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Das Wirken Thomas Müntzers in Zwickau (1520/1521) und die radikal religiöse Gruppierung der "Zwickauer Propheten"

Titel: Das Wirken Thomas Müntzers in Zwickau (1520/1521) und die radikal religiöse Gruppierung der "Zwickauer Propheten"

Hausarbeit , 2009 , 31 Seiten , Note: 1,7

Autor:in: Martin Mehlhorn (Autor:in)

Geschichte Europas - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

Mit dem Namen Thomas Müntzer verbinden Historiker vor allem die Zeit des Bauernkrieges ab 1524. Weiterhin wird mit diesem Namen die „Fürstenpredigt“ gleichgesetzt, in welcher der Theologe die Willkür von geistlicher und weltlicher Obrigkeit angriff. Betrachtet man diesen Abschnitt in Müntzers Leben, trifft man einen Mann, dessen Theologie vollkommen gefestigt vorliegt.
Um zu ergründen, wie er zu dieser Weltanschauung gekommen ist, muss man tiefer in seine Biographie eintauchen, um den Werdegang seiner Überzeugungen nachvollziehen zu können. Eine wichtige Etappe auf diesem Weg war sein Aufenthalt in Zwickau. Die vorliegende Hausarbeit vom Wintersemester 2008/2009 hat zum Ziel, das Wirken des Theologen in dieser Stadt, die seine erste große Predigerstelle war, zu betrachten. Damit dies gelingen kann, wird zunächst auf die Wurzeln Müntzers und seinen Weg zur „Perle“ Kursachsens eingegangen. Nachdem verdeutlicht wurde, in welches soziale Umfeld sich der Prediger begab, wird dann dargelegt, wie sehr seine Persönlichkeit polarisierend auf die Stadtgemeinschaft wirkte und wie seine Erfahrungen mit dem Konventikeltum der Zwickauer Katharinengemeinde seinen eigenen Glauben veränderte und den ersten Schritt zur Entfernung von Martin Luther setzte. Um den Tuchmacher Nikolaus Storch radikalisierte sich nach dem Weggang Müntzers, dessen Umstände ebenfalls näher beleuchtet werden sollen, die Laienkirche in Zwickau. Die sich daraus entwickelnde Gruppierung ist weit mehr als eine kuriose Randerscheinung der Reformationszeit und soll daher abschließend im Fokus der Betrachtung stehen. Es wird darauf eingegangen, aus welchen sozialen und religiösen Gründen die „Zwickauer Propheten“ hervorgingen und wie sie in und außerhalb Zwickaus wirkten. Dabei wird vor allem der Gegenstand der Kindstaufe, der unter den Wittenberger Reformatoren durchaus umstritten war, ins Blickfeld gerückt. Ganz dem Motto „ad fontes!“ der Humanisten der Frühen Neuzeit entsprechend, findet sich im Anhang Quellenmaterial, welches die vorangegangenen Ausführungen untermauern und veranschaulichen soll.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Thomas Müntzers Wirken in Zwickau (1520/1521)

1.1 Der Weg nach Zwickau

1.1.1 Geburtsjahr, Herkunft und Studium

1.1.2 Von Frankfurt nach Zwickau - die Jahre 1512 bis 1520

1.2 Thomas Müntzer in Zwickau

1.2.1 Zwickau im frühen 16. Jahrhundert

1.2.2 Die Anfänge Müntzers an der Marienkirche in Zwickau

1.2.3 Thomas Müntzer und die „Kirche von unten“

1.2.4 Konflikt mit Egranus und das Ende Müntzers in Zwickau

1.2.5 Bedeutung der Zwickauer Zeit für Thomas Müntzer

2. Die radikal religiöse Gruppierung der „Zwickauer Propheten“

2.1 Entstehung und theologischen Grundzüge der Bewegung

2.2 Das Wirken der Gruppierung in Wittenberg

2.3 „Zwickauer Propheten“ als Ursprung der Wiedertäuferbewegung?

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das Wirken von Thomas Müntzer während seines Aufenthalts in Zwickau (1520/1521) und analysiert die Entstehung sowie die Aktivitäten der radikal-religiösen Gruppierung der sogenannten „Zwickauer Propheten“. Ziel ist es, den biografischen und theologischen Werdegang Müntzers in dieser frühen Phase zu beleuchten und den Einfluss der Zwickauer Laienfrömmigkeit auf seine zunehmende Radikalisierung und Distanzierung von Martin Luther zu ergründen.

  • Biografische Stationen von Thomas Müntzer bis 1520
  • Sozio-ökonomische und religiöse Verhältnisse im Zwickau des 16. Jahrhunderts
  • Die Entwicklung der „Kirche von unten“ und der Kontakt zu Nikolaus Storch
  • Theologische Konflikte zwischen Müntzer und dem Reformator Egranus
  • Das Auftreten der „Zwickauer Propheten“ in Wittenberg und ihr Verhältnis zur Kindstaufe

Auszug aus dem Buch

1.2.3 Thomas Müntzer und die „Kirche von unten“

Müntzers Wechsel an die Katharinenkirche war mehr als nur der Umzug in ein anderes Gotteshaus. Die neue Wirkungsstätte war die Kirche der „kleinen Leute“, während die Marienkirche eine Gemeinde der wohlhabenden Bevölkerungsschichten und Ratsmitglieder war.

Die Tuchmachergesellen Zwickaus waren in einer Bruderschaft organisiert, deren Altar in der Katharinenkirche stand. In dieser neuen Gemeinde der verarmten Handwerker traf man sich oft außerhalb der Kirchenmauern, um darum zu bitten, dass die Geistesmacht Gottes über die Versammelten komme. In diesen kleinen Gruppen erzählten die Teilnehmer von wunderbaren Träumen und die Bibel wurde gemeinschaftlich gelesen und ausgelegt. Zitelmann bezeichnete diese Bewegung als Kirche „von unten“, der Thomas Müntzer an der St. Katharinenkirche begegnete. In dieser Gemeinschaft traf der neue Prediger den zwanzigjährigen Tuchmacher Nikolaus Storch, der ihn nachhaltig beeinflussen und langsam von Luther distanzieren sollte.

Der gelehrte Magister erkannte in Storch einen unvermutet begabten und schriftkundigen Mann und ließ ihn sogar im Gottesdienst predigen - ein enormer Einriff in Kirchenverständnis und Gottesdienstordnung.

Der Zwickauer Chronik zufolge soll Müntzer gefordert haben: „Die Laien müssen unsere Pfarrer werden!“ - während also für Luther das Priestertum aller Gläubigen ein rein theoretischer Grundpfeiler seiner Theologie blieb, machte Müntzer an der Katharinenkirche damit Ernst.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Thomas Müntzers Wirken in Zwickau (1520/1521): Dieses Kapitel zeichnet den Lebensweg Müntzers bis zu seiner Anstellung in Zwickau nach und analysiert seine ersten Gehversuche als Prediger in einem politisch und sozial spannungsreichen Umfeld.

2. Die radikal religiöse Gruppierung der „Zwickauer Propheten“: Hier wird die Genese der „Zwickauer Propheten“ aus dem Konventikeltum beleuchtet, ihr Wirken in Wittenberg dokumentiert und ihre historische Einordnung in Bezug auf die spätere Wiedertäuferbewegung kritisch hinterfragt.

Schlüsselwörter

Thomas Müntzer, Zwickau, Reformation, Zwickauer Propheten, Nikolaus Storch, Kirche von unten, Laienfrömmigkeit, Kindstaufe, Martin Luther, Egranus, Radikalisierung, Bauernkrieg, Konventikeltum, Spiritualismus, Reformationsgeschichte

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der frühen Wirksamkeit von Thomas Müntzer in Zwickau zwischen 1520 und 1521 und dem Aufkommen der radikalen Bewegung der „Zwickauer Propheten“.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die soziale Schichtung in Zwickau, Müntzers theologischer Wandel weg von Luther, die religiöse Laienbewegung sowie die Konflikte mit den städtischen Autoritäten und anderen Predigern.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es zu verstehen, wie Müntzer durch seine Interaktion mit den „kleinen Leuten“ in Zwickau zu seiner späteren radikalen Weltanschauung gelangte.

Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?

Es handelt sich um eine historische Analyse, die auf der Auswertung von zeitgenössischen Quellen, Briefen, Ratsprotokollen und zeitgenössischen Biografien basiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung von Müntzers Werdegang und seiner Tätigkeit an der Marien- und Katharinenkirche sowie die detaillierte Analyse der „Zwickauer Propheten“ und ihrer Ausstrahlung nach Wittenberg.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den prägenden Begriffen zählen Thomas Müntzer, Zwickau, radikale Reformation, Laienkirche, Kindstaufe und Konventikeltum.

Welche Rolle spielte Nikolaus Storch für Müntzer?

Storch war ein zentraler Vertreter der „Kirche von unten“, der Müntzer durch seine Visionen und seine radikale Interpretation der Heiligen Schrift stark beeinflusste und maßgeblich zu seiner Entfremdung von Luther beitrug.

War die Zwickauer Gruppe tatsächlich der Ursprung der Wiedertäufer?

Die Arbeit kommt zu dem Ergebnis, dass die Zwickauer Gruppe zwar die Kindstaufe kritisch hinterfragte, jedoch den entscheidenden Schritt zur bewussten Erwachsenentaufe nicht vollzog, weshalb der Ursprung der Täufer eher in der Zürcher Bewegung zu suchen ist.

Warum kam es zum Zerwürfnis zwischen Müntzer und Egranus?

Der Konflikt beruhte auf unterschiedlichen sozialen und theologischen Auffassungen: Egranus repräsentierte die gebildeten, wohlhabenden Kreise und eine gemäßigte Reformation, während Müntzer die Interessen der armen Handwerker vertrat und radikaler vorging.

Ende der Leseprobe aus 31 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Das Wirken Thomas Müntzers in Zwickau (1520/1521) und die radikal religiöse Gruppierung der "Zwickauer Propheten"
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena  (Historisches Institut)
Veranstaltung
Seminar Reformationsgeschichte
Note
1,7
Autor
Martin Mehlhorn (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2009
Seiten
31
Katalognummer
V202605
ISBN (eBook)
9783656286042
ISBN (Buch)
9783656286769
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Geschichte Zwickau Mittelalter Reformation Religion Bauernkrieg Müntzer Münzer Thomas Müntzer Thomas Münzer Luther Martin Luther Sachsen Sächsische Geschichte Stadtgeschichte Christentum Bibel Glaube Evangelisch Neuzeit Frühe Neuzeit Radikalisierung Glaubenskrieg Reformationsgeschichte Humanismus
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Martin Mehlhorn (Autor:in), 2009, Das Wirken Thomas Müntzers in Zwickau (1520/1521) und die radikal religiöse Gruppierung der "Zwickauer Propheten", München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/202605
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Leseprobe aus  31  Seiten
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