Die schockierenden Medienberichte und die Enttabuisierung sexueller Übergriffe an Schulen bestärkten meinen Wunsch, zum Schutz der mir anvertrauten Kinder beizutragen und präventiv zu arbeiten. Doch bevor ich mein Vorhaben in die Praxis umsetzen konnte, d.h. vor der Durchführung einer entsprechenden Unterrichtseinheit stellten sich mir zahlreiche Fragen: Ist das Thema des sexuellen Mißbrauchs in einem dritten Schuljahr überhaupt fächerübergreifend umsetzbar? Mache ich den Schülerinnen und Schülern mit den Informationen zu sexuellem Mißbrauch eventuell Angst oder verunsichere ich sie unnötig? Wie werden die Eltern der Kinder auf mein Vorhaben reagieren? Was kann ich tun, wenn sich ein sexuell missbrauchter Junge in der Klasse ist und sich mit anvertraut?
Diese vier Fragen sollen im Verlauf der Unterrichtseinheit geklärt werden. Darüber hinaus möchte ich Aufschlüsse für zuküftiges präventieves Arbeiten in der Grundschule erhalten.
Inhaltsverzeichnis
I Einleitung
II Theoretische Grundlagen
1 Didaktischer Schwerpunkt der Arbeit
1.1 Informationen zum sexuellen Missbrauch an Kindern
1.1.1 Begriffsbestimmung
1.1.2 Symptome sexuellen Missbrauchs
1.2 Prävention
1.2.1 Zum Präventionsbegriff
1.2.1.1 Primäre Prävention
1.2.1.2 Sekundäre Prävention
1.2.1.3 Tertiäre Prävention
1.2.2 Primärprävention in der Schule
1.2.3 Begründung für die Auswahl des Themas
1.2.3.1 Bedeutsamkeit für die Schüler
1.2.3.2 Kompetenzen
1.2.4 Rahmenbedingungen
1.2.4.1 Inhaltsspezifische Lernvoraussetzungen bei den Schülern
1.2.4.2 Die Rolle des Lehrers
1.2.4.3 Elternarbeit
1.2.5 Grenzen
2 Methodischer Schwerpunkt der Arbeit
2.1 Fächerübergreifender Unterricht
2.1.1 Begriffsbestimmung
2.1.2 Ziele fächerübergreifenden Unterrichts
2.1.3 Formen fächerübergreifender Unterrichts
2.1.3.1 Fächerüberschreitendes Lernen
2.1.3.2 Fächerverknüpfendes Lernen
2.1.3.3 Fächerkoordinierendes Lernen
2.1.3.4 Fächerergänzendes Lernen
2.1.3.5 Fächeraussetzendes Lernen
2.1.4 Begründung für die Auswahl der Methode
2.1.4.1 Legitimation durch die Teilrahmenpläne und Leitlinien
2.1.4.2 Konsequenzen für den Unterricht
III Unterrichtspraktische Realisierung
1 Überblick über die gesamte Unterrichtseinheit
2 Beziehungen zu(m) Rahmenplan/Teilrahmenplan/Leitlinien
3 Voraussetzungen für den Unterricht
3.1 Lernvoraussetzungen der Schüler
3.2 Äußere Voraussetzungen
4 Darstellung der einzelnen Unterrichtsstunden
4.1 Ausführliche Darstellung der ersten Unterrichtssequenz
4.1.1 Didaktische Entscheidungen und Begründungen
4.1.1.1 Sachanalyse: „Gefühle“
4.1.1.2 Bedeutsamkeit des Unterrichtsinhaltes
4.1.1.3 Beziehungen zu(m) Rahmenplan/Teilrahmenplan/Leitlinien
4.1.1.4 Voraussetzungen für den Unterricht
4.1.2 Wissens- und Kompetenzentwicklung
4.1.3 Methodische Entscheidungen und Begründungen
4.1.3.1 Artikulation und Sozial-/ Aktionsformen
4.1.3.2 Medien
4.1.3.3 Unterrichtsgrundsätze
4.1.4 Tafelbild
4.1.5 Geplanter Unterrichtsverlauf
4.1.6 Reflexion
4.2 Kurzdarstellung der zweiten Unterrichtsstunde
4.2.1 Wissens- und Kompetenzentwicklung
4.2.2 Geplanter Unterrichtsverlauf
4.2.3 Reflexion
4.3 Kurzdarstellung der dritten Unterrichtssequenz
4.3.1 Wissens- und Kompetenzentwicklung
4.3.2 Geplanter Unterrichtsverlauf
4.3.3 Reflexion
4.4 Kurzdarstellung der vierten Unterrichtsstunde
4.4.1 Wissens- und Kompetenzentwicklung
4.4.2 Geplanter Unterrichtsverlauf
4.4.3 Reflexion
4.5 Kurzdarstellung der fünften Unterrichtssequenz
4.5.1 Wissens- und Kompetenzentwicklung
4.5.2 Geplanter Unterrichtsverlauf
4.5.3 Reflexion
4.6 Kurzdarstellung der sechsten Unterrichtsstunde
4.6.1 Wissens- und Kompetenzentwicklung
4.6.2 Geplanter Unterrichtsverlauf
4.6.3 Reflexion
4.7 Kurzdarstellung der siebten Unterrichtssequenz
4.7.1 Wissens- und Kompetenzentwicklung
4.7.2 Geplanter Unterrichtsverlauf
4.7.3 Reflexion
4.8 Ausführliche Darstellung der achten Unterrichtssequenz
4.8.1 Didaktische Entscheidungen und Begründungen
4.8.1.1 Sachanalyse
4.8.1.2 Bedeutsamkeit des Unterrichtsinhaltes
4.8.1.3 Beziehungen zu(m) Rahmenplan/Teilrahmenplan/Leitlinien
4.8.1.4 Voraussetzungen für den Unterricht
4.8.2 Wissens- und Kompetenzentwicklung
4.8.3 Methodische Entscheidungen und Begründungen
4.8.3.1 Artikulation und Sozial-/ Aktionsformen
4.8.3.2 Medien
4.8.3.3 Unterrichtsgrundsätze
4.8.4 Geplanter Unterrichtsverlauf
4.8.5 Reflexion
4.9 Kurzdarstellung der neunten Unterrichtssequenz
4.9.1 Wissens- und Kompetenzentwicklung
4.9.2 Geplanter Unterrichtsverlauf
4.9.3 Tafelbilder
4.9.4 Reflexion
IV Gesamtreflexion
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Ziel dieser Hausarbeit ist die Planung und methodische Ausgestaltung einer fächerübergreifenden Unterrichtseinheit zum Thema "sexueller Missbrauch" für eine dritte Grundschulklasse, um Kinder in ihrem Selbstbewusstsein zu stärken und für den Schutz ihres eigenen Körpers zu sensibilisieren.
- Prävention von sexuellem Missbrauch durch Stärkung der Körperlichen Selbstbestimmung
- Förderung der Wahrnehmung und des Ausdrucks eigener Gefühle
- Unterscheidung zwischen guten und schlechten Berührungen sowie Geheimnissen
- Erlernen von konkreten Handlungsstrategien zum "Nein-Sagen" und Hilfeholen
- Einbindung fächerübergreifender Methoden (Sachunterricht, Deutsch, Kunst, Sport, Musik)
Auszug aus dem Buch
1.1.1 Begriffsbestimmung
In der wissenschaftlichen Literatur findet sich bis heute keine allgemein anerkannte Definition des sexuellen Missbrauchs an Kindern. Die Gründe hierfür liegen auf verschiedenen Ebenen. Zum einen unterliegt das Verständnis sexueller Ausbeutung einem historischen Wandel, zum anderen sind kulturelle Unterschiede festzustellen. Eine weitere Schwierigkeit, zu einer einheitlichen Definition zu gelangen, ist durch die unterschiedlichen Forschungs- und Erklärungsansätze bedingt. Dadurch ergibt sich, dass die einzelnen Definitionen „immer von den verschiedenen theoretischen, ethnischen und weltanschaulichen Orientierungen der jeweiligen Autoren geprägt sein werden.“
Generell lassen sich enge und weite Definitionen voneinander unterscheiden. Enge Definitionen versuchen durch genaue Formulierungen eine Handlung des sexuellen Missbrauchs gegenüber anderen Handlungen eindeutig abzugrenzen. Weiter gefasste Definitionen haben den Vorteil, auch diejenigen Missbrauchsfälle zu erfassen, welche von einer engen Definition nicht erfasst würden, weil beispielsweise nicht nachgewiesen werden kann, dass die Handlung gegen den Willen des Kindes geschehen ist oder weil sie ohne körperlichen Kontakt stattfand.
Ich werde meiner Arbeit die Definition von Engfer zugrunde legen, welche meiner Meinung nach aussagekräftig und differenziert ist und die wichtigsten Definitionskriterien enthält: „Unter dem sexuellen Missbrauch versteht man die Beteiligung noch nicht ausgereifter Kinder und Jugendlicher an sexuellen Aktivitäten, denen sie nicht verantwortlich zustimmen können, weil sie deren Tragweite noch nicht erfassen. Dabei benutzen bekannte oder verwandte (zumeist männliche) Erwachsene Kinder zur eigenen sexuellen Stimulation und missbrauchen das vorhandene Macht- und Kompetenzgefälle. Sexueller Missbrauch umfasst alle möglichen vaginalen, oralen und analen Praktiken, anzügliche Bemerkungen, Berührungen, Exhibitionismus, Missbrauch von Kindern zur Herstellung pornographischer Materials, auch die Anleitung zur Prostitution.“
Zusammenfassung der Kapitel
I Einleitung: Die Einleitung thematisiert die Motivation der Autorin, bedingt durch aktuelle mediale Berichterstattung, eine präventive Unterrichtseinheit zum sensiblen Thema Kindesmissbrauch zu entwickeln.
II Theoretische Grundlagen: Dieses Kapitel definiert den Begriff des sexuellen Missbrauchs sowie die verschiedenen Formen der Prävention und begründet die methodische Entscheidung für fächerübergreifenden Unterricht.
III Unterrichtspraktische Realisierung: Hier wird die konkrete Durchführung der neun Unterrichtssequenzen beschrieben, inklusive der Lernvoraussetzungen, der methodischen Entscheidungen und der abschließenden Reflexionen der jeweiligen Stunden.
IV Gesamtreflexion: Die Autorin zieht ein Fazit über den Erfolg der Unterrichtseinheit und reflektiert ihre Erfahrungen im Umgang mit der Lerngruppe sowie der Zusammenarbeit mit Eltern und externen Fachkräften.
Schlüsselwörter
Sexueller Missbrauch, Prävention, Grundschule, Fächerübergreifender Unterricht, Körperliche Selbstbestimmung, Gefühlsbildung, Schutzkonzept, Kinderschutz, Elternarbeit, Selbstbehauptung, Unterrichtsplanung, Sachunterricht, Resilienz, Beratung, Hilfsangebote.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Konzeption und Umsetzung einer präventiven Unterrichtseinheit zum Schutz vor sexuellem Missbrauch für eine dritte Grundschulklasse.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Felder sind die körperliche Selbstbestimmung, die Wahrnehmung eigener Gefühle, die Abgrenzung von Berührungen und Geheimnissen sowie das Erlernen von Hilfe-Strategien.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Hauptziel ist die Stärkung des Selbstvertrauens und der Selbstständigkeit der Kinder, damit diese gefährliche Situationen erkennen und aktiv "Nein" sagen können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt den Ansatz des fächerübergreifenden Unterrichts, um das Thema ganzheitlich und unter Einbeziehung verschiedener Lernbereiche wie Deutsch, Sport und Kunst zu behandeln.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der detaillierten Planung, Durchführung und Reflexion von neun Unterrichtssequenzen, die aufeinander aufbauen und spielerische sowie inhaltliche Lerneinheiten kombinieren.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Kinderschutz, Prävention, Selbstbehauptung, Gefühlsbildung, Unterrichtsplanung und Fächerverknüpfung.
Welche Rolle spielt das "Bilderbuch" in diesem Unterricht?
Das Bilderbuch dient als Medium, um das komplexe Thema kindgerecht darzustellen, Identifikationsfiguren zu schaffen und den Kindern Anlässe zu bieten, über schwierige Inhalte zu sprechen.
Wie wurde die Zusammenarbeit mit den Eltern gestaltet?
Die Autorin hat die Eltern durch Elternbriefe und einen Informationsabend aktiv in das Vorhaben eingebunden, um Transparenz zu schaffen und Berührungsängste gegenüber dem Thema abzubauen.
Was bedeutet das "Burgspiel" im Kontext der Unterrichtseinheit?
Das Burgspiel ist eine praktische Übung, bei der die Kinder lernen, ihre Grenzen zu ziehen und anderen Kindern oder Erwachsenen energisch "Nein" zu sagen, wenn sie sich unwohl fühlen.
- Quote paper
- Ina Hergert (Author), 2010, "Lass mich in Ruhe!"- eine fächerübergreifende Unterrichtseinheit zum sexuellen Missbrauch an Kindern (3. Schuljahr), Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/200180