Die zunehmende Bedeutung ressourcenschonender und nachhaltiger Aspekte des Bauens ist weltweit zu beobachten. Der Entwicklungsstand ist auf diesem Gebiet jedoch äußerst unterschiedlich. Um eine Vergleichbarkeit der Nachhaltigkeitsqualität von Gebäuden zu gewährleisten und um die Verbreitung von Green Buildings zu fördern, werden zunehmend Zertifikate verwendet. Die empirischen und qualitativen Ergebnisse machen deutlich, dass der LEED-Standard sich insbesondere seit 2007 weltweit verbreitet hat und ein anhaltendes Wachstum zeigt. Daher kann LEED als globaler Standard bezeichnet werden. Durch die globale Vermarktung, teilweise Adaption und Anpassung auf nationalstaatlicher Ebene als national anerkannte Institution findet LEED in vielen Märkten ein hohes Maß an Akzeptanz.
LEED und andere Nachhaltigkeitszertifikate könnten bei einem anhaltenden Wachstum dazu beitragen, einen Teil der weltweiten Gebäudebestände unabhängig von politischen Instrumenten nachhaltiger zu gestalten und Innovationen am Bau zu verbreiten. Dadurch sind Sie eine der Maßnahmen, die geeignet sind, um den Ressourcenverbrauch von Gebäuden zu minimieren. Zertifikate sind ein erfolgreiches Anreizsystem für wirtschaftliche Akteure, da sie die ökonomische Bewertung von Aspekten des nachhaltigen Bauens vereinfachen. In dieser Eigenschaft helfen die Zertifikate, verbesserte Nachhaltigkeitsqualität von Gebäuden über ökonomische Pfade zu verbreiten.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Fragestellung
3 Standards aus institutioneller Perspektive
3.1 Arten und Mechanismen von Institutionen
3.2 Diffusion von Institutionen
3.3 Internationale Standards
3.4 Diffusion internationaler Standards
4 Green Buildings
4.1 Politische Rahmenbedingungen
4.2 Wirtschaftliche Rahmenbedingungen
5 Zertifizierungssysteme für Green Buildings
5.1 Kosten und Nutzen einer Zertifizierung
5.2 BREEAM
5.3 DGNB
5.4 HQE
5.5 CASBEE
5.6 LEED
5.6.1 Bewertungsschema von LEED
5.6.2 Von LEED berücksichtigte Faktoren
5.6.3 Gebäudekategorien LEED
5.6.4 World Green Building Council
6 Raumzeitliche Verbreitung von LEED
6.1 Arbeitsleitende Thesen
6.2 Methodik
6.3 Ergebnisse
6.3.1 Weltweite Entwicklung
6.3.2 Entwicklung nach Kontinenten
6.3.2.1 Amerika
6.3.2.2 Europa
6.3.2.3 Asien
6.3.2.4 Afrika
6.3.3 LEED in ausgewählten Ländern
6.3.3.1 Vereinigte Staaten von Amerika
6.3.3.2 China
6.3.3.3 Mexiko
6.3.3.4 Brasilien
6.3.3.5 Deutschland
6.3.3.6 Japan
6.3.3.7 Vereinigte Arabische Emirate
6.3.3.8 Costa Rica
6.3.4 Entwicklung nach Bruttoinlandsprodukt
6.3.5 Verbreitung über transnationale Akteure
6.4 Ländertypologie
7 Diskussion
8 Fazit
9 Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die Diplomarbeit untersucht die raumzeitliche Verbreitung des LEED-Standards für Green Buildings. Das Hauptziel besteht darin, die Mechanismen der Standard-Diffusion aus institutioneller Perspektive zu analysieren, um zu verstehen, wie und warum dieser Standard global angenommen wird und welche raumzeitlichen Muster sich dabei ergeben.
- Institutionelle Theorie und Standard-Diffusion
- Green Buildings als ökologische Baukonzepte
- Analyse und Vergleich globaler Zertifizierungssysteme
- Räumliche Verbreitungsmuster von LEED-Zertifikaten
- Einflussfaktoren durch transnationale Akteure und wirtschaftliche Gegebenheiten
Auszug aus dem Buch
3.3 Internationale Standards
Durch die Globalisierung gewinnen internationale Standards zunehmend an Bedeutung, da sie eine allgemein verständliche und einheitliche Palette von messbaren Indikatoren auf internationaler Ebene bereitstellen. Dadurch verbessern sie die Handelsbeziehungen und die Effizienz der Märkte wird gefördert (vgl. Braun 2005, S. 4). Durch die Vereinheitlichung der Informationsübertragung verringern Standards Transaktionskosten. Die Nachfrage nach Standardisierung hat mit der Zunahme der globalen Handelsströme und Wertschöpfungsketten stetig zugenommen (vgl. Nadvi & Wältring 2002, S. 3). Die Verbreitung internationaler Standards ist ein Prozess, welcher Wirtschaftsaktivitäten reguliert und definiert, und somit eine Form der Institutionalisierung (Institution building) auf globaler Ebene darstellt (vgl. Braun 2005, S. 23f.).
Historisch wurden zu Beginn auf nationaler Ebene Standards entwickelt, im Laufe des zwanzigsten Jahrhunderts wurden Standards jedoch zunehmend internationalisiert. Die bedeutendsten Organisationen für weltweite Standards sind die Internationale Organisation für Normung (ISO), die Internationale Elektrotechnische Kommission (IEC) und die Internationale Fernmeldeunion (ITU) (vgl. Braun 2005, S.3). Diese drei Organisationen bilden die World Standards Cooperation (WSC). Aktuell sind 163 Länder der ISO beigetreten (vgl.ISO 2010), dadurch haben die Standards der WSC quasi weltweite Gültigkeit. Allein durch dieISO wurden mehr als 18.500 Standards veröffentlicht (vgl. ISO 2010). Täglich kommen etwa zwei neue Standards hinzu (vgl. Schneider 2005). Das Resultat sind weltweit geltende Regeln, von einer „[…] Testmethode für die Bestimmung der Maschengröße bei Fischnetzen […]“ (ISO 16663) bis hin zur ISO Norm 9000ff welche Mindestanforderungen an ein Qualitätsmanagement-System von Organisationen stellt (vgl. Schneider 2005). Akteure, welche besonderes Interesse an der Verbreitung von Standards haben, sind internationale Nichtregierungsorganisationen (NGO), transnationale Unternehmen und Organisationen der Vereinten Nationen (UN) (vgl. Nadvi & Wältring 2002, S. 3). Die meisten Standards sind freiwillig, de facto sind viele jedoch verpflichtend und eine Nichteinhaltung kann negative wirtschaftliche Konsequenzen zur Folge haben (siehe Kapitel 3.1). Die Einigung auf gültige und anerkannte Standards ist oft durch den Wettbewerb mehrerer Alternativen geprägt (vgl. Scott 2008, S. 137).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung thematisiert den Klimawandel und das massive Treibhausgaspotenzial des Gebäudesektors. Sie stellt Green Buildings als Lösungsansatz vor und führt in die institutionentheoretische Betrachtung freiwilliger Nachhaltigkeitszertifikate ein.
2 Fragestellung: In diesem Kapitel wird das Ziel definiert, die raumzeitliche Verbreitung des LEED-Standards wissenschaftlich zu analysieren. Dabei wird der Fokus auf die Mechanismen der Standard-Diffusion und deren Einflussfaktoren aus institutioneller Sicht gelegt.
3 Standards aus institutioneller Perspektive: Dieses Kapitel erläutert theoretische Grundlagen der Institutionentheorie und die Funktionsweise von Standards. Es werden verschiedene Typologien und Generationen von Standards sowie deren Diffusionsmechanismen detailliert behandelt.
4 Green Buildings: Hier werden Definitionen und Nachhaltigkeitskonzepte für Gebäude dargelegt. Es wird untersucht, wie politische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen das nachhaltige Bauen fördern oder behindern.
5 Zertifizierungssysteme für Green Buildings: Dieses Kapitel bietet einen Überblick über verschiedene Zertifizierungssysteme, wobei LEED, BREEAM, DGNB, HQE und CASBEE vergleichend betrachtet werden. Besonderes Augenmerk liegt auf der Funktionsweise von LEED.
6 Raumzeitliche Verbreitung von LEED: Das Kernkapitel präsentiert die empirische Untersuchung der LEED-Daten. Es analysiert die weltweite Entwicklung, räumliche Muster auf Kontinental- und Länderebene sowie den Einfluss von Konjunktur und transnationalen Akteuren.
7 Diskussion: Dieses Kapitel interpretiert die Ergebnisse vor dem Hintergrund der institutionellen Theorie. Es reflektiert die Stärken und Schwächen von LEED als Instrument und diskutiert die gefundenen Diffusionsmuster.
8 Fazit: Das Fazit fasst die Bedeutung von LEED als globaler Standard zusammen. Es betont die Rolle der institutionellen Einbettung für den Erfolg und reflektiert das Potenzial, Wissen und Technologien global zu verbreiten.
Schlüsselwörter
Green Buildings, LEED, Standardisierung, Institutionentheorie, Diffusion von Innovationen, Immobilienwirtschaft, Zertifizierungssysteme, Nachhaltigkeit, Globalisierung, raumzeitliche Verbreitung, internationale Standards, institutionelle Einbettung, Nachhaltigkeitszertifikate, Energieeffizienz, transnationale Akteure.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit primär?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse der raumzeitlichen Verbreitung des Nachhaltigkeitsstandards LEED für Green Buildings aus einer institutionellen Perspektive.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themen umfassen die Theorie der Institutionen und Standard-Diffusion, die Charakterisierung von Green Buildings, der Vergleich internationaler Zertifizierungssysteme sowie eine detaillierte empirische Auswertung globaler LEED-Daten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Verbreitungsmuster von LEED zu identifizieren, Einflussfaktoren wie nationale Rahmenbedingungen oder transnationale Akteure zu verstehen und zu beurteilen, inwieweit LEED als globaler de facto Standard fungiert.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit kombiniert einen theoretischen, institutionentheoretischen Rahmen mit einer quantitativen empirischen Analyse von LEED-Projektdaten mittels geographischer Informationssysteme (GIS) und statistischer Auswertungen.
Was behandelt der Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil gliedert sich in eine fundierte theoretische Aufarbeitung, die Vorstellung verschiedener Zertifizierungssysteme und eine umfassende empirische Untersuchung der räumlichen und zeitlichen Verbreitung von LEED weltweit, unterteilt nach Kontinenten, Ländern und Akteuren.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Die Untersuchung wird maßgeblich durch Begriffe wie LEED, Green Buildings, Standardisierung, Diffusion, Institutionentheorie und räumliche Verbreitung charakterisiert.
Welchen Einfluss haben Regierungen auf die Verbreitung von LEED?
Die Arbeit zeigt, dass staatliche Unterstützung und regulatorische Einbindungen die Legitimität von LEED stärken können, jedoch auch nationale Konkurrenzstandards die Verbreitung von LEED in bestimmten Märkten wie Deutschland oder Frankreich einschränken können.
Warum ist die räumliche Verteilung von LEED so heterogen?
Die Heterogenität ist auf eine Kombination aus wirtschaftlichem Wohlstand, dem Vorhandensein lokaler institutioneller Rahmenbedingungen, dem Ausmaß der globalen wirtschaftlichen Verflechtung und dem spezifischen Einfluss transnationaler Unternehmen zurückzuführen.
- Arbeit zitieren
- Nils Räder (Autor:in), 2011, Die globale Verbreitung von LEED: Der Erfolg freiwilliger Standards im Green Building Sektor, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/199932