Johann Wolfgang Goethes Drama Götz von Berlichingen wirkte wegweisend für die gesamte zeitgenössische als auch für die nachfolgende Literaturproduktion und Literaturrezeption. Das Werk stellte in der damaligen Zeit für die gebildeten
Gesellschaftsschichten einen literarischen Skandal erster Güte dar. Goethe brach in seinem Götz von Berlichingen mit der Tradition Dramen im klassischen Stil zu schreiben, der von Aristoteles eingeführt und geprägt worden war. Goethe entschied sich jedoch bewusst gegen diese Norm, was sich vor allem mit seinem Kontakt zu Johann Gottfried Herder als auch mit seiner Faszination für Shakespeare erklären
lässt.
Der junge Goethe hatte ein Stück geschrieben, welches durch vielerlei Neuerungen bestach, der Regelpoetik eine Absage erteilte und die zeitgenössischen Leser in zwei Lager spaltete. Von den Einen wurde es als skandalös empfunden sich über die bewährten Regeln hinwegzusetzen, die Anderen waren richtiggehend begeistert
von dem frischen Wind, der nun durch die Schauspielhäuser und Literatursalons wehte. So kam es, dass Goethes Geschichtsdrama Götz von Berlichingen einen Streit auslöste, der heute Teil der Literaturgeschichte ist. Diese Neuerungen die dieses Stück in sich birgt sollen nun im Folgenden vor dem Hintergrund der Epoche des Sturm und Drang näher beleuchtet werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Entstehungsgeschichte des Stückes
3. Die Epoche des Sturm und Drang
4. Die Dramenstruktur und der Sprachstil des Götz von Berlichingen
4.1 Die drei aristotelischen Einheiten
4.2 Auffälligkeiten der Sprache
4.3 Verletzung weiterer Dramentraditionen
4.4 Überreste klassischer Dramenstruktur
5. Schlussbemerkung
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht die dramaturgische Struktur und den sprachlichen Stil von Goethes „Götz von Berlichingen“ vor dem Hintergrund der Epoche des Sturm und Drang, um aufzuzeigen, wie das Werk gezielt mit klassischen Normen bricht.
- Historische Einordnung des „Götz von Berlichingen“
- Charakteristika der Epoche des Sturm und Drang
- Kritik an den aristotelischen Einheiten von Zeit, Ort und Handlung
- Analyse des Sprachstils und der erzählerischen Mittel
- Bruch mit dramatischen Traditionen und Einflüsse des Shakespeare-Bildes
Auszug aus dem Buch
4.1 Die drei aristotelischen Einheiten
Das Werk des „Götz von Berlichingen“ hält sich nicht an die von Aristoteles begründete Einheit von Zeit, Ort und Handlung. Goethe setzte sich bewusst über diese klassischen, etablierten Normen hinweg, um auf diesem Weg zu etwas Neuem, Größerem zu gelangen.
„Es schien mir die Einheit des Orts so kerkermäßig ängstlich, die Einheit der Handlung und der Zeit lästige Fesseln unsrer Einbildungskraft.“
Goethe sah einen Bruch mit den althergebrachten, klassischen Normen als absolut nötig an, um auch komplexe Begebenheiten deutlich darstellen zu können. An Stelle der Einheiten traten die Gefühlswelten der handelnden Personen, die von ihren Leidenschaften und Gefühlen getrieben waren und dementsprechend handelten.
Daher ist es auch nicht überraschend, dass das Drama in fünf Akten und achtundfünfzig Auftritten an dreiundzwanzig verschiedenen Orten spielt. Die häufigen Ortswechsel lassen das Stück unruhig erscheinen und fordern die Aufmerksamkeit der Rezipienten. So wechselt der Ort des Geschehens im ersten Akt fünf Mal, im zweiten Akt liegen bereits zehn Ortswechsel vor Der dritte Akt beinhaltet sogar zweiundzwanzig Ortswechsel, der vierte weist fünf auf und der fünfte Akt beinhaltet deren vierzehn.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Bedeutung des „Götz von Berlichingen“ als literarischen Skandal ein und erläutert Goethes bewussten Bruch mit der klassischen Tradition.
2. Entstehungsgeschichte des Stückes: Hier wird der Entstehungsprozess vom „Urgötz“ bis zur finalen Fassung sowie Goethes Auseinandersetzung mit historischen Quellen und Herders Einfluss skizziert.
3. Die Epoche des Sturm und Drang: Dieses Kapitel definiert die Epoche (1770–1786) durch ihre Revolte gegen Konventionen, Vernunftglauben und absolute Fremdbestimmung.
4. Die Dramenstruktur und der Sprachstil des Götz von Berlichingen: Dieser Abschnitt analysiert detailliert die Missachtung der aristotelischen Einheiten, die Besonderheiten der Sprache, den Traditionsbruch und strukturelle Aspekte nach Freytag.
5. Schlussbemerkung: Das Fazit unterstreicht die anhaltende Aktualität des Werkes als Symbol für Dynamik, Tatendrang und die Notwendigkeit, festgefahrene Strukturen zu hinterfragen.
Schlüsselwörter
Goethe, Götz von Berlichingen, Sturm und Drang, Dramenstruktur, aristotelische Einheiten, Shakespeare, Aufklärung, Traditionsbruch, Revolte, literarische Epoche, historische Stoffe, Sprachstil, Handlungsverlauf, Individuum, Geniezeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die spezifische Struktur und den Sprachgebrauch in Johann Wolfgang Goethes Drama „Götz von Berlichingen“ innerhalb des literarischen Kontexts des Sturm und Drang.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen der bewusste Bruch mit klassischen Regeln, die Darstellung individueller Leidenschaften und die historische sowie epochenspezifische Verortung des Stückes.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Goethe durch die bewusste Missachtung traditioneller dramaturgischer Vorgaben eine neue Form der Dramatik schuf, die den Geist des Sturm und Drang verkörpert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Werkanalyse, die den Text unter Berücksichtigung von Rezeptionsgeschichte und epochenspezifischen Normen interpretiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Entstehung des Werkes, den Merkmalen des Sturm und Drang, der Analyse der drei aristotelischen Einheiten sowie der sprachlichen und strukturellen Abweichungen vom klassischen Drama.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den zentralen Begriffen gehören Sturm und Drang, Dramenstruktur, aristotelische Einheiten, Shakespeare-Einfluss und der bewusste Bruch mit der Konvention.
Warum spielt der Ort für Goethe im „Götz“ eine so untergeordnete Rolle?
Goethe empfand die Einheit des Ortes als „kerkermäßig ängstlich“ und hinderlich für die Darstellung komplexer Handlungen, weshalb er den häufigen Ortswechsel bevorzugte.
Welche Rolle spielt das „Pyramidenschema“ nach Freytag in der Arbeit?
Trotz der formellen Brüche weist die Arbeit nach, dass Goethe dennoch den fünfaktigen Aufbau des klassischen Dramas als strukturellen Rahmen beibehielt.
Inwiefern beeinflusste Johann Gottfried Herder die Arbeit am „Götz“?
Herder lenkte Goethes Interesse auf Shakespeare und das Mittelalter, was Goethes Abkehr von der klassischen Regelpoetik maßgeblich forcierte.
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- Timo Pfänder (Author), 2007, Die Dramenstruktur Goethes "Götz von Berlichingen" vor dem Hintergrund der Epoche des Sturm und Drang, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/199664