Die folgende Abhandlung wird sich mit der Bodentypisierung und Bodenklassifizierung der Ockererde auseinandersetzen und diese Klassifikation am Beispiel der Böden Mitteldeutschlandes anwenden. Ockererden sind in der deutschen Bodensystematik nicht vertreten. Sie unterscheiden sich jedoch sowohl von Oxi- oder Hanggleyen, zu denen sie ungenauer Weise gezählt werden, als auch von anderen semiterrestrischen oder terrestrischen Böden hinsichtlich ihrer Pedogenese, wodurch eine Klassifikation als eigener Bodentyp gerechtfertigt wird. Es wird im Folgenden der Vorschlag vorgestellt, welcher die Ockererde als einen neuen von Lockererden abzugrenzenden Subtyp der Braunerden in die deutsche Bodensystematik einführt. Hierbei werden die wesentlichen Merkmale der Ockererden anhand der bodenbildenden Prozesse herausgearbeitet und mit anderen semiterrestrischen und terrestrischen Böden verglichen, um damit die Notwendigkeit der Abgrenzung und damit der Eigenständigkeit in der Bodensystematik zu verdeutlichen. Die gewonnenen Erkenntnisse zur Bodengenese werden anschließend in einer schematischen Darstellung und Erläuterung der Bodenhorizonte zusammengefasst. Die Klassifikation der Ockererde wird abschließend auf das regionale Fallbeispiel des Bodensystems Mitteldeutschland transferiert. Die Ockererde wird dabei in die Catena eines Mittelgebirgsausschnittes als Stoffbarriere eingeordnet.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Vorkommen
3. Klassifikation
3.1. Pedogenese
3.2. Bodenhorizonte
4. Fallbeispiel – Ockererde als Stoffbarriere einer mitteldeutschen Kleinlandschaft
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die bodenkundliche Einordnung der Ockererde und begründet deren Status als eigenständiger Bodentyp durch eine detaillierte Analyse ihrer pedogenetischen Prozesse, insbesondere der lateralen Stoffzufuhr. Das Ziel ist es, die Notwendigkeit einer systematischeren Abgrenzung gegenüber verwandten Bodentypen wie Pseudogleyen und Lockerbraunerden zu verdeutlichen und dies anhand eines regionalen Fallbeispiels in Mitteldeutschland praktisch zu belegen.
- Systematische Einordnung und Charakterisierung von Ockererden.
- Analyse der pedogenetischen Prozesse (Redoximorphie, Verbraunung, Verlehmung).
- Bedeutung der lateralen Stoffzufuhr als spezifisches Unterscheidungsmerkmal.
- Vergleich der Reaktionsfähigkeit (Eh-Werte) mit anderen Bodentypen.
- Praktische Anwendung der Klassifikationskriterien auf ein Bodenprofil aus Mitteldeutschland.
Auszug aus dem Buch
3.1. Pedogenese
Im Folgenden werden die vorherrschenden bodenbildenden Prozesse anhand der stofflichen Merkmale dargestellt. Ockererden weisen eine rot bis rotbraune Färbung im oberen Unterboden auf. Dies weist auf eine Anreicherung mit Eisen(III)-oxiden hin. Die Entstehung solcher Eisen-Humus Komplexe ist mit dem pedogenetischen Prozess der Redoximorphie zu erklären. Diesen Prozess gilt es im Folgenden zu klären.
Redoximorphie tritt ursprünglich in Grund- und Stauwasserböden auf, welche in der Gesamtheit als hydromorphe Böden bezeichnet werden. Je nach Grund oder Stau- oder Grundwassereinfluss kommt es zur Vergleyung oder Pseudovergleyung. Da Ockererdeböden nicht in Grundwasserbereichen liegen, die für eine Vergleyung nötig sind wird im Weiteren ausschließlich auf den Prozess der Pseudovergleyung eingegangen. Zur Pseudovergleyung kommt es in Staunässegebieten, in welchen in der frühjährlichen Nässephase anaerobe Bedingungen herrschen. Während dieser Nassphase kommt es aufgrund des Sauerstoffmangels zu Reduktionsprozessen, die sich im Verbrauch der Wasserstoff-Ionen und damit in einem Anstieg des ph-Wertes äußern.
CH2O + 4Fe(OH)3 + 7H+ -> 4Fe2+ + HCO3- + 10H2O
Es kommt somit zu Ausbilldung reduzierten Eisens. Dieses zweiwertige Eisen ist mobil und kann somit transportiert werden. Während der Trockenphase hingegen schwindet die Staunässe und die Poren des Oberbodens füllen sich mit Sauerstoff, sodass oxidative Voraussetzungen vorliegen unter denen zweiwertiges Eisen mit Sauerstoff reagiert und dreiwertiges Eisen ausgefällt wird. Belegbar ist dies durch einen Ph-Wertanstieg.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der Bodentypisierung der Ockererde ein und rechtfertigt ihre Klassifikation als eigenständiger Bodentyp durch Abgrenzung zu anderen semiterrestrischen oder terrestrischen Böden.
2. Vorkommen: Dieses Kapitel beschreibt die charakteristischen Standortbedingungen von Ockererden in humiden Mittelgebirgslagen und erläutert ihr typisches Vorkommen in Hanglagen.
3. Klassifikation: Dieser Abschnitt analysiert die pedogenetischen Prozesse, die für die Entstehung von Ockererden maßgeblich sind, und differenziert diese gegenüber Pseudogleyen und Lockerbraunerden anhand von Bodenhorizonten und chemischen Parametern.
4. Fallbeispiel – Ockererde als Stoffbarriere einer mitteldeutschen Kleinlandschaft: Hier wird die theoretische Klassifikation auf ein konkretes Bodenprofil in Mitteldeutschland angewandt, um die Funktion der Ockererde als Stoffbarriere in einer Catena zu verifizieren.
Schlüsselwörter
Ockererde, Bodentypisierung, Pedogenese, Redoximorphie, Pseudovergleyung, laterale Stoffzufuhr, Bodenhorizonte, Stoffbarriere, Bodensystematik, Mitteldeutschland, Braunerde, Eisenanreicherung, Bodenklassifikation, Hangzugwasser.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der bodenkundlichen Einordnung der Ockererde, die in der deutschen Bodensystematik bisher nicht eigenständig vertreten ist, und untersucht ihre spezifischen Entstehungsprozesse.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen sind die Bodenklassifikation, pedogenetische Prozesse wie Redoximorphie und Verbraunung sowie die ökologische Funktion von Ockererden als Stoffbarrieren in der Landschaft.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, die Eigenständigkeit der Ockererde innerhalb der deutschen Bodensystematik wissenschaftlich zu begründen und diese Klassifikation durch ein praktisches Fallbeispiel zu untermauern.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewandt?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Auseinandersetzung mit bodenbildenden Prozessen, eine Analyse von Eh-Werten zur Bestimmung des Redoxpotentials sowie eine empirische Untersuchung und Auswertung eines Bodenprofils.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die Entstehungsprozesse und die Abgrenzung zu anderen Bodentypen (wie Pseudogleyen) theoretisch hergeleitet und anschließend durch Daten eines Bodenprofils aus dem mitteldeutschen Raum validiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Ockererde, Bodensystematik, Pedogenese, laterale Stoffzufuhr und Stoffbarriere.
Wie unterscheidet sich die Ockererde laut Autor von einer Lockerbraunerde?
Der entscheidende Unterschied liegt in der lateralen Stoffzufuhr: Ockererden erhalten durch den Wasserfluss Elemente aus höheren, reduktiven Bodenschichten, was bei Lockerbraunerden in dieser Form nicht nachweisbar ist.
Warum wird die Ockererde als "Stoffbarriere" bezeichnet?
Sie wirkt als Barriere, da in ihr aufgrund oxidativer Bedingungen aus höheren Lagen transportiertes, gelöstes Eisen immobilisiert und somit angereichert wird.
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- Christoph Rölke (Author), 2012, Ockererde als Stoffbarriere einer mitteldeutschen Kleinlandschaft, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/201046