„Das Dschungelbuch“ ist in mehrerer Hinsicht ein Klassiker. Einerseits gelang Rudyard Kipling mit seinem gleichnamigen Erzählband ein viel beachteter, positiv rezipierter Erfolg, andererseits gehört auch die gleichnamige Zeichentrickverfilmung aus dem Hause Walt Disney zu den erfolgreichsten Filmen überhaupt. Aber nicht nur aus kommerziellen Gründen ist „Das Dschungelbuch“ interessant. Durch die anthropomorphe Gestaltungsweisen der Tiere, ihren scheinbar fabelartigen Charakter und das dargestellte Verhältnis zwischen Mensch und Tier, bieten sowohl das Buch als auch der Film, eine hervorragende Grundlage, um sich mit den verschiedenen, darin enthaltenen Motiven, Symbolen und Figuren zu beschäftigen.
In der vorliegenden Seminararbeit soll es dabei aber weniger um Kiplings „Das Dschungelbuch“ gehen. Abgesehen von einer historischen Einordnung und einer kurzen Zusammenfassung, sowie Differenzierung zur Disney-Verfilmung, soll der Fokus auf eben dieser, 1967 erschienenen, Zeichentrickversion liegen. Während über die Buchvorlage es schon zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten gibt, ist das Genre des Zeichentrickfilms jahrelang aufgrund seiner angeblichen Zugehörigkeit zur Trivialkunst, von wissenschaftlicher Seite kaum beachtet worden. Um zu zeigen, dass auch Untersuchungen der in Zeichentrickfilmen dargestellten Themen, sehr ergiebig und aufschlussreich sein können, habe ich mich dazu entschlossen, das Hauptaugenmerk auf die Version von Disney zu legen.
Dabei werde ich, nachdem ich einführend auf Kiplings „Das Dschungelbuch“, sowie eine genredefinierenden Überblick über „Tier-Bilder in der Literatur“ gegeben habe, erst die Handlung des Films skizzieren, um danach, einerseits grundlegend, andererseits im Bezug auf den Film, auf das Stilmittel der Anthropomorphisierung einzugehen. Im Fokus dieser Arbeit steht dann das explizit dargestellte, sowie implizierte Verhältnis zwischen Tier und Mensch in Disneys „Das Dschungelbuch“, das ich zu analysieren versuche werde. Abschließend werde ich ausgewählten tierischen Figuren einer Figurenanalyse unterziehen. Sowohl im Vergleich zu gängigen Tier-Bildern, als auch im Hinblick der Figuren auf ihre Funktion als „fiktives Wesen“ und „Symbol“.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Tier-Bilder in der Literatur – eine Genreeinordnung
3. Rudyard Kiplings „Das Dschungelbuch“
4. Walt Disneys „Das Dschungelbuch“
4.1. Handlung
4.2. Unterschiede zur Buchvorlage
4.3. Anthropomorphisierung im Hinblick auf „Das Dschungelbuch“
4.4. Das Verhältnis von Tier zu Mensch
4.5. Figurenanalyse der Tier-Typen
4.5.1 Baghira – die Stimme der Vernunft
4.5.2 Balu – der optimistische Faulpelz
4.5.3 King Louie – der nach mehr strebende König
4.5.4 Schir Khan – der verängstigte Bösewicht
4.5.5 Kaa – die triebgesteuerte Heuchlerin
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit setzt sich zum Ziel, die Tierwelt in Disneys Zeichentrickfilm „Das Dschungelbuch“ (1967) unter film- und kulturwissenschaftlichen Gesichtspunkten zu analysieren. Dabei wird insbesondere untersucht, wie das Verhältnis zwischen Mensch und Tier durch das Stilmittel der Anthropomorphisierung konstruiert wird und welche symbolische Funktion den einzelnen tierischen Figuren innerhalb der Filmhandlung zukommt.
- Genre-Einordnung von Fabel und Tierepos
- Vergleichende Gegenüberstellung von Buchvorlage und Disney-Verfilmung
- Die Rolle der Anthropomorphisierung bei der Darstellung tierischer Charaktere
- Analyse der Mensch-Tier-Beziehung und der symbolischen Bedeutung von Figuren
- Figurenanalyse zentraler Charaktere wie Baghira, Balu, Schir Khan und Kaa
Auszug aus dem Buch
4.5. Figurenanalyse der Tiere in Disneys „Das Dschungelbuch“
Angelehnt an die von Jens Eder entwickelte „Uhr der Figur“ werde ich die einzelnen Charaktere hauptsächlich hinsichtlich ihrer Funktion als „Fiktive Wesen“ („Was ist die Figur? Welche Merkmale, Beziehungen und Verhaltensweisen hat sie als Bewohner einer fiktiven Welt?“53) untersuchen, d.h. im Hinblick auf ihre Körperlichkeit, Psyche, Sozialität und Verhalten.54 Zusätzlich werde ich versuchen die Figuren in ihrer möglichen Funktion als „Symbole“ („Wofür steht die Figur und welche indirekte Bedeutung vermittelt sie?“55) zu erkennen und entschlüsseln.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Themenstellung ein, erläutert die Relevanz des Zeichentrickfilms als Forschungsgegenstand und skizziert das methodische Vorgehen der Arbeit.
2. Tier-Bilder in der Literatur – eine Genreeinordnung: In diesem Kapitel erfolgt eine begriffliche Abgrenzung von Fabel und Tierepos sowie eine Einordnung des Motivs der Tiererzählungen im historischen Kontext.
3. Rudyard Kiplings „Das Dschungelbuch“: Es werden die zentralen Aspekte der literarischen Vorlage von 1894 und deren moralische Grundhaltung kurz zusammenfassend dargestellt.
4. Walt Disneys „Das Dschungelbuch“: Dieses Hauptkapitel analysiert die filmische Handlung, die Unterschiede zur Buchvorlage, das Stilmittel der Anthropomorphisierung sowie die Mensch-Tier-Beziehung und bietet eine detaillierte Figurenanalyse der zentralen Tier-Typen.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Analyseergebnisse zusammen und reflektiert die wissenschaftliche Ergiebigkeit des Zeichentrickfilms für die Film- und Kulturwissenschaften.
Schlüsselwörter
Dschungelbuch, Walt Disney, Rudyard Kipling, Anthropomorphisierung, Fabel, Tierepos, Tiersymbolik, Figurenanalyse, Mensch-Tier-Beziehung, Zeichentrickfilm, Mogli, Baghira, Balu, Schir Khan, Kaa
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert die Darstellung der Tierwelt im Disney-Film „Das Dschungelbuch“ und untersucht, wie anthropomorphe Tiere menschliche Eigenschaften und gesellschaftliche Strukturen innerhalb einer fiktiven Welt spiegeln.
Welche Themenfelder stehen im Fokus?
Zentrale Schwerpunkte sind die literaturwissenschaftliche Gattungsbestimmung, der Vergleich zwischen Buchvorlage und Film sowie die Figurenanalyse unter symbolischen Aspekten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist der Nachweis, dass der Zeichentrickfilm ein ernstzunehmendes Medium für kulturwissenschaftliche Analysen darstellt, insbesondere durch die Untersuchung von Symbolik und Charakterdesign.
Welche wissenschaftliche Methode wird angewandt?
Die Autorin nutzt Ansätze der Figurenanalyse, insbesondere die „Uhr der Figur“ von Jens Eder, um die Charaktere sowohl als fiktive Wesen als auch als Symbole zu deuten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Handlungszusammenfassung, eine Differenzierung zur Buchvorlage, eine theoretische Einordnung des Anthropomorphismus und eine ausführliche Analyse der Hauptfiguren.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?
Neben den Kernbegriffen wie Fabel und Tierepos spielen Fachbegriffe wie Anthropomorphisierung, Symbolik und Tiertypologie eine entscheidende Rolle für die wissenschaftliche Argumentation.
Wie unterscheidet sich die Darstellung von Mogli in Buch und Film?
Während Mogli im Buch ein aktiverer Teil des Wolfsrudels ist, wird er im Film stärker als hilfloses Findelkind inszeniert, das von Baghira zum Menschen zurückgebracht werden muss.
Warum wird die Figur des King Louie in der Arbeit kritisch betrachtet?
Die Arbeit thematisiert die Filmkritik, welche in der Darstellung des Affenkönigs rassistische Stereotype und eine Karikatur afro-amerikanischer Identität sieht.
- Arbeit zitieren
- Lukas Lohmer (Autor:in), 2012, Eine Analyse der Tierwelt in Disneys "Das Dschungelbuch", München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/199596