Wohl jeder, der der fast unendlichen Fülle verschiedenster Beiträge zur Mittelalter-Renaissance in Literatur, Film und Musik konfrontiert wird, hat sich schon einmal die Frage gestellt, wie mittelalterlich dieses »Mittelalter« eigentlich ist; sei es in Ecos »Name der Rose«, der als Gregorianik bezeichneten mittelalterlichen Vokalmusik oder in der Rockmusik. Die Beschäftigung mit dieser Fragestellung stellt ihrerseits auch keinen Selbstzweck dar, sondern ist wiederum nur ein erster Schritt zur Beantwortung der wesentlich weiterreichenden Frage, aus welchen Gründen heute ganz bestimmte Aspekte dieser Epoche besonders wahrgenommen und verstärkt dargestellt werden, andere überhaupt nicht und dritte wiederum nur sehr verzerrt. Die nachfolgende Analyse eines Liedtextes als Beispiel moderner Darstellung des »Mittelalters« in der modernen Rockmusik kann und soll nicht der abschließenden Beantwortung dieser Fragestellungen dienen, sondern vielmehr an einem exemplarischen Beispiel die Nähe und Ferne moderner lyrischer Texte mit mittelalterlicher Thematik zum Mittelalter selbst untersuchen. Kurz gesprochen geht es um das Mittelalter als Thema der Gegenwartskultur, genauer der Rockmusik. Zu diesem Thema stellt die gegenwärtige Arbeit einen Beitrag in Form der Analyse eines Liedtextes der deutschsprachigen potsdamer Rockband »Subway To Sally« dar. Dadurch können über die Literatur einer Rockband, die sich selbst dem Bereich der modernen Mittelalterdarstellung zuordnet, exemplarisch genauere Aussagen bezüglich der oben skizzierten Fragestellungen getroffen werden.
Gliederung
0. Einleitung
1. Analyse
1.1. Grammatische Analyse
1.2. Metrum und Reim
1.3. Beschreibung
1.4. Strophenformen
1.5. Personalität
1.6. Rhetorik
2. Vergleich
2.1. Zielstellung
2.2. Tod und Sterben im Mittelalter
2.3. Unterschiede
3. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht an einem exemplarischen Liedtext der Rockband „Subway To Sally“, inwieweit moderne lyrische Texte mittelalterliche Motive und Themen aufgreifen. Ziel ist es, die Nähe und Ferne zwischen moderner Mittelalterdarstellung in der Gegenwartskultur und tatsächlichen mittelalterlichen Konzepten von Tod und Vergänglichkeit aufzuzeigen und die künstlerische Intention hinter dieser Thematik zu beleuchten.
- Analyse der formalen Struktur und Rhetorik des Liedtextes „Zu spät“.
- Gegenüberstellung von Motiven der Vergänglichkeit in moderner Rockmusik und mittelalterlicher Literatur.
- Untersuchung der religiösen bzw. säkularen Intentionen in der Darstellung von Tod und Jenseits.
- Beurteilung der Frage, ob eine eindeutige zeitliche Einordnung moderner Texte in eine Epoche möglich ist.
- Kritische Reflexion über die „Mittelalter-Renaissance“ in der zeitgenössischen Kultur.
Auszug aus dem Buch
1.5. Personalität
Die nachfolgende Untersuchung der Personalität orientiert sich begrifflich an Burdorf (S.194ff.; insbesondere das Modell S.203 ist diesbezüglich hilfreich).
Sämtliche Verse enthalten Aussagesätze eines Textsubjektes. Dieses wird durch die Verwendung des Possessivpronomens »mein« (V.7), mit dem es sich auf sich selbst bezieht, als eine Person im Text kenntlich. In V.17 verwendet das Textsubjekt das Personalpronomen »uns«, in V.21 das Possessivpronomen »unser[e]m« und spricht mit der Behauptung, daß beide, Textsubjekt und intendierte Leserschaft, gleichermaßen dem Schicksal der Vergänglichkeit ausgesetzt sind, die intendierte Leserschaft direkt an. In V.25 verwendet das Textsubjekt das Possessivpronomen »dein«, in V.28 das Pronomen »dich«, woraus auf das Vorhandensein mindestens einer weiteren Person auf der fiktiven Ebene des Textes geschlossen werden kann. Mit den dieser Person zugeschriebenen Eigenschaften bezüglich ihres Leibes Vergänglichkeit (V.25–28) kann sich aber nach dem vorangegangenen neben der zweiten Person zweifelsohne auch die intendierte Leserschaft, die durch »uns« und »unser[e]m« bereits explizit angesprochen wurde, identifizieren. Zusammenfassend können im Text zwei Personen, ein Sprecher und ein Adressat identifiziert werden. Über ihr Geschlecht erfolgen keine Aussagen, und die diesbezüglichen Indizien im Text, z.B. die der zweiten Person von der ersten bezüglich ihres Leibes zugeschriebenen Eigenschaften (V.25f.), reichen nicht für eindeutige Aussagen aus.
Zusammenfassung der Kapitel
0. Einleitung: Hier wird das Thema der Arbeit vorgestellt: die Untersuchung der Mittelalter-Darstellung in moderner Rockmusik am Beispiel eines Liedtextes von „Subway To Sally“.
1. Analyse: Dieses Kapitel widmet sich der formalen Untersuchung des Liedtextes, insbesondere der Syntax, Metrik, Strophenformen, Personalität und der rhetorischen Gestaltung.
2. Vergleich: Es folgt eine Gegenüberstellung mittelalterlicher Motive zu Tod und Vergänglichkeit mit der modernen Interpretation im Liedtext.
3. Fazit: Das Fazit stellt die „Ortlosigkeit“ des Textes fest und betont den entscheidenden Unterschied zwischen mittelalterlicher religiös motivierter Bekehrung und der säkularen Intention der modernen Band.
Schlüsselwörter
Mittelalter, Subway To Sally, Vergänglichkeit, Tod, Rockmusik, Metrik, Rhetorik, Allegorie, Literaturanalyse, Mittelalter-Renaissance, Sterben, Jenseits, Songtextanalyse, kulturelle Rezeption, Gegenwartskultur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Darstellung des Mittelalters in der modernen Rockmusik, spezifisch am Lied „Zu spät“ der Band Subway To Sally, um deren inhaltliche Nähe zu mittelalterlichen Motiven zu bestimmen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind Tod, Vergänglichkeit, die Wahrnehmung von Zeit sowie der Vergleich zwischen christlich geprägten mittelalterlichen Ansichten und moderner säkularer Lyrik.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, ob moderne Musikstücke, die mittelalterliche Motive nutzen, diese lediglich als ästhetisches Element verwenden oder ob sie inhaltlich an mittelalterliche Diskurse anknüpfen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es werden literaturwissenschaftliche Methoden wie grammatische Analyse, Metrik- und Reimanalyse sowie eine allegorische Interpretation des Textes angewandt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil erfolgen eine detaillierte formale Analyse des Liedtextes sowie ein Vergleich mit mittelalterlichen Textzeugnissen, etwa von Heinrich von Melk, um inhaltliche Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu identifizieren.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Mittelalter-Renaissance, Vergänglichkeit, Allegorie, Tod, Rockmusik und die Abgrenzung zwischen religiöser und säkularer künstlerischer Intention.
Warum wird gerade ein Lied von „Subway To Sally“ analysiert?
Die Band ordnet sich selbst in den Bereich der modernen Mittelalterdarstellung ein, was sie zu einem idealen Fallbeispiel für die Untersuchung macht.
Was unterscheidet die moderne Sichtweise von der mittelalterlichen?
Der Autor stellt fest, dass mittelalterliche Darstellungen des Todes fast immer dem Dienst der religiösen Bekehrung unterstanden, während dies bei der modernen Rockmusik fehlt.
Gibt es eine christliche Interpretation des Liedtextes?
Obwohl manche Symbole religiös deutbar wären, lehnt der Autor dies für diesen Text ab, da keine textinternen Merkmale für eine explizit christliche Bekehrungsabsicht sprechen.
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- Magister Artium Michael Dahnke (Author), 2001, "Zu spät" - Oder: Ist das Mittelalter wirklich vorbei?, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/201523