Stefan Georges Lyrik wurde mit vielen Attributen beschrieben; immer wiederkehrend erscheinen »formstreng« und »mythisiert«, wie sie auch Sven Brömsel anführt. Diesen wird im Folgenden nachgegangen, wie auch der Frage, an welchen großen Dichtern und Epochen er sich
orientierte. Eine Gegenüberstellung von George und Friedrich Schiller, anhand von H. Stefan Schultzes Studie, wird zudem prägnante Aspekte zum Verständnis der Ästhetik des Ersteren liefern. Der Fokus dieser Untersuchung liegt nicht auf der Exegese von Georges Lyrik, sondern nimmt diese als Ausgangspunkt für einen Blick auf sein Verständnis von Ästhetik und eine mögliche Entwicklung zum Ästhetizismus, hinsichtlich dessen ein Beitrag von Annette Simonis herangezogen wird.
Inhaltsverzeichnis
1. EINFÜHRUNG
2. VON DER KUNST STEFAN GEORGES
2.1 Formstrenge
2.2 Mythisierung
2.3 Nachbarschaft mit Schiller
3. ZUM ÄSTHETIZISMUS STEFAN GEORGES
3.1 Begriff des Ästhetizismus
3.2 Exkurs: Ästhetischer Fundamentalismus
4. ERGEBNISSE
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht das künstlerische Selbstverständnis von Stefan George und analysiert die Entwicklung seiner ästhetischen Auffassungen hin zum Ästhetizismus. Dabei wird der Frage nachgegangen, inwiefern seine Theoriebildung und sein elitäres Künstlerbild in einen ästhetischen Fundamentalismus münden und welche Rolle dabei die soziale Abgrenzung sowie der Einfluss antiker Vorbilder spielen.
- Die Analyse der formalen Strenge und Musikalität in Georges Lyrik.
- Die mythische Dimension und die griechische Inspiration in seinem Gesamtwerk.
- Die komparative Betrachtung der Ästhetik von Stefan George und Friedrich Schiller.
- Die soziale Komponente der elitären Abgrenzung durch den "George-Kreis".
- Die Einordnung der Georgeschen Ästhetik in den historischen Kontext des Ästhetizismus.
Auszug aus dem Buch
2.1 Formstrenge
In seinem Aufsatz »Gadamers poetische Ästhetik im Blick auf Stefan George« nennt Sven Brömsel das Stichtwort »Musikalität« und führt aus: »Um die letzte Jahrhundertwende versuchte Stefan George, an die Tradition einer Wort- und Klangeinheit des Altertums anzuknüpfen. […] Die Georgesche Schule wollte die Sprache wieder mit Musik anfüllen und auf eine verschüttgegangene Einheit von Maß, Klang und Sinn im Worte verweisen.« (Brömsel, S. 609) Eine dezidiert musikalische Motivation ist bei George selbst – zumindest in seinen Ausführungen »Über Dichtung« – nicht dargelegt, doch erscheint dies nicht fern, wenn George die Wichtigkeit des Rhythmus' hervorhebt, wobei die Verwendung dieses musikalischen Terminus' schon darauf hindeutet.
Der Lyrik Georges ist eine gewisse Musikalität inhärent, ein Blick auf sein gesamtes Œvre zeigt an vielen Stellen Sänge und Lieder auf, die mitunter musikalisch interpretiert wurden, wie von Arnold Schönberg. Warum aber war George an dieser Eigenschaft gelegen? Die Beziehung zwischen Metrik und Klang scheint darüber Aufschluss geben zu können.
Anhand von Georges eigener Dichtung lässt sich die Entsprechung seiner Vorgaben an Form und Maß durchaus unproblematisch untermauern, wie ein erneuter Blick auf sein »Gezeiten«-Gedicht und dessen strenge Metrik belegt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINFÜHRUNG: Diese Einleitung führt in die Lyrik von Stefan George ein und umreißt die methodische Herangehensweise sowie die zentrale Fragestellung der Arbeit.
2. VON DER KUNST STEFAN GEORGES: Dieses Kapitel analysiert Georges ästhetische Grundpfeiler, insbesondere das Spannungsfeld zwischen Formstrenge, Rhythmik und dem inhaltlichen Anspruch an die Dichtung.
2.1 Formstrenge: Der Fokus liegt hier auf der Bedeutung von Musikalität und metrischer Strenge im Werk Georges als Reaktion auf die poetischen Traditionen des Altertums.
2.2 Mythisierung: Das Kapitel beleuchtet Georges Bewunderung für Jean Paul und die antike Mythologie, die als Vorbild für sein künstlerisches "mythologisches Sehen" dienen.
2.3 Nachbarschaft mit Schiller: Hier wird der Vergleich zu Friedrich Schiller gezogen, um Gemeinsamkeiten und Differenzen im Hinblick auf das Kunstverständnis und die gesellschaftliche Rolle des Dichters aufzuzeigen.
3. ZUM ÄSTHETIZISMUS STEFAN GEORGES: Dieses Kapitel widmet sich der Einordnung von Georges Werk in den Kontext des Ästhetizismus und diskutiert dessen Auswirkung auf die Lebenswelt.
3.1 Begriff des Ästhetizismus: Die theoretische Fundierung des Ästhetizismus wird erläutert und auf Georges Schaffen übertragen, insbesondere hinsichtlich der "gewollten Künstlichkeit".
3.2 Exkurs: Ästhetischer Fundamentalismus: Dieser Abschnitt untersucht das radikale Streben Georges, Kunst zur Religion zu erheben und seinen Einfluss auf den George-Kreis zu institutionalisieren.
4. ERGEBNISSE: Das abschließende Kapitel resümiert die Untersuchung und führt die Erkenntnisse zur Absolutsetzung der Ästhetik bei Stefan George zusammen.
Schlüsselwörter
Stefan George, Ästhetizismus, Formstrenge, Literaturwissenschaft, Ästhetik, George-Kreis, Friedrich Schiller, Mythologisierung, Musikalität, Moderne, Lyrik, Ästhetischer Fundamentalismus, Poetologie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht das künstlerische Programm und das ästhetische Selbstverständnis von Stefan George sowie dessen Einfluss auf sein literarisches Schaffen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der formalen Strenge der Lyrik, der Rolle des Mythos, dem Vergleich mit Friedrich Schiller und der soziologischen Dimension des George-Kreises.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu ergründen, wie Stefan George von einer rein formalen Ästhetik zu einem umfassenden Ästhetizismus gelangte und welche Konsequenzen dies für seine Rolle als Dichter hatte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die Gedichtexegesen mit theoretischen Diskursen sowie soziologischen Ansätzen (insbesondere von Stefan Breuer) verbindet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Formstrenge, die mythische Dimension und die Parallelen zu Schiller, gefolgt von einer Auseinandersetzung mit dem Begriff des Ästhetizismus und des ästhetischen Fundamentalismus.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind Stefan George, Ästhetizismus, Formstrenge, Ästhetischer Fundamentalismus und der kulturelle Kontext der Jahrhundertwende.
Welche Rolle spielt der Vergleich mit Friedrich Schiller?
Schiller dient als Folie, um Georges Positionierung des Dichters und dessen "aristokratisches" Kunstverständnis besser konturieren zu können.
Was bedeutet der "Exkurs: Ästhetischer Fundamentalismus" konkret?
Der Exkurs zeigt auf, wie George durch absolute ästhetische Normen soziale Entscheidungen erzwang und seinen Kreis durch ein "Blätter-Signet" ideologisch festigte.
- Arbeit zitieren
- René Ferchland (Autor:in), 2011, Von der Kunst zum Ästhetizismus Stefan Georges, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/203691