In Deutschland gibt es flächendeckend verteilt in jeder größeren Stadt eine Tafel. Dementsprechend viele Menschen werden von ihnen versorgt. Doch woran liegt die scheinbar notwendige Existenz der Tafeln? Weswegen kann unser Sozialstaat sich nicht ausreichend um Bedürftige kümmern, sodass Tafeln überflüssig wären? Ruht er sich etwa nur auf dem Bestehen der Tafeln aus?
Für die vorliegende Arbeit sind vorab die Themen ´Fürsorge´ und ´Tafeln´ intensiv betrachtet worden. Im zweiten Kapitel wird die Entwicklung der Armenfürsorge vom Mittelaltertum bis zur heutigen Zeit beschrieben, um den Leser über damalige und heutige Verhältnisse der Hilfen aufzuklären und zum Denken anzuregen, inwieweit auch heute, vor allem durch die Tafeln, vielleicht wieder zurück auf die Einrichtung der Armenfürsorge gegriffen wird.
Im darauf folgenden dritten Kapitel werden die Tafeln mit ihren verschiedenen grundlegenden Aspekten vorgestellt: Wie entwickelten sich die Tafeln von Beginn an bis zu ihrer großen Anzahl heute? Wer nutzt das Angebot und warum tut er dies? Und zuletzt in diesem Abschnitt wird auf das Bürgerschaftliche Engagement bei den Tafeln eingegangen, dass ihre Existenz erst ermöglicht. Wer engagiert sich dort aus welchen Gründen?
Im letzten thematischen Kapitel wird das Thema der Tafeln und das soziale System in Deutschland kritisch beleuchtet. Die Verfasserin macht die oben angedeutete (Rück-) Entwicklung des dortigen Versorgungssystems deutlich und beschäftigt sich auch mit weiteren Aspekten, zum Beispiel über die Herkunft der gespendeten Lebensmittel. Weshalb können so viele Menschen mit übrig gebliebenen Nahrungsmitteln versorgt werden? Woher kommen die Massen?
Zum umfassenden Thema der Tafeln gehört auch die Rolle der Unternehmer und Sponsoren. Aus Gründen des ansonsten zu großen Umfangs dieser Arbeit hat die Verfasserin sich jedoch dazu entschieden, dieses sowie das Thema des Vergleichs der Arbeit bei den Tafeln mit der professionellen Sozialen Arbeit nicht als einzelnes Kapitel weiter auszuführen.
Im vierten Abschnitt werden schließlich die Perspektiven der Tafeln aufgezeigt. Welche Lösungsstrategien könnten die Situation zwischen Tafeln und Sozialstaat entschärfen? Was wäre zukünftig denkbar, möglich oder realistisch?
Das Ziel dieser Arbeit ist es, einen Überblick über die Tafel-Situation in Deutschland zu geben, wie es dazu kam und wo dabei die positiven und negativen Aspekte zu sehen sind.
Inhaltsverzeichnis
1) Einleitung
2) Die Entwicklung der Armenfürsorge bis hin zum modernen Sozialstaat in Deutschland
3) Die Tafeln
3.1 Die Entwicklung der Tafeln
3.2 Die Nutzer oder Kunden der Tafel
3.3 Das Bürgerschaftliche Engagement bei den Tafeln
4) Diskussion: Die Ambivalenz der Tafeln
4.1 Die „Überflussgesellschaft“
4.2 Vom Sozialstaat zurück zur Armenfürsorge?
4.3 Perspektiven
5) Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die ambivalente Rolle der Tafeln in Deutschland vor dem Hintergrund der historischen Entwicklung der Armenfürsorge und dem aktuellen Sozialstaat, um aufzuzeigen, inwieweit diese Einrichtungen den staatlichen Versorgungsauftrag kompensieren oder gar untergraben.
- Historische Entwicklung der Armenfürsorge vom Mittelalter bis zur Gegenwart
- Strukturen, Konzepte und Entwicklung der Tafel-Bewegung
- Soziologische Analyse der Nutzergruppen und des ehrenamtlichen Engagements
- Kritische Diskussion der "Überflussgesellschaft" und der Entstehung von Ernährungsarmut
- Verhältnis zwischen dem staatlichen Sozialauftrag und privaten Almosenstrukturen
Auszug aus dem Buch
3.1 Die Entwicklung der Tafeln
Ähnlich wie bereits im vorherigen Kapitel erläutert, fußt der Anfang der Tafeln auf das Bedürfnis, den Armen helfen zu wollen: 1993 ist die erste Tafel von der Initiativgruppe Berliner Frauen e.V. in Deutschland gegründet worden. Durch die große mediale Beachtung, die dieser ersten Tafel geschenkt worden ist, sind die Tafeln im ganzen Land bekannt geworden. Aufgrund der hohen Existenz von Armut in Deutschland, haben sich auch andere Städte Berlin angeschlossen und weitere Tafeln etabliert. Bereits 1995 ist der ´Bundesverband Deutsche Tafel e.V. ´ als ein Meilenstein in der Tafelgeschichte gegründet worden (vgl. http://www.tafel.de a). Diese Institution hat beispielsweise unter anderem die Grundsätze der Tafeln veröffentlicht, die einer Konzeption gleichzusetzen sind. Alle Mitarbeiter der Tafeln sind dazu verpflichtet, sich nach diesen zu richten. Auszugsweise wird an dieser Stelle der Grundsatz des Ehrenamts zitiert:
„Die Arbeit der Tafeln ist grundsätzlich ehrenamtlich. Sie kann – wenn möglich und notwendig – unterstützt werden durch unterschiedlich finanzierte und geförderte Mitarbeiter.“ ( http://www.tafel.de b)
Das Engagement bei den Tafeln ist enorm. Circa 50.000 Menschen arbeiten bei den Tafeln ehrenamtlich und ermöglichen somit die Aufrechterhaltung und die erstaunliche Entwicklung dieser Einrichtungen (vgl. http://www.tafel.de c und siehe auch Kapitel 3.3). So gibt es 1993 sieben Einrichtungen und nur 15 Jahre später bereits 860 (vgl. Lorenz 2010a, S. 10 und vgl. Abb.1).
In etwa die Hälfte dieser Tafeln sind eigenständige, eingetragene Vereine, die Übrigen sind Projekte in Trägerschaft der verschiedensten gemeinnützigen Organisationen (vgl. http://www.tafel.de c).
Zusammenfassung der Kapitel
1) Einleitung: Die Einleitung erläutert die Problematik der Tafeln als existenzielle Hilfe in einem System, in dem der Sozialstaat Bedürftige nicht ausreichend absichert, und skizziert den Aufbau der Untersuchung.
2) Die Entwicklung der Armenfürsorge bis hin zum modernen Sozialstaat in Deutschland: Dieses Kapitel zeichnet den historischen Wandel der Armenhilfe nach, von mittelalterlicher privater Fürsorge hin zur staatlichen Sozialpolitik mit ihren spezifischen Sicherungssystemen.
3) Die Tafeln: Das Kapitel bietet einen Überblick über Entstehung, Nutzerstruktur und das notwendige bürgerschaftliche Engagement der Tafel-Bewegung.
4) Diskussion: Die Ambivalenz der Tafeln: Hier wird kritisch beleuchtet, wie Tafeln einerseits Nahrungsmittel retten, andererseits jedoch strukturelle Probleme des Sozialstaats überdecken und eine Rückkehr zu almosenbasierten Systemen legitimieren.
5) Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die Tafeln zwar wichtige praktische Arbeit leisten, jedoch eine kritische politische Auseinandersetzung mit den Ursachen von Armut und dem Abbau sozialstaatlicher Standards eher behindern.
Schlüsselwörter
Tafeln, Armenfürsorge, Sozialstaat, Ernährungsarmut, Bürgerschaftliches Engagement, Konsumgesellschaft, Überfluss, Armut, Hartz IV, Sozialhilfe, Almosen, Ehrenamt, Transformation, Sozialpolitik, Teilhabe
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert kritisch die Rolle der Tafeln in Deutschland und untersucht, ob diese Einrichtungen eine notwendige Ergänzung oder ein problematischer Ersatz für staatliche Sozialleistungen darstellen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die Geschichte der Armenfürsorge, die Entwicklung der Tafel-Bewegung, die soziologischen Aspekte der Tafel-Nutzung sowie das Spannungsfeld zwischen Überflussgesellschaft und Armut.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, einen Überblick über die Tafel-Situation zu geben, die historischen Ursprünge zu beleuchten und die ambivalenten Auswirkungen auf das deutsche Sozialsystem herauszuarbeiten.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, die insbesondere die Fachpublikationen von Herausgebern wie Lorenz und Selke heranzieht, um die aktuelle Situation der Tafeln soziologisch einzuordnen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Analyse der Armenpolitik, eine deskriptive Darstellung der Tafelstrukturen und eine kritische Diskussion zur Ambivalenz zwischen staatlicher Pflicht und privatem ehrenamtlichem Engagement.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen gehören insbesondere Tafeln, Sozialstaat, Almosen, Armenfürsorge, Ernährungsarmut und bürgerschaftliches Engagement.
Warum werden Tafeln im Kontext der Armenfürsorge als ambivalent bezeichnet?
Sie sind ambivalent, weil sie zwar konkret Armut lindern, aber gleichzeitig dazu beitragen können, strukturelle politische Mängel zu verdecken und Bedürftige von Almosen abhängig zu machen, anstatt ihre Rechte einzufordern.
Inwiefern hat die "Agenda 2010" die Situation beeinflusst?
Durch Hartz-IV-Regelungen und die Entstehung eines Niedriglohnsektors haben sich die Armutsrisiken verschärft, was den Zulauf zu den Tafeln laut Arbeit massiv verstärkt hat.
Welche Rolle spielt das Ehrenamt laut dieser Analyse?
Das Ehrenamt ist die essenzielle Basis der Tafeln; ohne die unentgeltliche Arbeit von zehntausenden Menschen wäre das System der Tafeln in seiner heutigen Form nicht aufrechtzuerhalten.
- Arbeit zitieren
- Bachelor of Arts Soziale Arbeit Linda Karakas (Autor:in), 2012, Rückkehr der Armenfürsorge? Die ambivalente Rolle der Tafeln in Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/201290