Die bürgerliche Gesellschaft, schon immer unkritisch staatstragend gewesen, scheute sich auch stets sich selbst der Kunst zu öffnen.
Vorurteile und Vorverurteilungen der Kunst als zunächst analytischen Prozeß sorgen dafür, daß sich der Bürger auf die Kunst gar nicht erst einläßt, um sich Denkanstößen durch die Kunst zu verweigern, damit er sein gewohntes Lebensmuster nicht aufzugeben braucht.
Inhaltsverzeichnis
Wider die Widerlichkeit
Kunst, Revolte und Bürgertum
Kulturelles Desinteresse und Verweigerungshaltung als Selbstschutz
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Spannungsfelder zwischen der bürgerlichen Gesellschaft und der künstlerischen Avantgarde. Sie analysiert, wie der Bürger aus Selbstschutz und zur Wahrung seiner Identität den Zugang zu kritischen, künstlerischen Diskursen verweigert, um sein etabliertes, auf Konventionen und Konsum basierendes Weltbild zu stabilisieren.
- Die Konstruktion und Verengung des bürgerlichen Identitätsbegriffs
- Die Rolle der Kunst als gesellschaftlicher Reflektor vs. bürgerliche Erwartungshaltung
- Mechanismen der Abwehr und infantilisierenden Marginalisierung von Kunst
- Die ökonomische Logik als Fundament der kulturellen Verweigerungshaltung
- Der Einfluss von Entfremdung und Angst vor dem sozialen Abstieg auf die Rezeption
Auszug aus dem Buch
Kulturelles Desinteresse und Verweigerungshaltung als Selbstschutz
„Das ist ja nur ein Hobby“ lächelt der Bürger mit gütig- milder Verachtung spätestens in der Museumsbuchhandlung beim Blick auf ausliegende Theoriewerke, die er in seinem beschränkten Horizont als Selbstbeschäftigungsmaßnahme für seiner Meinung nach „gescheiterte Existenzen“ betrachtet. Das sind all jene, die sogenannte „brotlose Kunst“ studiert haben und vom Bürger gern im langzeitstudentischen Stereotypen der philosophischen Fakultät charakterisiert werden, also Geisteswissenschaftler, sprich jene, die Kultur nicht nur konsumieren, sondern analysieren, die Rezeption, geistige Grundlagen und Werdegang der Kultur wissenschaftlich begreifen und bearbeiten. Daß deren Arbeiten zumeist den geistigen Horizont des Bürgers übersteigen liegt dabei aber nicht etwa an seiner natürlichen Dummheit, sondern an seiner häufig sogar durch sich selbst anerzogenen! Geisteswissenschaftliche Arbeiten zu Ästhetik, Kunstbegriff oder Strömungen in der Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen wollen einfach nicht in seinen festgefahrenen Kunstbegriff passen. Sie gönnen sich die Faulheit, ebendiesen gar nicht erst revidieren zu müssen, wissen sie ja schließlich was gut und schlecht und schön und scheiße ist. Sie brauchen dazu keine Theoretiker, in ihren Augen ohnehin wirtschaftlich nutzlose Existenzen, deren Degradierung allerdings nicht nur auf der bürgerlichen Faulheit beruht, sondern auf einer der Hauptgrundlagen der bürgerlichen Gesellschaft schlechthin, dem Produktionsprozeß.
Zusammenfassung der Kapitel
Wider die Widerlichkeit: Dieses Kapitel legt die theoretischen Grundlagen dar, indem es die bürgerliche Identität als ein auf das „Haben“ statt auf das „Sein“ ausgerichtetes Konstrukt definiert, das sich gegen tiefgreifende gesellschaftliche Hinterfragungen abschirmt.
Kunst, Revolte und Bürgertum: Hier werden die Merkmale einer bürgerlichen Gesellschaftsordnung skizziert, die Kultur auf Freizeit und Konsum reduziert und eine genuine Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit durch die Etablierung einer Scheinwelt vermeidet.
Kulturelles Desinteresse und Verweigerungshaltung als Selbstschutz: Dieses Kapitel analysiert die Abwehrmechanismen des Bürgertums gegenüber der Kunst, welche als Bedrohung für das eigene, auf Konventionen und den Produktionsprozess ausgerichtete Weltbild wahrgenommen wird.
Schlüsselwörter
Bürgerliche Gesellschaft, Kunstverständnis, Identität, Selbstschutz, Entfremdung, Konsum, Produktionsprozess, Avantgarde, Gesellschaftsanalyse, Identitätskrise, Repräsentation, Populärkultur, Emotionalität, Rationalismus, Künstlertum
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die ablehnende Haltung des Bürgertums gegenüber kritischer Kunst und reflektiert, welche psychologischen und gesellschaftlichen Mechanismen dazu führen, dass der Bürger sich aktiv gegen horizonterweiternde künstlerische Impulse abschirmt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die bürgerliche Identitätsbildung, das Spannungsfeld zwischen Kunst und ökonomischem Produktionszwang, die Angst vor sozialem Abstieg sowie die bewusste Verweigerung einer tiefgründigen Auseinandersetzung mit der eigenen Existenz.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, das „Paradoxon der Abwehr“ aufzudecken: Warum der Bürger, obwohl er kulturelle Events besucht, eine tiefere, sein eigenes Sein hinterfragende Auseinandersetzung mit der Kunst vermeidet und diese stattdessen als kindlich oder irrelevant marginalisiert.
Welche wissenschaftliche Perspektive wird verwendet?
Der Text nutzt kulturwissenschaftliche, soziologische und philosophische Ansätze. Dabei werden unter anderem Heidegger, Gadamer, Habermas und die „Theorie der Avantgarde“ von Peter Bürger als theoretische Bezugspunkte herangezogen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil wird detailliert auf die Strategien eingegangen, mit denen der Bürger Kulturschaffende diskreditiert, die Rolle der Sprache und Floskeln im Alltag betrachtet und die Auswirkungen der „amerikanischen Lebensauffassung“ auf die postmoderne Identitätsbildung analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Identität, Selbstschutz, bürgerliche Konventionen, Entfremdung, Konsumorientierung und die kritische Distanz der Kunst zur Gesellschaft.
Wie bewertet der Autor die Rolle des „Künstlers“ in der bürgerlichen Welt?
Der Autor sieht den Künstler als eine Art „Paria“, der die Strukturen der Gesellschaft zwar erkannt hat, jedoch durch seine kritische Distanz und Weigerung, sich dem reinen Profitdenken zu unterwerfen, vom bürgerlichen Mainstream als „nutzlos“ oder „infantil“ ausgegrenzt wird.
Welche Bedeutung kommt der „Pflicht zur Repräsentation“ zu?
Die Pflicht zur Repräsentation wird als eine psychologische Schranke beschrieben, die den Bürger dazu zwingt, ein nach außen gerichtetes Bild seiner selbst aufrechtzuerhalten, welches keine Brüche durch ehrliche Selbstreflexion zulässt.
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- Alexander Schleyer (Author), 2012, Wider die Widerlichkeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/203495