Bei dem Projekt De Stijl , was so viel wie „der Stil“ bedeutet, handelt es sich um die Zusammenarbeit von Malern und Architekten. Die Grundlagen für die Theorie des Projekts waren philosophische und weltanschauliche Konzepte, wie z.B. Theosophie, Theologie und die Werke von Spinoza, Kant, Hinton, Hegel, Schopenhauer, Bolland, uvm. Zentrale Themen waren „Vernunft“, „Geometrie“ und „Universalisierung“.
Das Dekorative stand im Zentrum der Arbeit. D.h. De Stijl ist die Theorie und die Praxis der dekorativen Künste vor dem Ersten Weltkrieg. Im Kern stand die Auseinandersetzung mit vier Konzepten: Die gerade Linie, das geometrischen Ornament, die monumentale Malerei und die Raumkunst.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung: Manifest I
2. Die Grundidee von De Stijl
3. Die gerade Linie
4. Das Verhältnis zum geometrischen Ornament
5. Ist die Nieuwe Beelding dekorative oder abstrakte Kunst? – Die Bedeutung der monumentalen Malerei
6. De Stijl als Raumkunst
7. Das Scheitern des Künstlerprojektes De Stijl
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die historische Entwicklung, die theoretischen Grundlagen und die künstlerische Praxis der niederländischen Avantgarde-Bewegung "De Stijl". Dabei wird insbesondere der Frage nachgegangen, wie sich das Projekt durch die Synthese von Malerei, Architektur und Raumkunst als utopischer Gesellschaftsentwurf etablieren wollte und warum es letztlich an internen sowie architekturtheoretischen Widerständen scheiterte.
- Philosophische und weltanschauliche Fundierung durch Theosophie und Vernunftprinzipien
- Die Bedeutung der "geraden Linie" und geometrischer Grundformen als ästhetisches Programm
- Die Abgrenzung der monumentalen Malerei gegenüber traditioneller Ornamentik
- Die Anwendung von Raumkunst in privaten und öffentlichen Lebensbereichen
- Die Rezeption von De Stijl im Kontext des Bauhauses und das Scheitern der monumentalen Synthese
Auszug aus dem Buch
3. Die gerade Linie
1904 veröffentlichte Bart van der Leck einen kurzen Artikel in der Zeitschrift „Onze Kunst“ über die Möbel seines Freundes und Lehrers Piet Klaarhammer. Er schrieb, dass die Möbel der gotischen Möbelkunst unterliegen, einer aus „geraden Linien bestehende Zusammenstellung“, also auf einem rationalistischen Prinzip der materialgerechten Verarbeitung beruhen. Dieses Prinzip lässt sich auch bei Berlage und Rietveld beobachten.
Durch die „geschwungene Linie“, die sich 1895 von Belgien nach den Niederlanden unter den Namen „Art Nouveau“ bewegte, erhielt die „gerade Linie“ an größerer Bedeutung als ästhetisches Programm. Die „geschwungene Linie“ wurde von den Amsterdamern als fehlgeleitete Malerästhetik, individualistisch, unlogisch, ruhelos, und verrückt bezeichnet. Dem entgegen stand die „gerade Linie“ für Fachkenntnis, Logik, Selbstdisziplin und Ruhe. Die aufkommende Stilfrage wurde daher auf der moralischen Ebene abgehandelt: „Geradlinigkeit und Wahrheit“ gegenüber „Unvernunft und Sprunghaftigkeit (Lüge)“.
1898 schrieb August Endell den Aufsatz „Dekorative Kunst“, welcher versuchte die „Gefühlswirkung“ von Geraden darzustellen. Der Aufsatz zeigte, dass die Geraden nicht nur „mathematisch“, sondern auch „ästhetisch“ aufzufassen sind. 1912 erklärte Theo van Doesburg die Wellenlinie für „Schönheit“ und die Gerade für „Wahrheit“, was weitestgehend akzeptiert wurde.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Manifest I: Das Kapitel stellt das „Manifest I“ von 1918 vor, das den Grundkonflikt zwischen Individualität und Universalität thematisiert und das Ziel der Gruppe definiert, eine internationale Einheit in Kunst und Leben zu schaffen.
2. Die Grundidee von De Stijl: Hier werden die philosophischen Wurzeln des Projekts erläutert, das als Zusammenarbeit von Malern und Architekten die dekorativen Künste auf eine wissenschaftliche und rationale Basis stellen wollte.
3. Die gerade Linie: Das Kapitel analysiert die „gerade Linie“ als zentrales ästhetisches und moralisches Gegenprogramm zur geschwungenen Form des Art Nouveau, wobei sie als Symbol für Logik und Wahrheit etabliert wird.
4. Das Verhältnis zum geometrischen Ornament: Diese Sektion untersucht die Nähe und bewusste Abgrenzung von De Stijl zu geometrischen Ornamenten, wobei die Geometrie hier als fundamentales, auf Naturgesetzen basierendes Gestaltungsmittel dient.
5. Ist die Nieuwe Beelding dekorative oder abstrakte Kunst? – Die Bedeutung der monumentalen Malerei: Das Kapitel erörtert, wie De Stijl die monumentale Malerei als architektonische Synthese verstand und sich damit vom bloßen, dekorativen Schmuck abzugrenzen versuchte.
6. De Stijl als Raumkunst: Hier wird der Fokus auf die Gestaltung privater und öffentlicher Innenräume gelegt, wobei die Suche nach einem harmonischen Gleichgewicht in Farbe und Form im Vordergrund steht.
7. Das Scheitern des Künstlerprojektes De Stijl: Das Abschlusskapitel beleuchtet die Konflikte zwischen Malern und Architekten bezüglich der Autorschaft sowie das Aufkommen des Neuen Bauens, das zur Verdrängung der monumentalen Gestaltung führte.
Schlüsselwörter
De Stijl, Nieuwe Beelding, monumentale Malerei, Raumkunst, gerade Linie, geometrisches Ornament, Theosophie, Theo van Doesburg, Piet Mondrian, Architektur, Kunstgeschichte, Abstraktion, Rationalismus, Bauhaus, Avantgarde.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit behandelt die niederländische Künstlergruppe De Stijl, ihre Entstehung, ihre theoretische Ausrichtung und ihre Versuche, Malerei und Architektur in einer neuen, monumentalen Form zu vereinen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die ästhetische Theorie der „geraden Linie“, das Verhältnis von Kunst zu geometrischer Ornamentik sowie die Anwendung gestalterischer Prinzipien auf den Innenraum.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Das Ziel ist die Analyse des Anspruchs der Bewegung, durch eine universelle, geometrisch-abstrakte Formensprache die zeitgenössische Kunst und Gesellschaft grundlegend zu reformieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer kunsthistorischen Analyse von Manifesten, zeitgenössischen Zeitschriftenartikeln und theoretischen Schriften der Gruppenmitglieder sowie dem Vergleich mit der Architekturgeschichte.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der vier Kernkonzepte (Linie, Ornament, monumentale Malerei, Raumkunst) und deren praktischer Umsetzung in Projekten der Künstler.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind De Stijl, Nieuwe Beelding, Raumkunst, Geometrie, Architektur und Monumentalität.
Warum scheiterte das Projekt „De Stijl“ in der praktischen Zusammenarbeit?
Das Scheitern wurde durch Konflikte über die Autorschaft zwischen Malern und Architekten sowie durch den Wandel zum „Neuen Bauen“ befördert, das die zusätzliche künstlerische Dekoration als überflüssig ansah.
Wie veränderte sich die Bewertung des „Ornamentalen“ innerhalb der Gruppe?
Die Gruppe distanzierte sich zunehmend vom dekorativen Ornament, indem sie ihre Kunst als „monumentale Malerei“ definierte, die eine feste, integrierte Einheit mit der Architektur bilden sollte, anstatt sie nur zu verzieren.
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- Carsten Lincke (Author), 2010, De Stijl - Die niederländische Avantgarde, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/200170