Keine Sportart besitzt in Deutschland eine derart hohe Popularität und dementsprechend auch mediale Präsenz wie der Fußball.
Für eine optimale Verständigung über alles auf und um den Fußballplatz entwickelte diese Sportart seine eigenen sprachlichen Besonderheiten aus, die sich mehr oder weniger stark von der Allgemeinsprache unterscheiden. So besitzt die Fußballsprache beispielsweise syntaktische, morphologische und lexikalische Eigenarten, weshalb sie auch für Sprachwissenschaftler von Interesse ist. In dieser Arbeit lege ich meinen Fokus auf die Lexik, speziell auf den Gebrauch sprachlicher Bilder, innerhalb der Fußballberichterstattung.
Der Begriff des sprachlichen Bildes wird innerhalb der Forschung unterschiedlich genutzt. Ich fasse darunter die Metaphern und die Similes, d. h. eine bestimmte Art von Vergleichen. Aussagen, wie „‚Wer hinten so offen ist, kann nicht ganz dicht sein’ (Werner Hansch)“ oder „‚Da kam dann das Elfmeterschießen. Wir hatten alle die Hosen voll, nur bei mir lief’s ganz flüssig’ (Paul Breitner)“ (Sick 2006, 86), arbeiten mit bestimmten Metaphern, die in diesem Fall durch ihre zweideutigen Lesarten zur – wahrscheinlich unbeabsichtigten – Belustigung des Rezipienten beitragen. Metaphern bzw. sprachliche Bilder können aber weitaus mehr leisten, als nur zu unterhalten. Vielmehr geben sie einen Einblick darin, wie wir uns bestimmte Bereiche, wie zum Beispiel den Fußball, kognitiv verfügbar machen. So verstehen wir diesen nicht nur als einen bestimmten Mannschaftssport, sondern wir sehen ihn vielmehr im Licht anderer, meist alltäglicher(er) Bereiche. Welches diese Bereiche sind und wie häufig sie im Einzelnen in Printmedientexten der Sportberichterstattung genutzt werden, um beim Leser ein bestimmtes Bild vom Fußball zu erzeugen, ist die Hauptfragestellung meiner Arbeit.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Sprachliche Bilder
2.1 Metaphern nach Lakoff/Johnson
2.1.1 Die Kognitive Linguistik als Rahmen der Metapherntheorie
2.1.2 Das Wesen der Metapher
2.1.3 Arten von Metaphern
2.1.3.1 Konventionalisierte Metaphern
2.1.3.2 Unkonventionelle Metaphern
2.1.3.2.1 Kreative Metaphern
2.1.3.2.2 Innovative Metaphern
2.1.4 Erkennen und Verstehen von Metaphern
2.2 Vergleiche
2.2.1 Das Wesen der Vergleiche
2.2.2 Arten von Vergleichen nach Ortony
2.2.2.1 Vergleiche im engeren Sinne
2.2.2.2 Similes
2.3 Leistungen und Funktionen von sprachlichen Bildern
2.3.1 Textextern
2.3.2 Textintern
2.4 Abgrenzung zu ähnlichen sprachlichen Mitteln
3. Die Schema-Theorie
3.1 Definition
3.2 Arten
3.2.1 Objektschemata
3.2.2 Ereignisschemata
4. Fußballberichterstattung
4.1 Stellung der Sportsprache im Gesamtsystem der Sprache
4.1.1 Kategorien der Sportsprache
4.1.1.1 Fachterminologie
4.1.1.2 Fachjargon
4.1.1.3 Reportsprache
4.2 Medienarten der Sportberichterstattung
4.2.1 Printmedien
4.2.1.1 Arten
4.2.1.1.1 Tageszeitungen
4.2.1.1.2 Fachzeitschriften
4.2.1.2 Textsorten
4.2.2 Fernsehen
4.2.3 Hörfunk
4.2.4 Internet
4.3 Sprachliche Besonderheiten der Fußballsprache
5. Empirische Untersuchung
5.1 Leitfragen und Textkorpus
5.2 Methodisches Vorgehen
5.3 Untersuchungsergebnisse
5.3.1 KRIEGSWESEN/KAMPF
5.3.2 GLAUBE
5.3.3 KUNST
5.3.4 MEDIZIN
5.3.5 WIRTSCHAFT
5.3.6 TECHNIK
5.3.7 HANDWERK
5.3.8 STAATSWESEN
5.3.9 RECHTSWESEN
5.3.10 REISE
5.3.11 NATUR
5.3.12 SPORT und SPIEL
5.3.13 ALLTAG
5.3.14 GEISTESTÄTIGKEIT
5.3.15 EMOTION
5.3.16 MATERIELLES
5.4 Diachrone Auswertung der Ergebnisse
5.4.1 Quantitative Verteilung
5.4.2 Kreativer Umgang
6. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Masterarbeit untersucht den Gebrauch sprachlicher Bilder in der deutschen Fußballberichterstattung in Printmedien. Die zentrale Forschungsfrage ist, welche bildhaften Ausdrücke verwendet werden, um den Fußball kognitiv zugänglich zu machen, wie sich dieser Sprachgebrauch diachron über den Zeitraum von 1954 bis 2010 verändert hat und inwieweit dabei eine kreative Sprachentwicklung feststellbar ist.
- Kognitive Metapherntheorie und Schema-Theorie
- Sprachliche Besonderheiten der Fußball-Reportsprache
- Diachrone Analyse von Sportberichterstattung in FAZ und Süddeutscher Zeitung
- Kategorisierung und Untersuchung von Metaphern und Vergleichen
- Untersuchung von Innovationsgrad und Kreativität im Sprachgebrauch
Auszug aus dem Buch
2.1.2 Das Wesen der Metapher
Lakoff/Johnson stellen heraus, dass die Metaphern nicht nur in Gedichten oder Dramentexten zu finden sind, sondern vielmehr omnipräsent sind und daher als Bestandteil unserer Alltagssprache angesehen werden müssen (vgl. Lakoff/Johnson 2008, 11). Aus diesem Grund werden die Metaphern oft nicht als solche wahrgenommen und unbewusst produziert.
Lakoff/Johnson definieren die Metapher folgendermaßen:
Das Wesen der Metapher besteht darin, dass wir durch sie eine Sache oder einen Vorgang in Begriffen einer anderen Sache bzw. eines anderen Vorgangs verstehen und erfahren können. (ebd., 13)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung etabliert die Popularität und Tradition des Fußballs und definiert den Fokus auf die Lexik und sprachliche Bilder in der Fußballberichterstattung.
2. Sprachliche Bilder: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen von Metaphern und Vergleichen (Similes) sowie deren Funktionen und Abgrenzung zu anderen sprachlichen Mitteln.
3. Die Schema-Theorie: Es wird die Schema-Theorie als kognitionspsychologisches Modell eingeführt, um zu erklären, wie menschliches Wissen über Objekte und Ereignisse organisiert ist.
4. Fußballberichterstattung: Das Kapitel verortet die Sportsprache im Gesamtsystem und differenziert zwischen Fachterminologie, Fachjargon und Reportsprache in verschiedenen Medien.
5. Empirische Untersuchung: Hier wird das Textkorpus (FAZ und SZ, WM-Berichte 1954-2010) beschrieben und die Analyse der sprachlichen Bilder nach Ursprungsbereichen durchgeführt.
6. Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und diskutiert diachrone Tendenzen sowie die methodischen Herausforderungen der Untersuchung.
Schlüsselwörter
Fußball, Fußballberichterstattung, Metaphern, Similes, kognitive Linguistik, Lakoff, Johnson, Schema-Theorie, Reportsprache, Lexik, Sprachwandel, diachrone Analyse, Sport, Printmedien, Kreativität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie sprachliche Bilder (Metaphern und Vergleiche) in der deutschen Print-Fußballberichterstattung genutzt werden, um das Spielgeschehen kognitiv zu strukturieren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit verknüpft kognitive Linguistik, speziell die Metapherntheorie nach Lakoff und Johnson, mit der Sportpublizistik und der Schema-Theorie.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Verwendung und diachrone Entwicklung sprachlicher Bilder in der Fußballberichterstattung zwischen 1954 und 2010 zu analysieren und deren Funktionen zu beleuchten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine empirische Analyse von Zeitungsartikeln (FAZ und SZ) durchgeführt, um sprachliche Bilder zu identifizieren, in Ursprungsbereiche zu kategorisieren und deren Innovationsgrad zu bewerten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen zu sprachlichen Bildern und Schemata, eine Einordnung der Fußballberichterstattung sowie die empirische Untersuchung der 54 ausgewählten Zeitungsartikel.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Fußball, Metaphern, kognitive Linguistik, Reportsprache, Diachronie, Schema-Theorie und Sportberichterstattung.
Warum spielt der Begriff "Schema" in der Analyse eine Rolle?
Schemata dienen als methodisches Werkzeug, um das Verständnis von komplexen Ereignisabläufen (wie dem Fußballspiel) in der Analyse zu strukturieren und einzuordnen.
Wie unterscheidet die Autorin zwischen "kreativen" und "innovativen" Metaphern?
Kreative Metaphern erweitern bekannte konzeptuelle Konzepte, während innovative Metaphern völlig neue Ursprungsbereiche mit einem Zielbereich verknüpfen und somit schwerer zu deuten sind.
Welche diachrone Entwicklung wurde in Bezug auf die Kreativität festgestellt?
Die Analyse zeigt tendenziell eine Abnahme der Kreativität im Sprachgebrauch über die Jahre, was die Autorin teilweise mit dem Textsortenwandel und der gestiegenen Bedeutung visueller Medien erklärt.
- Arbeit zitieren
- Anna Hermann (Autor:in), 2012, Von "Ballkünstlern" und "Zweikämpfen", München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/203399