Das Nachhaltigkeitsreporting gewinnt in letzten Jahren mehr und mehr an Bedeutung. Die Schaffung einer transparenten Vorgehensweise der Unternehmen gegenüber den Stakeholdern ist eine der wichtigsten Gründe dafür. Die Tendenz zeigt, dass CSR (Corporate Social Responsibility) in naher Zukunft ein Teil der guten Unternehmens-führung und somit für viele Unternehmen selbstverständlich sein wird. Demzufolge wird CSR immer häufiger freiwillig von Unternehmen angewendet. Die staatliche Unterstützung bleibt dabei dennoch sehr wichtig. Bei der Förderung der gesellschaftlichen Verantwortung von Unternehmen spielen auch die privaten Initiativen eine bedeutende Rolle. Dies hängt unmittelbar mit der Entwicklung der Erwerbsregulierungen zusammen.
Heutzutage existiert bereits eine Vielzahl von Formen und Mechanismen, die die Erwerbsbeziehungen auf der internationalen Ebene regeln. Pries hat die bereits existierenden grenzüberschreitenden Erwerbsregulierungen nach Regulierungstypen systematisiert. In Anlehnung an seiner Typologie existieren seit ca. 1910 die ersten globalen Mindeststandards, die beispielsweise durch ILO-Kernarbeitsnormen vertreten sind. Die weitere Welle der Entwicklung der Erwerbsregulierungen mit der globalen Rechtsweite beobachtete man in den 1980er und 1990er Jahren. Die letzte Entwicklungswelle der internationalen Erwerbsregulierungen liegt in der unmittelbaren Gegenwart.
Die privaten CSR-Initiativen spielen bei der globalen Erwerbsregulierung eine bedeutende Rolle. Durch deren Zertifizierungs-, Evaluierungs- und Monitoringinstrumente bestehen sehr starke Umsetzungsmechanismen und Kontrollressourcen zur Durchsetzung der Ziele des CSR-Konzepts. Die öffentlichen Kampagnen und sozialen Bewegungen sind bei der Umsetzung der grenzüberschreitenden Arbeitsregulierungen eher mittelstark, da sie überwiegend nur einen Informationscharakter haben.
Zusammenfassend besteht die Wichtigkeit der privaten CSR-Instrumente darin, dass mit deren Hilfe teilweise die Lücke bei der Umsetzung der materiellen Normen wie die Kernarbeitsnormen der ILO, die Grundsätze der UN Global Compact usw. in den Ländern mit sehr unterschiedlichen Erwerbsregulierungen geschlossen werden kann. Im Weiteren wird genauer auf die Definition, Kategorisierung und Systematisierung der privaten CSR Instrumenten eingegangen. Darüber hinaus werden einige Beispiele der privaten CSR-Instrumente und deren Rolle im Prozess der Erwerbsregulierung dargestellt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung und Problemstellung
2 CSR als Konzept unternehmerischer Verantwortung
2.1 Definition und Annahmen
2.2 CSR Dimensionen
3 Private CSR Initiativen
3.1 Systematisierung privater CSR Instrumente
3.2 Einordnung in das System öffentlicher und privater Governance-Strukturen
3.3 Einordnung in die Regulierungsarenen nach Pries
3.4 Praktische Beispiele
3.4.1 International Organization for Standardization (ISO): Leitfaden zur gesellschaftlichen Verantwortung (ISO 26000:2010)
3.4.2 Oxfam Deutschland
3.4.3 Kampagnen: „Transparent jetzt!“ und „Make Trade Fair“
4 Zusammenfassung und Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Bedeutung privater CSR-Initiativen für die globale Erwerbsregulierung und analysiert, wie diese Instrumente zur Durchsetzung sozialer und ökologischer Standards beitragen. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie sich CSR als freiwilliges Konzept in ein komplexes System nationaler und internationaler Regulierungsstrukturen einordnen lässt.
- Grundlagen und Definitionen von Corporate Social Responsibility (CSR)
- Systematisierung und Typologie privater CSR-Instrumente
- Einbettung in Governance-Strukturen und Regulierungsarenen nach Pries
- Analyse praxisnaher Beispiele wie ISO 26000 und NGO-Kampagnen
- Rolle von CSR bei der Schließung globaler Regulierungs- und Normlücken
Auszug aus dem Buch
3.1 Systematisierung privater CSR Instrumente
Wie bereits im vorhergehenden Kapiteln gezeigt wurde, gibt es eine sehr große Anzahl von privaten CSR-Instrumenten. Sie unterscheiden sich nach ihrer Fokussierung, Teilnehmerschaft, Nutzung und Struktur.15 Um deren Auswirkung und Anwendungsbereiche besser verstehen zu können, ist eine Systematisierung an dieser Stelle notwendig. Im Allgemeinen kann man alle CSR-Instrumente in Anlehnung an die von der OECD und ILO getroffenen Unterscheidung zunächst nach deren Charakter systematisieren. Es gibt Instrumente, die als internationale Übereinkommen und Erklärungen gelten. Darüber hinaus gibt es amtlich angenommene oder anerkannte Orientierungen und vom privaten Sektor entwickelte Grundsätze.
Des Weiteren kann man die CSR-Instrumente nach der Art der rechtlichen Verbindlichkeit einstufen. Es gibt Instrumente, die freiwillig oder rechtsbindend sind. Darüber hinaus gibt es Instrumente die nur eine rechtliche Anlehnung haben. Schoenheit16 weist in seinem Kurzgutachten zur Systematik bestehender CSR-Instrumente darauf hin, dass die Instrumente mit „rechtlicher Anlehnung“ für die Unternehmen selbst nicht zwangsläufig rechtsbindend, aber deren Inhalte im nationalen Recht geregelt sind. Beispielsweise gehören die “ILO Declaration on Fundamental Principles and Rights at Work”17, die OECD-Leitsätze für multinationale Unternehmen18 zu den Instrumenten mit rechtlicher Anlehnung. Diese beiden Instrumente sind amtlich angenommen oder sie gelten als anerkannte Orientierungen. Bei einigen CSR-Instrumenten ist es sehr schwierig deren rechtliche Verbindlichkeit zu bewerten.19
Nach der Reichweite der Anwendung gibt es CSR-Instrumente, die auf nationale, internationale oder europäische Ebene gelten.20 CSR-Instrumente kann man auch nach deren Anlehnung an die Normen und Standards systematisieren. Demnach haben mache Instrumente eine explizite Anlehnung an die Normen und Standards und manche nicht.21
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung und Problemstellung: Dieses Kapitel führt in die steigende Bedeutung von Nachhaltigkeitsreporting und die Rolle privater CSR-Initiativen bei der globalen Erwerbsregulierung ein.
2 CSR als Konzept unternehmerischer Verantwortung: Hier werden Definitionen sowie die drei zentralen Annahmen (Freiwilligkeit, Eigeninitiative, Beziehungen) und die Drei-Säulen-Struktur von CSR erläutert.
3 Private CSR Initiativen: Dieses Hauptkapitel kategorisiert verschiedene CSR-Instrumente, ordnet sie in Governance-Strukturen und Regulierungsarenen ein und analysiert praktische Fallbeispiele.
4 Zusammenfassung und Fazit: Das Fazit fasst die Rolle von CSR als wichtiges Instrument zur Schließung von Regulierungs- und Normlücken in einer globalisierten Wirtschaft zusammen.
Schlüsselwörter
Corporate Social Responsibility, CSR, Erwerbsregulierung, Private Initiativen, Nachhaltigkeit, Governance, ISO 26000, Oxfam, Kampagnen, ILO-Kernarbeitsnormen, Multistakeholder-Initiativen, Unternehmenskodizes, Globale Standards, Stakeholder, Unternehmensverantwortung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die Funktion und Einordnung privater CSR-Initiativen (wie ISO-Normen und NGO-Kampagnen) als Mechanismen zur globalen Erwerbsregulierung.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen umfassen die Systematisierung von CSR-Instrumenten, deren rechtliche Verbindlichkeit, die Einordnung in Governance-Strukturen sowie die Auswirkungen auf internationale Arbeitsbedingungen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Rolle von freiwilligen, privaten Unternehmensinitiativen bei der globalen Durchsetzung von sozialen und ökologischen Standards zu verstehen und wissenschaftlich einzuordnen.
Welche wissenschaftliche Methode liegt der Arbeit zugrunde?
Es handelt sich um eine theoretische Auseinandersetzung, die bestehende Typologien (insbesondere von Pries sowie OECD/ILO) auf private CSR-Instrumente anwendet und durch Fallbeispiele illustriert.
Welche Inhalte werden im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Definition von CSR, die methodische Systematisierung der Instrumente und eine konkrete Fallstudienanalyse zu ISO 26000 und Oxfam.
Welche Schlagworte charakterisieren diese Publikation am besten?
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie CSR, globale Erwerbsregulierung, private Governance und Multistakeholder-Initiativen beschreiben.
Wie unterscheidet sich die ISO-Norm 26000 von einem klassischen Zertifizierungsinstrument?
Da sie als Leitfaden konzipiert ist und keine spezifischen Anforderungen für ein Audit stellt, fungiert sie eher als Orientierungshilfe denn als Zertifikat.
Welche Rolle spielen öffentliche Kampagnen innerhalb der Regulierungsarenen nach Pries?
Kampagnen werden der fünften Arena (diskursive Legitimation) zugeordnet, da sie helfen, Normalitätsstandards und soziale Erwartungen an Unternehmen in der Gesellschaft zu festigen.
- Arbeit zitieren
- Mariya Chernoruk (Autor:in), 2012, Internationale Arbeitsbeziehungen - Private Initiativen CSR, NGOs, Kampagnen, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/201127