Von den politischen, wissenschaftlichen und ökonomischen Eliten wird uns eingeredet, der ökonomischen Vernunft zu vertrauen. Sie sprechen von den Naturgesetzen des Marktes, die Ungleichgewichte in Gleichgewichte transformieren und jedem die Chance bieten zu prosperieren. Daher ist der logische Umkehrschluss, dass all jene Menschen, die über viel zu wenig Geld verfügen, diese angebotenen Chancen einfach nicht genutzt haben. Die Wahrheit darüber warum wenige viel und die meisten wenig haben, wird mit Absicht tief vergraben. Warum erhalten zum Beispiel technologische Innovationen zur Gewinnung nachhaltiger Energien oder zur Vermeidung von großen Stromverbräuchen keine Finanzierungen? Zum einen weil die Kapitalgeber dort ihr Geld einsetzen, wo die Wahrscheinlichkeit maximaler Gewinnerzielung am höchsten ist und zum anderen bekämpfen Machtkartelle Veränderungen, solange sich ihre eigenen Investitionen nicht gerechnet haben. Aber müssen wir uns diesem ökonomischen Wahnsinn mit allen seinen Konsequenzen hingeben? Wir müssen uns täglich vergegenwärtigen, dass wir immer noch zumindest in unseren Breitengraden in einer Demokratie leben, in der es erlaubt ist, neue Ideen zu haben. Es gibt Hoffnung! Weltweit werden komplementäre Währungssysteme geboren, um den ökonomischen Raubbau entgegenzuwirken. Die Frage, inwiefern komplementäre Währungen entsprechend ihrer Möglichkeiten einen Beitrag leisten können, wirtschaftsförddernd und -stabilsieren zu wirken, wird im Rahmen dieses Buches nachgegangen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Aktualität der komplementären Währungen
1.2 Zielsetzung der Arbeit
1.3 Aufbau der Arbeit
2 Das Geldsystem
2.1 Die Bedeutung des Geldes in unserer Gesellschaft
2.2 Historische Entwicklungen des Geldes im europäischen Raum
2.3 Die Funktion des Geldes
2.3.1 Tauschmittelfunktion
2.3.2 Wertaufbewahrungsfunktion
2.3.3 Recheneinheitsfunktion
2.3.4 Zahlungsmittelfunktion
2.3.5. Eigentumstheorie des Geldes
2.4 Wie entsteht Geld?
2.5 Global Money – Die Rolle des Geldes in der Weltwirtschaft
2.6 Grenzen und Probleme unseres Wirtschaftssystems
2.6.1 Abhängigkeit des Geldes von den Krediten
2.6.2 Zinsmechanismus
2.6.3 Ausbluten des Geldumlaufes
2.6.4 Inflation
2.6.5 Unendliches Wachstum
2.6.6 fiskalische Geldpolitik
2.6.7 Zusammenfassung
3 Die Bedeutung komplementärer Währungssysteme
3.1 Die Begriffsbestimmung – Komplementärwährung und Regionalwährung
3.1.1 Geschäftsmodell Komplementärwährung
3.1.2 Komplementaritätsprinzip
3.2 Das Freiwirtschaftsmodell von Silvio Gesell
3.2.1 Die Idee von Freigeld im historischen Verlauf
3.2.2 Das Modell von Silvio Gesell
3.2.3 Zur Kritik am Freigeld
3.2.4 Die Weltwirtschaftskrise 1929 als Ausgangspunkt
3.2.5 Das Experiment von Wörgl
3.3 Voraussetzungen für den Erfolg komplementärer Währungssysteme
3.3.1 Bestandteile komplementärer Währungssysteme
3.3.2 Gesamtmodell
3.4 Arten komplementärer Währungssysteme
3.4.1 Tausch-Systeme
„Tauschringe sind somit ein durch Kooperationsbeziehungen strukturiertes Netzwerk.“
3.4.2. Gutscheinsysteme
3.4.3 C3 (Consumer and Commerce Circuit)
3.4.4 Komplementäre Währungen für den sozialen Sektor
3.5 Die Vernetzung unterschiedlicher Systeme
4 Die Bedeutung komplementärer Währungen für die regionale Wirtschaft
4.1 Endogene Regionalentwicklung
4.2 Renaissance komplementärer Währungssysteme
4.3 Zusammenfassung
5 Chancen und Grenzen komplementärer Währungen
5.1 Wirtschaftspolitische Sicht
5.1.1 Einfluss komplementärer Währungssysteme auf die Verkehrspolitik
5.2 Gesellschaftspolitische Sicht
5.3 Juristische Sicht
6 Entwicklungsstand komplementärer Währungen in Österreich
6.1 Der Waldviertler
6.1.1 Die wirtschaftliche Region „Waldviertel“
6.1.2 Die KW „Waldviertler“
6.2 I-Motion
6.3 KAESCH
6.4 „Talente Tauschkreis Vorarlberg“
7 Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit analysiert theoretisch den Einsatz komplementärer Währungssysteme, um zu untersuchen, inwieweit diese die negativen Auswirkungen des gegenwärtigen Wirtschaftssystems ausgleichen, sozioökonomische Netzwerke fördern und ökologische Nachhaltigkeitsprinzipien unterstützen können.
- Historische Entwicklung, Entstehung und Funktionen des Geldes
- Kritische Analyse des aktuellen Wirtschafts- und Geldsystems (Zinsmechanismus, Wachstum, Inflation)
- Funktionsweise und Modellvorbilder (z.B. Freiwirtschaftsmodell von Silvio Gesell) komplementärer Währungen
- Regionalwirtschaftliche Bedeutung und konkrete Anwendungsbeispiele in Österreich (z.B. Waldviertler, I-Motion)
Auszug aus dem Buch
2.6.2 Zinsmechanismus
Wenn ich an betriebswirtschaftlichen Veranstaltungen teilnehme und mit meinen Kollegen diskutiere, die selbst die Finanzverantwortung für ein Unternehmen tragen, ist es immer wieder interessant festzustellen, wie wenig Wissen über betriebswirtschaftliche Zusammenhänge vorherrscht. In den meisten Fällen glauben diese Menschen wirklich, sie zahlen Zinsen nur dann, wenn sie einen Kredit aufnehmen. Somit wird verständlich, wenn die Menschen auf der Straße auf dieselbe Frage die gleiche Antwort liefern.
Die Wirklichkeit ist anders: Tatsächlich zahlen wir auch Zinsen, wann immer wir Ware kaufen oder Leistungen beziehen. In jedem Produkt stecken im Verkaufspreis mindestens 3% Zinsen, die sich aus der Primärverschuldung ergeben. Berücksichtigen wir auch die Zinsanteile, die in den zu beschaffenden Material-, Energie und sonstige operativen Kosten enthalten sind, dann erhöht sich der Zinsanteil auf 5-6%. Der Konsument trägt beim Kauf einer Leistung oder eines Produktes die volle Zinsbelastung aus allen Vorleistungen, die der Marktpositionierung vorangehen. Der Wirtschaftsökonom Knauer beziffert den „Realzinsgrundsockel“ in den Produkten mit etwa 26%.
Unser Geldordnungssystem bietet uns die Möglichkeit, der Wirtschaft Geld zu entziehen und gleichzeitig aber auch das Recht bei der Freigabe unseres Geldes dafür Zinsen zu erzwingen. Damit schaffen wir die Möglichkeit Geld zu verdienen, ohne dafür eine Leistung zu erbringen. Dadurch ergibt sich eine exponentielle Funktion zu Gunsten des Zinses respektive durch den Zinseszinseffekt. Dem Zinsertrag stehen die Zinsaufwendungen gegenüber. Folglich muss jemand Zinsen zahlen, damit ein anderer Zinsen erhalten kann. Diese Abhängigkeit zwischen Zinsenaufwand und –ertrag hat jedoch eine schwerwiegende, sozialwirtschaftliche und volkswirtschaftliche Konsequenz:
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung thematisiert die aktuelle wirtschaftliche Situation, kritisiert die neoliberale Ökonomisierung und stellt das Ziel der theoretischen Masterarbeit dar, komplementäre Währungen als stabilisierendes Element zu untersuchen.
2 Das Geldsystem: Dieses Kapitel behandelt die historische Entwicklung, die Funktionen des Geldes sowie die strukturellen Probleme des gegenwärtigen Wirtschaftssystems, wie den Zinsmechanismus und das unendliche Wachstumsdiktat.
3 Die Bedeutung komplementärer Währungssysteme: Hier werden Definitionen sowie verschiedene Modelle komplementärer Währungen, insbesondere das Freiwirtschaftsmodell von Silvio Gesell, erläutert und Voraussetzungen für deren Erfolg analysiert.
4 Die Bedeutung komplementärer Währungen für die regionale Wirtschaft: Das Kapitel untersucht, wie komplementäre Währungen zur endogenen Regionalentwicklung beitragen können und dabei helfen, die Wertschöpfung in der Region zu halten.
5 Chancen und Grenzen komplementärer Währungen: Es erfolgt eine detaillierte Auseinandersetzung mit den wirtschaftspolitischen, gesellschaftspolitischen und juristischen Aspekten, die beim Einsatz solcher Systeme relevant sind.
6 Entwicklungsstand komplementärer Währungen in Österreich: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über den Stand verschiedener komplementärer Währungsprojekte in Österreich, unter anderem den "Waldviertler", "I-Motion", "KAESCH" und den "Talente Tauschkreis Vorarlberg".
7 Zusammenfassung: Das Fazit fasst die zentralen Erkenntnisse der Arbeit zusammen und bewertet das Potenzial komplementärer Währungen als nachhaltiges Instrument der kommunalen Wirtschaftsförderung.
Schlüsselwörter
Komplementärwährungen, Regionalwährungen, Geldsystem, Zinsmechanismus, Nachhaltigkeit, Regionalentwicklung, Freiwirtschaft, Silvio Gesell, Waldviertler, Tauschringe, Kooperationsringe, soziale Gerechtigkeit, Geldschöpfung, Wirtschaftskrise, lokale Wirtschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Masterarbeit befasst sich mit den Chancen und Grenzen komplementärer Währungssysteme als Mittel zur nachhaltigen Förderung regionaler Wirtschaftskreisläufe angesichts der Krisenanfälligkeit des globalen Finanzsystems.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themenfelder umfassen die Funktionsweise unseres aktuellen Geldsystems, die Auswirkungen von Zins und Zinseszins, historische und aktuelle Modelle komplementärer Währungen sowie deren Beitrag zu regionaler Stabilität und sozialer Kohäsion.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die theoretische Analyse der Möglichkeiten, wie komplementäre Währungen negative Folgen des heutigen Wirtschaftssystems abfedern und sozioökonomische Netzwerke sowie ökologische Nachhaltigkeit in Regionen stärken können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse und theoretischen Abhandlung, es werden keine eigenen empirischen Erhebungen durchgeführt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert das Geldsystem, die Bedeutung komplementärer Währungen, deren Arten, Voraussetzungen für den Erfolg, ihre Bedeutung für die regionale Wirtschaft sowie den aktuellen Stand solcher Projekte in Österreich.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Komplementärwährungen, Regionalwährungen, Zinsmechanismus, Nachhaltigkeit, regionale Wertschöpfung, Freiwirtschaft und soziale Bewegungen.
Welche Rolle spielt das "Experiment von Wörgl" in der Arbeit?
Das Experiment von Wörgl dient als historisches Beispiel für ein erfolgreiches Freigeld-Modell, das während der Weltwirtschaftskrise lokale Wirtschaftsaktivitäten belebte, bevor es aus machtpolitischen Gründen verboten wurde.
Warum werden Bankensysteme wie die JAK-Bank im Zusammenhang mit komplementären Währungen genannt?
Sie dienen als Beispiel für kooperative Finanzmodelle, die keine Zinsen verlangen, sondern nur ihre Verwaltungskosten verrechnen, und zeigen so auf, wie Geld in der Region verbleiben kann, anstatt in renditeorientierte globale Märkte abzufließen.
- Arbeit zitieren
- Goran Lekic-Aichholzer MBA (Autor:in), 2011, Chancen und Grenzen komplementärer Währungssysteme, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/203225