Im Fokus dieser Arbeit steht der Film Fargo der Brüder Joel und Ethan Coen aus dem Jahre 1996. Es handelt sich um einen low-budget-Film, der sich sowohl künstlerisch, unter anderem mit einer zweifachen Oscar-Prämierung, als auch kommerziell, als Erfolg herausstellte.
Der Film lässt sich keinem herkömmlichen Genre zuordnen und beinhaltet Elemente verschiedener Stilrichtungen. Für das Werk besonders prägend sind Einflüsse aus dem Film noir und der Komödie, auch wenn letztere, den Coens zufolge, beim Dreh nicht beabsichtigt waren. Dass eine solche Aussage nicht unbedingt der Wahrheit entsprechen muss, wird daran deutlich, dass die Brüder sich auch in anderer Hinsicht Mühe gegeben haben, ihre wahren Intentionen zu verschleiern: So gibt es am Anfang des Films eine Einblendung, die besagt, dass der Film auf einer wahren Geschichte beruhe. Dies ist aber schlichtweg nicht der Fall. Obwohl die bewussten Irreführungen durch Drehbuch, Kamera und Regie ein spannendes Untersuchungsfeld wären, geht diese Arbeit doch in eine andere Richtung: Es soll mehr um die Filmfiguren und um die Handlung gehen. Beobachtet man in einem Film, mit welchen Mitteln die Darstellung verschiedener Charaktere erfolgt, sind viele Aspekte zu berücksichtigen. In aller Regel gelingt die Erschaffung glaubwürdiger Figuren nicht ausschließlich auf Grundlage der konkreten schauspielerischen Leistung, sondern es bedarf dazu vieler weiterer Faktoren. In dieser Arbeit soll das Konzept der mise-en-scène im Vordergrund stehen, welches sehr präzise einen Großteil eben jener Faktoren beschreibt, das aber auch den Faktor Schauspiel an sich nicht ausschließt.
Dementsprechend beginnt meine Arbeit mit der Darstellung dieses Konzepts. Anschließend gebe ich einen Überblick über die wichtigsten Geschehnisse im Film in Form einer Inhaltsangabe. Auf Grundlage der zuvor erarbeiteten Konzeption von mise-en-scène möchte ich anschließend aufzeigen, wie im Film Fargo die glaubhafte Darstellung bisweilen skurriler Charaktere unterstützt wird und welche Widersprüche durch sie hervorgerufen werden. Weiterhin werde ich herausarbeiten, in welchem Verhältnis die mise-en-scène zur Handlung steht.
Außerdem soll auch eine kurze Einschätzung des Einflusses der mise-en-scène am Gesamteindruck des Films nicht fehlen. In dem Zusammenhang spreche ich auch kurz an, welche Besonderheiten Fargo in der filmischen Gestaltung auszeichnen.
Inhaltsverzeichnis
0 Einleitung
1 Mise-en-scène: Festlegung auf die Konzeption von Gibbs
1.1 Abgrenzung zu anderen Ansätzen
1.2 Verschiedene Teilaspekte
1.3 Eine griffige Definition
2 Fargo: eine Inhaltsangabe
3 Anwendung: Charakterzeichnung durch mise-en-scène in Fargo
3.1 Spießbürgerlicher Intrigant: Jerry Lundegaard
3.2 Schmierig und reizbar: Carl Showalter // Schweigsam, kaltblütig und effizient: Gaear Grimsrud
3.3 Standfest und einfach: Marge Gunderson
4 Mise-en-scène und Handlung, Fazit
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht anhand des Films "Fargo" der Brüder Coen, in welchem Maße das Konzept der "mise-en-scène" zur Charakterzeichnung beiträgt und wie dieses visuelle Konzept in einem komplexen Verhältnis zur Handlung des Films steht. Dabei soll insbesondere analysiert werden, wie durch gestalterische Mittel ein Kontrast zwischen dem bürgerlichen Äußeren der Figuren und ihren tatsächlichen Handlungen erzeugt wird, um eine spezifische ironische Wirkung zu erzielen.
- Analyse der "mise-en-scène" nach der Konzeption von John Gibbs.
- Untersuchung der Charakterdarstellung von Jerry Lundegaard, Carl Showalter, Gaear Grimsrud und Marge Gunderson.
- Erforschung der Wechselwirkung zwischen bildimmanenten Mitteln und der filmischen Handlung.
- Diskussion der ironischen Brechung durch den Gegensatz von visueller Darstellung und narrativem Geschehen.
- Einschätzung der Bedeutung der "mise-en-scène" für den Gesamteindruck des Films "Fargo".
Auszug aus dem Buch
1 Mise-en-scène: Festlegung auf die Konzeption von Gibbs
Was beinhaltet der Begriff mise-en-scène? Der Ausdruck stammt aus dem Französischen und meint den Vorgang des in Szene Setzens. Geht man von diesem Wortlaut aus, wird also nicht primär danach gefragt, welches Geschehen auf der Leinwand dargestellt wird, sondern wie es dargestellt wird. Die Definition, auf die ich mich im Folgenden beziehen möchte, weicht allerdings von dieser Prämisse ab.
In seinem Buch mise-en-scène: film style and interpretation liefert John Gibbs (2002) eine handhabbare Definition. Darüber hinaus differenziert er aber auch verschiedene Teilaspekte dieses Konzepts und erläutert diese detailliert. Da die Begriffe überwiegend bekannt sind, möchte ich deren Erklärung kurz halten (s. Kapitel 1.2 Verschiedene Teilaspekte) und im Anschluss zu einer gebräuchlichen Arbeitsdefinition kommen (s. Kapitel 1.3 Eine Arbeitsdefinition). Zuvor möchte ich allerdings noch kurz auf andere Interpretationen des mise-en-scène-Konzepts hinweisen.
Zusammenfassung der Kapitel
0 Einleitung: Die Einleitung stellt den Film "Fargo" vor, definiert das Untersuchungsfeld der "mise-en-scène" und erläutert die Zielsetzung der Arbeit, die Charakterdarstellung sowie das Verhältnis von Gestaltung und Handlung zu analysieren.
1 Mise-en-scène: Festlegung auf die Konzeption von Gibbs: Dieses Kapitel definiert den Begriff "mise-en-scène" theoretisch, grenzt ihn von anderen Ansätzen ab und führt die für die Analyse zentrale Konzeption nach John Gibbs ein.
2 Fargo: eine Inhaltsangabe: Hier wird die handlungsorientierte Zusammenfassung der Geschehnisse des Films dargelegt, um das Verständnis für die anschließende Analyse der Charaktere zu ermöglichen.
3 Anwendung: Charakterzeichnung durch mise-en-scène in Fargo: Im Hauptteil wird die Anwendung des Konzepts auf die drei Hauptcharaktere Jerry Lundegaard, Carl Showalter, Gaear Grimsrud und Marge Gunderson untersucht, um deren Charakterfacetten durch visuelle Analyse zu deuten.
4 Mise-en-scène und Handlung, Fazit: Das abschließende Kapitel reflektiert das oft gegensätzliche Verhältnis von "mise-en-scène" und Handlung und stellt fest, dass gerade diese Diskrepanz die besondere ironische Wirkung und das surreale Gefühl des Films ausmacht.
Schlüsselwörter
Fargo, mise-en-scène, John Gibbs, Filmanalyse, Charakterzeichnung, Handlung, Coen Brüder, Spießbürgerlichkeit, Ironie, visuelle Gestaltung, Charakterdarstellung, Film noir, Komödie, Bildsprache, Figurenkonstellation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert den Film "Fargo" hinsichtlich des Konzepts der "mise-en-scène" und dessen Einfluss auf die Charakterzeichnung und die Gesamtwirkung des Films.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit fokussiert sich auf die filmtheoretischen Aspekte der "mise-en-scène", die Analyse spezifischer Filmcharaktere und das Spannungsverhältnis zwischen visueller Darstellung und narrativem Inhalt.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie visuelle Mittel dazu genutzt werden, Charaktere zu definieren, und wie diese Gestaltungselemente durch Widersprüche zur Handlung eine ironische Ebene im Film erzeugen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die filmanalytische Methode der "mise-en-scène"-Analyse, primär basierend auf der Definition von John Gibbs, und wendet diese exemplarisch auf ausgewählte Einstellungen aus "Fargo" an.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der detaillierten Untersuchung der Hauptfiguren (Jerry Lundegaard, Carl Showalter, Gaear Grimsrud und Marge Gunderson) durch die Analyse konkreter Kameraeinstellungen und deren gestalterischer Komponenten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen "Fargo", "mise-en-scène", "Charakterzeichnung", "Coen-Brüder" und die Analyse von Kontrasten zwischen bürgerlichem Schein und kriminellem Sein.
Wie unterscheidet sich die Darstellung von Marge Gunderson von der der Ganoven?
Während bei den Ganoven die "mise-en-scène" deren kriminelles oder schmieriges Wesen unterstreicht, wird bei Marge Gunderson durch Kostüm und Schauspiel bewusst ein naiver, fast bürgerlich-beschränkter Eindruck erzeugt, der im starken Kontrast zu ihrer tatsächlichen Kompetenz als Polizistin steht.
Welche Bedeutung hat das Fazit für die Gesamtaussage der Arbeit?
Das Fazit schlussfolgert, dass die "mise-en-scène" in "Fargo" oft in einem spannungsgeladenen, ironischen Gegensatz zur Handlung steht, was dem Film seinen spezifischen surrealen Charakter verleiht.
- Arbeit zitieren
- Simon Kieke (Autor:in), 2012, Blutiger Schnee und Fellmützen - Über mise-en-scène, Charakterdarstellung und Handlung in 'Fargo', München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/199583