Im Zentrum dieser Arbeit steht die Anwendbarkeit des Konzepts der ‚Persönlichen Beziehung’ von Karl Lenz auf die Beziehung zwischen einer Pflegekraft und einem pflegebedürftigen alten Menschen in stationären Altenpflegeeinrichtungen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Persönliche Beziehungen als Forschungsgegenstand der Soziologie
3. Alte Menschen und persönliche Beziehungen
4. Phasen einer Pflegekraft-Patienten-Beziehung
4.1 Modell nach Peplau
4.2 Modell nach Oehmen
4.3 Modell nach Travelbee
5. Die (harmonisierte?) Pflegebeziehungen – normative Ansprüche an das Gelingen aus der Literatur
6. Die Pflegekraft-Bewohner-Beziehung in stationären Einrichtungen der Altenpflege – eine persönliche Beziehung?
6.1 Institutionelle Besonderheiten der stationären Altenpflege bei der Beziehungsarbeit
6.2 Beziehungsgestaltung zwischen Pflegepersonal und Bewohner – ein Balanceakt
7. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Anwendbarkeit des soziologischen Konzepts der "Persönlichen Beziehungen" auf die professionelle Beziehung zwischen Pflegekräften und pflegebedürftigen Menschen in stationären Altenpflegeeinrichtungen. Dabei wird hinterfragt, inwieweit diese Beziehungen trotz institutioneller Rahmenbedingungen als persönliche Verbindungen qualifiziert werden können.
- Soziologische Grundlagen persönlicher Beziehungen
- Beziehungsdynamiken in der Lebensphase Alter
- Phasenmodelle der Pflegekraft-Patienten-Interaktion
- Normative Anforderungen an professionelle Pflegebeziehungen
- Institutionelle Besonderheiten und Beziehungsgestaltung in der stationären Altenpflege
Auszug aus dem Buch
6.2 Beziehungsgestaltung zwischen Pflegepersonal und Bewohner – ein Balanceakt
Pflegebedürftigkeit im Alter „führt uns in die Abhängigkeit der frühkindlichen Pflegebeziehung“ (Teising 2010: 105), jedoch fehlt die Aussicht auf Autonomiegewinn und Wachstum in den meisten Fällen vollständig. Dabei ist bezüglich der Beziehungsgestaltung zu beachten, dass sich ein alter Mensch durch seinen eingeschränkten Gesundheitszustand nicht immer so verhält, wie es ein Kunde in einem Geschäft tun würde – eine Hilfebedürftigkeit ist eben keine Urlaubsreise, die man, in freudiger Erwartung, systematisch planen kann (vgl. Quernheim 2010: 18). Der Bewohner ist aufgrund geistiger, physischer und psychischer Schwächen in Kontaktaufnahme und Gestaltung von Beziehungen verlangsamt oder eingeschränkt (vgl. Koch-Straube 2005: 215).
Dennoch wird von der Pflege als Dienstleistung gesprochen. Schließt diese marktwirtschaftliche Haltung im Sinne einer „Lohnpflegebeziehung“ (Schroeter 2006: 213) eine persönliche Beziehung kategorisch aus (vgl. Quernheim 2010: 32)? In pflegerischen Beziehungen stehen sich die Partner nicht gleichberechtigt gegenüber. Die Begriffe Asymmetrie, Ungleichheit im Kräfteverhältnis, Macht etc. finden sich in der Literatur (vgl. Klünder und Witt-Gülpen 2007: 752f., Schroeter 2006: 211). Pflegende können dadurch der aktiv Beeinflussende der Beziehung sein. Die Bewohner sind nach Schroeter lediglich die Nehmenden, was dazu führt, dass ein Gefühl der Abhängigkeit noch weiter verstärkt wird und die Distanz zwischen Bewohner und Pflegekraft weiter wächst (vgl. Schroeter 2006: 211).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die wissenschaftliche Diskussion und Zielsetzung der Arbeit bezüglich der Anwendbarkeit des Konzepts der „Persönlichen Beziehungen“ auf die Altenpflege.
2. Persönliche Beziehungen als Forschungsgegenstand der Soziologie: Darstellung der mikrosoziologischen Grundlagen sowie der zentralen Merkmale wie Unersetzbarkeit und Interdependenz.
3. Alte Menschen und persönliche Beziehungen: Analyse der sozialen Integration älterer Menschen und der Bedeutung von Beziehungsarbeit in der Lebensphase Alter.
4. Phasen einer Pflegekraft-Patienten-Beziehung: Reflexion ausgewählter theoretischer Phasenmodelle (Peplau, Oehmen, Travelbee) auf ihre Übertragbarkeit in die stationäre Pflege.
5. Die (harmonisierte?) Pflegebeziehungen – normative Ansprüche an das Gelingen aus der Literatur: Untersuchung der fachlichen Anforderungen an Nähe, Distanz und Echtheit in professionellen Pflegebeziehungen.
6. Die Pflegekraft-Bewohner-Beziehung in stationären Einrichtungen der Altenpflege – eine persönliche Beziehung?: Diskussion der institutionellen Einschränkungen und der komplexen Balance zwischen professioneller Rolle und persönlicher Zuwendung.
7. Fazit: Zusammenfassende Bewertung, dass eine allgemeine Klassifizierung der Pflegebeziehung als „persönliche Beziehung“ realitätsfern ist, wenngleich intensive Interaktionen möglich bleiben.
Schlüsselwörter
Pflegebeziehung, Persönliche Beziehungen, Altenpflege, stationäre Einrichtungen, Mikrosoziologie, Beziehungsarbeit, Professionelle Pflege, Pflegekraft-Bewohner-Beziehung, Interaktion, Bezugspflege, soziale Netzwerke, Bindung, Nähe und Distanz, Rollenbeziehung, Pflegeethik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Qualität und Struktur der Beziehung zwischen Pflegepersonal und Bewohnern in stationären Altenpflegeeinrichtungen vor dem Hintergrund soziologischer Konzepte.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die theoretische Fundierung "Persönlicher Beziehungen", die Anwendung pflegewissenschaftlicher Phasenmodelle und die Herausforderungen durch institutionelle Rahmenbedingungen in der Heimpflege.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage lautet, ob die professionelle Pflegebeziehung in der stationären Altenpflege als eine "persönliche Beziehung" im soziologischen Sinne verstanden werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, bei der primär der WebOpac der SLUB genutzt wurde, ergänzt durch Schneeballverfahren und Online-Datenbankrecherchen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil erörtert theoretische Grundlagen, Phasenmodelle der Pflegebeziehung, normative Anforderungen an das Gelingen sowie spezifische Besonderheiten der stationären Altenpflege.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Pflegebeziehung, stationäre Altenpflege, persönliche Beziehungen, Beziehungsarbeit und professionelle Distanz sind die Kernbegriffe.
Wie bewertet der Autor die Übertragbarkeit der Phasenmodelle?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass die Modelle (Peplau, Oehmen, Travelbee) aufgrund ihrer oft idealisierten Darstellung und der abweichenden Rahmenbedingungen in der stationären Altenpflege nur eingeschränkt übertragbar sind.
Warum wird die Bezeichnung "Persönliche Beziehung" im Heimkontext kritisch hinterfragt?
Kritikpunkte sind unter anderem die Asymmetrie der Beziehung, das Machtgefälle, die institutionellen Restriktionen sowie die Notwendigkeit professioneller Distanz zur Vermeidung emotionaler Überlastung.
- Arbeit zitieren
- Christian Matysik (Autor:in), 2012, Die professionelle Pflegebeziehung – eine persönliche Beziehung?, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/202189