Die wiederkehrenden Fressanfälle/Heißhungerattacken mit einhergehendem Kontrollverlust bzgl. Menge, Anfang und Ende des Essens, sind das gemeinsame Merkmal der „Binge-Eating-Störung“ und der Bulimia nervosa des Nicht-Purging-Typ sowie des Purging-Typ. Fressanfälle mit Kontrollverlust sind ebenso beim aktiven Typus, der Anorexia nervosa, dem Binge-Eating/Purging-Typ möglich, doch ergreift die Person, die unter BES leidet nicht regelmäßig bis gar nicht zu unangemessenen kompensatorischen Maßnahmen, wie zum Beispiel Fasten, Diäthalten, exzessives Sporttreiben, Gebrauch von Diuretika und/oder Laxantien bzw. zu selbstinduziertem Erbrechen, um ihr Gewicht zu regulieren.
Inhaltsverzeichnis
1 Diagnostik und Symptomatik
2 Komorbidität
3 Epidemiologie
4 Verlauf
5 Ätiologie und Erklärungsmodelle
6 CBT als Beispiel einer Therapiemöglichkeit
7 Reflexion: Welche Gefahren könnte eine Behandlung bergen?
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Seminararbeit verfolgt das Ziel, das klinische Störungsbild der Binge-Eating-Störung (BES) umfassend zu beleuchten. Dabei steht die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Symptomatik, den epidemiologischen Daten sowie den therapeutischen Ansätzen im Fokus, um ein tieferes Verständnis für die biopsychosozialen Aspekte und die Herausforderungen der Behandlung zu entwickeln.
- Diagnostische Einordnung und Abgrenzung von anderen Essstörungen
- Analyse der Komorbiditäten und ätiologischen Erklärungsmodelle
- Evaluation von Verlaufsformen und Remissionsraten
- Diskussion der kognitiven Verhaltenstherapie (CBT) als Therapieansatz
- Kritische Reflexion über Risiken und die Notwendigkeit von Prävention
Auszug aus dem Buch
Reflexion: Welche Gefahren könnte eine Behandlung bergen?
Als häufige Folge einer Binge-Eating-Störung tritt Übergewicht bzw. Adipositas in verschiedenen Schweregraden ein. Hier gilt es zuerst die Störung zu behandeln, bevor mit einer Diät das Gewicht reduziert wird (Munsch, 2007, S.20). Doch was ist, wenn nach erfolgreicher Therapie, das Vorhaben abzunehmen zum Verhängnis für die Klienten wird? Sehr wahrscheinlich verliert ein großer Teil der übergewichtigen Personen aufgrund des neu erlernten Essverhaltens, im Zuge einer kognitiven Verhaltenstherapie, automatisch einen erheblichen Anteil an Gewicht. Doch um noch mehr Gewicht zu verlieren, was in einigen Fällen aus gesundheitlicher Sichtweise sicherlich nötig ist, müssen weitere zusätzliche Maßnahmen getroffen werden; Diäthalten, Sporttreiben und ein spezieller Ernährungsplan.
Verspricht das neue Essverhalten und die damit einhergehende neu entwickelte Lebenseinstellung (vgl. Munsch, 2007, S.129) den Verlust von Gewicht zwar dauerhaft, so ist dennoch ein sehr hohes Durchhaltevermögen nötig, um diesen Weg erfolgreich ohne gravierende Rückschläge zu beschreiten. Um auf lange Sicht zu remittieren und ein Normgewicht zu erlangen und zu behalten, braucht es nicht nur eine erfolgreich abgeschlossene Therapie, sondern eine in-sich stark gefestigte Person, die bestenfalls noch von außerhalb Unterstützung erhält. Denn es könnten insgeheim oder unterbewusst stets noch andere Wünsche mit einer Gewichtsreduktion verbunden sein, die unaufhaltsam von unserer heutigen Gesellschaft und dessen Schönheitsvorstellungen und den damit verbundenen Idealbildern, beeinflusst und angetrieben werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Diagnostik und Symptomatik: Dieses Kapitel definiert die Binge-Eating-Störung als eigenständiges Krankheitsbild und grenzt sie durch den Fokus auf Essanfälle ohne regelmäßige kompensatorische Maßnahmen von anderen Essstörungen ab.
2 Komorbidität: Hier wird aufgezeigt, dass bei Betroffenen häufig psychische Begleiterkrankungen wie Depressionen oder Angststörungen auftreten und eine Verbindung zu soziokulturellen Faktoren besteht.
3 Epidemiologie: Das Kapitel liefert Daten zur Prävalenz der Störung in der Bevölkerung und thematisiert Unterschiede im Geschlechterverhältnis sowie im Alter bei Erstauftreten im Vergleich zur Anorexia nervosa.
4 Verlauf: Es werden Erkenntnisse zu kurz- und langfristigen Remissionsraten nach stationären Therapien sowie die Schwierigkeiten bei der Bestimmung von Rückfallquoten und Chronifizierungen diskutiert.
5 Ätiologie und Erklärungsmodelle: Hier werden multifaktorielle Erklärungsmodelle vorgestellt, die biologische, soziokulturelle und individuelle Faktoren sowie Bewältigungsstrategien in den Fokus rücken.
6 CBT als Beispiel einer Therapiemöglichkeit: Das Kapitel beschreibt die kognitive Verhaltenstherapie als Standardbehandlung, die in drei Phasen darauf abzielt, das Essverhalten zu normalisieren und Coping-Strategien zu erlernen.
7 Reflexion: Welche Gefahren könnte eine Behandlung bergen?: Eine kritische Auseinandersetzung mit potenziellen Gefahren nach einer Therapie, wie etwa der Entwicklung von Suchtverhalten oder neuen psychischen Störungen, und die Betonung der präventiven Arbeit.
Schlüsselwörter
Binge-Eating-Störung, BED, Essstörung, Essanfälle, Kontrollverlust, Adipositas, kognitive Verhaltenstherapie, CBT, Komorbidität, Epidemiologie, Prävention, psychische Gesundheit, Remission, Essverhalten, Körperbild.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit bietet einen fundierten wissenschaftlichen Überblick über die Binge-Eating-Störung, ihre diagnostischen Merkmale, Ursachen sowie therapeutische Möglichkeiten.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Schwerpunkte liegen auf der klinischen Symptomatik, den begleitenden psychischen Störungen (Komorbiditäten), der Häufigkeit des Auftretens und den psychotherapeutischen Behandlungswegen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, das Krankheitsbild der Binge-Eating-Störung aus rehabilitationspsychologischer Sicht transparent zu machen und sowohl die Erfolge der Therapie als auch die damit verbundenen Risiken kritisch zu beleuchten.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse aktueller psychologischer Fachliteratur, Manuale und Studien zur Binge-Eating-Störung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die diagnostische Einordnung, die Betrachtung von Begleiterkrankungen, epidemiologische Kennzahlen, den zeitlichen Krankheitsverlauf sowie Erklärungsmodelle und therapeutische Interventionen mittels CBT.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind neben der Binge-Eating-Störung selbst, die kognitive Verhaltenstherapie (CBT), Adipositas, Essanfälle, Remission und Prävention.
Warum wird die Binge-Eating-Störung von der Bulimia nervosa abgegrenzt?
Die Abgrenzung erfolgt primär über das Fehlen regelmäßig auftretender kompensatorischer Maßnahmen (wie Erbrechen oder exzessiver Sport) nach den Essanfällen, die bei der Bulimia nervosa typisch sind.
Welche Rolle spielt die Prävention laut der Autorin?
Die Prävention wird als essenziell erachtet, da sich Essstörungen bereits in frühen Jahren etablieren und frühzeitige Interventionen den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen können.
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- Heike Ullrich (Author), 2011, Binge-Eating-Störung, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/202025