I. Einleitung
„Himmel und Erde werden vergehen; meine Worte aber werden nicht vergehen."1
Als Polonius Hamlet fragte was er denn so lese, gab Hamlet eine schlichte und doch sehr tiefe Antwort. Ich lese "Worte, Worte, Worte", nicht mehr und auch nicht weniger!2 Was antworten wohl SuS Tag ein Tag aus Ihren Eltern auf dieselbe Frage? Bei der Antwort der SuS kann man zwei Beobachtungen sich vergegenwärtigen. Die eine ist das bloße Aufzählen, das herunter Rattern von „neuem Stoff“, welchen die SuS lernten und bald auch wieder vergessen. Das andere, was auch vorkommt, ist das Ergriffen sein der SuS, sie beginnen zu schwärmen, sie bauen einen direkten Lebensbezug vom „Stoff“ zu sich selbst auf, bestenfalls sehen sie sich selbst, ihr Leben in einem neuen Licht und leben offen ihre neuen „Erkenntnisse“. Mit dieser Hausarbeit wollen wir mit Johannes gesprochen die SuS durch die Beschäftigung mit der Sprache des Evangeliums auf das Licht der Welt hinweisen: „Da redete Jesus abermals zu ihnen und sprach: Ich bin das Licht der Welt; wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben.“ (Joh 8,12)
Fernando Pessoa, der Schriftsteller und Dichter Portugals des 20. Jahrhunderts, schrieb über die Sprache einst folgendes: "Ich glaube eine Sache in Worte fassen heißt ihr die Kraft bewahren und den Schrecken nehmen. Felder sind grüner in der Beschreibung als in ihrem Grün. Beschreibt man Blumen mit Sätzen, die sie im Bereich des Imaginären definieren, sind ihre Farben von einer Dauer, die ihr zelluläres Leben nicht hergibt."3
Auf was möchte uns Pessoa mit diesen zwei Sätzen aufmerksam machen? Sprache ist zunächst könnte man sagen, als ein Instrument des Menschen zu sehen, mit diesem Instrument erkundet der Mensch die / seine Welt. Er gibt Dingen, Phänomenen und Menschen einen Namen, indem er sie beschreibt, indem er sie mit Sprache, mit Worten füllt. Durch Sprache können Vorurteile abgebaut werden, dadurch erscheinen Dinge und Menschen in ihrem "rechten" Licht, bestenfalls in ihrer "Kraft" und gänzlich ohne "Schrecken". Doch ist die Sprache weit mehr als nur ein Instrument des Menschen. In Ernst Fuchs Hermeneutik findet man den schönen Satz:
"Denn es ist nicht wahr, daß der Mensch die Sprache erfunden hat. Nicht der Mensch hat die Sprache geboren, sondern der Mensch ist aus der Sprache geboren."4 Diese Worte erinnern an Heidegger und seinen Existenzialismus, welchen Bultmann dahin gehend deutete, dass bei ihm das
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. LehrerInnen-Sach-Analyse
III. SchülerInnen-Sach-Analyse
a) Vorwissen & Erfahrungsbezüge
b) Entwicklungspsychologische Einsichten
c) Widerstände
IV. Didaktische Reflexion
a) Lebensrelevanz
b) Das Mögliche
c) Kompetenzen
d) Religiöse Kompetenzen
e) Unterrichtskonzeption
V. Methodische Überlegungen
VI. Unterrichtsverlaufsplan
VII. Quellen und Literatur
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, durch eine tiefgehende Auseinandersetzung mit der Sprache des Evangeliums einen Zugang zu existenziellen Glaubensfragen im Religionsunterricht der Oberstufe zu schaffen. Dabei soll die Sprache nicht nur als Instrument, sondern als formende Kraft begriffen werden, die den Menschen in Beziehung zu sich selbst, zu Gott und zur Liebe setzt.
- Sprachphilosophische und hermeneutische Reflexion als Basis für den Religionsunterricht
- Entwicklung eines theologischen Sprachbewusstseins bei Lernenden
- Verbindung von biblischen Texten (Ex 20,2; Mk 12,29ff.) mit der eigenen Lebenswelt
- Thematisierung von Freiheit, Mitmenschlichkeit und Liebe in christlicher Perspektive
- Methodische Gestaltung einer Unterrichtseinheit mittels Zitatanalyse und lebensweltlichem Bezug
Auszug aus dem Buch
I. Einleitung
„Himmel und Erde werden vergehen; meine Worte aber werden nicht vergehen.“
Als Polonius Hamlet fragte was er denn so lese, gab Hamlet eine schlichte und doch sehr tiefe Antwort. Ich lese "Worte, Worte, Worte", nicht mehr und auch nicht weniger! Was antworten wohl SuS Tag ein Tag aus Ihren Eltern auf dieselbe Frage? Bei der Antwort der SuS kann man zwei Beobachtungen sich vergegenwärtigen. Die eine ist das bloße Aufzählen, das herunter Rattern von „neuem Stoff“, welchen die SuS lernten und bald auch wieder vergessen. Das andere, was auch vorkommt, ist das Ergriffen sein der SuS, sie beginnen zu schwärmen, sie bauen einen direkten Lebensbezug vom „Stoff“ zu sich selbst auf, bestenfalls sehen sie sich selbst, ihr Leben in einem neuen Licht und leben offen ihre neuen „Erkenntnisse“.
Mit dieser Hausarbeit wollen wir mit Johannes gesprochen die SuS durch die Beschäftigung mit der Sprache des Evangeliums auf das Licht der Welt hinweisen: „Da redete Jesus abermals zu ihnen und sprach: Ich bin das Licht der Welt; wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben.“ (Joh 8,12)
Fernando Pessoa, der Schriftsteller und Dichter Portugals des 20. Jahrhunderts, schrieb über die Sprache einst folgendes: "Ich glaube eine Sache in Worte fassen heißt ihr die Kraft bewahren und den Schrecken nehmen. Felder sind grüner in der Beschreibung als in ihrem Grün. Beschreibt man Blumen mit Sätzen, die sie im Bereich des Imaginären definieren, sind ihre Farben von einer Dauer, die ihr zelluläres Leben nicht hergibt."
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Die Einleitung führt in die Bedeutung der Sprache als existenzielle Kraft ein und verknüpft diese mit dem Anspruch des Evangeliums als Lebensdeutung für Schülerinnen und Schüler.
II. LehrerInnen-Sach-Analyse: Dieses Kapitel expliziert die hermeneutischen Grundlagen, wobei Sprache als schöpferische und wahrheitsstiftende Dimension dargestellt wird, die den Menschen vor Gott in die Antwortpflicht ruft.
III. SchülerInnen-Sach-Analyse: Hier wird der Bezug zur Lebenswelt der Lernenden hergestellt, indem deren Vorwissen, entwicklungsspezifische Gottesbilder und die Bedeutung von Widerständen im Lernprozess analysiert werden.
IV. Didaktische Reflexion: Dieses Kapitel begründet die Unterrichtskonzeption, legt die angestrebten Kompetenzen fest und betont die Relevanz der Lebenswirklichkeit für einen gelingenden Religionsunterricht.
V. Methodische Überlegungen: Die didaktischen Überlegungen werden hier in eine konkrete Unterrichtsplanung übersetzt, wobei die Arbeit mit Zitaten und die Förderung des Schülers als aktives Subjekt im Zentrum stehen.
VI. Unterrichtsverlaufsplan: Ein tabellarischer Plan illustriert den zeitlichen Ablauf der Doppelstunde von der Stille bis zur Vertiefung durch das Gebet.
VII. Quellen und Literatur: Das Verzeichnis listet die verwendeten Quellen und die wissenschaftliche Fachliteratur auf, auf denen die theoretischen Ausführungen basieren.
Schlüsselwörter
Sprache, Evangelium, Hermeneutik, Religion, Religionsunterricht, Jesus Christus, Liebe, Mitmenschlichkeit, Freiheit, Glaube, Existenz, Gott, Unterichtsplanung, Schüler, Identität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Bedeutung von Sprache im Kontext des evangelischen Religionsunterrichts und wie durch die Auseinandersetzung mit biblischen Texten ein neuer Zugang zu existenziellen Lebensfragen ermöglicht werden kann.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind das Verhältnis von Sprache und Wirklichkeit, die Bedeutung der Liebe als christliches Kernmoment, sowie die Mitmenschlichkeit und Freiheit als Antwort auf das göttliche Wort.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die Schaffung eines theologischen „Sprachbewusstseins“ bei Schülerinnen und Schülern der Oberstufe, damit diese ihren Glauben und ihr Selbstverständnis reflektieren können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich primär auf hermeneutische Ansätze der Theologie (u.a. Ernst Fuchs, Ulrich H. J. Körtner) und verbindet diese mit literaturtheoretischen Überlegungen (Fernando Pessoa, Viktor Klemperer).
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine fachwissenschaftliche Sachanalyse, eine entwicklungspsychologische Einordnung der Schülerinnen und Schüler sowie eine didaktische Reflexion, die in eine konkrete Unterrichtsplanung mündet.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Sprache, Hermeneutik, Liebe, Freiheit, Existenz und Religionsunterricht charakterisiert.
Warum spielt Fernando Pessoa eine so wichtige Rolle in der Arbeit?
Pessoa dient als philosophischer Impulsgeber, um die Macht der Sprache sowie die Grenzen des menschlichen Verstehens aufzuzeigen und so die Lernenden zu einer tieferen Auseinandersetzung mit der Wahrheit anzuregen.
Welche Rolle nimmt der Lehrer in der Unterrichtskonzeption ein?
Der Lehrer ist nicht die zentrale Wissensinstanz, sondern ein Begleiter, der die richtigen Fragen stellt, um den Lernenden Raum zu geben, eigene Antworten und einen persönlichen Lebensbezug zu finden.
- Arbeit zitieren
- LA Ulas Incedal (Autor:in), 2011, Sprache im Religionsunterricht - Das Wort als Erkenntnis, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/198732