Die Definition von „europäisch“ fällt nicht leicht, bedeutet grundsätzlich aber „Europa betreffend“. Die Koproduktion kann als Gemeinschaftsherstellung definiert werden. Hierbei sind Koproduktionsverträge ein wichtiges Instrument zur Festhaltung und Bestimmung der Abmachungen mit dem Partner.
Die europäische Koproduktion verbindet dagegen die Definitionen von „europäisch“ und „Koproduktion“, wobei auch hier Uneinigkeit herrscht. Es kommt immer darauf an, vor welcher Institution es sich zu rechtfertigen gilt. So gilt ein palästinensischer Film für den Europäischen Filmpreis beispielsweise als europäischer Film.
Die Finanzierung ist ein Schlüsselthema in der europäischen Koproduktion. Sie differenziert sich von nationalen Produktion oder sonstigen internationalen Koproduktionen dadurch, dass die verschiedenen europäischen Länder ihre verschiedenen Regularien und Voraussetzungen haben. Zentraler Faktor ist aber europaweit die Filmförderung. Denn europäische Koproduktionen können sowohl die eigene nationale (oder gar regionale) Förderung beantragen, als auch über europaweite Mittel (MEDIA oder EURIMAGES) verfügen. Die privaten Mittel kommen im Grunde von den gleichen Stellen wie in einer nationalen Produktion. Der Unterschied macht das Geld: die Rechte können über Landesgrenzen hinweg viel einfacher verkauft werden. Somit fließt auch mehr Geld in die Koproduktion.
Die europäischen Koproduktionen haben einige Vorteile gegenüber nationalen Produktionen: Hauptpunkt sind auch hier wieder die Finanzen. Durch mehr Partner ist die Produktion für den einzelnen Produzenten verhältnismäßig günstiger. Entsprechend mehr Umsätze können generiert werden. Dem gegenüber steht der Nachteil, dass die Produktion an sich aber teurer ist und eben der Produzent mit mehr Geld an der Produktion beteiligt ist. Auch die Rechte für die Auswertung im internationalen Markt müssen geteilt werden. So können die Vorteile schnell zu Nachteilen werden.
Um herauszufinden, welche Produktionsform erfolgreicher ist, müssen die wirtschaftlichen und kulturellen Faktoren ausgewertet werden. Die Untersuchung ergibt, dass die europäischen Koproduktionen zwar quantitativ hinter den nationalen Produktionen liegen. Dennoch sind sie dahingehend erfolgreicher, als sie im Durchschnitt in mehreren Ländern zu sehen waren und entsprechend mehr Kinobesucher hatten. Kulturell sind sie, unter der Voraussetzung, dass die Kultur anhand von Filmpreisen untersucht wer-den kann, ebenso im Vorteil.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Europäische Koproduktionen
2.1 Definition von Europäisch
2.2 Definition von Koproduktion
2.2.1 Internationale Koproduktion und die Abgrenzung zur internationalen Produktion
2.2.2 Koproduktionsverträge
2.3 Definition von europäischen Koproduktionen
3 Finanzierung
3.1 Öffentliche Mittel
3.1.1 Nationale Filmförderungsmodelle
3.1.1.1 Finanzierung der Einrichtungen
3.1.1.2 Verteilung der Ausgaben
3.1.2 Europaweite Filmförderung
3.1.2.1 MEDIA
3.1.2.2 EURIMAGES
3.1.2.3 Weitere Maßnahmen
3.2 Private Mittel
3.2.1 Fernsehsenderrr
3.2.2 (Welt-)Vertrieb und Verleih
3.2.3 Weitere private Finanzierungsmöglichkeiten
4 Unterschiede europäischer Koproduktionen zu nationalen Produktionen
4.1 Vorteile europäischer Koproduktionen
4.1.1 Finanzielle Vorteile
4.1.2 Sonstige Vorteile
4.2 Nachteile europäischer Koproduktionen
5 Kritische Analyse von Erfolgsfaktoren
5.1 Wirtschaftliche Kriterien
5.1.1 Produktionsvolumen
5.1.2 Export
5.1.3 Besucherzahlen
5.2 Kultureller Erfolg
5.2.1 Filmfestivals
5.2.2 Filmpreise
5.2.3 Genres
5.3 Zwischenfazit zum Erfolg
6 Fazit
Zielsetzung & Themen der Bachelorarbeit
Die vorliegende Arbeit analysiert europäische Koproduktionen im Hinblick auf deren ökonomische und kulturelle Erfolgsfaktoren im Vergleich zu nationalen Produktionen. Ziel ist es, die spezifischen Vor- und Nachteile dieses Produktionsmodells zu untersuchen und zu bewerten, inwiefern europäische Koproduktionen eine wirksame Strategie gegen die Marktdominanz außereuropäischer Filmproduktionen darstellen.
- Grundlagen und Definitionen europäischer Koproduktionen
- Strukturen der öffentlichen und privaten Filmfinanzierung in Europa
- Analyse finanzieller und sonstiger Vorteile von Koproduktionen
- Kritische Untersuchung von Erfolgsfaktoren wie Export, Besucherzahlen und kulturelle Anerkennung
- Vergleich von Produktionsvolumina und Filmpreisen zwischen Koproduktionen und nationalen Produktionen
Auszug aus dem Buch
4.1.1 Finanzielle Vorteile
Der größte finanzielle Vorteil stellt dabei die Teilung der Kosten, dem sogenannten Costsharing, dar. Ein Koproduzent kann seinen Teil des Budgets bspw. durch die Filmförderung in seinem Land und Eigenmittel zusammenstellen. Durch die Kostenteilung entsteht eine Teilung des Risikos bei einem finanziellen Flop, da die eigenen Investitionen geringer sind als bei einer vergleichbaren nationalen Produktion. Durch eine Koproduktion liegt das Budget einer europäischen Koproduktion in der Regel über dem der rein nationalen Produktion. Das kann auch zu besseren Produktionsmöglichkeiten führen u. a. Economies of Scope (dt. Verbundvorteile): So können zum Beispiel große Teile bei der Einreichung eines Förderantrags auch für die in den Koproduktions-Ländern verwendet werden, was letztlich Arbeitskraft und damit Geld spart (vgl. Thiermeyer, 1996, S. 36).
Neben der Beantragung landeseigener Filmförderungen besteht durch eine europäische Koproduktion auch die Möglichkeit einer europaweiten Förderung aus dem Fördertopf der EURIMAGES oder des MEDIA-Programms (vgl. Bomnüter & Scheller, 2009, S. 96).
Eine der Bedingungen von Fördereinrichtungen ist die Stärkung der Wirtschaft – die Bedingung ist das Erzielen sogenannter Effekte. Eine Produktion bekommt die Auflage, in jenen Förderregionen Geld auszugeben. Dies kann insofern von Vorteil sein, als die Kosten in anderen Ländern für Steuern, Löhne, Mieten oder Ähnliches geringer ausfallen. Osteuropa ist ein Beispiel dafür. Groh und Foerster (2012) sprechen vom „neuen Hollywood“, weil viele Projekte dort aus Kostengründen realisiert werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Bedeutung des europäischen Films als Wirtschafts- und Kulturgut sowie die Notwendigkeit von Koproduktionen angesichts des wachsenden internationalen Konkurrenzdrucks.
2 Europäische Koproduktionen: Dieses Kapitel definiert die grundlegenden Begriffe „europäisch“ und „Koproduktion“ und grenzt diese von internationalen Produktionen ab.
3 Finanzierung: Es erfolgt eine detaillierte Analyse der öffentlichen sowie privaten Finanzierungsmöglichkeiten für europäische Koproduktionen.
4 Unterschiede europäischer Koproduktionen zu nationalen Produktionen: Hier werden die finanziellen und sonstigen Vor- und Nachteile von Koproduktionen gegenüber rein nationalen Produktionen gegenübergestellt.
5 Kritische Analyse von Erfolgsfaktoren: Dieses Kapitel bewertet den Erfolg europäischer Koproduktionen anhand ökonomischer Kriterien wie Produktionsvolumen und Besucherzahlen sowie kultureller Aspekte wie Festivalpreise.
6 Fazit: Das Fazit fasst die Untersuchungsergebnisse zusammen und betont die Bedeutung von Koproduktionen als Alternative zu nationalen Produktionen zur Sicherung kultureller Vielfalt.
Schlüsselwörter
Koproduktionen, Filmfinanzierung, Europa, Erfolgsfaktoren, Film, Filmförderung, Medienmanagement, Kinoproduktion, MEDIA, EURIMAGES, Kostenteilung, Kulturvielfalt, Filmwirtschaft, Produktionsvolumen, Filmpreise
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Strukturen, Finanzierungsmodelle und Erfolgsfaktoren von europäischen Koproduktionen im Vergleich zu rein nationalen Filmproduktionen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen umfassen die Definition europäischer Koproduktionen, die verschiedenen öffentlichen und privaten Finanzierungswege sowie die ökonomischen und kulturellen Erfolgsaspekte.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es zu untersuchen, ob europäische Koproduktionen gegenüber nationalen Produktionen erfolgreicher sind und welche Faktoren zu diesem Erfolg beitragen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es wurde eine theoretische Analyse auf Basis vorhandener Fachliteratur sowie eine vergleichende Untersuchung von Statistiken (z.B. Besucherzahlen, Filmpreise) für das Referenzjahr 2010 durchgeführt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil behandelt neben der theoretischen Definition die Finanzierungsstrukturen (MEDIA, EURIMAGES, private Mittel), die Vor- und Nachteile von Koproduktionen sowie die empirische Analyse von wirtschaftlichen und kulturellen Erfolgsindikatoren.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Koproduktionen, Filmfinanzierung, Europa, Erfolgsfaktoren, Film, Filmförderung und Medienmanagement.
Welche Rolle spielt die Filmförderung bei europäischen Koproduktionen?
Die Filmförderung ist ein zentraler Faktor; sie dient sowohl der Wahrung kultureller Identität als auch der Stärkung der Wirtschaft und bietet durch Programme wie MEDIA oder EURIMAGES zusätzliche Finanzierungsanreize.
Sind europäische Koproduktionen generell erfolgreicher als nationale Produktionen?
Die Untersuchung zeigt, dass europäische Koproduktionen zwar quantitativ hinter nationalen Produktionen zurückbleiben, aber im Durchschnitt in mehr Ländern verwertet werden, höhere Besucherzahlen pro Film erzielen und kulturell bei Preisverleihungen erfolgreicher sind.
- Quote paper
- Daniel Wegner (Author), 2012, Europäische Koproduktionen. Analyse und Erfolgsuntersuchung, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/202112