„Wer soll er denn sein. Er ist er. Lieben muss man ihn, dann weiß man, wer er ist.“
So beschreibt Schimon seinen Rabbi Jeschua in Luise Rinsers Roman „Mirjam“. Schimon weicht also davor zurück, eine genauere Charakterisierung von Jeschua vorzunehmen. Und er hat nicht Unrecht, wenn er hier bei einer schlichten Beschreibung bleibt. Wie später zu lesen sein wird, ist er vor allem für die Hauptperson Mirjam im Roman oft eine „Überforderung“. Dennoch zeigt das Buch einige interessante Merkmale auf, die Jeschua als Menschen, als Messias, als Rabbi usw. darstellen.
Diese Merkmale zu finden, sie zu katalogisieren und zu einer Personenbeschreibung zusammenzufügen, war die Hauptaufgabe, die ich mir für die vorliegende Seminararbeit vornahm. Dabei entstand im Laufe der Arbeitsphase eine große Anzahl Notizen, welche wahrscheinlich den Umfang und Rahmen der Arbeit sprengen würden, würden sie alle ausgeführt. Aufgrund zahlreicher Facetten, die der Charakter des Jeschua aufzeigt und einiger Überschneidungen innerhalb der von mir gesetzten „Kategorien“, wurde Jeschua auch für mich fast zur „Überforderung“.
Dennoch ist es gelungen, eine ausführliche Charakterisierung darzustellen, die möglichst viele (alle wäre wahrscheinlich unmöglich) dieser Facetten aufzeigen soll.
Die Gegenüberstellung des Romancharakters mit dem Jesus-Bild des Matthäus-Evangeliums war ein nächster Schritt.
Die Haupterkenntnis sei jetzt schon vorweggenommen: Lieben muss man ihn. Die Aussage von Schimon trifft sowohl auf den Jeschua im Roman, als auch auf den Jesus bei Matthäus zu.
Inhaltsverzeichnis
I Einleitung
II Die Charakterisierung des Jeschua in Luise Rinsers „Mirjam“ im Vergleich mit dem Matthäus-Evangelium
1 Biografie Luise Rinser
2 Handlung “Mirjam”
3 Der Charakter des Jeschua im Roman von Luise Rinser
3.1 Jeschua, der Nazarener
3.2 Jeschua, der Menschenfischer
3.3 Jeschua, der Rabbi
3.4 Jeschua, der Wunderrabbi
3.5 Jeschua, der Liebende
3.6 Jeschua, der Mensch
3.7 Jeschua, der Messias
3.8 Jeschua, die Überforderung
4 Der Charakter des Jesus im Matthäus-Evangelium
4.1 Jesus, der Nazarener
4.2 Jesus, der Menschenfischer
4.3 Jesus, der Rabbi
4.4 Jesus, der Wunderrabbi
4.5 Jesus, der Liebende
4.6 Jesus, der Mensch
4.7 Jesus, der Messias
4.8 Jesus, die Überforderung
III Schluss
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit verfolgt das Ziel, den Charakter des Jeschua in Luise Rinsers Roman „Mirjam“ umfassend zu analysieren und ihn mit dem Jesus-Bild des Matthäus-Evangeliums zu vergleichen, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Darstellung herauszuarbeiten.
- Charakterisierung von Jeschua als literarische Figur in „Mirjam“
- Vergleich der Darstellung mit dem Jesus-Bild bei Matthäus
- Kategoriale Analyse verschiedener Wesensaspekte (z.B. Rabbi, Messias, Mensch)
- Untersuchung der Rezeption und Wirkung auf die Hauptfigur Mirjam
- Herausarbeitung der menschlichen Züge Jesu in beiden Werken
Auszug aus dem Buch
3.1 JESCHUA, DER NAZARENER
Gleich zu Beginn des Buches erfährt Mirjam einiges über Jeschuas Herkunft: Er komme aus Nazareth und sei der Sohn eines Zimmermannes namens Joseph. Außerdem sei äußerst ungewöhnlich, dass er „jenem Geburtsjahrgang angehörte, den der König Herodes der Große ausgerottet hatte“.
Bei ihrem ersten Treffen ist Jeschua etwa zwölf oder dreizehn Jahre alt. Schon zu diesem Zeitpunkt wird erzählt, dass er seine Eltern „wie Fremde“ anschaue und „kein Kind mehr gewesen und nur mehr wie ein Gast in der Familie, ein Fremdling“, sei. Sehr früh verließ Jeschua seine Eltern, um – so heißt es – in die Wüste zu einem Orden zu gehen. Seine Mutter lebt also „ohne seine Hilfe“.
Später erfährt man mehr über Jeschuas Beziehung zu seinen Eltern, vor allem zu seiner Mutter. Er lehnt Familienbande ab, denn seine eigentliche Familie sind seine Jünger: „Wer ist mir Mutter, Bruder, Schwester? Der, welcher mir nicht dem Blut, sondern dem Geiste nach verwandt ist.“
Das Verhältnis zu seiner Mutter ist kompliziert. Er nennt sie nicht „Mutter“, sondern „Frau“ und geht auf eine kühle Art und Weise mit ihr um, die nicht, wie man meinen möchte, einer normalen Mutter-Sohn-Beziehung entspricht. Beispielsweise verabschiedet er sich bei einer Feier nicht von ihr oder behandelt sie zurückhaltend: „Mir tat es weh, dass er nicht freundlicher zu ihr war; freilich: unfreundlich war er nicht, nur fremd, unsäglich fremd.“ Nur gelegentlich bekommt Mirjam angedeutete Zuneigung zwischen Jeschua und Maria mit: „… und er legte seinen Arm um ihre Schultern. Ein flüchtige Geste, sparsam, sehr selten, auch später.“
Später, als Jeschua sich seinem Tod nähert, ist es, als wisse Maria um das Schicksal und die Rolle ihres Sohnes Bescheid und steht ihm bei („Mirjam, sag du es Jeschua, dass ich bereit bin.“).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Biografie Luise Rinser: Kurzer Abriss über das Leben und Werk der Autorin mit Fokus auf ihre Auseinandersetzung mit spirituellen und menschlichen Themen.
2 Handlung “Mirjam”: Beschreibung der Romanhandlung aus Sicht der Protagonistin, die Jeschua auf seinem Weg durch Israel begleitet.
3 Der Charakter des Jeschua im Roman von Luise Rinser: Detaillierte Analyse verschiedener Facetten von Jeschua, unterteilt in Kategorien wie Nazarener, Rabbi, Messias und Mensch.
4 Der Charakter des Jesus im Matthäus-Evangelium: Gegenüberstellung des Roman-Jeschua mit dem biblischen Jesusbild nach dem Matthäus-Evangelium.
III Schluss: Fazit über die Charakterisierung, die bei Rinser persönlicher ausfällt, während Matthäus den Fokus stärker auf Handeln und Reden legt.
Schlüsselwörter
Luise Rinser, Mirjam, Jeschua, Matthäus-Evangelium, Jesus Christus, Charakterisierung, Romananalyse, Vergleich, Biblische Exegese, Messias, Nächstenliebe, Friedensreich, Literaturwissenschaft, Menschsein, Menschenfischer.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit untersucht die Charakterisierung der Figur Jeschua in Luise Rinsers Roman „Mirjam“ und stellt diese dem biblischen Jesus-Bild des Matthäus-Evangeliums gegenüber.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Das zentrale Thema ist die literarische Ausgestaltung Jesu als Mensch und Messias, wobei verschiedene Rollenbilder wie Rabbi, Wunderrabbi und der Mensch an sich analysiert werden.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, die in Rinsers Roman dargestellten Facetten von Jeschua zu systematisieren und durch einen Vergleich mit dem Matthäus-Evangelium die Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Charakterzeichnung aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine textanalytische und vergleichende Methode angewandt, bei der spezifische Aspekte (Kategorien) aus dem Roman mit dem biblischen Befund des Matthäus-Evangeliums kontrastiert werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil erfolgt eine detaillierte Aufschlüsselung der Wesensmerkmale von Jeschua im Roman, gefolgt von einer parallelen Analyse der entsprechenden Eigenschaften Jesu bei Matthäus.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Luise Rinser, Mirjam, Jeschua, Matthäus-Evangelium, Charakterisierung, Messias, Friedensreich und Menschsein.
Warum wird Jeschua im Roman als „Überforderung“ bezeichnet?
Mirjam bezeichnet ihn so, weil er in seiner Art, seinen Aussagen und seiner geheimnisvollen, oft widersprüchlichen Natur schwer fassbar bleibt und die Jünger sowie die Protagonistin intellektuell und emotional herausfordert.
Wie unterscheidet sich die Darstellung Jesu bei Rinser von der bei Matthäus?
Rinsers Charakterisierung ist laut der Arbeit facettenreicher und persönlicher, da sie auf die psychologische Wirkung auf die Hauptfigur setzt, während bei Matthäus die Identität stärker über Handlungen und Predigten definiert wird.
- Arbeit zitieren
- Regina Steinbügl (Autor:in), 2012, Die Charakterisierung des Jeschua in Luise Rinsers „Mirjam ", München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/199419