Als am 2. Mai 1959 die Deutsche Bank den ersten Kredit an Privatkunden für Konsumzwecke ausreichte, war bis auf einige regional tätige Banken noch kein Angebot für diese Finanzierungen vorhanden. mSeit dieser Zeit hat sich der Markt grundlegend gewandelt.
Das Volumen der von Banken ausgegebenen Konsumentenkredite2mwuchs bis heute stetig an und wies im Jahr 2009 ein Volumen von 177 Milliarden Euro auf, dies sind im Verhältnis zu den Konsumausgaben von 1887 Milliarden Euro beträchtliche 9,4%. Im Rahmen dieser Volumensausweitung hat sich sowohl auf der Nachfrage- als auch auf der Angebotsseite des Marktes eine starke Veränderung vollzogen.
Die steigende Nachfrage kann primär mit dem Einzug der wirtschaftlich-modernen Haushaltsführung begründet werden. Die Denkweise, dass erst finanzielle Mittel angespart werden müssen, um dann zu konsumieren, ist aus vielen deutschen Haushalten verschwunden. In Deutschland haben bereits mehr als 20% der Privathaushalte Kredite für Konsumzwecke aufgenommen, hauptsächlich wurden damit Autokäufe und Wohnungseinrichtungen finanziert.
Der intensive Wettbewerb um Marktanteile ist primär auf die aggressiven Marktaktivitäten und die hohe Vielfalt der Anbieter zurückzuführen. Bei den Non- und Nearbanks haben vor allem die Einzelhandelsunternehmen in den letzten Jahren die Konsumfinanzierungen als absatzpolitisches Instrument für sich wiederentdeckt. Diese Unternehmen steigern mit zinssubventionierten Krediten die Umsätze der Handelsunternehmen. Auch der Markteintritt von Direktbanken, die Ihre Produkte telefonisch oder online vertreiben, hat den Konkurrenzdruck weiter erhöht. Der Stellenwert dieser Banken und Vertriebskanäle wird immer bedeutender, die Direktbanken haben folglich bereits massiv Kunden zu Lasten der traditionellen Banken gewonnen. Durch die geringe Kostenstruktur der Direktbanken und die subventionierten Darlehen der Einzelhandelsbanken ist es für diese Institute möglich sehr niedrige Zinssätze anzubieten und den Kampf um Marktanteile über den Zinssatz zu führen. Dieses intensive Wettbewerbsumfeld macht die Optimierung der Produktion von Konsumentenkrediten und demnach eine Minimierung der Kosten- und Risikostruktur unabdingbar, um konkurrenzfähige Marktpreise anbieten zu können und den Konsumentenkreditverkauf profitabel zu gestalten.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
2 EXEMPLARISCHER AUFBAU EINES AUTOMATISIERTEN KREDITENTSCHEIDUNGSSYSTEMS
2.1 Interne Scoring Systeme
2.2 Externe Informationsquellen am Beispiel der SCHUFA
2.3 Automatische Ermittlung maximaler Kreditgrößen
2.4 Zusammenspiel der Entscheidungsbestandteile
3 VOR- UND NACHTEILE AUTOMATISIERTER KREDITENTSCHEIDUNGSSYSTEME GEGENÜBER HERKÖMMLICHER MANUELLER PRÜFUNGEN
3.1 Definition von Vergleichskriterien
3.2 Vergleich der Entscheidungsverfahren im Hinblick auf die ökonomische Effizienz
3.3 Vergleich der Entscheidungsverfahren im Hinblick auf die Unterstützung des Vertriebs
3.4 Eignung automatisierter Kreditentscheidungssysteme für unterschiedliche Vertriebswege
4 FAZIT UND AUSBLICK
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Vor- und Nachteile automatisierter Kreditentscheidungssysteme bei der Vergabe von Konsumfinanzierungen im Vergleich zur klassischen manuellen Kreditprüfung. Ziel ist es, die ökonomische Effizienz, die Vertriebsunterstützung sowie die Risikosteuerung durch automatisierte Prozesse zu bewerten und aufzuzeigen, wie Banken diese Systeme zur Optimierung ihrer Kreditvergabe nutzen können.
- Struktur und Funktionsweise automatisierter Kreditentscheidungssysteme
- Kreditrisikomanagement durch Scoring und externe Auskunfteien
- Vergleich der Prozessgeschwindigkeit und Prozesskosten
- Optimierung der Zinskalkulation und Vertriebsaktivitäten
- Herausforderungen in der Akzeptanz und Kundenindividualität
Auszug aus dem Buch
2.1 Interne Scoring Systeme
Das größte Risiko einer Kreditausreichung besteht darin, dass der Kredit durch den Kreditnehmer nicht ordnungsgemäß zurückbezahlt werden kann und infolgedessen ein Kapitalverlust für die Bank entsteht. Da die Rückzahlung bei der Kreditausreichung nicht zu 100% feststeht, ist dieses entstehende Ausfallrisiko durch die Kreditprüfung zu beurteilen. Scoring Modelle sind Bewertungsverfahren, die Daten von Kreditnehmern analysieren und als Ergebnis einen Wert zur Beurteilung eines Kreditengagements liefern können. Sie quantifizieren demnach standardisiert und automatisiert Risiken in der Kreditprüfung. Das Ergebnis dieser programmseitigen Beurteilung des Risikos ist eine Quote, die ausdrückt wie hoch die Wahrscheinlichkeit eines Kreditausfalls im nächsten Jahr ist. Dieses theoretische Risiko wird als Ausfallwahrscheinlichkeit bezeichnet.
Der größte Vorteil dieser Verfahren ist, dass sich komplexe statistische Zusammenhänge zur Ermittlung des Kreditrisikos auf einen einzigen Scorewert komprimieren lassen. Ein Beispiel für den Aufbau von Einstufungsklassen ist die Matrix der Ratingnoten von Standard and Poor`s in Tabelle 1. Eine Einstufung in die Ratingnote A, was bei einem beispielhaften internen Scoringsystem die Klasse 6 ergeben würde, stellt eine Ausfallwahrscheinlichkeit von 0,04% dar. Dies bedeutet, dass statistisch 4 von 10.000 Kreditnehmern in der Risikoklasse 6 im nächsten Jahr einen Kreditausfall verursachen.
Die Einstufung der Kreditnehmer in die jeweiligen Scoringklassen wird aus einer Vielzahl von Einflussfaktoren, das heißt von Informationen über den Kunden, abgeleitet. Ein Ausschnitt aus den möglichen personellen, materiellen, umfeldbedingten und kreditspezifischen Faktoren soll Tabelle 2 geben. Zur Überleitung und Komprimierung von Einflussfaktoren auf Scoringklassen gibt es vielfältige statistische Verfahren, die auch kombiniert eingesetzt werden können. Die in der Praxis gängigen Verfahren sind unter dem Überbegriff empirisch-induktive Verfahren zusammenzufassen. Dies sind statistische Verfahren, die frühere Kreditengagements auswerten und Einflussgrößen bewerten, anhand derer man die Bonität des Kreditnehmers ableitet.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Diese Einleitung beleuchtet den historischen Wandel des Marktes für Konsumentenkredite und die Notwendigkeit der Prozessoptimierung durch den zunehmenden Wettbewerbsdruck im Bankensektor.
2 EXEMPLARISCHER AUFBAU EINES AUTOMATISIERTEN KREDITENTSCHEIDUNGSSYSTEMS: Dieses Kapitel erläutert die technischen Komponenten, wie interne Scoring-Modelle, SCHUFA-Auskünfte und Kapitaldienstberechnungen, die als Basis automatisierter Entscheidungsprozesse dienen.
3 VOR- UND NACHTEILE AUTOMATISIERTER KREDITENTSCHEIDUNGSSYSTEME GEGENÜBER HERKÖMMLICHER MANUELLER PRÜFUNGEN: Der Hauptteil analysiert detailliert die Auswirkungen der Systemautomatisierung auf Prozessgeschwindigkeit, Kosten, Kreditrisiko sowie die Eignung für verschiedene Vertriebskanäle.
4 FAZIT UND AUSBLICK: Das Fazit fasst die ökonomischen Vorteile zusammen und empfiehlt den Einsatz automatisierter Systeme unter Berücksichtigung eines Change-Management-Prozesses zur Einbindung der Mitarbeiter.
Schlüsselwörter
Konsumfinanzierung, Kreditentscheidungssystem, Scoring, Kreditrisiko, Ausfallwahrscheinlichkeit, Prozesskosten, Durchlaufzeit, Automatisierung, SCHUFA, Banksteuerung, Retailbanking, Vertriebsunterstützung, Zinskalkulation, Bonität, Kundenindividualität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Hausarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Digitalisierung und Automatisierung der Kreditvergabe bei Konsumfinanzierungen und vergleicht dabei moderne IT-gestützte Prozesse mit klassischen, manuellen Prüfmethoden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themenfelder sind die Risikobewertung mittels Scoring-Modellen, die ökonomische Optimierung von Kreditprozessen und die strategische Bedeutung der Automatisierung für den Vertrieb von Finanzprodukten.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Vor- und Nachteile automatisierter Kreditentscheidungssysteme herauszuarbeiten und aufzuzeigen, wie Banken durch diese Systeme eine effizientere und risikobewusstere Kreditvergabe erreichen können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert primär auf einer Literaturanalyse sowie dem Vergleich branchenüblicher Verfahren und Modelle zur Kreditwürdigkeitsprüfung im Bankensektor.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden Vergleichskriterien wie Prozessgeschwindigkeit, Prozesskosten und Kreditrisiken definiert sowie die Akzeptanz der Systeme bei Mitarbeitern und deren Eignung für neue Vertriebswege diskutiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Kreditentscheidungssystem, Scoring, Prozessoptimierung, Retailbanking und Kreditrisikomanagement charakterisiert.
Warum ist die Unterscheidung zwischen Alpha- und Beta-Fehlern für Banken relevant?
Diese Fehler sind für die Risikosteuerung entscheidend: Ein Alpha-Fehler führt zu vermeidbaren Kreditausfällen durch schlechte Kunden, während ein Beta-Fehler durch die Ablehnung guter Kunden Ertragschancen und Kundenbindung kostet.
Welchen Einfluss hat die Automatisierung auf die Arbeit von Kundenberatern?
Die Automatisierung entlastet Berater von Standard-Entscheidungen, verändert aber deren Kompetenzbereich und erfordert, besonders bei leistungsfähigen Mitarbeitern, eine begleitende Change-Management-Strategie.
- Arbeit zitieren
- Simon Oberle (Autor:in), 2010, Vor- und Nachteile automatisierter Kreditentscheidungssysteme für Konsumfinanzierungen, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/201372