Viele junge Paare in Deutschland stehen in einem Spannungsfeld zwischen Arbeitswelt und Familie, und eine der wichtigsten gesellschaftlichen Zukunftsfragen ist die nach einer Balance zwischen den beiden Sphären. Die Möglichkeiten der Kinderbetreuung und die oft hohe Zahl an Arbeitstunden pro Woche, besonders
die der Väter — die nach der Geburt des Kindes oft mehr arbeiten als vorher — und der hochqualifizierten Frauen, stellen nach wie vor ein Problem dar. Während die Politik weiterhin die Relevanz von Familien und Kindern betont — man denke nur an die „Wir sind Deutschland“-Kampagne — sieht die Wirklichkeit für viele junge
Paare anders aus. Die beruflichen Pflichten stehen einem ausgewogenen Familienleben nicht selten diametral entgegen. Dass unternehmerische Familienpolitik ein wichtiges Thema unserer Zeit ist soll mit der vorliegenden Arbeit gezeigt ist. Denn
Familienpolitik ist seit langem keine rein staatliche Angelegenheit mehr. Der Staat kann zwar durch geeignete Initiativen den jungen Familien in Deutschland das Leben erleichtern, allerdings ist dies nur bis zu einer bestimmten Grenze möglich. Finanzielle Hilfe und der Ausbau von Kinderbetreuungseinrichtungen sind dabei das
Hauptaugenmerk und vielleicht die mitunter einzigen Möglichkeiten der Politik. Eine Familie zu managen und gleichzeitig einer Beschäftigung nachzugehen und eine Balance zwischen diesen Aufgabenfeldern zu schaffen kann nicht vom Staat geregelt werden. Hier sind die Familien gefragt, die sich der Herausforderungen stellen müssen jenseits der traditionellen Familienkonstellation eine neue Koordination ihrer Lebenssphären zu bewerkstelligen. Ohne geeignete Möglichkeiten seitens des Arbeitgebers ist dies aber kaum realisierbar. Starre Arbeitszeiten und festgefahrene Arbeitsorganisation lassen den Vätern und Müttern kaum Spielraum, um eine Balance zwischen Arbeit und Leben herzustellen. Eine geringe Anerkennung gegenüber den familiären Bedürfnissen und Plichten führt zudem nicht selten zu Frustration und Stress, die durch ein familienfreundliches Betriebsklima und familienfreundliche Regelungen reduziert werden könnten. Dass dies immer mehr in der deutschen Wirtschaft angekommen ist zeigen die Beispiele von großen und kleinen Unternehmen, die erfolgreich eine familienbewusste Unternehmenkultur etabliert haben, am Ende dieser Arbeit.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Wandel der Familie
3. Familie und Arbeit
4. Familienpolitik von Unternehmen
4.1 Betriebsklima
4.2 Arbeitszeitflexibilisierung
4.3 Familienunterstützende Maßnahmen
5. Initiativen
5.1 Praxisbeispiele
5.2 Beispiel Commerzbank
5.3 Beispiel Gerhard Rösch GmbH
5.4 Beispiel IKEA Deutschland GmbH & Co. KG
5.5 Beispiel Sciene-Lab GmbH & Co. KG
5.6 Beispiel Dr. R. Pfleger Chemische Fabrik GmbH
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert das Spannungsfeld zwischen Arbeitswelt und Familie vor dem Hintergrund eines gesellschaftlichen Wandels und untersucht, wie Unternehmen durch gezielte familienpolitische Maßnahmen zur besseren Vereinbarkeit beider Sphären beitragen können.
- Herausforderungen der Vereinbarkeit von Beruf und Familie
- Rolle betrieblicher Familienpolitik und Unternehmenskultur
- Arbeitszeitflexibilisierung und familienunterstützende Maßnahmen
- Praxisbeispiele für eine erfolgreiche familienbewusste Unternehmensführung
Auszug aus dem Buch
4.2 Arbeitszeitflexibilisierung
Der Faktor Zeit ist das entscheidende Element für die Vereinbarkeit von Berufs- und Familienleben (vgl. Michalk/Nieder 2007 , 88). Um ein ausgewogenes Familienleben verwirklichen zu können ist Zeit mit den Kindern und dem Partner notwendig. Viele Frauen und Männer wünschen sich familienfreundlichere Arbeitszeiten und sehen an dieser Stelle einen wichtigen Handlungsbedarf von Unternehmen (vgl. Klenner 2008, 8). Im Durchschnitt sehnen sich Frauen und Männer, ob mit oder ohne Kinder, nach wesentlich kürzeren Arbeitszeiten. Von 26 bis 37 Arbeitsstunden pro Woche können viele nur Träumen, und kommt damit den Wünschen vieler nach weniger Arbeistzeit kaum entgegen (vgl. Klenner 2007, 20). Teilzeitarbeit als Modell der besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist keine Selbstverständlichkeit. Trotz der weiten Verbreitung bieten nicht alle Betriebe Teilzeitarbeit an. Besonders in hochqualifizierten Berufen wird oft eine Vollzeittätigkeit erwartet. Selbst wenn seit Einführung des Teilzeit- und Befristungsgesetz im Jahr 2001 die Möglichkeit von Teilzeitarbeit in Betrieben, die mehr als 15 Personen beschäftigen, gegeben sein muss, fürchten viele Nachteile, wenn in dem Betrieb ansonsten eine Vollzeitmentalität vorherrscht (ebd.).
Ein weiteres Problem ist, dass zu viele Überstunden geleistet werden müssen. Überstunden sind oft nicht nur Ursache von zuviel Arbeit, sondern basieren auch auf einer Unternehmenskultur die Rundumverfügbarkeit der Angestellten fordert. Ein Ausbrechen aus dieser Kultur ist kaum ohne Nachteile machbar (vgl. Singer 2006, 189ff). Dabei würden 75% der Väter und mehr als 50% der Mütter ihre Arbeitszeit gerne reduzieren. Von den Müttern, die einer Vollzeitbeschäftigung nachgehen, würden sogar 86% gerne kürzer arbeiten. Von den Vätern und Müttern, die überlang Vollzeit arbeiten, würden sogar gerne mehr als 96% weniger arbeiten (vgl. Klenner/Pfahl 2008, 24). Eine Lösung, um den Wünschen der Eltern nach mehr Zeit und Flexibilität entgegen zu kommen ist der „smart working“-Ansatz, der einen hohen Grad an Flexibilität, was Arbeitszeiten und -orte betrifft fordert. Außerdem steht dieser Ansatz für eine hohe Selbstverantwortung im Beruf, die den Erfolg an den erreichten Zielen misst und nicht nach der Anwesenheit (Guest 2008, 3).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet das Spannungsfeld zwischen Arbeitswelt und Familie und erläutert die Relevanz betrieblicher Familienpolitik als notwendige Ergänzung staatlicher Bemühungen.
2. Der Wandel der Familie: Dieses Kapitel beschreibt den gesellschaftlichen Wandel und die damit verbundene Entgrenzung von Arbeit und Leben, die zu dynamischeren Familienformen führt.
3. Familie und Arbeit: Hier werden die organisatorischen Anforderungen an Familien untersucht, die durch die Entgrenzung der Lebensbereiche entstehen und ein aktives „Boundary Management“ erfordern.
4. Familienpolitik von Unternehmen: Das Kapitel thematisiert die Notwendigkeit betrieblicher Maßnahmen zur Vereinbarkeit und beleuchtet Betriebsklima, Arbeitszeitflexibilisierung und unterstützende Angebote.
5. Initiativen: Hier werden verschiedene Ansätze und Praxisbeispiele von Unternehmen vorgestellt, die erfolgreich eine familienbewusste Unternehmenskultur implementiert haben.
6. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Familienorientierung ein zentraler Erfolgsfaktor für Unternehmen ist, um qualifizierte Fachkräfte zu binden und die Motivation zu steigern.
Schlüsselwörter
Familienpolitik, Work-Life-Balance, Vereinbarkeit, Unternehmenskultur, Arbeitszeitflexibilisierung, Betriebsklima, Teilzeitarbeit, Familienfreundlichkeit, Personalbindung, Personalentwicklung, Mitarbeiterzufriedenheit, demografischer Wandel, Fachkräftemangel, Familienförderung, betriebliche Maßnahmen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen Beruf und Familie und die Rolle der Wirtschaft bei der Schaffung einer familienfreundlichen Arbeitsumgebung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind der gesellschaftliche Wandel der Familienstrukturen, das Boundary Management, betriebliche Familienpolitik sowie konkrete Maßnahmen wie Arbeitszeitflexibilisierung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es aufzuzeigen, welche unternehmerischen Maßnahmen die Vereinbarkeit von Familie und Beruf fördern und wie diese den Erfolg des Unternehmens positiv beeinflussen können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Analyse auf Basis von Literaturstudien sowie eine deskriptive Darstellung von Praxisbeispielen verschiedener Unternehmen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt theoretische Grundlagen zum Wandel von Familie und Arbeit sowie spezifische betriebliche Handlungsfelder und eine Reihe von Fallstudien.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Familienpolitik, Work-Life-Balance, betriebliche Familienfreundlichkeit, Arbeitszeitflexibilisierung und Unternehmenskultur.
Warum ist das Betriebsklima laut Arbeit besonders wichtig?
Das Betriebsklima ist der stärkste Einflussfaktor auf die Wahrnehmung von Familienfreundlichkeit; Rücksichtnahme durch Kollegen und Vorgesetzte auf familiäre Belange ist dabei entscheidend.
Welches Fazit zieht der Autor in Bezug auf kleine Unternehmen?
Der Autor zeigt auf, dass auch Kleinbetriebe mit begrenzten Mitteln durch kreative Lösungen und ein wertschätzendes Umfeld erfolgreich eine familienbewusste Unternehmenskultur etablieren können.
- Quote paper
- Marie Luedtkes (Author), 2009, Familienpolitik von Unternehmen, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/201228