2. Bewertungsverfahren für Lernplattformen: Untersuchung verschiedener Methoden wie Kriterienkataloge, Rezensionen, Vergleichsgruppen und Expertinnenurteile hinsichtlich ihrer Vor- und Nachteile.
3. Praktische Umsetzung des Evaluationsprozesses: Erläuterung numerischer und qualitativer Gewichtungsprozeduren als Verfahren zur praktischen Evaluation.
4. Blackboard Learning Management System™: Detaillierte Vorstellung von Blackboard als bewährte Lernplattform mit Fokus auf Funktionen, Kommunikation, Didaktik, Administration und Technik.
Schlüsselwörter
E-Learning, Lernplattformen, Learning Management System, Evaluation, Qualitätskriterien, Blackboard, Numerische Gewichtung, Qualitative Gewichtung, Didaktik, Administration, Online-Lehre, Software-Evaluation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Evaluation von webbasierenden Lernplattformen, um institutionellen Anforderungen an E-Learning-Umgebungen gerecht zu werden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Definition von Lernplattformen, verschiedene wissenschaftliche Bewertungsverfahren und die detaillierte Analyse der Software Blackboard.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, einen Überblick über Evaluationsmethoden für Lernplattformen zu geben und die Funktionalitäten sowie Stärken von Blackboard als Beispiel für eine hochwertige Lösung aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird ein theoretischer Vergleich verschiedener Evaluationsverfahren (Kriterienkataloge, Rezensionen etc.) sowie eine Analyse praktischer Gewichtungsprozeduren angewandt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die methodische Diskussion zur Evaluation und die konkrete Vorstellung von Blackboard in den Bereichen Kommunikation, Didaktik, Administration und Technik.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind E-Learning, Evaluation, Lernplattformen, Blackboard und Qualitätskriterien.
Warum sind Kriterienkataloge für Forschungszwecke problematisch?
Das Hauptproblem liegt in der fehlenden Gewichtung und dem unklaren Detaillierungsgrad, was eine qualitative Auswertung erschwert und Ergebnisse manipulieren kann.
Was unterscheidet die qualitative von der numerischen Gewichtungsprozedur?
Die qualitative Methode verzichtet auf Werteskalen und Rechenoperationen, nutzt stattdessen priorisierte Symbole und erlaubt Eingriffe im Prozess, um Mängel der numerischen Methode auszugleichen.
- Arbeit zitieren
- StR Sener Saltürk (Autor:in), 2004, Evaluation webbasierender Lernplattformen: Blackboard, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/204006