Durch einen Literaturvorschlag in der Lehrveranstaltung wurde ich auf den Artikel „Die virtuelle Welt als Psychodrama-Bühne“ von Ernst Silbermayr aus der Zeitschrift für Psychodrama und Soziometrie aufmerksam. Darin werden Gefahren und Chancen von Online-Rollenspielen diskutiert. Dieses Thema fand ich sofort sehr spannend, weil man gerade als junger Mensch meiner Generation solche Rollenspiele im Internet von vielen Freunden und Bekannten kennt. Meine Generation ist mit dem Internet aufgewachsen und hat ein ganz anderes Verständnis für und einen anderen Zugang zu den verschiedenen Möglichkeiten, die die virtuelle Welt bietet. Viele Erwachsene älterer Generationen konnten mit dieser Entwicklung nicht schritthalten und stehen dem Internet dementsprechend skeptisch gegenüber. Dadurch haben viele Eltern überhaupt keine Ahnung davon, wie das Leben ihrer Kinder in dieser virtuellen Welt aussieht und können sie somit auch nicht begleiten oder beschützen. Insofern birgt dieser Generationenkonflikt eine große Gefahr. In den Medien wurde im Zusammenhang mit Amokläufen viel über die Gefahren von bestimmten Computerspielen diskutiert. Dabei wurde dann zumeist die Gewalt in diesen Spielen in den Vordergrund gestellt. Doch die eigentlich wichtige Frage in diesem Zusammenhang ist: Warum flüchten sich soviele Jugendliche in virtuelle Welten? Welche Möglichkeiten bieten sich ihnen dort, die sie in der realen Welt nicht haben? Dabei geht es vor allem um das Rollenspiel, welches auf der virtuellen Bühne stattfindet. Der Spieler erschafft sich ein Alter ego, mit dem er in der virtuellen Welt agiert, den sogenannten Avatar.
Im Folgenden möchte ich mich auf Grundlage des Artikels von Herrn Silbermayr mit den Fragen beschäftigen, welche Möglichkeiten und Chancen dieses Rollenspiel im Internet den Spielern bietet und welche Zusammenhänge zum Psychodrama es dabei gibt. Dazu werde ich einen kurzen Abriss der Biographie Jakob Levy Morenos geben und dann das Psychodrama nach Moreno soweit erläutern, wie es für meine Thematik relevant ist. Außerdem werde ich auf die Gefahren eingehen, die im Zusammenhang mit Rollenspielen im Internet entstehen können und wie man möglicherweise den Betroffenen Hilfe anbieten könnte.
Inhaltsverzeichnis
1. Reflexion des Seminarinhaltes
2. Persönliche Reflexion
3. Rollenspiele in der virtuellen Welt – Chance oder Gefahr?
3.1 Einleitung
3.2 Rollenspiele im Kontext des Psychodramas nach Moreno
3.3 Virtuelles Rollenspiel
3.4 Parallelen und Unterschiede
3.5 Gefahren und mögliche Chancen für die Zukunft
3.6 Studie von Barbara Klotz zu Online-Rollenspielen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit setzt sich kritisch mit der psychodramatischen Methode auseinander, reflektiert die im Seminar vermittelten Inhalte und untersucht die Übertragbarkeit bzw. Abgrenzung des Rollenspiels im Psychodrama zum modernen Online-Rollenspiel in virtuellen Welten. Die zentrale Forschungsfrage lautet, welche Chancen und Risiken das Rollenspiel im Internet für Jugendliche bietet und inwieweit die therapeutische Begleitung hier eine notwendige Rolle einnehmen sollte.
- Grundlagen der soziometrischen Methoden und des sozialen Atoms.
- Methodik des Psychodramas nach Moreno in der therapeutischen Arbeit mit Kindern.
- Phänomenologie und Faszination von Online-Rollenspielen (MMORPGs).
- Vergleichende Analyse: Psychodramatische Bühne vs. virtuelle Internet-Bühne.
- Risiken der Internetsucht und die Bedeutung professioneller therapeutischer Integration.
Auszug aus dem Buch
3.4 Parallelen und Unterschiede
Die Gemeinsamkeiten zwischen dem Rollenspiel im Psychodrama und dem Online-Rollenspiel sind zunächst, dass es eine geschützte Bühne fernab des realen Lebens gibt, auf der die Person bestimmte Rollen ausleben kann. Dabei wird sie kreativ, gestaltet selbst und lässt ihrer Fantasie freien Lauf. Dadurch, dass nur gespielt wird, spürt die Person Kontrolle und Sicherheit, die es im realen Leben so nicht gibt. Dieses gibt ihr die Freiheit, neue Rollen auszuprobieren, ihr Rollenrepertoire zu erweitern und somit quasi für das reale Leben zu üben. Doch der zentrale Unterschied zwischen dem therapeutischen Rollenspiel und dem Online-Rollenspiel zeigt sich sehr schnell: Beim Online-Spiel ist der Spieler ganz auf sich alleine gestellt. Er hat keinen Psychodramaleiter zur Seite, der gegebenenfalls unterstützend zur Seite stehen kann. „Nahtstelle zwischen Zweckfreiheit und Zweck des Psychodramas ist der Psychodramaleiter.“, so sagt es Grete Leutz in ihrem Buch über das Psychodrama (Leutz, 1974). Beim Rollenspiel im Internet gibt es keine Hilfs-Ichs und kein Sharing, die Begleitung und Aufbereitung fehlt komplett. Das Erlebte bleibt somit zum Großteil unreflektiert. Der Spieler kann zwar eine Rolle einnehmen, ein Rollentausch ist jedoch nicht möglich. Er hat nicht die Möglichkeit, sich in eine reale Person hineinzuversetzen und dies ist ein entscheidender Mangel (Silbermayr, 2010).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Reflexion des Seminarinhaltes: Die Autorin erläutert zentrale Konzepte wie das soziale Atom und soziometrische Methoden sowie deren therapeutische Anwendung in der Arbeit mit Kindern.
2. Persönliche Reflexion: Ein persönlicher Rückblick auf die Lerninhalte des Seminars, die methodische Abwechslung und die Herausforderungen der Literaturrecherche.
3. Rollenspiele in der virtuellen Welt – Chance oder Gefahr?: Einleitende Problemstellung zur Faszination von Online-Welten für die heutige Generation.
3.1 Einleitung: Darstellung der Relevanz des Themas im Generationenkontext und Einführung in die Fragestellung nach den Chancen und Gefahren virtueller Rollenspiele.
3.2 Rollenspiele im Kontext des Psychodramas nach Moreno: Biographischer Abriss zu J.L. Moreno und Erläuterung der psychodramatischen Rollentheorie und Arbeitsweise.
3.3 Virtuelles Rollenspiel: Analyse der technischen und psychologischen Aspekte von MMORPGs und der Gestaltung von Avataren.
3.4 Parallelen und Unterschiede: Gegenüberstellung von therapeutischem Spiel und Internet-Rollenspiel unter Fokus auf die fehlende therapeutische Begleitung bei letzterem.
3.5 Gefahren und mögliche Chancen für die Zukunft: Diskussion über Internetsucht, notwendige Diagnosekriterien und die Notwendigkeit therapeutischer Intervention.
3.6 Studie von Barbara Klotz zu Online-Rollenspielen: Zusammenfassung der Ergebnisse einer Diplomarbeit über das Suchtpotenzial und die Korrelate der Online-Rollenspielnutzung.
Schlüsselwörter
Psychodrama, Soziometrie, Rollenspiel, Soziales Atom, Online-Rollenspiele, MMORPG, Avatar, Internetsucht, Jakob Levy Moreno, Therapeutische Arbeit, Kindgerechte Therapie, Digitale Kluft, Rollenrepertoire, Virtuelle Welt, Suchtprävention.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit reflektiert die theoretischen und praktischen Grundlagen des Psychodramas und setzt diese in Bezug zur modernen Nutzung von Online-Rollenspielen bei Jugendlichen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Felder sind die psychodramatische Methode nach Moreno, die therapeutische Arbeit mit Kindern, sowie die Analyse virtueller Identitätsbildung durch Online-Rollenspiele.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen dem schützenden, therapeutisch begleiteten Rahmen des Psychodramas und dem unreflektierten, teils riskanten Konsum von Online-Rollenspielen aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse sowie der Reflexion von Seminarinhalten und schließt mit einer zusammenfassenden Darstellung einer empirischen Diplomstudie zu Online-Rollenspielen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine fundierte Einführung in die Psychodrama-Theorie nach Moreno und eine kritische Auseinandersetzung mit der "virtuellen Bühne" in Online-Welten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Psychodrama, Soziometrie, Rollenspiel, Avatar, Internetsucht und therapeutische Integration charakterisiert.
Welche Bedeutung kommt dem "sozialen Atom" in der Arbeit zu?
Es dient als theoretisches Fundament, um das Individuum stets innerhalb seines Beziehungsgeflechts zu betrachten, was für die therapeutische Arbeit mit Kindern essenziell ist.
Warum betont die Autorin die Bedeutung des Therapeuten im Rollenspiel?
Weil im Gegensatz zum Internet-Rollenspiel nur ein ausgebildeter Therapeut (oder Psychodramaleiter) Reflexion, Hilfs-Ichs und Rollentausch anleiten kann, um Selbstheilung statt Rückzug zu ermöglichen.
Welche Rolle spielt die Studie von Barbara Klotz im Text?
Sie dient als empirischer Beleg für die psychischen Korrelate (Depressivität, Sensation Seeking) exzessiver Online-Rollenspielnutzung und unterstreicht den Bedarf an Diagnosekriterien.
- Arbeit zitieren
- Melanie Römer (Autor:in), 2011, Überblick über die Therapieform des Psychodramas, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/202040