Ernst Cassirer entwickelt in seinem Werk ein Konzept der menschlichen Sprache als einer symbolischen Form, durch die der Mensch seine Weltbezüge und damit seine Wirklichkeit erst konstruiert. Seine Theorie steht auf der Basis unterschiedlicher philosophischer Sprachtheorien seit der Antike, die im Folgenden als erstes kurz dargestellt werden sollen. Für die erkenntnistheoretischen Bezüge der Konzeption Cassirers sind die vorhergehenden Überlegungen Immanuel Kants von besonderer Relevanz, auf die Cassirer seine These stützt, sich jedoch in einem nächsten Schritt von ihnen distanziert. Anschließend soll die anthropologische Bedeutung beleuchtet werden, die aus seinen Annahmen resultiert. Letztere sind ebenfalls für das menschliche Zusammenleben relevant, welches laut Cassirer durch die Sprache erst möglich gemacht wird. So soll die Sprache als gestaltende Kraft zuletzt in ihrem sozialen Kontext betrachtet werden.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1 Eine kurze Entwicklungsgeschichte der Sprachphilosophie
2 Erkenntnistheoretische Bezüge (Abgrenzung zu Kant)
3 Die Sprache als symbolische Form
3.1 Der Symbolisierungsprozess und seine Funktion
3.2 Anthropologische Bezüge
3.3 Die Sprache im sozialen Kontext
4 Fazit
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht das Konzept der menschlichen Sprache als symbolische Form bei Ernst Cassirer und analysiert, wie der Mensch durch diesen Prozess seine Weltbezüge und Wirklichkeit konstruiert, um Orientierung im Leben zu finden.
- Die erkenntnistheoretische Fundierung und Abgrenzung zu Immanuel Kant.
- Der Symbolisierungsprozess als stetige Tätigkeit des menschlichen Geistes.
- Der Vergleich zwischen Mensch und Tier sowie die Rolle der Sprache in der kindlichen Entwicklung.
- Die Funktion der Sprache als Voraussetzung für soziales Miteinander und Selbstbeherrschung.
Auszug aus dem Buch
Der Symbolisierungsprozess und seine Funktion
Da der Mensch durch den Akt der Symbolisierung die Welt ständig konstruiert, bestimmt Cassirer diese Tätigkeit als stetigen Prozess und kritisiert die bisherige Auffassung, die Sprache sei als Endprodukt zu betrachten. Es gehe vielmehr darum, ihre Energie zu verstehen. Um diesen Gedanken weiter ausführen zu können, sucht Cassirer den Zugang zur Bedeutung der Sprache in einer Tätigkeit des menschlichen Geistes, die der Symbolisierung notwendig bedarf. Er findet ihn im „Zusammenhang zwischen der Grundfunktion der Sprache und der Funktion des gegenständlichen Vorstellens“. Diese Funktion besteht darin, sich eine „Gegenstandswelt“ aufzubauen, eine Wirklichkeit zu konstruieren und sich in dieser zurechtzufinden.
Das erklärte Ziel der Symbolisierung sei also die Orientierung des Menschen in der Welt durch Objektivierung und Rationalisierung seines Weltbezugs. Letzterer setzt sich zusammen aus Emotionen, Wünschen, Anschauungen usw., von denen der Mensch sich mithilfe seiner Fähigkeit zur Formgebung und Symbolisierung distanzieren kann. Genauer spricht Cassirer hier von einer „geistigen Einheitsbildung“ durch Synthese, bei der die Vielfalt der gegenständlichen Erscheinungen und die damit verknüpften Eindrücke und Vorstellungen der Realität unter bestimmten Namen vereint und fixiert werden. Mit der Fixierung einer Vorstellung durch Namensgebung werden die verschiedenen Aspekte des betrachteten Gegenstandes in einer Einheit zusammengefasst. Dem Namen wird damit seine Funktion als „Kristallisationspunkt für die Mannigfaltigkeit der Vorstellungen“ zugeschrieben.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Es wird das Ziel verfolgt, Cassirers Konzept der Sprache als symbolische Form zu beleuchten, welches auf Kants Erkenntnistheorie aufbaut und die Sprache als konstitutive Kraft für die menschliche Wirklichkeit und soziale Interaktion darstellt.
1 Eine kurze Entwicklungsgeschichte der Sprachphilosophie: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über verschiedene sprachphilosophische Modelle von der Antike bis zur Gegenwart, wobei Cassirer sich kritisch mit rein magischen, pragmatischen oder evolutionsbiologischen Erklärungsansätzen auseinandersetzt.
2 Erkenntnistheoretische Bezüge (Abgrenzung zu Kant): Hier wird dargelegt, wie Cassirer an Kants kopernikanische Wende anknüpft, sich jedoch davon distanziert, indem er den Erkenntnisakt nicht als bloße Abbildung, sondern als originale Formungskraft versteht.
3 Die Sprache als symbolische Form: Das zentrale Kapitel analysiert den Symbolisierungsprozess als stetige geistige Tätigkeit, vergleicht menschliche Sprachbildung mit der tierischen Umweltwahrnehmung und untersucht die soziale sowie entwicklungspsychologische Bedeutung der Sprache.
4 Fazit: Die Arbeit fasst zusammen, dass Cassirers Philosophie durch die Synthese von Subjektivität und Objektivität in der Sprache einen einzigartigen Zugang zum Sinn menschlichen Handelns und Denkens ermöglicht.
Schlüsselwörter
Ernst Cassirer, Sprachphilosophie, symbolische Form, Symbolisierung, Erkenntnistheorie, Immanuel Kant, Objektivierung, Weltbezug, Anthropologie, kindliche Entwicklung, soziales Miteinander, Sinnstiftung, Bewusstsein, Struktur, Kultur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Projektarbeit untersucht Ernst Cassirers sprachphilosophischen Ansatz, in dem Sprache als eine „symbolische Form“ begriffen wird, durch die der Mensch seine Wirklichkeit konstruiert.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der erkenntnistheoretischen Herleitung (in Abgrenzung zu Kant), der Funktion der Symbolisierung für die Welterschließung und der Bedeutung der Sprache für das soziale Zusammenleben.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie Cassirer die Sprache als eine gestaltende Kraft definiert, die es dem Menschen ermöglicht, über seine rein affektive Bindung zur Umwelt hinaus eine objektive Welt zu konstruieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die Analyse und Interpretation philosophischer Primärtexte von Ernst Cassirer sowie ergänzende fachwissenschaftliche Literatur zur Philosophie der symbolischen Formen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Einordnung der Sprachphilosophie, die erkenntnistheoretische Einbettung in den Neukantianismus sowie eine detaillierte Ausarbeitung der Symbolisierungsfunktion, inklusive anthropologischer Vergleiche.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind „symbolische Form“, „Objektivierung“, „Kristallisationspunkt“, „Weltbezug“ und die „Konkreszenz“ im kindlichen Spracherwerb.
Warum kritisiert Cassirer die Betrachtung der Sprache als „Endprodukt“?
Cassirer betrachtet Sprache als einen „ewig fortlaufenden Prozess“ oder eine energetische Tätigkeit des Geistes; ein starres Produkt würde die lebendige, formgebende Kraft ignorieren, die hinter jedem Akt der Benennung steht.
Was bedeutet der „Namenshunger“ bei Kindern laut Cassirer?
Er beschreibt damit das kindliche Bedürfnis, die Welt durch die Verknüpfung von Namen und Objekten begrifflich zu erschließen und sich somit erstmals eine objektive Ordnung in der Umwelt zu schaffen.
Inwiefern unterscheidet sich die Weltwahrnehmung von Tier und Mensch?
Während Tiere laut Cassirer (unter Bezugnahme auf Uexküll) in einem geschlossenen Aktions- und Wirkungsraum gefangen sind, kann der Mensch durch symbolische Formen diesen Raum überschreiten und seine Umwelt objektiv reflektieren.
- Quote paper
- Kim Lang (Author), 2012, Ernst Cassirer: Die Sprache als symbolische Form, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/203739