Im Herbst 2013 werden es 55 Jahre, dass erstmals zwei finnische Kinder- bzw. Jugendbuchautorinnen auf der Auswahlliste des Deutschen Jugendbuchpreises 1958 standen: Annikki Setälä mit „Irja tauscht Rentiere“ und Aili Konttinen mit „Geh nicht fort Inkeri“.
Inhaltsverzeichnis
1 Ziele des Deutschen Jugendbuchpreises
2 Deutsche und finnische Geschichte nach dem Zweiten Weltkrieg
2.1 Deutschland
2.2 Finnland
2.3 Ausblick
3 Jugendliteratur nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland und Finnland
3.1 Deutschland
3.2 Finnland
4 Die Autorin Annikki Setälä
4.1 Der Vater
4.2 Die Mutter, Tante und der angeheiratete Onkel
4.3 Die Tochter Annikki Setälä
4.4 Annikki Setälä im Jahr 2012
5 Annikki Setälä: Irja tauscht Rentiere (Karhunkierros)
5.1 Inhalt
5.2 Struktur des Romans
5.3 Das Thema „Natur“ im Roman
5.4 Das Thema „Liebe“ im Roman
5.5 Rückblick nach 55 Jahren
6 Aili Konttinen
7 Aili Konttinen: Geh nicht fort Inkeri (Inkeri palasi Ruotsista)
7.1 Inhalt
7.2 Struktur des Romans
7.3 Das auktoriale Erzählverhalten
8 Wichtige Protagonisten
8.1 Inkeri
8.2 Inkeris Mutter
8.3 Inkeris Mama
8.4 Inkeris Vater
8.5 Die Pfarrfrau
9 Die Begegnung der beiden Mütter
10 Die Begegnung von Inkeri und Mama
11 Rückblick nach 55 Jahren
12 Thematologie
Zielsetzung & Themen der Publikation
Die vorliegende Arbeit untersucht das Wirken und die literarische Bedeutung der beiden finnischen Autorinnen Annikki Setälä und Aili Konttinen, deren Werke 1958 auf der Auswahlliste des Deutschen Jugendbuchpreises standen. Ziel ist es, die Romane vor ihrem historischen Hintergrund des Nachkriegs-Finnlands zu analysieren und deren thematische Schwerpunkte wie Naturverbundenheit, Selbstfindung sowie das schwierige Schicksal der sogenannten "Kriegskinder" herauszuarbeiten.
- Historische Einordnung der deutsch-finnischen Geschichte nach 1945.
- Literarische Analyse von "Irja tauscht Rentiere" und "Geh nicht fort Inkeri".
- Untersuchung der thematischen Motive Natur, Liebe und Heimatverlust.
- Analyse der Erzählstrukturen (Tagebuchroman vs. auktorialer Erzähler).
- Vergleichende Betrachtung der damaligen Mädchenliteratur und moderner Adoleszenzliteratur.
Auszug aus dem Buch
Die Begegnung von Inkeri und Mama
Während die Pflegemutter von Kerttuli zur Viehweide gebracht wird, sitzt Inkeri zeitgleich auf einem Stein neben dem Haferfeld und bewacht die Kühe. Wieder kontrastiert die Autorin die beiden Welten von Mama und Inkeri. Da ist die reiche Frau aus Schweden mit weißem Kleid und feinen Strümpfen (vgl. S. 165) und da ist das von der Sonne braungebrannte, barfüßige Kind, das Zahnlücken hat, durch die sie Spucken übt, so wie alle Bauernkinder. Nur an den Augen erkennt Mama ihr Pflegekind wieder.
„Ihre [Inkeris] blauen Augen – ja, das waren Ingers Augen! – hingen, geweitet vor Staunen, an der Erscheinung dort auf dem Pfad, und ihre Lippen formten tonlos das Wort „Mama…“ Niemand auf der ganzen Welt konnte der Mama dieses Wort zuflüstern außer Inger. „Inger…“, sagte sie.
Jetzt erst kam Leben in das Kind. Es strahlte auf – und schon sprang es, ohne auf seine nackten Beine und Füße zu achten, von dem Stein herunter. Es hatte nur einen Schlüpfer an, und auch der drohte zu rutschen, denn das Gummiband war ausgeweitet.
„Mama!“ rief Inkeri laut und stürzte auf sie zu. Und lächelnd, wenn auch mit überströmenden Augen, breitete diese dem Kind die Arme entgegen. Mochte es wunderlich aussehen – es war doch ihre Inger.
„Inger“, flüsterte sie, „mein Herzenskind“, und kniete sich neben sie auf den Pfad, um ihr möglichst nahe zu sein, ohne an ihr weißes Kleid und die feinen Strümpfe zu denken. „O Ingerkind!“ Und sie küßte die braunen und etwas verschmierten Wangen.“
Zusammenfassung der Kapitel
1 Ziele des Deutschen Jugendbuchpreises: Erläutert die Entstehung und Intention des Preises im Kontext der Völkerverständigung und literarischen Bildung nach dem Zweiten Weltkrieg.
2 Deutsche und finnische Geschichte nach dem Zweiten Weltkrieg: Beschreibt die politische Ausgangslage und die Herausforderungen des Wiederaufbaus in beiden Ländern.
3 Jugendliteratur nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland und Finnland: Gibt einen Überblick über die literarische Landschaft und die einflussreichen Werke jener Zeit.
4 Die Autorin Annikki Setälä: Porträtiert das Leben der Autorin und ihr familiäres, literarisch geprägtes Umfeld.
5 Annikki Setälä: Irja tauscht Rentiere (Karhunkierros): Analysiert den Tagebuchroman hinsichtlich seiner Form, der Naturbeschreibungen und der Thematisierung von Liebe.
6 Aili Konttinen: Würdigt das Leben und Werk der finnischen Kinderbuchautorin Aili Konttinen.
7 Aili Konttinen: Geh nicht fort Inkeri (Inkeri palasi Ruotsista): Untersucht den Roman als literarische Aufarbeitung des Schicksals der finnischen Kriegskinder.
8 Wichtige Protagonisten: Detaillierte Charakteranalyse der zentralen Figuren Inkeri, Mutter, Pflegemutter, Vater und Pfarrfrau.
9 Die Begegnung der beiden Mütter: Beschreibt die stille, spannungsreiche Konfrontation zwischen der leiblichen Mutter und der Pflegemutter.
10 Die Begegnung von Inkeri und Mama: Fokus auf das emotionale Wiedersehen und die damit verbundene Ablösungsthematik.
11 Rückblick nach 55 Jahren: Reflektiert die zeitlose Bedeutung der Werke und ihre historische Relevanz.
12 Thematologie: Ordnet die Romane komparatistisch in die Gattung der Adoleszenzliteratur ein und zieht Parallelen zu modernen Texten.
Schlüsselwörter
Finnland, Deutschland, Kinder- und Jugendliteratur, Deutscher Jugendbuchpreis, Kriegskinder, Inkeri, Annikki Setälä, Aili Konttinen, Identitätssuche, Natur, Mädchenliteratur, Adoleszenz, Nachkriegszeit, Integration, Erzähltheorie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert zwei finnische Kinder- und Jugendromane aus dem Jahr 1958, die auf der Auswahlliste des Deutschen Jugendbuchpreises standen, und setzt sie in den Kontext der Nachkriegsgeschichte.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Schwerpunkte liegen auf der Aufarbeitung des Zweiten Weltkriegs, dem Schicksal von Kriegskindern, der Naturdarstellung in Lappland sowie dem Prozess des Erwachsenwerdens.
Welches primäre Ziel verfolgt die Publikation?
Das Ziel ist die literaturwissenschaftliche Würdigung von Werken, die trotz ihrer zeitgenössischen Relevanz heute in Vergessenheit geraten sind, und der Nachweis ihrer thematischen Zeitlosigkeit.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewandt?
Die Autorin nutzt komparatistische Ansätze, erzähltheoretische Analysen nach Franz Karl Stanzel sowie eine entwicklungspsychologische Einordnung der behandelten Romane.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in Biographien der Autorinnen, tiefgehende Inhalts- und Strukturananalysen der Romane und die psychologische Untersuchung der Hauptfiguren.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Publikation?
Die Arbeit lässt sich primär über die Begriffe Kriegskinder, finnische Literatur, Mädchenliteratur und Identitätskonflikte beschreiben.
Warum ist das Schicksal von Kriegskindern in diesem Kontext so wichtig?
Das Thema ist zentral, da es das Trauma der doppelten Entwurzelung beschreibt – zuerst durch den Krieg und später durch die Rückkehr in die ursprüngliche Heimat.
Welche Rolle spielt der "Zauberbeutel" im Roman von Annikki Setälä?
Der Beutel fungiert als wiederkehrendes, symbolisches Motiv für das Geheimnis und die schwierige Annäherung zwischen den Protagonisten.
Wie unterscheidet sich die Darstellung der Mutterfiguren?
Die leibliche Mutter kämpft mit materieller Not und dem Wunsch nach Zugehörigkeit, während die schwedische Pflegemutter ihre Trennung vom Kind rationalisiert, aber an der Leere leidet.
Was macht den Roman von Aili Konttinen aus historischer Sicht besonders?
Er ist einer der ersten Romane, der das Tabuthema der Kriegskinder in Finnland literarisch aufarbeitete und die psychischen Folgen eines Sprach- und Kulturwechsels schildert.
- Arbeit zitieren
- Walter Mirbeth (Autor:in), 2012, Zwei finnische Kinder- und Jugendbuchautorinnen auf der Auswahlliste des Deutschen Jugendbuchpreises 1958, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/198478