Seit der Einführung des Elterngeldes im Jahr 2007 zeichnet sich in Deutschland ein neuer Trend ab: Immer mehr Männer gehen in Elternzeit und nehmen die Chance wahr, sich in der Kindererziehung und -betreuung zu engagieren. Diese Entwicklung weg vom Versorger hin zum engagierten Vater liegt in der Wandlung von Werten und Wünschen der Männer begründet. Die jüngere Generation der (werdenden) Väter hat den Anspruch, ein Familienmitglied zu sein und nicht nur eine „Randfigur“ des familiären Geschehens. Sie möchten ihre Kinder aufwachsen sehen sowie Aufgaben in der Pflege, in der Betreuung und im Haushalt übernehmen. Natürlich kommt dieser Sinneswandel nicht von alleine, denn durch die wirtschaftliche Lage bildete sich die Notwendigkeit heraus, dass beide Elternteile arbeiten gehen müssen, um eine Familie sicher finanzieren zu können. Immer mehr Frauen möchten ebenso arbeiten, wie ihr Partner und können deshalb nicht mehr alleine verantwortlich für den Haushalt und die Kinder sein - sie brauchen in allen Bereichen Unterstützung durch den Vater. Zudem hat die jetzige Generation junger Männer selbst die Erfahrung von abwesenden Vätern gemacht, da diese sich um den Familienunterhalt kümmern mussten. Die neuen Väter wollen es anders, „besser“, machen und ihren Kindern ein liebevoller, verantwortungsvoller Vater sein. Aber auch die Auseinandersetzung mit der einschlägigen Forschung (z.B. Fthenakis ) tragen dazu bei, engagierte Väter heranzubilden. Es wird nämlich immer deutlicher, dass Kinder ihren Vater brauchen: er ist eine sinnvolle Ergänzung zu der Mutter (Fthenakis: 1985: 320ff). Er kann den Kindern Dinge vermitteln, die die Mutter aufgrund ihres Wesens und ihrer Biologie nicht kann (oder möchte). Das Fehlen eines Vaters führt zu Störungen in der sozio-ökonomischen Entwicklung des Kindes (Fthenakis: 1985: 370ff).
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Was macht einen Vater aus?
3. Verschiedene Vatertypen
3.1 Der traditionelle Vater
3.2 Der „Präsente Vater“
4. „Präsente Väter“ und das Vereinbarkeitsproblem
5. Ausblick auf die Vaterschaft von Morgen
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Wandel der Väterrolle in Deutschland, insbesondere den Übergang vom klassischen Versorgermodell hin zu einer aktiveren, präsenteren Vaterschaft, und analysiert die dabei auftretenden Spannungsfelder zwischen individuellem Wunsch und betrieblichen Anforderungen.
- Historischer Wandel der Vaterrolle in Deutschland
- Funktionen und Bedeutung des Vaters für die kindliche Entwicklung
- Typisierung verschiedener Vaterbilder (traditionell vs. präsent)
- Herausforderungen der Vereinbarkeit von Familie und Beruf für Männer
- Perspektiven und notwendige strukturelle Änderungen für die Zukunft
Auszug aus dem Buch
3.1 Der traditionelle Vater
Der Traditionelle Vater wird von Le Camus vor allem auf Jacques Lacan begründet. Dieser sah die Funktion des Vaters in der Macht- und Temperamentverkörperung. Der Vater ist der Repräsentant des Gesetzes (Le Camus: 2006: 17). Er ist laut Beschreibung das genaue Gegenteil der Mutter. Diese ist für Liebe, Zuwendung und Nähe zuständig. Der Vater hingegen für Trennung, Verbote und Frustration. Lacan unterscheidet zwischen symbolischem und konkretem Vater. Der konkrete Vater ist derjenige aus Fleisch und Blut, der in gewissem Maße für die Erziehung zuständig ist. Der symbolische steht hingegen für das Inzestverbot und die Wahrnehmung der dauerhaften, kulturübergreifenden Aufgabe, dem Kind die Ordnung des Lebens zu vermitteln, was dessen grundlegendes Bedürfnis ist (a. a. O.: 18). Der strenge Vater befürwortet die Verwendung von (körperlichen) Strafen (a. a. O.: 20) und mischt sich in die emotionale Versorgung des Kindes nicht ein. Er ist hauptsächlich für die Vermittlung von Regeln und Gesetzen zuständig. Er steht für die Kultur, das Geistige und die Autorität, während die Mutter für die Natur, die Empfindsamkeit und die Liebe steht (a. a. O.: 27). Der Traditionelle Vater stellt ein Beziehungsmodell für die Mädchen und ein allgemeines Modell, an dem sich die Jungen orientieren sollen, dar. Für die Familie ist er sozusagen der Beschützer (a. a. O.: 26).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in den aktuellen Wandel der Vaterrolle ein, der durch soziale Veränderungen und das Elterngeld begünstigt wurde, und benennt die Problematik der Vereinbarkeit von Familie und Beruf.
2. Was macht einen Vater aus?: Dieses Kapitel beleuchtet die spezifischen Funktionen des Vaters innerhalb der Eltern-Kind-Triade, insbesondere seine Rolle bei der Sozialisation, der Ablösung von der Mutter und als Brückenfigur zur Welt.
3. Verschiedene Vatertypen: Es werden vier unterschiedliche Vatertypen vorgestellt und gegenübergestellt, wobei der Fokus auf dem „Traditionellen Vater“ und dem „Präsenten Vater“ liegt.
3.1 Der traditionelle Vater: Eine tiefgehende Analyse des strengen, autoritären Vaterbildes, das historisch als Repräsentant des Gesetzes und als Kontrast zur mütterlichen Fürsorge fungierte.
3.2 Der „Präsente Vater“: Hier wird das Modell des engagierten Vaters erläutert, der aktiv an der Erziehung und Pflege teilnimmt und eine tiefere, emotional geprägte Beziehung zum Kind anstrebt.
4. „Präsente Väter“ und das Vereinbarkeitsproblem: Untersuchung des Konflikts zwischen dem Wunsch nach aktiver Vaterschaft und den Anforderungen der Arbeitswelt sowie der strukturellen Ungleichheit in Betrieben.
5. Ausblick auf die Vaterschaft von Morgen: Das Kapitel reflektiert über notwendige gesellschaftliche und betriebliche Umstrukturierungen, um eine moderne, aktive Vaterschaft langfristig zu fördern.
Schlüsselwörter
Vaterschaft, Wandel der Rollenbilder, Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Erziehung, Präsenter Vater, Traditioneller Vater, Elterngeld, Rollenverteilung, Arbeitswelt, Familienfreundlichkeit, Work-Life-Balance, Sozialisation, Geschlechterrollen, Familiengründung, Erwerbstätigkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt den gesellschaftlichen Wandel der Väterrolle in Deutschland, insbesondere den Übergang von traditionellen Rollenbildern hin zu einer aktiven und präsenten Vaterschaft.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die psychologische Bedeutung der Väterrolle, die Typisierung von Vaterbildern sowie die strukturellen Probleme bei der Vereinbarkeit von Familie und Erwerbsarbeit.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, warum eine moderne Vaterschaft für Kinder wichtig ist, und die Barrieren zu identifizieren, die Männern eine aktive Teilnahme am Familienleben erschweren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse und der Auseinandersetzung mit einschlägigen Forschungsarbeiten und Theorien zur Eltern-Kind-Forschung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Funktionen des Vaters, stellt verschiedene Vatertypen gegenüber und diskutiert die sozioökonomischen Hürden, wie z.B. Gehaltsunterschiede und betriebliche Erwartungshaltungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselwörter sind Vaterschaft, Vereinbarkeit, Rollenwandel, Erziehung und Work-Life-Balance.
Was unterscheidet den „Präsenten Vater“ vom „Traditionellen Vater“?
Der traditionelle Vater ist primär als Autoritätsperson und Versorger definiert, während der präsente Vater aktiv, teilnahmsvoll und in allen Bereichen der Kinderbetreuung und Erziehung verfügbar ist.
Wie reagieren heutige Arbeitgeber auf den Wunsch der Männer nach mehr Familienzeit?
Die Arbeit stellt fest, dass die betriebliche Praxis oft unflexibel bleibt und Arbeitsleistung noch häufig über die reine Anwesenheit gemessen wird, was den Wunsch nach aktiver Vaterschaft erschwert.
- Arbeit zitieren
- Melanie Lieberwirth (Autor:in), 2011, Vaterschaft in Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/202582