Da in der wissenschaftlichen Forschung dem Aspekt der Transformation von Medienlandschaften bisher nur wenig Aufmerksamkeit geschenkt worden ist, versucht diese Arbeit, eine Lücke zu schließen. Dafür
wurde explizit die "Junge Welt" ausgewählt, da sich diese einst von der auflagenstärksten Tageszeitung in der Deutschen Demokratischen Republik – noch vor dem "Neuen Deutschland" – als Zentralorgan der FDJ hin zu einer marginalisierten linksextremistischen Tageszeitung im vereinten Deutschland entwickelte und somit als idealtypisches Beispiel eine große Aussagekraft für die Transformationsforschung
besitzt. Kernbestandteile dieser Arbeit bilden eine Untersuchung, Analyse, Bewertung und Einordnung der Entwicklungen und der Hintergründe des Transformationsprozesses der einst größten ostdeutschen Tageszeitung. Dabei wird die Transformation in den historischen Rahmen der kollabierenden DDR mit Fokus auf die Jahre 1989 und 1990 eingebettet und auf vier differenten Ebenen - ökonomisch, personell, institutionell und inhaltlich - betrachtet. Besondere Berücksichtigung auf der inhaltlichen Ebene findet hierbei der Zeitraum des demokratischen Umsturzes im Rahmen der friedlichen Revolution, wobei auch die Zeiträume zuvor – um mittels chronologischer Abfolge die Geschehnisse verständlicher
erscheinen zu lassen – in Form eines geschichtlichen Abrisses seit der Gründung der "Jungen Welt" näher betrachtet werden. Um eine aktuelle Würdigung der inhaltlichen Ebene der Zeitung vornehmen zu können, wird zum Ende hin der Zeitrahmen von 1989 und 1990 verlassen, um Vergleichsaspekte zu schaffen, die dazu dienen, die Entwicklung des Transformationsprozesses der "Jungen Welt" zum heutigen Tag besser einschätzen zu können.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Untersuchungsgegenstand
1.2 Problemstellung
1.3 Forschungsstand
1.4 Aufbau
1.5 Methodik
2. Begriffserklärungen
2.1 Medien/Presse
2.2 System/Systemwechsel, -wandel, -transformation
3. Die Printmedien im Wandel: Neue rechtliche Rahmenbedingungen als legislative Grundlage des Transformationsprozesses
4. Die „Junge Welt“: Vom Zentralorgan der FDJ zur linksextremistischen Tageszeitung
4.1 Die wechselvolle Geschichte einer Zeitung
4.2 Die „Junge Welt“ im Transformationsprozess
4.2.1 Ökonomische Ebene
4.2.2 Personelle Ebene
4.2.3 Institutionelle Ebene
4.2.4 Inhaltliche Ebene
5. Einordnung und Bewertung der Transformation der „Jungen Welt“
6. Schlussbetrachtung
6.1 Zusammenfassung
6.2 Ausblick
7. Bibliographie
7.1 Druckwerke
7.2 Internetquellen
7.3 Tageszeitungen
7.4 Sonstiges
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht den Transformationsprozess der „Jungen Welt“ vom Zentralorgan der FDJ zu einer linksextremistischen Tageszeitung, wobei der Fokus auf den politischen und gesellschaftlichen Umbrüchen der Jahre 1989/1990 liegt. Die zentrale Forschungsfrage befasst sich mit der Art und Weise des Wandels auf verschiedenen Ebenen und der Rolle äußerer Rahmenbedingungen für Kontinuität und Wandel der Zeitung.
- Analyse der ökonomischen, personellen, institutionellen und inhaltlichen Transformation
- Untersuchung der rechtlichen Rahmenbedingungen der Medienlandschaft während des DDR-Kollapses
- Einordnung der „Jungen Welt“ in den Kontext linksextremistischer Medien im vereinten Deutschland
- Methodische Verbindung von Experteninterviews mit einer qualitativen Inhaltsanalyse
Auszug aus dem Buch
4.2.2 Personelle Ebene
Auf den finanziellen Transformationsprozess sollte mit einer gewissen zeitlichen Verzögerung auch ein längst überfälliger personeller folgen, der die Zeitung abermals in eine Krise stürzte. Mit dem Prozess zahlreicher Umstrukturierungen ging auch ein gewaltiger Personalwechsel und -abbau einher. Zunächst nahm im November 1989 der Chefredakteur Dieter Schütt freiwillig seinen Hut. Zu seinem Nachfolger wurde nur wenige Wochen später Jens König, der in der Ausgabe vom 10. Januar 1990 die Loslösung von der FDJ sowie ein „neues politisches und journalistisches Selbstverständnis“ verkündete. Passend dazu die Überschrift des Leitartikels, die mit „Schaut auf unseren Kopf“ als Aufforderung zu verstehen war. In der Tat änderte sich das Erscheinungsbild mit dem Verschwinden des Untertitels „Organ des Zentralrates der FDJ“ deutlich: Es wurde durch den Slogan „Linke sozialistische Jugendzeitung“ ersetzt.
Als Sammelbecken differenter linksextremistischer Gruppierungen nach dem Fall der Mauer konstituiert, führte dies schnell zu Auseinandersetzungen in den Redaktionsräumen: Insbesondere bei den Themen Antisemitismus und Nahostkonflikt rumorte es gewaltig. Dies hatte schließlich zur Folge, dass der Chefredakteur Klaus Behnken beurlaubt wurde, woraufhin am 21. Mai 1997 mehr als ein Dutzend Mitarbeiter die Redaktionsräume besetzt hielten, um der Geschäftsführung den Zugang zu verweigern. Es sollte die Geburtsstunde der linken Wochenzeitung „Jungle World“ werden, die aus einer Streikzeitung heraus entstand. Das Bundesamt für Verfassungsschutz ordnet diese Splitterzeitung als linksextremistisch ein. „Mit dem Versuch, die jW auf einen neulinken, antideutschen Kurs zu bringen, scheiterten sie.“ Politische Hardliner der alten Garde übernahmen nun wieder das Kommando.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in den Untersuchungsgegenstand, die Problemstellung und die methodische Herangehensweise an die Transformationsgeschichte der „Jungen Welt“.
2. Begriffserklärungen: Definition der für die Arbeit zentralen Begriffe Medien, Presse sowie Systemwechsel, -wandel und -transformation im politikwissenschaftlichen Kontext.
3. Die Printmedien im Wandel: Neue rechtliche Rahmenbedingungen als legislative Grundlage des Transformationsprozesses: Darstellung der rechtlichen und administrativen Umbrüche in der DDR-Medienlandschaft 1989/1990.
4. Die „Junge Welt“: Vom Zentralorgan der FDJ zur linksextremistischen Tageszeitung: Detaillierte Analyse der historischen Entwicklung und des Transformationsprozesses der Zeitung auf vier Ebenen.
5. Einordnung und Bewertung der Transformation der „Jungen Welt“: Synthese und kritische Einordnung der Ergebnisse hinsichtlich der tatsächlichen demokratischen Transformation der Zeitung.
6. Schlussbetrachtung: Zusammenfassung der Forschungsergebnisse und Ausblick auf die zukünftige Entwicklung und Rolle der Zeitung.
7. Bibliographie: Auflistung der verwendeten Druckwerke, Internetquellen, Zeitungen und sonstigen Materialien.
Schlüsselwörter
Junge Welt, DDR, Transformation, FDJ, Linksextremismus, Systemwechsel, SED, Pressefreiheit, Medienwende, DDR-Nostalgie, Transformation der Presse, Politikwissenschaft, Transformationsforschung, SED-PDS, Verfassungsschutz
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht den Transformationsprozess der Tageszeitung „Junge Welt“ von der Wende 1989 bis in die Gegenwart, mit Fokus auf die Jahre 1989/1990.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Arbeit thematisiert die rechtlichen Rahmenbedingungen der Medien in der DDR, die ökonomische, personelle und inhaltliche Entwicklung der Zeitung sowie deren heutige Einordnung als linksextremistisches Medium.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, die „Junge Welt“ als idealtypisches Beispiel für Transformationsforschung zu nutzen und aufzuzeigen, wie und in welcher Form sich die Zeitung in den verschiedenen Ebenen gewandelt hat.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewandt?
Der Autor nutzt eine Kombination aus einer deskriptiven historischen Analyse, einem journalistischen Sachverhaltinterview sowie einer qualitativen Inhaltsanalyse nach Philipp Mayring.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden die legislativen Grundlagen des Medienwandels, die Geschichte der „Jungen Welt“ und eine tiefgehende Analyse ihrer ökonomischen, personellen, institutionellen und inhaltlichen Transformation durchgeführt.
Welche Schlagworte charakterisieren die Arbeit am besten?
Zu den prägenden Schlagworten gehören „Transformation“, „Linksextremismus“, „Junge Welt“, „DDR-Medienlandschaft“ und „Systemwechsel“.
Wie bewertet der Autor die Transformation der Mitarbeiterschaft?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass auf personeller Ebene keine wirkliche demokratische Transformation stattfand, da viele ehemalige SED-Funktionäre und Stasi-Mitarbeiter auch nach der Wende prägende Rollen in der Redaktion innehatten.
Warum wird die „Junge Welt“ vom Verfassungsschutz beobachtet?
Die Zeitung wird als „bedeutendes Printmedium im linksextremistischen Bereich“ eingestuft, da sie laut Verfassungsschutzbericht eine traditionskommunistische Ausrichtung pflegt und antidemokratische sowie verfassungsfeindliche Positionen propagiert.
Wie verlief der ökonomische Transformationsprozess?
Die Zeitung musste sich nach dem Wegfall staatlicher DDR-Subventionen und massiven Auflagenrückgängen marktwirtschaftlich reorganisieren, was zur Gründung von Mitarbeitergesellschaften und Genossenschaften führte, um das Überleben zu sichern.
Welches Fazit zieht der Autor zur „Jungen Welt“ heute?
Der Autor zieht das Fazit, dass die „Junge Welt“ lediglich auf ökonomischer Ebene teilweise transformiert ist, während auf personeller, institutioneller und inhaltlicher Ebene keine substanzielle Entwicklung hin zu demokratischen Strukturen erkennbar ist.
- Arbeit zitieren
- Eric Holtschke (Autor:in), 2012, Kontinuität zwischen gestern und heute?, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/202368