„Schönheit ist ein gar willkommener Gast.“ – so sinnierte vor ungefähr 300 Jahren schon Johann Wolfgang von Goethe. Seit jeher widmet sich der Mensch seinem Körper, seinem Aussehen, seiner Schönheit.
Selbstbewusstsein, beruflicher sowie privater Erfolg, ja sogar die Lebensqualität – das alles hängt für viele vom äußeren Erscheinungsbild eines Menschen ab. Dabei sind die meisten Personen der Ansicht, dass Attraktivität und Erfolg unmittelbar miteinander verbunden sind. Ich möchte daher herausfinden, welche Anforderungen die Gesellschaft an das Aussehen von Individuen stellt.
Der Fokus dieser Bachelorarbeit mit dem Thema „Ich bin schön, also bin ich? Weibliche Körperideale und Subjektivitätsmuster im Nationalsozialismus und der Gegenwart im Vergleich“ wird sich auf das Aussehen der Frau legen, da das weibliche Geschlecht zwar im Allgemeinen als das starke Geschlecht gilt, es trotzdem aber immer mit Vorurteilen zu kämpfen hat und sich gerade wegen und auch mit seiner Körperlichkeit gegen die Männerwelt behaupten muss. Dieses weibliche Bild möchte ich in zwei unterschiedlichen Zeiträumen untersuchen: Zum einen blicke ich näher auf den Nationalsozialismus als eine sehr außergewöhnliche Etappe in der deutschen Geschichte. In dieser Zeit konnte der Staat eine enorme Wirkung auf das weibliche Individuum und sein körperliches Aussehen ausüben, so dass immer ein bestimmtes Bild der Frau vermittelt wurde. Zum anderen blicke ich mich in der heutigen Zeit um. Das Aussehen von Frauen wird immer mehr von der Werbung und den darin abgebildeten Idealkörper von Supermodels beeinflusst und durch Mode, Diäten und Schönheitsoperationen verändert. Mit meiner Descartes-Abwandlung „Ich bin schön, also bin ich?“ ziele ich genau darauf ab, dass Aussehen immer wichtiger dafür wird, um sich im privaten sowie im beruflichen Leben zu entfalten. Das Fragezeichen dahinter verdeutlicht aber, dass Schönheit nicht gleichzeitig ein vollkommenes Leben bedeuten muss, sondern dass dazu noch mehr Faktoren berücksichtigt werden müssen. Das Original „Ich denke, also bin ich“ impliziert einen denkenden Menschen, der nur auf Grund seiner Fähigkeit zum Denken und Überlegen als Mensch konzipiert wird. Doch ist ein Mensch auch ein Mensch, nur weil er schön ist?
Zusammenfassend will ich also auf den folgenden Seiten darstellen, anhand welcher Merkmale sich heute und im Nationalsozialismus weibliche Körperideale festmachen lassen und welche Erwartungen damit verbunden werden. [...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Zur Relevanz der Schönheit in den Sozialwissenschaften
3. Die Evolution der Schönheit
4. Die Subjektivitätstheorie nach Michel Foucault
5. Schönheit im Nationalsozialismus
5.1. Das arische Ideal
5.2. Körperfreude
5.3. Nackte Natürlichkeit
5.4. Zwischenfazit
6. Schönheit in der Gegenwart
6.1. Magere Zeiten
6.2. Jugendlichkeit
6.3. Fitness und Schönheits-OPs
6.4. Individualität und Authentizität
6.5. Zwischenfazit
7. Ich bin schön, also bin ich (gut)?
8. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht und vergleicht weibliche Körperideale sowie Subjektivitätsmuster im Nationalsozialismus und in der heutigen Zeit, um herauszufinden, welchen Anforderungen die Gesellschaft das Aussehen von Frauen unterwirft und wie Schönheit das Selbstverständnis beeinflusst.
- Historischer Wandel weiblicher Schönheitsideale
- Anwendung der Subjektivitätstheorie nach Michel Foucault auf Körperlichkeit
- Analyse von Schönheitsnormen und Körperdisziplinierung im Nationalsozialismus
- Einfluss von Medien, Werbung und Fitnesswahn in der Gegenwart
- Die Verknüpfung von physischer Attraktivität und sozialer Bewertung
Auszug aus dem Buch
5.2. Körperfreude
„Sieg der Körperfreude! Das ist nicht mehr und nicht weniger als zugleich ein Appell an das Gewissen. Die Durchführung der Aufgabe, die mit dem Appell gegeben ist, dient dir selbst und anderen zugleich. Bestärkt dich nicht das Glücksgefühl körperlichen Aufatmens nach Stunden der Ruhe, der Nacht oder nach einem vollbrachten Kampf – zu stets neuem Beginnen?“
Wie Burghardt es beschrieb, so zählte körperliche Ertüchtigung zu einem normalen Alltag der Bevölkerung dazu. Er sah den Sinn im Sport als Aufgabe für sich selbst und seine Mitmenschen – quasi als „Lebensprinzip“, das – wenn man es nicht befolgt – für kein glückliches und erfülltes Leben garantieren kann. Andersherum formuliert: Nur wer sich körperlich ertüchtigt, wird sich seines eigenen Körpers wahr, wird aus Foucaultscher Sicht zum Subjekt. Die Disziplinierung des eigenen Körpers kann also als pars pro toto verstanden werden: Nur wer sich seines eigenen Körpers erfreut, der erfreut sich auch am Leben.
Zum arischen Ideal zählte neben einem natürlichen, jugendlichen Gesicht an zweiter Stelle auch ein schöner, definierter Körper, den sich die Frauen damals in zahlreichen Übungseinheiten antrainierten. Der Grund dafür war nach Theweleit die Transformation des ungeformten, unbefleckten Körpers in den geformten, gezüchtigten und disziplinierten Leib in der totalen Institution einer militärischen Maschinerie. Von einem äußerlichen, politischen und militärischen Zwang getrieben, liefen, rannten, warfen, schwammen und tanzten die Menschen – männlich wie weiblich. Die NS-Körperpolitik war von der Gier nach einem schönen Körper für jedermann getrieben, da sie „im Körper die Manifestation nicht nur von sozialer Biografie und Umwelteinfluss, sondern vor allem der »geistig-seelischen Merkmale« des Menschen, die sich auf die »Rassezugehörigkeit« zurückführten“, sahen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Fragestellung und den Vergleich der zwei Zeitepochen bezüglich weiblicher Körperideale.
2. Zur Relevanz der Schönheit in den Sozialwissenschaften: Erörterung der sozialwissenschaftlichen Perspektive auf Schönheit und ihrer Entwicklung seit den 1970er Jahren.
3. Die Evolution der Schönheit: Historischer Abriss über verschiedene weibliche Körperideale im Wandel der Zeit.
4. Die Subjektivitätstheorie nach Michel Foucault: Theoretische Grundlegung über die historische Konstitution von Subjekten und Diskurse der Macht.
5. Schönheit im Nationalsozialismus: Untersuchung der nationalsozialistischen Frauen- und Rassenideologie sowie der Rolle von Körperdisziplin.
6. Schönheit in der Gegenwart: Analyse moderner Schönheitsideale unter Einfluss von Werbung, Diät- und Fitnesswahn.
7. Ich bin schön, also bin ich (gut)?: Diskussion über die soziale Bewertung von Attraktivität und die Annahme einer Verbindung zwischen Schönheit und Gutsein.
8. Fazit und Ausblick: Zusammenfassung der wesentlichen Erkenntnisse und Reflexion über die Freiheit der Frau im Umgang mit dem eigenen Körper.
Schlüsselwörter
Schönheitsideal, Nationalsozialismus, Körperlichkeit, Subjektivitätstheorie, Michel Foucault, Körperdisziplinierung, Rassenhygiene, Fitnesswahn, Authentizität, Schlankheitsideal, Moderne, Machtverhältnisse, Frauenbild, Körperkultur, Identitätsbildung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Bachelorarbeit untersucht, wie gesellschaftliche Normen und Ideale das weibliche Körperbild sowohl im Nationalsozialismus als auch in der heutigen Zeit prägen und wie diese den Wert einer Frau definieren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit beleuchtet den Wandel von Schönheitsidealen, die Rolle von Körperdisziplinierung, den Einfluss von Machtstrukturen auf das Individuum sowie die Auswirkungen von Fitness- und Magerkeitsidealen auf das moderne Frauenbild.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, Übereinstimmungen und Unterschiede in der gesellschaftlichen Anforderung an das weibliche Aussehen über die zwei Zeitepochen hinweg herauszuarbeiten und die Machtmechanismen zu interpretieren, die dahinterstehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin geht qualitativ vor und nutzt einen Vergleich von Texten, Materialien, Fotografien und Werbeplakaten, fundiert durch die diskurstheoretischen Ansätze von Michel Foucault.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des NS-Frauenbildes (arische Ideale, Nacktheit, Körperfreude) und der zeitgenössischen Schönheitsideale (Schlankheitswahn, Fitness, Jugendsuche, Inszenierung der Authentizität).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Körperlichkeit, Machtverhältnisse, Schönheitsideal, Subjektivität, Disziplinierung und den historischen Vergleich charakterisiert.
Welche Rolle spielt Michel Foucault für die Argumentation?
Foucault liefert das theoretische Gerüst, um zu erklären, wie Individuen durch gesellschaftliche Diskurse und Machtpraktiken zu „Subjekten“ geformt werden, die sich selbst disziplinieren.
Warum wird Nacktheit im Nationalsozialismus als Thema behandelt?
Nacktheit wird in der Arbeit als Zeichen der Natürlichkeit und Lebensfreude analysiert, die jedoch gleichzeitig biopolitisch zur Sichtbarmachung der Rassemerkmale diente.
Was bedeutet der Begriff „Authentizität“ in der Gegenwart?
In der heutigen Zeit beschreibt der Begriff eine „gemachte Natürlichkeit“, bei der der enorme Zeit- und Arbeitsaufwand für das Aussehen hinter einer Fassade der Mühelosigkeit verborgen werden muss.
- Quote paper
- Franziska Hochmair (Author), 2012, Ich bin schön, also bin ich? Weibliche Körperideale und Subjektivitätsmuster im Nationalsozialismus und in der Gegenwart im Vergleich, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/202081