Die Festlegung von Etiketten erleichtert auf den ersten Blick die Arbeit von Therapeuten, Polizisten und sonstigen Beamten - lassen sich dadurch „Problemkinder“ doch viel einfacher „handhaben“ und zukünftige Verhaltensweisen „zuverlässig voraussagen“. Dies kann aufgrund von fehlendem Verständnis für die Handlung der Jugendlichen weitreichende Konsequenzen für sie haben, nicht nur im Jetzt, sondern auch im späteren Leben.
Psychologen und Pädagogen gehen bei der Erklärung und Herangehensweise von „Problemen“ von unterschiedlichen Ansätzen aus: Während Erstere von „inneren Dispositionen“ ausgehen und immer noch (vergeblich) nach der Therapie „Eine für Alle“ forschen, suchen Pädagogen mehr im sozialen Umfeld nach einer „individuelleren“ Erklärung.
Welche Konsequenzen kann das für die Jugendlichen haben? Dies soll anhand von Vergleichen verschiedener Texte aus psychologischen Lehrbüchern und Fachzeitschriften unter Berücksichtigung der Etikettierunsperspektive, welche die „Probleme“ anders sieht, dargestellt werden.
Inhaltsverzeichnis
- Vorwort.
- Evi Crotti und Kinderzeichnungen
- Erklärungen mit DSM-IV
- Vergleich beider Erklärungen
- Schlusswort
- Literaturverzeichnis
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Der Text analysiert zwei unterschiedliche Ansätze zur Erklärung von „abweichendem Verhalten" und deren Auswirkungen auf die Betroffenen. Der erste Ansatz basiert auf der Interpretation von Kinderzeichnungen nach Evi Crotti, der zweite auf der Diagnose von „Verhaltensstörungen" gemäß DSM-IV. Der Text beleuchtet die potenziellen Gefahren der Kategorisierung und Etikettierung sowie die Frage nach dem „Warum" hinter dem „abweichenden" Verhalten.
- Kritik an der Interpretation von Kinderzeichnungen nach Evi Crotti
- Analyse der Diagnostik von „Verhaltensstörungen" gemäß DSM-IV
- Vergleich der beiden Ansätze und deren Auswirkungen
- Die Bedeutung der Frage nach dem „Warum" hinter dem Verhalten
- Die Gefahren der Kategorisierung und Etikettierung von Menschen
Zusammenfassung der Kapitel
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Das Vorwort stellt die Ausgangssituation dar: die Suche nach professionellen Hilfestellungen in Erziehungsfragen im Internet und die Problematik schnell erarbeiteter „Erkenntnisse" über Kinder. Der Text kritisiert die Verwendung von „praktischen Tests" und „Checklisten" zur Beurteilung von Kindern und deren potenziellen Folgen für die Entwicklung des Kindes, die Eltern und die Lehrer.
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Dieses Kapitel analysiert das Buch „Kinderzeichnungen richtig deuten" von Evi Crotti. Der Text kritisiert die willkürliche Interpretation von Kinderzeichnungen und deren Verallgemeinerung auf den Charakter und Gemütszustand des Kindes. Die Autorin behauptet, dass Kinderzeichnungen den „Schlüssel zur Seele" des Kindes enthüllen, und stellt Behauptungen wie „Ist (der Rumpf ungewöhnlich klein oder kurz, dann leidet das Kind unter Minderwertigkeitskomplexen". Der Text argumentiert, dass diese Interpretationen stark klischeehaft sind und die individuelle Entwicklung des Kindes nicht berücksichtigen.
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Dieses Kapitel analysiert die Methode zur Diagnose von „Verhaltensstörungen" DSM-IV. Der Text kritisiert die Kategorisierung und Schubladendenken, die in DSM-IV zum Ausdruck kommen. Die Definitionen von „Verhaltensstörungen" basieren auf „Verstößen" gegen „soziale Normen und Regeln", die oft willkürlich und ungenau definiert sind. Der Text kritisiert die fehlende Berücksichtigung des „Warum" hinter dem Verhalten und die potenziellen Folgen der Etikettierung als „sozial gestört".
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Dieses Kapitel vergleicht die beiden Ansätze von Evi Crotti und DSM-IV und kritisiert die Verwendung von standardisierten „Checklisten" zur Beurteilung von Menschen. Der Text argumentiert, dass diese Ansätze die „Individualität" des Menschen vergessen und die „Verdinglichung" des Menschen fördern. Der Text betont die Wichtigkeit der Frage nach dem „Warum" hinter dem Verhalten und die Notwendigkeit, die „Gründe" für das „abweichende" Verhalten zu verstehen, um eine effektive Rehabilitation zu ermöglichen.
Schlüsselwörter
Die Schlüsselwörter und Schwerpunktthemen des Textes umfassen Kinderzeichnungen, DSM-IV, „abweichendes Verhalten", Kategorisierung, Etikettierung, Individualität, „Verdinglichung", Frage nach dem „Warum", Rehabilitation, Gewalt, „soziale Normen", „Verhaltensstörungen".
Häufig gestellte Fragen
Welche Gefahr birgt die Etikettierung von Jugendlichen?
Etiketten wie "Problemkind" können weitreichende Konsequenzen haben, da sie das Verständnis für die tatsächlichen Gründe des Verhaltens erschweren und die Zukunft des Jugendlichen belasten.
Was kritisiert der Text an Evi Crottis Interpretation von Kinderzeichnungen?
Die Kritik richtet sich gegen die willkürliche und klischeehafte Deutung (z.B. kleiner Rumpf = Minderwertigkeitskomplex), die die individuelle Entwicklung ignoriert.
Was ist das Problem bei Diagnosen nach DSM-IV?
DSM-IV kategorisiert Verhaltensstörungen oft nur nach Verstößen gegen soziale Normen, ohne nach dem "Warum" hinter dem Verhalten zu fragen.
Wie unterscheiden sich psychologische und pädagogische Ansätze?
Psychologen suchen oft nach inneren Dispositionen, während Pädagogen eher das soziale Umfeld für Erklärungen heranziehen.
Was bedeutet "Verdinglichung" des Menschen in diesem Kontext?
Es beschreibt die Reduzierung eines Individuums auf eine Diagnose oder eine Checkliste, wodurch die menschliche Einzigartigkeit verloren geht.
- Arbeit zitieren
- Frederic Krassowka (Autor:in), 2008, Gefährliche und gefährdete Jugend, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/203699