England Mitte des 18. Jahrhunderts zur Teezeit. Im Salon einer adeligen Dame bestreicht ein Mann beim Sprechen ausführlich ein Stück Brot mit Butter, wirft es anschließend in die Teekanne, schüttet heißes Wasser darauf, schenkt sich ein und beschwert sich im folgenden, noch nie so scheußlichen Tee getrunken zu haben. Ob einer dieser zahlreichen Anekdoten über den zerstreuten Professor Adam Smith nun stimmt oder nicht muss an dieser Stelle offen bleiben. Fakt ist, dass er als Gründervater der Ökonomie gilt, und mit seinen Theorien die Welt revolutionierte. Sein 1776 erschienenes Werk „An inquiry into the nature and causes of the wealth of
nations“ ist das erste systematische Werk der Volkswirtschaftslehre und hat bis heute einen enormen Einfluss. Seine Kritik am Protektionismus, sowie seine Theorie über Freihandel und Selbstbestimmung, waren zu jener Zeit revolutionär. Nicht minder beachtenswert sind seine Theorien zur Natur des Menschen, anhand derer er individuelle Handlungen im Bereich der Wirtschaft erklärt.
Meine These ist, dass Adam Smith als erster den Menschen als ein ökonomisch rational handelndes Wesen betrachtet und damit den Grundstein für die modernen Rational Choice Theorien gelegt hat.
Inhaltsverzeichnis
Adam Smith und das Rationalitätsprinzip
Die Epoche der Aufklärung
Adam Smith
Wirtschaft
Arbeitsteilung
Die Neigung zum Tausch
Das Selbstinteresse
Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit analysiert den ideengeschichtlichen Ansatz von Adam Smith und untersucht, inwieweit er den Menschen als ökonomisch rational handelndes Wesen betrachtet und damit den Grundstein für moderne Rational-Choice-Theorien legte. Zudem werden die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen der Aufklärung beleuchtet, die diese ökonomische Denkweise hervorgebracht haben.
- Die Epoche der Aufklärung als geistiger Nährboden
- Die Rolle der Sympathie im Smithschen Menschenbild
- Wirtschaftliche Funktionsweisen und das Modell der Arbeitsteilung
- Die Bedeutung der natürlichen Neigung zum Tausch
- Das Konzept des Selbstinteresses im Kontext von Moral und Ethik
Auszug aus dem Buch
Arbeitsteilung
Die Arbeitsteilung ist nach Smith das zentrale Merkmal einer prosperierenden Wirtschaft, und nimmt somit eine wesentliche Position in seinen ökonomischen Überlegungen ein. „Die Arbeitsteilung dürfte die produktiven Kräfte der Arbeit mehr als alles andere fördern und verbessern.“ (Smith 1789, 9)
Smith zeigt am berühmten Beispiel der Stecknadelproduktion den Gehalt der massiven Produktionssteigerung durch die Arbeitsteilung. Besonders deutlich wird, dass der Einzelne durch die Arbeitsteilung viel mehr produzieren kann, als er zum Leben braucht. Dies geschieht aus einem ökonomischen, aber auch moralischen Selbstinteresse, mit der Intention die eigene Lebenssituation zu verbessern. Im Zuge dessen wird durch die Arbeitsteilung und die damit verbundene Produktionssteigerung Wohlstand im Land geschaffen.
Zusammenfassung der Kapitel
Die Epoche der Aufklärung: Dieses Kapitel erläutert den gesellschaftlichen Wandel des 17. und 18. Jahrhunderts, in dem wissenschaftliche Vernunft und kritisches Denken metaphysische Erklärungsmodelle ablösten.
Adam Smith: Der Abschnitt stellt den schottischen Moralphilosophen vor und verortet seine Theorien in den damaligen intellektuellen Diskursen der Kaffeehäuser.
Wirtschaft: Hier wird die Wirtschaft als funktionales Subsystem im Verständnis von Smith beschrieben, das eng mit seiner Theorie der ethischen Gefühle verknüpft ist.
Arbeitsteilung: Das Kapitel thematisiert die massiven Produktionsvorteile durch Spezialisierung, warnt aber gleichzeitig vor den sozialen und psychologischen Folgen für die Arbeiter.
Die Neigung zum Tausch: Der Text führt das menschliche Bedürfnis zu tauschen als den eigentlichen Ursprung und Antrieb der ökonomischen Arbeitsteilung ein.
Das Selbstinteresse: Diese Analyse klärt das Missverständnis eines rein egoistischen Menschenbildes bei Smith und betont die regulierende Wirkung von Moral und sozialer Akzeptanz.
Fazit: Die Schlussbetrachtung fasst zusammen, wie Smith ökonomische Vorgänge mit der menschlichen Natur verbindet und den Grundstein für eine liberale Wirtschaftsordnung legt.
Schlüsselwörter
Adam Smith, Aufklärung, Rationalitätsprinzip, Homo Oeconomicus, Arbeitsteilung, Wohlstand der Nationen, Selbstinteresse, Sympathie, Marktmechanismus, Ideengeschichte, ökonomische Theorie, Spezialisierung, Rational-Choice, liberale Wirtschaftsordnung, Moralphilosophie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den theoretischen Ansatz von Adam Smith bezüglich des rational handelnden Menschen und dessen Rolle in der ökonomischen Entwicklung innerhalb einer modernen Gesellschaft.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Schwerpunkten zählen die Epoche der Aufklärung, die Theorie der ethischen Gefühle, die Arbeitsteilung, der Tauschhandel und das Konzept des aufgeklärten Selbstinteresses.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel besteht darin aufzuzeigen, wie Smith als Moralphilosoph den Menschen als rational handelndes Wesen konzipierte und wie diese Sichtweise zur Basis für moderne ökonomische Theorien wurde.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt eine ideengeschichtliche Analyse, wobei er sich auf die Beobachtung und Beschreibung der ökonomischen Schriften von Adam Smith stützt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert das Weltbild Smiths, seine Definition der Arbeitsteilung, die Bedeutung des Tausches und die Rolle des Selbstinteresses als Triebfeder wirtschaftlichen Wohlstands.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Rationalitätsprinzip, Sympathie, Arbeitsteilung, Wohlstand der Nationen, Selbstinteresse und die liberale Wirtschaftsordnung.
Warum ist die Arbeitsteilung bei Smith zweischneidig?
Smith erkennt einerseits die enormen Produktivitätsvorteile der Arbeitsteilung, warnt aber andererseits vor einer möglichen geistigen und sozialen Abstumpfung der Arbeiter, wenn diese nur noch monotone Handgriffe verrichten.
Wie definiert Smith das Selbstinteresse?
Das Selbstinteresse wird nicht als ungezügelter Egoismus, sondern als legitimes Streben nach Verbesserung der eigenen Lebenslage verstanden, das durch gesellschaftliche Normen, Moral und den unparteiischen Beobachter reguliert wird.
- Arbeit zitieren
- Marie Luedtkes (Autor:in), 2009, Adam Smith und das Rationalitätsprinzip, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/201018