In dieser Hausarbeit wird der Einfluss von Gewerkschaften auf den Wohlfahrtsstaat in Form einer Drei-Länderstudie untersucht. Der Autor zeigt anhand der Untersuchung des britischen, deutschen und schwedischen Sozialsystems, welchen Einfluss Gewerkschaften tatsächlich besitzen und wie sich dieser über die Zeit entwickelt hat. Die Länderauswahl stellt die von Esping-Andersen vorgenommen Typologie der Wohlfahrtsstaatsregime (sozialversicherungsbasiert, residual, universalistisch) dar.
In der Analyse stellt der Autor dar, welche Auswirkungen der Rückgang des gewerkschaftlichen Organisationsgrades auf die Entwicklungen innerhalb des Wohlfahrtsstaats besitzen. Hierzu wird die Armutsentwicklung, die Entwicklung der Sozialen Ungleichheit und der Organisationsgrad in Deutschland, Großbritannien und Schweden in den Jahren 1990, 2000 und 2010 verglichen.
Der Autor stellt die Hypothese auf, dass starke Gewerkschaften mit vielfältigen Einflussmöglichkeiten einen großen Einfluss auf die Gestaltung des Wohlfahrtsstaates besitzen und somit die Armut und die Soziale Ungleichheit reduziert wird. Überraschenderweise kann diese Hypothese nicht bestätigt werden, wie in den ausführlichen Analysen deutlich gemacht wird.
Dennoch sind einheitliche Trends, die mit dem Machtverlust der Gewerkschaften einhergehen, in allen drei Ländern ersichtlich.
Der Autor steuert mit seiner Arbeit einen wertvollen Beitrag zur Untersuchung des Sozialstaats und seiner Verbindung mit der Arbeiterbewegung bei.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Die Subsysteme und die Funktion der Gewerkschaften
2.1 Die Subsysteme - Arbeitsbeziehungen & Wohlfahrtsstaat
2.2 System der Arbeitsbeziehung und Wohlfahrtsstaat
2.3 Sozialpolitische Funktionen der Gewerkschaften
3 Idealtypen, Länder und Indikatoren
3.1 Idealtypen
3.2 Länderstudien
3.3 Zwischenfazit & Hypothesen
4 Analysen
4.1 Indikatoren des Einflusses
4.2 Analysen
4.3 Länderbezogene Ergebnisse
4.4 Fazit
5 Diskussion
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht den Einfluss von Gewerkschaften auf den Wohlfahrtsstaat, indem sie analysiert, wie unterschiedliche Systeme der Arbeitsbeziehungen und Organisationseigenschaften der Gewerkschaften die staatliche Wohlfahrtspolitik sowie Kennzahlen wie Armut und Ungleichheit in Deutschland, Großbritannien und Schweden beeinflussen.
- Verhältnis zwischen Arbeitsbeziehungen und Wohlfahrtsstaat
- Sozialpolitische Funktionen und Einflussmöglichkeiten von Gewerkschaften
- Vergleichende Analyse der Wohlfahrtsregime nach Esping-Andersen
- Messung von gewerkschaftlicher Macht anhand des Organisationsgrades
- Auswirkungen gewerkschaftlicher Stärke auf Armutsraten und soziale Ungleichheit
Auszug aus dem Buch
2.1 Die Subsysteme - Arbeitsbeziehungen & Wohlfahrtsstaat
Das System der Arbeitsbeziehungen Mau definiert die industriellen Beziehungen als „die Gesamtheit der Beziehungen zwischen Kapital und Arbeit auf den Ebenen Betrieb, sektoraler Arbeitsmarkt und Gesamtwirtschaft“ (Mau, 2009) bzw. Gesamtgesellschaft. Neben den Akteuren Kapital und Arbeit kann der Staat als dritter Akteur fungieren. Die staatliche Einflussnahme ist im europäischen Vergleich allerdings unterschiedlich stark ausgeprägt (ebd.). Wesentlichster Akteur auf Seiten der Arbeit sind die Gewerkschaften, auf Seiten des Kapitals die Unternehmen oder (Arbeitgeber-)Verbände. Neben den Gewerkschaften sind in einigen europäischen Ländern die Betriebsräte wichtige Akteure auf der betrieblichen Ebene. Hauptgegenstand in den industriellen Beziehungen ist der Kollektiv-Vertrag. In Europa ist das System der industriellen Beziehungen institutionalisiert und verrechtlicht (Mikl-Horke, 2007).
In den europäischen Staaten existieren unterschiedliche Gesetzgebungen, die wiederum Auswirkungen auf die Verhandlungsebene haben. Grundsätzlich setzen sich die Akteure auf betrieblicher Ebene zumeist über Themen, wie Arbeitsbedingungen, Arbeitszeit, Einstellungen und Entlassungen auseinander. Auf der sektoralen Ebene werden vorwiegend Bedingungen zu Entlohnung aber auch zur Arbeitszeit und Beschäftigung zwischen den Vertretern von Kapital und Arbeit ausgehandelt. Akteure auf dieser Ebene sind Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände. Auf gesamtwirtschaftlicher bzw. gesamtgesellschaftlicher Ebene sind es wiederum Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände, die ihre Forderungen an die Politik formulieren, Lobbyarbeit betreiben und weitere Funktionen ausüben. Teilweise existieren auch enge Verbindungen zwischen Akteure der industriellen Beziehungen und einzelnen politischen Parteien.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Arbeit führt in die Fragestellung ein, inwiefern Gewerkschaften als Akteure in Arbeitsbeziehungen den Wohlfahrtsstaat beeinflussen können, und skizziert das methodische Vorgehen.
2 Die Subsysteme und die Funktion der Gewerkschaften: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen der Arbeitsbeziehungen und definiert die verschiedenen sozialpolitischen Funktionen von Gewerkschaften.
3 Idealtypen, Länder und Indikatoren: Hier werden Wohlfahrtsregime nach Esping-Andersen kategorisiert und die Länder Deutschland, Großbritannien und Schweden für die empirische Untersuchung ausgewählt und eingeordnet.
4 Analysen: Dieser Teil präsentiert die empirische Untersuchung anhand von Indikatoren zu gewerkschaftlichem Organisationsgrad, Armutsraten und Gini-Koeffizienten für die drei ausgewählten Länder.
5 Diskussion: Abschließend werden die Ergebnisse kritisch reflektiert, die Hypothesen bewertet und ein Ausblick auf notwendige weitere Forschungsbedarfe gegeben.
Schlüsselwörter
Gewerkschaften, Wohlfahrtsstaat, Arbeitsbeziehungen, Tarifpolitik, Sozialpolitik, Machtressourcen, Organisationsgrad, Armutsrate, soziale Ungleichheit, Gini-Koeffizient, Deutschland, Großbritannien, Schweden, Umverteilung, Kollektivverträge.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, ob und wie Gewerkschaften als Akteure in den Systemen der Arbeitsbeziehungen die Wohlfahrtspolitik eines Staates beeinflussen können.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Felder sind die Interaktion zwischen Arbeitsbeziehungen und Wohlfahrtsstaat, die Definition sozialpolitischer Funktionen von Gewerkschaften sowie die Auswirkungen dieser Faktoren auf die soziale Lage in verschiedenen Ländern.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Ziel ist es zu ergründen, ob Gewerkschaften in unterschiedlichen institutionellen Kontexten tatsächlich Einfluss auf die Gestaltung wohlfahrtsstaatlicher Leistungen sowie auf Armut und Ungleichheit nehmen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt einen vergleichenden Ansatz (Länderstudien), bei dem Deutschland, Großbritannien und Schweden anhand von Typisierungen und statistischen Indikatoren (Organisationsgrad, Armutsrate, Gini-Koeffizient) analysiert werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden theoretische Konzepte (Wohlfahrtsregime, Arbeitsbeziehungssysteme) diskutiert, die drei ausgewählten Länder detailliert charakterisiert und anschließend empirische Daten zur Gewerkschaftsstärke und deren Auswirkungen auf Armut und Ungleichheit ausgewertet.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Gewerkschaftsstärke, Machtressourcen, Sozialpolitik, Wohlfahrtsregime, kollektive Arbeitsbeziehungen und Umverteilungseffekte.
Warum wurde Schweden als Beispiel gewählt?
Schweden dient als Beispiel für den universalistischen Wohlfahrtsstaat, in dem Gewerkschaften historisch durch das Gent-System und tripartistische Konsultationen eng in den Politikprozess eingebunden waren.
Welche Rolle spielt die Thatcher-Ära für das Fallbeispiel Großbritannien?
Die Reformen unter der Thatcher-Regierung zwischen 1979 und 1997 führten zu einem erheblichen Machtverlust britischer Gewerkschaften und zur Aufhebung vieler korporatistischer Einbindungsmöglichkeiten.
Wie lässt sich der Einfluss deutscher Gewerkschaften trotz Mitgliederschwund erklären?
Trotz sinkender Mitgliederzahlen bleiben deutsche Gewerkschaften durch ihre Beteiligung in der Selbstverwaltung der Sozialversicherungssysteme und als Sozialpartner in der Tarifpolitik weiterhin einflussreiche Akteure in der Politikimplementierung.
Welches Fazit zieht der Autor hinsichtlich der Gewerkschaftsmacht?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass die reine Mitgliederstärke weniger ausschlaggebend ist als die institutionelle und rechtliche Verankerung der Gewerkschaften sowie ihre spezifischen sozialpolitischen Funktionen.
- Arbeit zitieren
- Mario Daum (Autor:in), 2012, Gewerkschaften und Wohlfahrtsstaaten, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/200364