[...] Jedes soziale System versucht Ordnung zu schaffen, indem es sich auf verschiedenen
Ebenen konstituiert, um so nach festgelegten Regeln funktionieren
zu können. Aufgrund dessen ist es relevant zu definieren, „[…] wer und was dem
System zugehören soll und was nicht, […] wer was zu tun hat, und […] wer wie
viel gilt und was zu sagen hat“ (Gerhards/Neidhart 1990: 29). Somit wie ein System
entsteht, wie es funktioniert, und somit wie es sich auflösen kann. Aus der
Systemtheorie ist zu entnehmen, dass jedes Funktionssystem seiner eigenen
Logik (binärer Code) folgt, autonom ist, wobei es zugleich strukturell an andere
Systeme gekoppelt ist. Dazu übernimmt es eine exklusive Funktion. Es ist autopoietisch
und beobachtend. Aufgrund all dieser Annahmen, wie ein System funktioniert
und beschrieben werden kann, wird im Zuge dieser Arbeit die Fragestellung
behandelt, ob sich das politische System, als Teilsystem der Gesellschaft,
aus der systemtheoretischen Betrachtungsweise auflösen kann.
Das Ziel dieser Arbeit ist die relevantesten (aus Sicht der Autorin) Begriffe der
Luhmann’schen Theorie darzustellen, das politische System aus Sicht Luhmanns
zu beschreiben und anschließend eine Antwort auf die zuvor gestellte Frage geben.
Die Vorgehensweise dieser Arbeit ist hermeneutisch, die herangezogenen
Befunde werden argumentativ untermauert und können auf einer sehr abstrakten
und theoretischen Ebene angesiedelt werden.
Luhmann modelliert das politische System als Teilsystem, genauer als Leistungssystem
im Funktionssystem der Öffentlichkeit. Um entsprechend in das
Thema einzuleiten, beginnt die Arbeit, mit der Erläuterung der relevantesten systemtheoretischen
Begriffe, um im dritten Punkt des vorliegenden Beitrages das
politische Teilsystem systemtheoretisch charakterisieren zu können. Im darauf
folgenden Kapitel befasst sich diese Arbeit mit der Auseinandersetzung, ob sich
das politische Teilsystem auflösen kann und versucht die möglichen Indikatoren,
die diesen Prozess bedingen könnten, herauszuarbeiten.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. RELEVANTE SYSTEMTHEORETISCHE BEGRIFFE
2.1 AUSDIFFERENZIERTE GESELLSCHAFT
2.2 SELBST- UND FREMDREFERENZ
2.3 AUTOPOIETISCHE SYSTEME
2.4 CODES UND PROGRAMME
2.5 KOMMUNIKATION
2.6 PERSONEN IN LUHMANNS SYSTEMTHEORIE
2.7 MASSENMEDIEN UND SEIN PUBLIKUM
3. DAS POLITISCHE TEILSYSTEM IN DER SYSTEMTHEORETISCHEN BETRACHTUNG
3.1 AUTOPOIESIS DES POLITISCHEN TEILSYSTEMS
3.2 OPERATIONEN IM POLITISCHEN TEILSYSTEM
3.3 FUNKTION DES POLITISCHEN TEILSYSTEMS
3.4 LEISTUNGEN UND KOPPELUNGEN DES POLITISCHEN TEILSYSTEMS
4. KANN SICH DAS POLITISCHE TEILSYSTEM AUFLÖSEN?
4.1 SYSTEM-UMWELT-GRENZE
4.2 GESCHICHTLICHE VERFESTIGUNG
4.3 KOPPELUNGEN DES POLITISCHEN SYSTEMS
4.4 PSYCHISCHE SYSTEME IM POLITISCHEN SYSTEM
4.5 KOMPLEXITÄTSGRAD EINES SYSTEMS
4.6 AUTOPOIESIS DES POLITISCHEN SYSTEMS
5. FAZIT
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht auf Basis der systemtheoretischen Konzepte von Niklas Luhmann die theoretische Frage, ob sich das politische System als Teilsystem der Gesellschaft auflösen kann. Hierbei wird der Fokus auf die autopoietische Natur sozialer Systeme und deren strukturelle Kopplungen gelegt, um Indikatoren für eine mögliche Auflösung herauszuarbeiten.
- Grundlagen der systemtheoretischen Begriffe nach Luhmann
- Charakterisierung des politischen Teilsystems
- Analyse der Autopoiesis und operativen Geschlossenheit
- Untersuchung von System-Umwelt-Koppelungen
- Herleitung von Hypothesen zur Auflösungsproblematik
Auszug aus dem Buch
3.1 Autopoiesis des politischen Teilsystems
Politik stellt aus Sicht der Systemtheorie ein funktional differenziertes, autonomes, autopoietisches und selbstreferentielles System dar. Dieser Befund weist darauf hin, dass Politik eine spezielle Funktion für die Gesellschaft leistet, sich in allen seinen Operationen auf sich bezieht und sich auf dem Fundament seiner eigenen Elemente selbst reproduziert (Vgl. Jarren/Donges 2002: 88). Also auf der Basis von bereits getroffenen und implementierten Entscheidungen, werden neue Entschlüsse getroffen. Altes erzeugt Neues.
Die Selbstbestimmung im System ist auf drei Ebenen angesiedelt: Auf zeitlicher, sachlicher und sozialer Ebene. In zeitlicher Hinsicht bedeutet das, dass Politik eine eigene Zeitrechnung, ein eigenes Gedächtnis und Zukunftshorizont besitzt. Die sachliche Ebene deutet auf eine selbständige Problematisierung und Behandlung der Sachverhalte und die soziale Dimension auf das Publikum und die Politiker hin (Vgl. Hellmann 2005: 14). Genau dieser Aspekt leitet zu dem nächsten Punkt über: Den Operationen im politischen Teilsystem.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Die Einleitung definiert das Ziel der Arbeit, die Luhmann’sche Theorie auf die Frage anzuwenden, ob sich das politische System auflösen kann.
2. RELEVANTE SYSTEMTHEORETISCHE BEGRIFFE: Dieses Kapitel erläutert grundlegende Begriffe wie Autopoiesis, Selbst-/Fremdreferenz und Codierung als Basis für die weitere Analyse.
3. DAS POLITISCHE TEILSYSTEM IN DER SYSTEMTHEORETISCHEN BETRACHTUNG: Hier wird das politische System als Teilsystem definiert, das durch eine exklusive Funktion und den binären Code Regierung vs. Opposition gekennzeichnet ist.
4. KANN SICH DAS POLITISCHE TEILSYSTEM AUFLÖSEN?: Im Hauptteil wird unter Rückgriff auf die aufgestellten Hypothesen theoretisch erörtert, unter welchen Bedingungen eine Auflösung denkbar oder durch strukturelle Verfestigung unwahrscheinlich ist.
5. FAZIT: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und stellt fest, dass eine Auflösung zwar theoretisch im Sinne der Autopoiesis denkbar, empirisch jedoch aufgrund der hohen strukturellen Kopplungen höchst unwahrscheinlich ist.
Schlüsselwörter
Systemtheorie, Niklas Luhmann, Politisches System, Autopoiesis, Soziale Systeme, Funktionssystem, Selbstreferenz, Strukturelle Kopplung, Regierung vs. Opposition, Komplexität, Kommunikation, Ausdifferenzierung, Macht, Politische Teilhabe, System-Umwelt-Differenz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der systemtheoretischen Analyse des politischen Systems und der theoretischen Frage, ob dieses System sich auflösen kann.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zentrale Themen sind die Systemtheorie nach Niklas Luhmann, die Autopoiesis von Funktionssystemen, der binäre Code der Politik und die strukturellen Kopplungen zwischen Politik, Medien und psychischen Systemen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, auf Basis der Luhmann'schen Theorie zu prüfen, ob sich das politische Teilsystem durch seine eigenen Operationen oder durch äußere Bedingungen auflösen kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine hermeneutische Vorgehensweise gewählt, bei der theoretische Befunde argumentativ untermauert und abstrakt-theoretisch diskutiert werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die systemtheoretischen Begriffe erklärt, das politische System charakterisiert und anschließend Hypothesen zur möglichen Auflösung anhand von Koppelungen, Geschichte und Komplexitätsgrad geprüft.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Systemtheorie, Autopoiesis, Politisches System, Strukturelle Kopplung und gesellschaftliche Ausdifferenzierung charakterisiert.
Warum spielt die Unterscheidung von Amt und Person eine so große Rolle?
Die Trennung von Amt und Person verleiht dem politischen System Flexibilität, da Ämter erhalten bleiben, auch wenn einzelne Personen ausgetauscht werden, was zur Stabilität des Systems beiträgt.
Kann sich das politische System nach den Ergebnissen der Arbeit tatsächlich auflösen?
Zwar ist die Auflösung als theoretische Konsequenz der autopoietischen Annahme (H1) denkbar, jedoch widerlegen die strukturelle Verflechtung und die historische Verfestigung (H2) dieses Szenario in der Realität weitgehend.
- Arbeit zitieren
- Sonia Robak (Autor:in), 2012, Kann sich das politische System aus der systemtheoretischen Betrachtungsweise auflösen?, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/200978