Das Ziel des Wohlfahrtstaates war und ist es, allen Bürgern die soziale Sicherung zu gewährleisten. Die Entwicklung der neuen privaten Lebensformen und die wirtschaftliche Umstrukturierung auf dem Markt haben in der Gesellschaft das Streben nach der sozialen Sicherung und Stabilität noch mehr intensiviert. Das Wort „soziale Sicherheit“ wurde zum wichtigsten Ziel für jeden modernen Erwerbstätigen. Zu dem seriösen Problem ist die Frage nach der sozialen Sicherheit besonders für selbstständig Erwerbstätigen geworden. Wenn es sich um ein soziales System handelt, dann unterscheidet man meistens zwischen den abhängig Erwerbstätigen und selbstständig Erwerbstätigen. Schon selbst das Wort „selbstständig“ meint zwei Wörter, „Selbst“ und „Ständig“. Der deutsche Sozialstaat hat offensichtlich das soziale System für die Selbstständigen auf dem zweifachen Sinn des Wortes „selbstständig“ begründet. Die selbstständig Erwerbstätigen müssen meistens alle Kosten für die Altersversorgung, für die Pflegeversicherung und Krankenversicherung alleine tragen...
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die soziale Sicherung von selbstständig Erwerbstätigen
2.1 Existenzgründungsförderung und Förderinstrumente
2.2 Problematiken bei kleinen Einkommen und privater Altersvorsorge
2.3 Beitragsgestaltungsmodelle und die Rolle des Auftraggebers
3. Soziale Leistungen und der Mutterschutz
3.1 Sozialleistungen für Eltern
3.2 Mutterschutzgesetz im Vergleich
4. Die freiwillige Mitgliedschaft in der gesetzlichen Krankenversicherung
5. Verbesserungsvorschläge nach Karl-Jürgen Bieback
6. Analyse und Bewertung der Verbesserungsvorschläge
7. Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die soziale Absicherung von selbstständig Erwerbstätigen in Deutschland und analysiert, inwieweit diese im Vergleich zu abhängig Beschäftigten prekär ist oder Privilegien genießt, wobei insbesondere die Verbesserungsvorschläge von Karl-Jürgen Bieback kritisch beleuchtet werden.
- Soziale Sicherungssysteme für Selbstständige
- Staatliche Existenzgründungsförderung
- Herausforderungen bei Altersvorsorge und Krankenversicherung
- Vergleichende Analyse des Mutterschutzes
- Reformvorschläge zur Einbeziehung in die Sozialversicherung
Auszug aus dem Buch
Die soziale Sicherung von selbstständig Erwerbstätigen
Seit den neunziger Jahren hat die Zahl der selbstständig Erwerbstätigen in Deutschland stark zugenommen, denn viele Erwerbslose sahen im Schritt zum selbstständig Erwerbstätigen eine entscheidende Verbesserung ihrer Situation. Unterschiedliche staatliche Fördermaßnahmen haben den Zugang zu den günstigen Bedingungen für den Aufbau des eigenen Unternehmens eröffnet. Darunter ist die Existenzgründungsförderung für Arbeitslose:
„Als arbeitsmarktpolitisches Instrument hat diese in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen. Während es im Jahr 1994 nur knapp 37 000 geförderte Gründungen gab, waren es 2004 schon mehr als 350 000. Seit 2003 werden deutlich mehr als die Hälfte aller Existenzgründer von der Arbeitsagentur gefördert.“ (Karin Schulze Buschoff2 2006: 2)
Außer der Existenzgründungsförderung wird von der Arbeitsagentur das sogenannte Überbrückungsgeld angeboten, das auch zu den wichtigen Förderinstrumenten gezählt wird. Von beiden genannten Maßnahmen können die selbstständig Erwerbstätigen offenbar nur profitieren und sicher in die selbstständige Zukunft schauen. Doch wenn man sich mit der Frage der sozialen Sicherung bei den selbstständig Erwerbstätigen beschäftigt, dann treten deutliche Mängel zutage. Besonders betroffen sind die Selbstständigen mit kleinem Einkommen. Sie müssen regelmäßig ein Teil von dem verdienten Einkommen für ihre Altersversorgung zur Seite legen, und da sie meistens ein geringes Einkommen haben, ist dies oft nicht möglich. Deswegen besteht für Kleinunternehmer ein nicht geringes Risiko, im Alter unter die Armutsgrenze zu rutschen. Es gibt aber unterschiedliche staatliche Zuschüsse für die private Altersvorsorge zum Beispiel Riester-Förderung und Rürup-Rente. Der einzige Nachteil von solchen Sonderrenten liegt daran, dass sie nur von den gutverdienden Selbstständigen genützt werden können.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung thematisiert die Diskrepanz zwischen abhängig Beschäftigten und Selbstständigen hinsichtlich der sozialen Sicherung im deutschen Wohlfahrtsstaat.
2. Die soziale Sicherung von selbstständig Erwerbstätigen: Dieses Kapitel behandelt das Wachstum der Selbstständigkeit durch staatliche Fördermaßnahmen und die damit einhergehenden Risiken der Altersarmut bei geringen Einkommen.
3. Soziale Leistungen und der Mutterschutz: Hier werden die Benachteiligungen selbstständiger Mütter im Vergleich zu abhängig beschäftigten Müttern hinsichtlich des Mutterschutzgesetzes analysiert.
4. Die freiwillige Mitgliedschaft in der gesetzlichen Krankenversicherung: Dieses Kapitel erläutert die hohen finanziellen Hürden der freiwilligen gesetzlichen Krankenversicherung, die viele Selbstständige in die private Versicherung drängen.
5. Verbesserungsvorschläge nach Karl-Jürgen Bieback: Die zentralen Forderungen von Bieback zur Verbesserung der sozialen Lage von Selbstständigen, wie Rentenversicherungspflicht und Einbeziehung in die Sozialversicherung, werden hier aufgelistet.
6. Analyse und Bewertung der Verbesserungsvorschläge: Die Autorin reflektiert die Vorschläge Biebacks und befürwortet eine rechtliche Gleichstellung der Arbeitsformen zur Vermeidung prekärer Beschäftigung.
7. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass trotz bestehender Hindernisse eine Umstrukturierung des sozialen Systems zur Absicherung aller Bürger unumgänglich ist.
Schlüsselwörter
Soziale Sicherung, Selbstständige, Erwerbstätigkeit, Altersvorsorge, Krankenversicherung, Existenzgründungsförderung, Mutterschutz, Prekarität, Sozialstaat, Rentenversicherung, Arbeitsschutz, Scheinselbstständigkeit, Beitragsgestaltung, Armutsgrenze, Sozialversicherungspflicht
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die soziale Absicherungssituation von selbstständig Erwerbstätigen in Deutschland im Vergleich zu abhängig Beschäftigten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit befasst sich mit Existenzgründungsförderung, Altersvorsorge, Mutterschutz und den rechtlichen Rahmenbedingungen der Sozialversicherung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage lautet, ob selbstständig Erwerbstätige ausreichend abgesichert sind und wie die Verbesserungsvorschläge von Karl-Jürgen Bieback zu bewerten sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine essayistische Analyse, die auf der Auswertung soziologischer Fachliteratur und theoretischer Diskussionen basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die soziale Lage der Selbstständigen, die Mängel der bestehenden Fördermaßnahmen sowie konkrete Reformansätze.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Soziale Sicherung, Altersarmut, Mutterschutz und Sozialversicherungspflicht.
Warum haben Selbstständige oft keinen Zugang zu adäquater Altersvorsorge?
Aufgrund unregelmäßiger und oft geringer Einkommen ist die private Vorsorge für viele kleine Selbstständige finanziell nicht tragbar.
Inwiefern unterscheidet sich der Mutterschutz für Selbstständige?
Im Gegensatz zu abhängig Beschäftigten haben selbstständige Mütter keinen gesetzlichen Anspruch auf den Schutz durch das Mutterschutzgesetz, wie etwa Kündigungsschutz oder bestimmte Mutterschutzfristen.
Wie bewertet die Autorin die Rolle des Staates?
Die Autorin fordert eine Abkehr von der bisherigen Unterteilung, da die soziale Sicherheit ein grundlegendes Recht für alle Bürger in einem modernen Staat sein muss.
- Arbeit zitieren
- Olga U. (Autor:in), 2010, Berufliche Selbstständigkeit - privilegiert oder prekär?, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/200144