Obwohl es sich um eine geografisch gesehen kleine Region der Welt handelt, finden sich im Nahen Osten so viele Akteure zusammen, dass die differenzierte Betrachtung der Konflikte enorm erschwert wird. Zudem muss der in dieser Arbeit behandelte Zeitraum im Kontext des Kalten Kriegs und dem somit andauernd stattfindenden Machtspiel der Supermächte gesehen werden. Auch der Frage nach der nuklearen Abschreckung und der damit eventuell möglichen Sicherheitsgarantie für den Staat Israel muss genug Beachtung geschenkt werden, um der Frage nach einer Stabilisierung oder Eskalation der Gewalt effektiv nachgehen zu können.
Gerade dieser Aspekt beschäftigt die Forschung aktuell besonders, da mit dem Jahr „1967“ eine Zäsur in der amerikanischen Israel-Politik stattgefunden hat. Die Frage nach dem Jagdbomberverkauf an Israel wird mit Sicherheit noch nachfolgende Publikationen und Arbeiten beschäftigen, wie die Quellenlage bei „National Security Archives“ in Washington vermuten lässt. Eine Vielzahl der Quellen zur amerikanischen Außenpolitik gerade mit Blick auf den Umgang mit dem israelischen Atomprogramm ist erst in den letzten Jahren freigegeben worden und zum Teil auch noch stark zensiert. Ziel dieser Arbeit soll es also unter anderem sein, den Dreh- und Angelpunkt des Jahres „1967“ in seiner Bedeutung für die amerikanisch-israelischen Beziehungen und deren Bedeutung für den gesamten Nahen Osten aufzuzeigen, um dadurch die weitere Entwicklung bis zum Yom-Kippur-Krieg zu verstehen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Forschungsbericht
3. Sechstagekrieg 1967
3.1. Verlauf des Kriegs
3.2. Angriff auf die „USS Liberty“
3.3. Folgen
4. Vom Sechstagekrieg zur Atommacht
4.1. Von den Rüstungsverhandlungen 1968/69 zum politischen Umbruch der israelisch - amerikanischen Beziehungen
5. Abnutzungskrieg
6. Israel und die PLO
7. Yom-Kippur-Krieg 1973
7.1. Verlauf des Kriegs
7.2. Folgen
8. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit analysiert die sicherheitspolitische Dynamik im Nahen Osten zwischen dem Sechstagekrieg 1967 und dem Yom-Kippur-Krieg 1973. Sie untersucht, inwieweit die israelische Politik der Gebietsannexion, das nukleare Aufrüstungsprogramm und der Einfluss der Supermächte während des Kalten Krieges zur Stabilisierung oder zur weiteren Eskalation des Konflikts beigetragen haben.
- Analyse der militärischen und geopolitischen Zäsuren der Jahre 1967 und 1973.
- Untersuchung der israelisch-amerikanischen Beziehungen im Kontext nuklearer Ambitionen.
- Rolle des Abnutzungskrieges für die Eskalationsspirale zwischen Ägypten und Israel.
- Die Entwicklung der PLO und der palästinensischen Interessenvertretung nach 1967.
- Der Einfluss der Supermachtinteressen und des Kalten Krieges auf die regionale Stabilität.
Auszug aus dem Buch
3. Sechstagekrieg 1967
Mit dem Sechstagekrieg 1967 begann der dritte arabisch-israelische Krieg nach 1948 und 1956. Bis 1967 hatte noch kein arabischer Staat Israel politisch anerkannt, und somit entstand in Israel die Furcht vor einem neuen Angriff seitens der arabischen Staaten. Zwar hatte Ägypten 1956 eine militärische Niederlage erlitten, allerdings hatte sich die anti-israelische Politik von Nasser nicht verändert, daher blieb eine wehrhafte Verteidigungspolitik für Israel zwingend notwendig.
Mit der Unterstützung seitens der Sowjetunion gelang es Ägypten, seine angeschlagenen Streitkräfte neu und besser auszurüsten. Syrien, welches ebenfalls dem Einflussbereich der Sowjetunion angehörte, verstärkte ebenfalls seine Truppen. Durch die Rüstungshilfen der Sowjets für die arabischen Staaten wurde Israels Atomreaktor in Dimona gefährdet, was als zusätzlicher Katalysator für den Ausbruch des Kriegs diente. Für die Sowjets stellte das israelische Atomprogramm bereits 1966 eine unmittelbare Gefahr für den Weltfrieden und den gesamten Nahen Osten dar. Moskau verglich die Rolle Israels in der Region mit der des Balkans während des ersten Weltkriegs. Der Kalte Krieg hatte dazu geführt, dass die arabischen Länder sich für Waffenlieferungen an Moskau wandten und Israel aufgrund seiner bedrohten Lage massiv von den USA in den folgenden Jahren unterstützt werden sollte.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Skizziert die historischen Hintergründe der Gründung des Staates Israel und die daraus resultierenden Konfliktlinien bis 1948.
2. Forschungsbericht: Reflektiert die Schwierigkeiten der Quellenlage und betont die Bedeutung des Jahres 1967 als Zäsur für die israelisch-amerikanischen Beziehungen.
3. Sechstagekrieg 1967: Analysiert den Verlauf des Krieges, die Rolle des amerikanischen Spionageschiffes USS Liberty und die langfristigen Folgen für die Region.
4. Vom Sechstagekrieg zur Atommacht: Beleuchtet das israelische Atomprogramm in Dimona und die schwierigen Verhandlungen über US-Waffenlieferungen unter dem Druck der Nichtunterzeichnung des NPT-Vertrages.
5. Abnutzungskrieg: Beschreibt die Eskalationsphase zwischen 1967 und 1970, die durch Artilleriegefechte und Stellungsbauten am Suezkanal geprägt war.
6. Israel und die PLO: Untersucht die Emanzipation der PLO nach 1967 und deren zunehmende Konfrontation mit Jordanien und Israel.
7. Yom-Kippur-Krieg 1973: Erläutert den überraschenden Kriegsausbruch, das Eingreifen der Supermächte und die diplomatischen Folgen für den Friedensprozess.
8. Fazit: Führt die Erkenntnisse zusammen und bewertet die Dynamik zwischen Gewaltspirale, nuklearer Zweideutigkeit und den Einflüssen des Kalten Krieges.
Schlüsselwörter
Nahostkonflikt, Sechstagekrieg, Yom-Kippur-Krieg, Israel, Ägypten, Sowjetunion, USA, Kalter Krieg, Nuklearprogramm, Dimona, PLO, Gamal Abdel Nasser, Golda Meir, Rüstungspolitik, Abnutzungskrieg.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der sicherheitspolitischen Entwicklung Israels und der angrenzenden arabischen Staaten in der kritischen Phase zwischen 1967 und 1973.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Zentrum stehen der Sechstagekrieg, die Entwicklung des israelischen Nuklearprogramms, der Abnutzungskrieg, die Rolle der PLO sowie der Yom-Kippur-Krieg im globalen Kontext des Kalten Krieges.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage untersucht, ob die militärischen Ereignisse und die regionale Politik in dieser Zeit primär zu einer Stabilisierung oder zu einer Eskalation des Nahostkonflikts führten.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Der Autor stützt sich auf eine fundierte Auswertung zeitgenössischer Quellen, Akteneditionen und politischer Analysen der sicherheitspolitischen Lage.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in chronologische und thematische Analysen der großen Kriege (1967 und 1973), ergänzt durch Kapitel zum Atomprogramm, zur PLO und zum Abnutzungskrieg.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Nahostkonflikt, Kalter Krieg, Nuklearwaffen, Rüstungsspirale und geopolitische Interessenssphären definieren.
Wie bewertet der Autor die Rolle des israelischen Atomprogramms?
Das Atomprogramm wird als Reaktion auf existenzielle Bedrohungen gewertet, entwickelte sich jedoch zu einer diplomatischen Belastung in den Beziehungen zu den USA und zu einer Quelle regionaler Unsicherheit.
Welche Bedeutung maß der Autor dem Angriff auf die USS Liberty bei?
Der Vorfall wird als tragische Episode gewertet, die das Vertrauensverhältnis kurzzeitig belastete, aber letztlich zugunsten der strategischen Partnerschaft mit den USA untergeordnet wurde.
Wie veränderte sich die Rolle der PLO nach dem Sechstagekrieg?
Die PLO emanzipierte sich von der ägyptischen Vormundschaft, radikalisierte ihre Strategie und entwickelte sich von einer politischen Organisation zu einem „Staat im Staate“, insbesondere in Jordanien.
Was war das politische Ergebnis des Yom-Kippur-Krieges?
Obwohl Israel militärisch erfolgreich war, führte der Krieg zu einer politischen Niederlage, die das Land an den Verhandlungstisch zwang und den Weg für den Friedensprozess mit Ägypten ebnete.
- Arbeit zitieren
- Sascha Pfeiffer (Autor:in), 2012, Israel zwischen Sechstagekrieg und Yom-Kippur-Krieg: Stabilisierung oder Eskalation des Nahost-Konflikts?, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/201840