Bereits in der Antike wurde Philipp II. von Makedonien von Zeitgenossen als einer der herausragendsten Herrscherpersönlichkeiten jener Zeit bezeichnet, so erklärt beispielsweise Theopomp „gleich am Anfang seiner Geschichte Philipps, der Anlass für ihn, dieses Werk in Angriff zu nehmen, sei gewesen, das Europa noch nie einen solchen Mann hervorgebracht habe wie Philipp, den Sohn des Amyntas.“ Keinen Zweifel daran lassen vor allem die Entwicklung Makedoniens sowie die Erfolge, welche Philipp während seiner Regierungszeit errang, zu. Seine Stellung als Hegemon und Bundesfeldherr des Korinthischen Bundes war die institutionelle Verankerung seiner militärisch errungenen Hegemonie über ganz Griechenland nach der Schlacht bei Chaironeia im Jahr 338 v. Chr. Dennoch hatte schon zu Philipps Lebzeiten die Beurteilung seiner Person und seiner Absichten große Auseinandersetzungen unter den Griechen ausgelöst. War er der heilsbringerische Monarch, der Griechenland unter dem panhellenischen Gedanken einigen und schließlich gegen den Erzfeind Persien führen würde, wie es Isokrates ihm beispielsweise zudachte, oder war er der, wie Demosthenes ihn beschrieb, Barbar und Schurke aus dem Norden, der Griechenland die Demokratie und die Freiheit rauben wollte? Sicher ist, der panhellenische Gedanke existierte schon vor dem Regierungsantritt Philipps II. von Makedonien im Jahr 359 v. Chr. Doch kann Philipp trotzdem als Förderer dieses Gedankens bezeichnet werden?
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Panhellenismus – Begriff und Idee
2. Isokrates und Philipp II.
2.1. Isokrates vor dem Philippos
2.2. Isokrates‘ Philippos
3. Demosthenes und Philipp II.
4. Resümee
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle Philipps II. von Makedonien im Kontext der panhellenischen Idee, indem sie die gegensätzlichen Sichtweisen des Rhetors Isokrates, der Philipp als potenziellen Einiger Griechenlands sah, und des Staatsmannes Demosthenes, der ihn als Bedrohung der griechischen Freiheit betrachtete, kritisch analysiert.
- Entwicklung und Bedeutung des Panhellenismus im 4. Jahrhundert v. Chr.
- Die politische Programmatik des Isokrates in Bezug auf Philipp II.
- Die Wahrnehmung und Beurteilung Philipps II. durch Demosthenes
- Makedonische Expansionspolitik im Spannungsfeld der griechischen Polisautonomie
- Die instrumentelle Nutzung panhellenischer Schlagworte in der attischen Rhetorik
Auszug aus dem Buch
2.2. Isokrates‘ Philippos
Im Jahr 346 v. Chr. publizierte Isokrates den „Philippos“ als offene Rede an Philipp II., welche er ursprünglich für ein Schreiben an Philipp und Athen mit begonnen hatte, um beide im Krieg um Amphipolis zu Friedensverhandlungen zu bewegen. Der ausgehandelte Frieden des Philokrates jedoch holte Isokrates bei der Abfassung seiner Schrift ein, wie er selbst herausstellt.
Nach Dobesch lässt sich der „Philippos“ in zwei Hauptpunkte aufgliedern, die zwischen einem eher langen Prooimion (1-29) und einem Schlussteil (149-155) eingebettet sind. Isokrates erstes Hauptthema im „Philippos“ beschäftigt sich mit der Verbrüderung der griechischen Staaten untereinander (30-82) während sich das zweite Thema (83-148), gemäß seiner panhellenischen Idee, dem Perserkrieg der unter Philipps Hegemonie verbündeten Griechen widmet.
Hatte Isokrates in früheren Sendschriften, wie dem Panegyrikos, noch Athen und Sparta oder anderen Mächten die Führungsrolle bei der Einigung Griechenlands zugesprochen, so zeigt sich deutlich, das nach gegebenen Umständen für Isokrates nun nur noch Philipp in der Lage zu sein scheint die griechische Einheit herbeizuführen: „…Ich konnte nun beobachten, dass alle anderen angesehenen Männer in Abhängigkeit von ihrer Poleis und Gesetzen leben und dass es ihnen nicht möglich ist, etwas anderes als vorgeschrieben zu tun – ja zu machtlos sind, um meine Vorschläge in die Tat umzusetzen.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Diese Einleitung stellt Philipp II. als eine der bedeutendsten Herrscherpersönlichkeiten der Antike vor und umreißt die wissenschaftliche Fragestellung bezüglich seiner Rolle als Förderer des panhellenischen Gedankens.
1. Panhellenismus – Begriff und Idee: Das Kapitel definiert den Panhellenismus als neuzeitlichen Ausdruck für eine politische Leitidee und beleuchtet dessen Entwicklung als publizistische Formel im 4. Jahrhundert v. Chr.
2. Isokrates und Philipp II.: Hier wird das Wirken des Redners Isokrates untersucht, der in Philipp II. eine monarchische Spitze sah, um die gescheiterten griechischen Poleis zu vereinen.
2.1. Isokrates vor dem Philippos: Dieser Abschnitt behandelt die Entwicklung von Isokrates‘ politischem Denken von seinen Anfängen bis zu seinem wachsenden Interesse an monarchischen Machthabern.
2.2. Isokrates‘ Philippos: Diese Analyse fokussiert sich auf die Schrift „Philippos“ und die Argumentationsweise des Autors, Philipp als Einiger und Anführer einer panhellenischen Allianz zu gewinnen.
3. Demosthenes und Philipp II.: Dieses Kapitel widmet sich der Gegenposition des Demosthenes, der Philipp als größten Widersacher Athens und als Bedrohung der demokratischen Freiheit definierte.
4. Resümee: Die Schlussbetrachtung fasst zusammen, dass Philipp II. die panhellenische Idee propagandistisch instrumentalisierte, während sowohl Isokrates als auch Demosthenes das Konzept jeweils zur Durchsetzung ihrer eigenen politischen Ziele nutzten.
Schlüsselwörter
Philipp II. von Makedonien, Panhellenismus, Isokrates, Demosthenes, Polisautonomie, Korinthischer Bund, Perserkrieg, Hegemonie, Attika, Antike, Hellenen, Barbaren, griechische Freiheit, Machtpolitik, Politische Rhetorik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die Ambivalenz in der zeitgenössischen Bewertung von Philipp II. von Makedonien unter Berücksichtigung des panhellenischen Gedankens.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Fokus stehen die Texte des Isokrates und die Reden des Demosthenes, welche das politische Spannungsfeld zwischen makedonischer Hegemonie und griechischer Autonomie widerspiegeln.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, zu klären, ob Philipp II. aus Sicht seiner Zeitgenossen tatsächlich als Förderer der panhellenischen Einigungsidee betrachtet werden kann.
Welche wissenschaftliche Methodik wurde angewendet?
Die Arbeit basiert auf einer Quellen- und Literaturanalyse der antiken Schriften sowie deren Interpretation im historischen Kontext der spätklassischen Zeit.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Isokrates' pro-makedonischer Argumentation im „Philippos“ und der gegnerischen, warnenden Rhetorik des Demosthenes in seinen politischen Reden.
Durch welche Schlüsselbegriffe ist die Arbeit charakterisiert?
Wichtige Begriffe sind Panhellenismus, Polisautonomie, Hegemonie, Philipp II., Isokrates, Demosthenes und der politische Machtkampf im 4. Jahrhundert v. Chr.
Wie unterscheidet sich die Sichtweise des Isokrates von der des Demosthenes?
Isokrates sieht in Philipp eine notwendige monarchische Kraft zur Einigung der Griechen gegen Persien, während Demosthenes Philipp als tyrannischen Barbaren und existenziellen Feind der athenischen Demokratie und Freiheit wahrnimmt.
Welche Rolle spielt die Schlacht bei Chaironeia für die Schlussfolgerung?
Die Schlacht wird als Zäsur betrachtet, die das Scheitern der griechischen Unabhängigkeit und den Übergang in den Hellenismus markiert, was die Ambivalenz von Philipps Wirken unterstreicht.
- Arbeit zitieren
- Raik Dowedeit (Autor:in), 2011, Philipp II. von Makedonien als Förderer der panhellenischen Idee?, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/199896