Die Auseinandersetzung mit dem Thema „Mobbing in der Schule“ ist seit einer bundesweiten Befragung, welche vom Institut für pädagogische Psychologie der Ludwig-Maximilians-Universität in München unter der Leitung von Mechthild Schäfer im Jahr 2007 durchgeführt wurde, umso bedeutender geworden. Laut dieser Befragung wird jeder siebente Schüler an der Oberschule gemobbt, was wiederum bedeutet, dass wöchentlich 500.000 Schüler Opfer von Mobbinghandlungen sind.
Das hohe Aufkommen von Mobbingsituationen in der Schule liegt darin begründet, dass es sich bei Mobbing um ein soziales Problem handelt...
Da Mobbing eine spezielle Form von Gewalt darstellt, gehört es zu den Pflichten der Institution Schule es konsequent und nachhaltig zu bekämpfen, damit der Freiheits- und Entwicklungsraum des Schülers als Individuum sichergestellt ist. Schließlich steht in der Kinderrechtskonvention, dass die Vertragsstaaten, wozu auch Deutschland zählt, alle geeigneten Maßnahmen unternehmen, um gewährleisten zu können, „ […] dass die Disziplin in den Schulen in einer Weise gewahrt wird, die der Menschenwürde des Kindes entspricht und im Einklang mit diesem Übereinkommen steht“. In diesem Zusammenhang sollte sich die Schule gleichermaßen ein Ort der Prävention und der Intervention verstehen, um gezielt gegen Gewalt vorzugehen zu können.
...In der vorliegenden Masterarbeit „Mobbing in der Grundschule – Bestandsaufnahme und Analyse ausgewählter Präventions- und Interventionskonzepte“ werden ausgewählte präventive und interventive Mobbingkonzepte im deutschsprachigen Raum dargestellt und untersucht. Das Ziel der Untersuchung besteht schließlich darin, Grundschullehrern mithilfe eines selbst entwickelten Kriterienrasters ein Auswahlinstrument an Präventions- und Interventionskonzepten gegen Mobbing in der Grundschule anzubieten, das ihnen ermöglicht, das richtige Programm entsprechend ihrer eigenen Bedürfnisse und Ressourcen auswählen zu können. Die Basis der Analyse bildet hierbei eine vorherige Einführung in die Thematik. In diesem Rahmen wird zunächst die Frage „Was ist Mobbing?“ beantwortet, um im Anschluss daran den Zusammenhang zwischen Mobbing und Schule darzustellen. Abschließend werden im letzten Kapitel die wichtigsten Ergebnisse der Analyse resümiert sowie ein Ausblick gegeben, inwiefern mit den kategorisierten Programmen weitergearbeitet werden könnte.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Was ist Mobbing?
2.1 Merkmale
2.2 Beteiligte
2.3 Erscheinungsformen
2.4 Resultierende Definition
3 Mobbing und Schule
3.1 Verbreitung
3.2 Ursachen
3.2.1 Institutionelle Ursachen
3.2.2 Gesellschaftliche Ursachen
3.2.3 Familiäre Ursachen
3.3 Folgen
3.3.1 Folgen für das Opfer
3.3.2 Folgen für den Täter
3.3.3 Folgen für die Klasse
3.3.4 Folgen für die Schule
4 Analyse
4.1 Kriterienraster
4.2 Präventionskonzepte
4.2.1 Präventionskonzepte gegen Gewalt
4.2.1.1 Das Programm „Faustlos“
4.2.1.2 Das Projekt „Achtung Grenze“
4.2.2 Präventionskonzepte gegen Mobbing
4.2.2.1 Das Konzept „aufgschaut“
4.2.2.2 Das Konzept „Be-Prox“
4.3 Interventionskonzepte
4.3.1 Das Interventionskonzept nach Olweus
4.3.2 Das Konzept „No Blame Approach“
4.3.3 Das „Trainer-Konzept“
4.4 Zusammenfassende Betrachtung der Analyse
5 Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, Grundschullehrern ein fundiertes Auswahlinstrument an die Hand zu geben, um geeignete Präventions- und Interventionskonzepte gegen Mobbing auszuwählen und erfolgreich in den Schulalltag zu integrieren.
- Phänomenologische Analyse von Mobbing im Schulkontext
- Darstellung und Untersuchung von Präventionskonzepten
- Analyse relevanter Interventionskonzepte bei akuten Mobbingsituationen
- Entwicklung eines Kriterienrasters zur Bewertung der Programme
- Vergleich und Einordnung der Konzepte hinsichtlich ihrer Praxistauglichkeit
Auszug aus dem Buch
2.1 Merkmale
Mobbing, welches eine spezifische Gewaltform darstellt, kommt in allen sozialen Bereichen vor, in welchen Menschen immer wieder zusammenkommen und aus welchen sie nicht oder nur schwer entfliehen können. Auch die Schule stellt einen sozialen Bereich dar, dem sich die von Mobbing betroffenen Schüler aufgrund der allgemeinen Schulpflicht nicht entziehen können.
Die Bezeichnung „Mobbing“ hat hierbei seinen Ursprung im schwedischen Sprachraum des Wortes „mobbning“, welches mit „fertigmachen“ oder „anpöbeln“ übersetzt werden kann. Während im deutschen Sprachraum „Bullying“ synonym zum Begriff Mobbing verwendet wird, wird in der Schweiz für den Begriff „Mobbing“ oftmals auch der Begriff „Plagen“ gebraucht. Anfangs wurde in Deutschland der Begriff Mobbing ausschließlich für das zielgerichtete, andauernde Belästigen am Arbeitsplatz benutzt. Inzwischen wird es jedoch zunehmend auch für die Schule, als Arbeitsplatz der Schüler, verwandt.
Prinzipiell können innerhalb des Schulkontextes drei Mobbingarten unterschieden werden: Lehrer gegen Schüler, Schüler gegen Lehrer und Schüler gegen Schüler. Im Rahmen der Masterarbeit wird bei den ausgewählten Präventions- und Interventionskonzepten jedoch ausschließlich die Mobbingart „Schüler gegen Schüler“ berücksichtigt, was damit zusammenhängt, dass die Programme für Lehrkräfte konzipiert worden sind.
Um die Merkmale von Mobbing herauszuarbeiten, ist es wichtig, Mobbing von Konflikten abzugrenzen. Wenn Kinder miteinander streiten oder auch kämpfen, jedoch psychisch und physisch kein Ungleichgewicht zwischen ihnen besteht, wird von einem Konflikt und nicht von Mobbing gesprochen. Zudem bieten Konflikte, im Gegensatz zu Mobbing, den Schülern die Möglichkeit, die eigenen und die Grenzen der anderen Kinder kennen und akzeptieren zu lernen sowie darüber hinaus Konfliktlösungen selbstständig zu finden. Bei Mobbing trägt nichts dazu bei, Konflikte zu beenden, sondern stattdessen diese zu intensivieren und zu wiederholen. Insofern kann Mobbing als ein andauernder Konflikt bezeichnet werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema Mobbing an Grundschulen ein, begründet die Relevanz des Themas und erläutert die Zielsetzung der Masterarbeit, ein Kriterienraster für Lehrkräfte zu entwickeln.
2 Was ist Mobbing?: Dieses Kapitel definiert Mobbing, grenzt es von anderen Konfliktformen ab, identifiziert die beteiligten Rollen (Täter, Opfer, Mitläufer) und beschreibt die Erscheinungsformen.
3 Mobbing und Schule: Hier wird der komplexe Zusammenhang zwischen Schule und Mobbing analysiert, wobei Verbreitung, Ursachen (institutionell, gesellschaftlich, familiär) sowie die weitreichenden Folgen für alle Beteiligten beleuchtet werden.
4 Analyse: Das Kernkapitel präsentiert ein selbst entwickeltes Kriterienraster und analysiert anhand dessen vier Präventions- und drei Interventionskonzepte auf ihre Eignung für den Grundschulalltag.
5 Fazit und Ausblick: Dieses Kapitel resümiert die wesentlichen Ergebnisse der Arbeit und gibt einen Ausblick auf die zukünftige Weiterentwicklung der untersuchten Konzepte und deren Anwendung in der Praxis.
Schlüsselwörter
Mobbing, Grundschule, Gewaltprävention, Interventionskonzepte, Soziale Kompetenzen, Faustlos, Achtung Grenze, aufgschaut, Be-Prox, No Blame Approach, Trainer-Konzept, Schulklima, Täter-Opfer-Rollen, Zivilcourage, Schulische Gewalt
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Bestandsaufnahme und Analyse von ausgewählten Präventions- und Interventionskonzepten gegen Mobbing, speziell angepasst für den Kontext der Grundschule.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit gliedert sich in eine theoretische Definition und Ursachenanalyse von Mobbing sowie eine praktische Untersuchung von sieben verschiedenen Konzepten zur Prävention und Intervention.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Hauptziel besteht darin, Lehrkräften an Grundschulen ein fundiertes Auswahlinstrument (ein Kriterienraster) bereitzustellen, damit sie basierend auf ihren Ressourcen das für sie passende Mobbing-Programm wählen können.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit nutzt eine qualitative Analyse, indem ein eigenes Kriterienraster entworfen und auf die Programme angewendet wurde. Zudem wurden Literaturquellen und internetbasierte Informationen zu den Programmen ausgewertet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil konzentriert sich auf die Analyse von vier Präventionskonzepten (z.B. „Faustlos“) und drei Interventionskonzepten (z.B. „No Blame Approach“) für Grundschulen im deutschsprachigen Raum.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Schlagworte sind Mobbing, Grundschule, Gewaltprävention, soziale Kompetenzen, Schulklima und Zivilcourage.
Wie unterscheidet sich der „No Blame Approach“ von anderen Ansätzen?
Der „No Blame Approach“ zeichnet sich dadurch aus, dass er bewusst auf Schuldzuweisungen und Bestrafungen verzichtet, um stattdessen mit einer Unterstützungsgruppe konstruktive Lösungen für das Mobbingproblem zu finden.
Warum ist die Förderung sozialer Kompetenzen für die Grundschule so entscheidend?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass die Förderung sozialer Kompetenzen das wirksamste Instrument zur primären Gewaltprävention ist, da sich Opfer- und Täterrollen oft bereits in der Grundschule festigen.
Welche Rolle spielen die „Trainer“ im Trainer-Konzept?
Im Trainer-Konzept werden unterstützende Schüler installiert, deren Aufgabe es ist, dem Opfer beizustehen, wodurch die aktive Zivilcourage der gesamten Lerngruppe gefördert werden soll.
- Arbeit zitieren
- Carolin Kautza (Autor:in), 2011, Mobbing in der Grundschule: Untersuchung ausgewählter Präventions- und Interventionsprojekte, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/202512