„Wer kennt Wil Martens?“ Was veranlasste den Systemtheoretiker Niklas Luhmann dazu, einen Artikel in der Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie mit solch einem zynischen wirkenden Titel zu veröffentlichen? Der Beginn des Disputs der beiden Soziologen begann mit Erscheinen von Heft 4 in Jahrgang 43 der Zeitschrift. Dort nahm Martens die Theorie Luhmanns mit besonderem Fokus auf den Kommunikationsbegriff in die Kritik und brachte auch gleich eigene ‚Verbesserungsvorschläge‘ dazu ein.
Die folgende Arbeit hat zum Ziel, einen Vergleich anzustellen, zwischen dem Kommunikationsbegriff in Niklas Luhmanns Systemtheorie und eben jenem Begriff im Verständnis von Wil Martens. Um jedoch zu zeigen wie sich die Kommunikation in die Theorien der beiden Soziologen einbettet, sollen diese zunächst erläutert werden. Kapitel I wird sich mit Niklas Luhmann beschäftigen; Dabei sollen zunächst die wichtigsten Aspekte der Systemtheorie angeführt werden. Danach soll in Kapitel II das Theorieverständnis Wil Martens‘ beschrieben werden, was zugleich eine Überleitung zu Kapitel III darstellen soll, welches sich mit der Neukonzeption des Kommunikationsbegriffs bei Martens und der Kritik an Luhmann beschäftigt. Kapitel IV wird sich dann wieder mit Luhmanns Auffassungen beschäftigen und das Augenmerk auf seine Reaktionen und Ausführungen zur Verteidigung seiner Theorie und seines Verständnisses des Kommunikationsbegriffes legen. Im letzten Teil der vorliegenden Arbeit soll dann noch einmal ein kurzes Resümee gezogen werden.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Kapitel I: Luhmanns Theoriekonzeption
I. 1: Systeme
I. 2: Autopoiesis
I. 3: Kommunikation
I. 4: soziale Systeme
I. 5: psychische Systeme
I. 6: strukturelle Kopplung
Kapitel II: Martens‘ Theoriekonzeption
II. 1: Handlung und Kommunikation
II. 2: soziale Einheiten
II. 3 Rolle der Personen
Kapitel III: Der Kommunikationsbegriff bei Martens
III. 1: Kritik an Luhmann
III. 2: Neukonzeption des Kommunikationsbegriffs nach Martens
Kapitel IV: Reaktion Luhmanns
Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, einen systematischen Vergleich zwischen dem Kommunikationsbegriff der Systemtheorie von Niklas Luhmann und dem Verständnis von Wil Martens zu ziehen, um die wissenschaftliche Auseinandersetzung und die gegenseitige Kritik der beiden Soziologen zu beleuchten.
- Systemtheoretische Grundlagen nach Niklas Luhmann
- Martens' kritische Organisationstheorie und Handlungskonzeption
- Diskurs über den Kommunikationsbegriff als Letztelement sozialer Systeme
- Kritik an der operativen Geschlossenheit und das Konzept der partiellen Überschneidung
- Luhmanns Verteidigung der Emergenz sozialer Ordnung
Auszug aus dem Buch
I. 3: Kommunikation
Der Kommunikationsbegriff ist mit der bedeutendste in Luhmanns Theoriekonzeption. Kommunikation ist für ihn eine zentrale Operation, aus welcher soziale Systeme bestehen; Es ist das Letztelement von Operationen sozialer Systeme. Entgegen des landläufigen Verständnisses des Begriffs sagt Luhmann, „nur die Kommunikation kann kommunizieren.“4
Sie ist der Motor der Autopoiesis, da auf eine Kommunikation immer eine Anschlusskommunikation folgen muss. Nur dann ist Kommunikation überhaupt gegeben. Sie basiert also nicht auf inhaltlichem Konsens, sondern auf der Weiterführung ihrer selbst. Würde die Kommunikation aufhören, so wäre dies das Ende der Gesellschaft; Allerdings ist der Zusammenhang zwischen Kommunikation und Gesellschaft ein zirkulärer: Kommunikation ohne Gesellschaft ist ebenfalls nicht möglich. Luhmann definiert die Kommunikation als eine emergente Synthese von drei verschiedenen Selektionen. Diese sind: Information, Mitteilung und Empfang.5 Die Übertragung von Information kann daher nicht alleine als Kommunikation beschrieben werden. Es ist ein „evolutionärer Selektionsprozeß (sic!)“6. Somit bildet die Gesellschaft „ein auf Basis von Kommunikation operativ geschlossenes Sozialsytem“7 (Vgl. Kapitel I, 4: soziale Systeme‘).
Zusammenfassung der Kapitel
Kapitel I: Luhmanns Theoriekonzeption: Dieses Kapitel legt die Grundbausteine der systemtheoretischen Perspektive dar, insbesondere die Konzepte der Autopoiesis, der Kommunikation als Letztelement und der operativen Geschlossenheit.
Kapitel II: Martens‘ Theoriekonzeption: Hier werden die Gegenentwürfe von Wil Martens vorgestellt, der stärker auf Handlungsaspekte fokussiert und soziale Systeme als Einheit verschiedener Handlungen betrachtet.
Kapitel III: Der Kommunikationsbegriff bei Martens: Dieses Kapitel analysiert Martens' Kritik an Luhmann und präsentiert seine eigene Neukonzeption, die Kommunikation stärker mit psychischen und physischen Prozessen verknüpft.
Kapitel IV: Reaktion Luhmanns: Die abschließende theoretische Auseinandersetzung zeigt Luhmanns Verteidigung seiner Position gegen die Reduktion von Kommunikation auf psychische oder biologische Prozesse.
Schlüsselwörter
Systemtheorie, Niklas Luhmann, Wil Martens, Kommunikation, Autopoiesis, soziale Systeme, operative Geschlossenheit, strukturelle Kopplung, Emergenz, Handlungstheorie, Mitteilung, Information, Verstehen, Soziologie, Theoriekonzeption
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert den wissenschaftlichen Disput zwischen Niklas Luhmann und Wil Martens hinsichtlich ihres Verständnisses von Kommunikation innerhalb der Systemtheorie.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themen umfassen die Autopoiesis, soziale und psychische Systeme, die operative Geschlossenheit sowie die Abgrenzung von Kommunikation gegenüber Handlungen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist der Vergleich der unterschiedlichen theoretischen Ansätze zur Kommunikation, insbesondere der Konflikt zwischen Luhmanns soziologischem Konstrukt und Martens' Einbezug psychischer Prozesse.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretisch-analytische Arbeit, die auf Literaturrecherche und der Analyse publizierter Disputbeiträge in soziologischen Fachzeitschriften basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Luhmannschen Theorie, die Gegenposition von Martens, die spezifische Kritik am Kommunikationsbegriff und die anschließende Replik Luhmanns.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Systemtheorie, Autopoiesis, Kommunikation, soziale Systeme und die Differenz von Information/Mitteilung/Verstehen.
Warum kritisierte Martens Luhmanns Konzept der Autopoiesis?
Martens sah in Luhmanns Konzept eine unzulässige Abstraktion von der psychischen und biologischen Wirklichkeit des Menschen und plädierte stattdessen für eine Einbeziehung dieser Ebenen.
Wie reagierte Niklas Luhmann auf Martens' Vorwürfe?
Luhmann wies die Kritik als Fehlinterpretation seiner Theorie zurück und argumentierte, dass eine Reduktion auf körperliche oder psychische Prozesse die Erfassung der Emergenz sozialer Ordnung verunmögliche.
- Arbeit zitieren
- Lars Roedel (Autor:in), 2011, Luhmann vs. Martens - Ein soziologischer Disput zum Kommunikationsbegriff, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/198543