Die Bedeutung der Beschaffung für ein Unternehmen hat sich in den letzten Jahren, besonders nach der Wirtschaftskriese, stark verändert. Zunehmender Wettbewerbsdruck durch die Globalisierung, steigende Kundenanforderungen und dynamischere Märkte erhöhen kontinuierlich die Anforderungen, die an die Unternehmen gestellt werden. Seit Beginn der 90er Jahre ist ein Trend zu Kooperationen zwischen Unternehmen und Lieferanten erkennbar.
Dort wo früher „Einkäufer“ oder „Bestellabwickler” tätig waren, dessen klassische Aufgaben darin bestanden Preisverhandlungen zu führen, eingehende Lieferungen zu prüfen oder zum Abschluss die Rechnungen zu buchen, dort findet sich heute ein „Lieferantenmanagement“.
Unternehmen haben erkannt, dass bei der Auswahl und den Verhandlungen mit Lieferanten nicht nur der Preis im Vordergrund steht, sondern die Bedeutung des Lieferanten für die gesamte Wertschöpfungskette.
Dass Lieferanten, eine hohe Bedeutung für die Wertschöpfungskette haben, zeigt die Tatsache, dass der Wert, der von der Beschaffung zugekauften Waren, Güter und Leistungen bei durchschnittlich 42 Prozent des Unternehmensumsatzes liegt. Der Zukaufanteil produzierender Unternehmen in Relation zum Umsatz liegt bei etwa 55%, in der Automobilindustrie kann der Anteil sogar bis zu 80% betragen.
Modernes Beschaffungsmanagement zeichnet sich daher durch die Etablierung strategischer Partnerschaften und langfristiger Beziehungen mit den besten Lieferanten aus. Es wird auch von einem systematischen Beziehungsmanagement gesprochen, dabei verschieben sich die Einkaufshandlungsfelder von „situativ taktisch“ zu „langfristig strategisch“.
Konsequentes Lieferantenmanagement dient also nicht nur der Kostenoptimierung, sondern soll vielmehr durch gemeinsame Erfolge bei der Qualität, beim Service, bei Innovationen und rechtzeitige Markteinführung den Kundenwert maximieren und die Wettbewerbsfähigkeit steigern. [...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Einführung in das Thema „Lieferantenmanagement“
1.2 Zielsetzung
1.3 Vorgehensweise
2. Grundlagen des Lieferantenmanagements
2.1 Begriffsdefinition „Lieferantenmanagement“
2.2 Ziele des Lieferantenmanagements
3. Aufbau des Lieferantenmanagements
3.1 Lieferantenidentifikation
3.2 Lieferanteneingrenzung
3.3 Lieferantenanalyse
3.4 Lieferantenbewertung
3.5 Lieferantenauswahl
3.6 Lieferantencontrolling
3.7 Steuerung der Lieferantenbeziehungen
4. Lieferantenmanagement in der Praxis
4.1 Typologien der Lieferanten
4.2 Anpassung des Lieferantenmanagements an die verschiedenen Lieferantentypen mit Hilfe der ABC-Analyse
4.3 Entwicklungsstrategien der Lieferanten
4.3.1 Vom Teilefertiger zum Produktionsspezialisten
4.3.2 Vom Teilefertiger zum Entwicklungspartner
4.3.3 Vom Teilefertiger zum Wertschöpfungspartner
5. Resümee und zukünftige Entwicklung
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Ziel dieser Arbeit ist es, das Lieferantenmanagement als essenziellen Bestandteil des modernen Beschaffungsmanagements zu definieren und dessen strukturellen Aufbau aufzuzeigen. Dabei liegt ein besonderer Fokus auf der praktischen Anwendung, insbesondere der Anpassung von Managementstrategien an unterschiedliche Lieferantentypen mittels der ABC-Analyse sowie der Aufarbeitung von Entwicklungsstrategien für Lieferanten.
- Bedeutung der Beschaffung für die Wertschöpfungskette
- Strukturierung der sieben Teilprozesse des Lieferantenmanagements
- Typologie der Lieferanten nach Horst Wildemann
- Anwendung der ABC-Analyse zur Differenzierung von Lieferanten
- Entwicklungsstrategien vom Teilefertiger zum Wertschöpfungspartner
Auszug aus dem Buch
4.2 Anpassung des Lieferantenmanagements an die verschiedenen Lieferantentypen mit Hilfe der ABC-Analyse
Nachdem zuvor die verschiedenen Lieferantentypen klassifiziert worden sind, ist es wichtig die Lieferanten in eine Rangfolge zu bringen. Die gängige Methode stellt die ABC-Analyse dar. Dieses Verfahren hilft bei der Bestimmung der Wichtigkeit der einzelnen Lieferantentypen und somit bei der Anpassung des Lieferantenmanagements. Mit ihr ist es möglich, ein wahrheitsgetreues Bild der Ist-Situation zu erstellen und somit Wesentliches von Unwesentliches zu trennen, Rationalisierungsschwerpunkte zu erkennen, die Wirtschaftlichkeit zu steigern und wichtige Entscheidungen zu treffen. Mit Hilfe der ABC-Analyse werden die Lieferanten entsprechend ihres prozentualen Anteils am Einkaufsvolumen in A-, B- und C-Lieferanten unterteilt.
A-Lieferanten sind die wichtigsten Lieferanten mit dem höchsten Einkaufsvolumen. Abnehmer haben durch sie einen Großteil ihres Umsatzes, daher müssen sie bevorzugt behandelt werden. Die Anehmer-Lieferanten-Beziehung ist sehr eng. Die Entwicklung einer strategischen Partnerschaft hat in dieser Kategorie eine besondere Bedeutung, es handelt sich zumeist um Wertschöpfungspartner und Entwicklungspartner. Nach dem Pareto-Prinzip werden idealerweise mit nur 20 Prozent der Lieferanten 80 Prozent des Umsatzes erzielt.
B-Lieferanten sind mittelwichtig für ein Unternahmen. Ca. 20 bis 30 Prozent der Zulieferer entfallen auf diese Kategorie. Mit ihnen werden 10 bis 25 Prozent des Einkaufumsatzes erzielt. Es herrschen normalerweise weniger ausgeprägte Beziehungen zu diesen Lieferanten.
C-Lieferanten stellen die mengenmäßig größte Fraktion dar. In Klasse C sind ca. 70 bis 80 Prozent der Zulieferer enthalten. Sie generieren nur einen geringen Umsatz von ca. 5 bis 15 Prozent des gesamten Einkaufsvolumens. Beziehungen zu diesen Lieferanten, zu ihnen zählen beispielsweise die Teilefertiger, sind nicht sehr ausgeprägt. In dieser Klasse stehen Einkaufsfunktionen, wie Preisverhandlung und Logistik im Vordergrund.
Wenn es einem Unternehmen gelingt die unterschiedlichen Lieferantentypen optimal zu managen, ist dies ein entscheidender Erfolgsfaktor. Die ABC-Analyse hilft dabei das Verhältnis zwischen Aufwand und Ertrag sichtbar zu machen und gibt einem Abnehmer damit die Möglichkeit leichter Entscheidungen für die zukünftige Strategie zu ziehen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung erläutert die veränderte Bedeutung der Beschaffung in Unternehmen aufgrund globaler Märkte und definiert die Zielsetzung sowie das methodische Vorgehen der Arbeit.
2. Grundlagen des Lieferantenmanagements: Hier wird der Begriff Lieferantenmanagement definiert und in den Beschaffungsprozess eingeordnet, ergänzt durch eine Darstellung der operativen und strategischen Ziele.
3. Aufbau des Lieferantenmanagements: Dieses Kapitel detailliert die sieben zentralen Teilprozesse des Lieferantenmanagements, angefangen bei der Identifikation bis hin zur Steuerung der Beziehungen.
4. Lieferantenmanagement in der Praxis: Hier wird die praktische Anwendung beleuchtet, indem Lieferantentypen klassifiziert, mittels ABC-Analyse differenziert und spezifische Entwicklungsstrategien aufgezeigt werden.
5. Resümee und zukünftige Entwicklung: Das Schlusskapitel fasst die Ergebnisse zusammen und gibt einen Ausblick auf künftige Trends wie Global Sourcing und die digitale Prozessvernetzung.
Schlüsselwörter
Lieferantenmanagement, Beschaffungsmanagement, Wertschöpfungskette, ABC-Analyse, A-Lieferanten, C-Lieferanten, Teilefertiger, Produktionsspezialist, Entwicklungspartner, Wertschöpfungspartner, Global Sourcing, Strategische Partnerschaft, Kostenführerschaft, Beschaffungsstrategie, Lieferantencontrolling.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt das Lieferantenmanagement als strategisches Instrument innerhalb des Beschaffungsmanagements, um die Leistung von Lieferanten zu optimieren und den Unternehmenserfolg zu steigern.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Themen sind der Aufbau eines systematischen Lieferantenmanagements, die Kategorisierung von Lieferanten nach Wildemann und die Anwendung der ABC-Analyse in der Einkaufspraxis.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, den Aufbau eines Lieferantenmanagements aufzuzeigen und eine Brücke zur praktischen Anwendung zu schlagen, indem Strategien zur Anpassung an verschiedene Lieferantentypen erläutert werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, die theoretische Grundlagen aus der Beschaffungslehre zusammenführt und diese auf praktische Managementprozesse anwendet.
Welche Inhalte werden im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil wird der Prozess des Lieferantenmanagements in sieben Stufen gegliedert und detailliert analysiert, gefolgt von einer Praxisbetrachtung inklusive Typologien und Entwicklungsstrategien.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Lieferantenmanagement, Wertschöpfungspartner, ABC-Analyse, strategische Partnerschaften und die Entwicklung vom Teilefertiger zum Spezialisten.
Warum spielt die Unterscheidung zwischen A-, B- und C-Lieferanten eine so große Rolle?
Die Unterscheidung ermöglicht es Unternehmen, ihren Managementaufwand auf die wirtschaftlich bedeutendsten Lieferanten zu konzentrieren und somit die Effizienz in den Beschaffungsprozessen zu maximieren.
Welche Risiken birgt die Strategie der engen Zusammenarbeit mit wenigen Lieferanten?
Die Arbeit weist darauf hin, dass eine zu starke Konzentration auf wenige Partner zu Abhängigkeiten führen kann, wodurch plötzliche Insolvenzen oder Engpässe die eigene Produktion gefährden könnten.
- Arbeit zitieren
- Jens Thomas (Autor:in), 2012, Lieferantenmanagement - Ziele, Aufbau und Anpassungen auf die verschiedenen Lieferantentypen, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/203396