Die hier vorliegende Hausarbeit mit dem Titel „Eine Diskursanalyse zur
Anglizismendebatte einer deutschen und spanischen Tageszeitung im Vergleich“ will anhand ausgewählter Artikel aus der spanischsprachigen Tageszeitung El País und der deutschen Tageszeitung Süddeutsche Zeitung eine Annäherung an den Diskurs der jeweiligen Länder bezüglich der Anglizismen sichtbar machen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Vorgehensweise bei der Datensammlung
3. Zur Theorie der Diskursanalyse
4. Eine Topoi – Analyse der Artikel der Süddeutschen Zeitung
4.1. Der Topos der Unverständlichkeit
4.2. Der Topos der Bedrohung
4.3. Der Topos des Verlusts (der Bereicherung)
4.4. Der Topos der Modernität
4.5. Der Topos der Überflüssigkeit
4.6. Der Topos der Unschicklichkeit
5. Eine Topoi – Analyse der Artikel von El País
5.1. Der Topos der Unverständlichkeit
5.2. Der Topos der Bedrohung
5.3. Der Topos des Verlusts
5.4. Der Topos der Bereicherung
5.5. Der Topos der Modernität
5.6. Der Topos der Überflüssigkeit
5.8. Der Topos der Eroberung
6. Vergleich des dargestellten Diskurses anhand der Topoi
7. Schlusswort
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den diskursiven Umgang mit Anglizismen in der deutschen "Süddeutschen Zeitung" und der spanischen Tageszeitung "El País". Ziel ist es, durch einen komparativen Ansatz Divergenzen in den jeweiligen nationalen Diskursen aufzudecken und verborgene Denkstrukturen sowie argumentative Topoi zu identifizieren.
- Kritische Diskursanalyse nach Wodak, Fairclough, Gee und Wengeler
- Vergleichende Untersuchung der Anglizismendebatte in zwei Sprachräumen
- Identifikation und Kategorisierung von Topoi (z. B. Unverständlichkeit, Bedrohung, Modernität)
- Analyse von Schlussverfahren und Enthymemen innerhalb der Zeitungsartikel
- Gegenüberstellung der Wahrnehmung von Sprachwandel und Identität
Auszug aus dem Buch
4.1.Der Topos der Unverständlichkeit
Dieser Topos ist einer der größten im Diskurs um den Anglizismus. Als Beispiel seien hier einige Auszüge aus den Artikeln der Süddeutschen genannt:
Beispiel 1: „Netting oder Cash-Pooling: Wer soll das bitte verstehen? Viele Firmen werfen mit Anglizismen um sich und reden damit systematisch an ihren Kunden vorbei.“ (SZ15)
Beispiel 2: „Key Accounter und Billing Manager: Was sich hinter englischen Berufsbezeichnungen verbirgt, ist nicht immer offensichtlich. Für Bewerber ist das ein Problem.“ (SZ10)
Durch die rhetorische Frage im ersten Beispiel wird schon impliziert, dass die vorangegangenen Anglizismen per se unverständlich seien. Ebenso verhält es sich im zweiten Beispiel. Versucht man das Schlussverfahren in sein Argument, seine Schlussregel und seine Konklusion aufzuschlüsseln, ergibt sich folgendes Schema:
P1: Firmen verwenden viele Anglizismen. P2: Die Kunden/ Bewerber verstehen keine Anglizismen. K: Die Kunden/Berwerber verstehen die Firmen nicht.
Dazu wird schon eine ablehnende Haltung durch den Begriff „um sich werfen“, dem eine eher negative Konnotation anhängt, im Leser hervorgerufen. In einem anderen Artikel wird der Topos der Unverständlichkeit offen genannt, wie z.B. in einem Interview mit dem Anwalt Gerhard Strate:
Beispiel 3: „Viele Banken haben im vergangenen Jahrzehnt eine eigene Sprache entwickelt, die durchsetzt ist von unverständlichen Fachausdrücken und Anglizismen. Geschäftsabläufe werden kompliziert verpackt, vieles ist auf Verschleierung angelegt.“ (SZ7)
Durch die Wortwahl „eigene Sprache“, „unverständlichen“, „kompliziert“, „Verschleierung“ wird die Unverständlichkeit auch von Anglizismen beschrieben.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung des Themas und der Forschungsintention, die Diskurse um Anglizismen in zwei verschiedenen Zeitungen zu vergleichen.
2. Vorgehensweise bei der Datensammlung: Erläuterung der Auswahlkriterien für die 13 untersuchten Artikel pro Zeitung unter Berücksichtigung von Auflage und Verbreitung.
3. Zur Theorie der Diskursanalyse: Darstellung des theoretischen Rahmens der kritischen Diskursanalyse, inklusive Definitionen von Diskurs und Topoi.
4. Eine Topoi – Analyse der Artikel der Süddeutschen Zeitung: Untersuchung der verschiedenen argumentativen Topoi innerhalb der deutschen Berichterstattung und deren Schlussregeln.
5. Eine Topoi – Analyse der Artikel von El País: Untersuchung der Topoi in der spanischen Berichterstattung unter Einbeziehung spezifischer kultureller Aspekte wie der Sprachakademie.
6. Vergleich des dargestellten Diskurses anhand der Topoi: Synthese der Ergebnisse und Gegenüberstellung der Gemeinsamkeiten und Divergenzen in der Bewertung von Anglizismen.
7. Schlusswort: Fazit der Analyse sowie Reflexion über die Grenzen der Untersuchung und Ausblick auf weiterführende Studien.
Schlüsselwörter
Diskursanalyse, Anglizismus, Süddeutsche Zeitung, El País, Topos, Sprachwandel, Argumentationsanalyse, Sprachpolitik, Identität, Denglisch, Spanglish, Sprachkritik, Medienlinguistik, interkultureller Vergleich, Sprachgebrauch
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, wie in der deutschen "Süddeutschen Zeitung" und der spanischen Zeitung "El País" über Anglizismen im Zeitraum von 2010 bis 2012 debattiert wurde.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen die sprachlichen Auswirkungen durch englische Entlehnungen, die Wahrnehmung von Modernität versus Sprachverlust sowie die soziokulturelle Einbettung dieser Debatten in den beiden Ländern.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, mittels kritischer Diskursanalyse herauszufinden, welche Argumentationsmuster (Topoi) verwendet werden und ob es nationale Unterschiede in der Bewertung des Einflusses der englischen Sprache gibt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine Topoi-Analyse angewandt, die es erlaubt, verborgene Schlussregeln und Argumentationsstrukturen hinter den oberflächlichen Aussagen der Zeitungsartikel sichtbar zu machen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Analyse der Argumentationsmuster der beiden Zeitungen, wobei Themen wie Unverständlichkeit, Bedrohung, Verlust, Modernität und Überflüssigkeit in Bezug auf Anglizismen untersucht werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Diskursanalyse, Anglizismus, Topos, Sprachwandel, Medienlinguistik und der Vergleich zwischen Deutschland und Spanien.
Warum spielt die Real Academia Española bei der Analyse von "El País" eine besondere Rolle?
Die Institution fungiert als normgebende Instanz, die den Topos der Bedrohung und die Sorge um die spanische Rechtschreibung stark prägt, was einen deutlichen Unterschied zur deutschen Debatte darstellt.
Was unterscheidet den Diskurs in der Süddeutschen Zeitung von dem in El País?
Während die deutsche Zeitung besonders ironische Topoi wie die "Unschicklichkeit" nutzt, zeigt "El País" einen stärkeren Fokus auf den Topos der Bereicherung und die Rolle des Spanischen als globale Sprache.
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- Carina Gülk (Author), 2012, Eine Diskursanalyse zur Anglizismendebatte einer deutschen und spanischen Tageszeitung im Vergleich, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/202526