Einleitung:
Filme stellen für uns einen bedeutsamen Zugang zum Kulturwissen der Zeit dar. Trotz dieses Wissens ist jungen Leuten der Film als Vermittlungsmedium Film im Unterricht häufig nur zum Zeitvertreib oder bestenfalls als Literaturverfilmung bekannt.
Mit der vorliegenden Arbeit soll ein Vermittlungsansatz aufgezeigt werden, welcher es mög-lich machen soll, auch einen schwerer zugänglichen Film wie A CLOCKWORK ORANGE von Stanley Kubrick in der schulischen Filmrezeption einzusetzen und als Beispiel für die filmi-schen Analysegrundlagen zu verwenden. Dieser Analyserahmen soll letztendlich nicht nur die Gestaltungskriterien des Mediums Film vermitteln, sondern weiterführend auch eine Basis schaffen, auf der es möglich ist, eben auch schwer verständlichere Filme zu verstehen und ihren ästhetischen Kern zu beleuchten.
Partiell stellen hierfür die Arbeitsweise Stanley Kubricks und die Gestaltungselemente des Voyeurismus, in Bezug auf den Blick des Betrachters, des Protagonisten und des Kinos als Institution sowie verschiedene Kameraeinstellungen und -perspektiven, des Dekorums und der daraus resultierenden Unvergänglichkeit des Films und seiner musikalischen und theatra-lischen Umsetzung einen Abriss dar. Zu Anfang wird eine kurze Übersicht über die heutige Situation der Filmrezeption in der Schule und den Umgang mit dem Medium Film im Unter-richt gegeben. Eine zentrale Grundlage hierfür bildet das Werk „Film: Ratgeber für Lehrer“ (Köln 2006) von Jens Hildebrand, welcher hierin eine ausführliche Beispielanalyse zu Stanley Kubricks THE SHINING aufzeigt.
Der Film A CLOCKWORK ORANGE stellt u.a. eine Art „Sonderfall“ dar, weshalb er sich für das beschriebene Thema gut eignet. Er hat die Kritik der Filmrezensionen gespalten und wurde bei oberflächlicher Betrachtung schnell als gewaltverherrlichend abgewertet. Bei näherer Unter-suchung fällt aber auf, dass der Mensch als frei entscheidendes Individuum ins Zentrum des Films gerückt wird und somit seine Kernaussage, der freie Wille des Menschen, eher gesell-schaftskritisch zu deuten ist. Anhand des Beispiels A CLOCKWORK ORANGE soll gezeigt wer-den, wie leicht es ist, bei gleichgültiger Betrachtungsweise, Filme falsch zu interpretieren bzw. zu verstehen und wie wichtig es ist, dass richtige Filmrezeption, schon im jungen Alter und somit schon in der Schule, betrieben wird, damit den Schülern der richtige Umgang mit dem Medium Film vermittelt wird.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
2. Filmrezeption in der Schule
3. Stanley Kubrick: Arbeitsweise eines Filmvisionärs
4. Der Voyeurismus und die Bedeutung des Auges in A CLOCKWORK ORANGE
5. Unvergänglichkeit und Dekorum
6. Sprache und Musik: Das Theatralische in A CLOCKWORK ORANGE
7. Schlussgedanken
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, wie der in seiner Rezeption als kontrovers geltende Film "A Clockwork Orange" von Stanley Kubrick innerhalb der schulischen Bildung als Analyseobjekt eingesetzt werden kann, um Schülern filmische Gestaltungsmittel sowie eine kritische Filmrezeption zu vermitteln.
- Methoden der schulischen Filmrezeption und Filmanalyse.
- Die Regie-Arbeitsweise von Stanley Kubrick als visionärer Filmemacher.
- Gestaltungselemente des Voyeurismus, der Kameraeinstellungen und des Dekorums.
- Die Funktion von Sprache und Musik als theatralische Stilmittel und Kommentatoren der Handlung.
Auszug aus dem Buch
4. Der Voyeurismus und die Bedeutung des Auges in A CLOCKWORK ORANGE
In der ersten Szene von A CLOCKWORK ORANGE sehen wir das durch künstliche Wimpern vergrößerte und geschminkte Auge von Alex DeLarge (Malcolm McDowell) (Abb. 1). Sein Blick wirkt majestätisch, kalt, feindselig, schon fast hypnotisch. Der Filmtheoretiker und Philosoph Gilles Deleuze bezeichnete Kubricks Filme als „cinéma du cerveau“ (Kino des Gehirns). Hierbei wird der Rezipient nicht als moralisches Subjekt angesprochen, sondern das reine Sehvermögen, der Blick steht im Mittelpunkt der Betrachtung. Der Film ist also ein Diskurs über das Organ Auge, sowie dem Blick und das Verhältnis zwischen Betrachter und Film. Er ist eine Reflexion über das Auge, der Wahrnehmung im Kino und des Mediums Kino selbst.
Bei der Ludovico-Kur wird uns das Kino allgegenwärtig, da Alex‘ Therapie in einer kinoähnlichen Örtlichkeit abläuft und er auf einer großen Leinwand Filme vorgesetzt bekommt. In eine Zwangsjacke gesteckt, an einen Stuhl gefesselt und die Augenlider fixiert, kann er der Leinwand nicht ausweichen. Dieser Diskurs wird noch mehr konkretisiert durch Alex‘ Aussage während der Therapie: „Komisch, dass die Farben der wirklichen Welt erst wirklich echt aussehen, wenn man sie auf dem Screen sieht.“ Hierbei wird die Realität in die Filmwelt gezogen und umgekehrt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Die Einleitung erläutert die Bedeutung des Mediums Film im Unterricht und skizziert das Ziel, einen komplexen Film wie A Clockwork Orange didaktisch für die filmanalytische Arbeit mit Schülern zu erschließen.
2. Filmrezeption in der Schule: Dieses Kapitel erörtert die aktuelle Situation des Films als Unterrichtsgegenstand, thematisiert die passive Haltung von Rezipienten und plädiert für eine aktive Vermittlung von Filmlesefähigkeit.
3. Stanley Kubrick: Arbeitsweise eines Filmvisionärs: Die Analyse der Arbeitsweise Kubricks zeigt dessen autodidaktische Herangehensweise, die Bedeutung des "crucial rehearsal period" sowie seine Tendenz, tradierte Genre-Strukturen durch einen eigenständigen Modernismus zu erweitern.
4. Der Voyeurismus und die Bedeutung des Auges in A CLOCKWORK ORANGE: Hier wird der Blick als zentrales Gestaltungselement untersucht, wobei der Regisseur den Zuschauer durch subjektive Kameraführung und die Thematisierung von Voyeurismus direkt in das Filmgeschehen einbindet.
5. Unvergänglichkeit und Dekorum: Dieses Kapitel befasst sich mit der visuellen Ausstattung und dem Design des Films, die durch futuristische Schauplätze und Kunstgegenstände die Dissonanz zwischen Gesellschaft, Sexualität und Gewalt reflektieren.
6. Sprache und Musik: Das Theatralische in A CLOCKWORK ORANGE: Die Untersuchung zeigt auf, wie Nadsat als Jugendsprache und die musikalische Gestaltung durch Ironie und Kommentierung die Gewaltszenen stilisieren und theatralisch überhöhen.
7. Schlussgedanken: Das Fazit fasst zusammen, dass A Clockwork Orange trotz seiner provokanten Natur ein wertvolles Werk für die filmanalytische Lehre darstellt, da es den Zuschauer zur kritischen Reflexion über Gesellschaftsstrukturen und den freien Willen zwingt.
Schlüsselwörter
Stanley Kubrick, A Clockwork Orange, Filmrezeption, Filmanalyse, Filmvermittlung, Voyeurismus, Dekorum, Nadsat, Ludwig van Beethoven, Filmische Gestaltungsmittel, Regie, Gesellschaftskritik, Freier Wille, Moderne, Bildästhetik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den pädagogischen Einsatz des kontroversen Films A Clockwork Orange von Stanley Kubrick im Schulunterricht, um Schülern filmtheoretische Grundlagen zu vermitteln.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Untersuchung umfasst die Regie-Arbeitsweise von Stanley Kubrick, die ästhetische Inszenierung von Gewalt, die Bedeutung des voyeuristischen Blicks sowie die Funktion von Musik und Sprache im Film.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, einen Vermittlungsansatz zu entwickeln, der Schülern ermöglicht, auch schwer zugängliche und als gewalttätig wahrgenommene Filme wie A Clockwork Orange analytisch zu durchdringen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird ein filmanalytischer Ansatz gewählt, der filmische Gestaltungsmittel (Kameraeinstellungen, Montage, Dekorum, Musik) in Bezug auf ihre Wirkung und Bedeutung untersucht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert spezifische Stilmittel Kubricks, wie etwa den Einsatz von Korridoren, die Bedeutung des Auges, die Verwendung von Musik als Kommentator sowie die Kleidung als Ausdrucksmittel.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Filmrezeption, Filmanalyse, Voyeurismus, Regie-Arbeitsweise, Filmvermittlung und die ästhetische Stilisierung von Gewalt.
Warum eignet sich laut Autorin gerade A Clockwork Orange für den Unterricht?
Weil der Film durch seine komplexe, kunstvolle Inszenierung und seine polarisierende Wirkung ein ideales Beispiel bietet, um zwischen bloßer oberflächlicher Betrachtung und einer tiefgreifenden Filmanalyse zu unterscheiden.
Wie bewertet die Autorin die Rolle der Musik im Film?
Die Musik fungiert als ironischer Kommentator und "Handlungsballett", welches die Gewalttaten ästhetisiert und den Zuschauer zwingt, eine Distanz zum Geschehen einzunehmen.
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- Janina Kremkow (Author), 2011, Stanley Kubricks "A Clockwork Orange" - Ein Analyseansatz für die Filmrezeption und -vermittlung im Unterricht, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/201176