In der vorliegenden Hausarbeit wird die Bedeutung der Paratexte am Beispiel von Döblins Werk ‚Berlin Alexanderplatz – Die Geschichte vom Franz Biberkopf‘ thematisiert. Dieser wohl bekannteste deutsche Großstadtroman trägt sowohl Züge der Epoche des Expressionismus als auch des Epochen-Stils der Neuen Sachlichkeit – die Grenzen sind fließend bzw. nicht eindeutig. Eine Inhaltsangabe des Romans, Biographisches zum Autor sowie detaillierte Ausführungen über die jeweiligen Epochen werden nicht erfolgen.
Zu Beginn wird ein kurzer theoretischer Einblick, bei dem ich mich hauptsächlich auf Gérard Genette stützen werde, darüber gegeben, was unter einem Paratext überhaupt zu verstehen ist und welche wesentlichen Bestandteile eines literarischen Werkes im Allgemeinen zum Paratext gezählt werden; anschließend werde ich lediglich zwei spezielle Paratexte auswählen und diese ausführlicher erklären – nämlich genau jene zwei, die ich dann explizit und praktisch auf Döblins ‚Berlin Alexanderplatz‘ anwenden möchte. Anhand passender Textstellen des Haupttextes des Romans in Verbindung mit den ausgesuchten Paratexten möchte ich zu belegen versuchen, dass bzw. in welchem Maße Paratexte schon inhaltliche Aussagen treffen, auf Inhalte vorbereiten und sie beeinflussen sowie gar Prognosen abgeben – ferner werden demzufolge gleichzeitig auch einige wichtige Aspekte der Aufgaben und Funktionen von Paratexten an Textbeispielen aufgezeigt.
Methodisch wird es also generell um die Fragen ‚Was ist dargestellt?‘, ‚Wie ist etwas dargestellt?‘ und ‚Warum ist etwas so dargestellt, wie es eben zu sehen ist?‘ gehen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretisches nach Genette
2.1 Der Paratext und seine Bestandteile
2.2 Zwei ausgewählte Paratexte
3. Zwei Paratexte in Anwendung: Döblins ‚Berlin Alexanderplatz‘
4. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung von Paratexten anhand von Alfred Döblins Roman "Berlin Alexanderplatz – Die Geschichte vom Franz Biberkopf". Das primäre Ziel ist es, nachzuweisen, inwiefern Paratexte wie Titel und Einführung inhaltliche Aussagen treffen, auf den Romaninhalt vorbereiten und die Rezeption des Werkes beeinflussen können, gestützt auf die theoretischen Grundlagen von Gérard Genette.
- Grundlegende Definition von Paratexten nach Gérard Genette
- Analyse der Funktionen und Wirkungsweisen von Buchtiteln
- Untersuchung der Bedeutung von Einführungen in literarischen Werken
- Praktische Anwendung der Paratext-Theorie auf Döblins "Berlin Alexanderplatz"
- Belegung der Thesen durch ausgewählte Textstellen aus dem Roman
Auszug aus dem Buch
Zum Titel generell:
Laut Genette ist die Definition des Titels mit größeren Problemen verbunden als die anderen Komponenten des Paratextes – folglich ist auch die Untersuchung des Titels nicht einfach. Er ist nicht bloß ein Teil, sondern eine komplexe Einheit. Die Funktionen im Konkreten: Der Titel dient (1) der Identifizierung des Werkes, (2) der Bezeichnung des Inhaltes und außerdem dazu, (3) für einen viel versprechenden, lohnenden Inhalt zu ‚werben‘. Die eben drei genannten Funktionen sind auf Charles Grivel zurückzuführen – Genette ergänzt aber, dass alle drei nicht immer parallel existent sein müssen; nur die erste ist laut ihm definitiv. Genette bemerkt auch, dass die Bezeichnungsfunktion (die zweite) nicht zwingend glücken muss, weil sich der Titel in vielfältiger Weise auf den Inhalt beziehen kann, z. B. von einer faktischen Bezeichnung (z. B. Madame Bovary) bis hin zu einer beispielsweise symbolischen Beziehung (z. B. Le Rouge et le Noir) – und eben jene Relation zwischen Titel und Inhalt des Werkes ist abhängig vom Verständnis und Assoziationsvermögen der jeweiligen Leser.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Fragestellung ein und erläutert die methodische Herangehensweise, bei der zentrale paratextuelle Elemente auf ihre inhaltliche Vorhersagekraft hin untersucht werden.
2. Theoretisches nach Genette: Hier werden die theoretischen Grundlagen von Gérard Genette erarbeitet, wobei insbesondere die Definition des Paratextes sowie die spezifischen Funktionen von Titeln und Einführungen erläutert werden.
3. Zwei Paratexte in Anwendung: Döblins ‚Berlin Alexanderplatz‘: Dieser Teil bildet das praktische Herzstück der Arbeit, in dem die Theorie auf den Roman angewendet und durch konkrete Textbelege die These der Dominanz der Stadt über das Individuum untermauert wird.
4. Schluss: Das Fazit fasst die Erkenntnisse zusammen und resümiert, dass Paratexte wie Titel und Einführung durchaus sinnvolle Wegweiser sind, deren volle interpretative Tragweite sich jedoch häufig erst in der Rückschau nach der Lektüre erschließt.
Schlüsselwörter
Paratext, Gérard Genette, Berlin Alexanderplatz, Alfred Döblin, Titel, Einführung, Großstadtroman, Individuum, Stadt, Literaturtheorie, Neue Sachlichkeit, Expressionismus, Rezeption, Montagetechnik, Franz Biberkopf
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit untersucht die Bedeutung und Funktion von Paratexten, insbesondere von Buchtiteln und Einführungen, am Beispiel des Romans "Berlin Alexanderplatz" von Alfred Döblin.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Arbeit fokussiert sich auf die literaturwissenschaftliche Analyse von Paratexten als "Beiwerk" des Buches, die Beziehung zwischen Stadt und Individuum sowie die Auswirkungen dieser Texte auf die Rezeption des Lesers.
Welches Ziel verfolgt die Autorin mit dieser Untersuchung?
Ziel ist es aufzuzeigen, in welchem Maße paratextuelle Elemente wie Titel und Einleitungen bereits inhaltliche Aspekte vorwegnehmen, Prognosen über den Inhalt abgeben oder auf das zentrale Thema des Romans hindeuten.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Hausarbeit verwendet?
Die Arbeit basiert auf der Theorie von Gérard Genette. Methodisch werden die Fragen "Was ist dargestellt?", "Wie ist es dargestellt?" und "Warum ist es so dargestellt?" anhand von konkreten Textstellen des Romans beantwortet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit detailliert behandelt?
Der Hauptteil analysiert den Titel und die Einführung des Romans "Berlin Alexanderplatz". Dabei werden diese Paratexte theoretisch definiert und anhand von zahlreichen Textstellen im Roman praktisch auf ihre Funktionen hin geprüft.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Publikation?
Wichtige Begriffe sind Paratext, Gérard Genette, Berlin Alexanderplatz, Alfred Döblin, Titelanalyse, Einführung, Literaturtheorie sowie die Wechselwirkung zwischen Individuum und urbanem Raum.
Welche Rolle spielt das "Dreierprinzip" in der Einführung?
Die Einführung des Romans ist laut der Autorin nach einem Dreierprinzip strukturiert, das die entscheidenden Schicksalsschläge des Protagonisten – Lüders Betrug, der Auto-Unfall und der Mord an Mieze – spiegelt.
Wie bewertet die Autorin den Nutzen des vollständigen Buchtitels?
Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass der vollständige Titel (inklusive Untertitel) wesentlich informativer ist als der einfache Titel, da er das Thema (Stadt und Individuum) präziser bezeichnet und den Leser besser auf den Inhalt einstimmt.
- Quote paper
- Ann Drechsler (Author), 2010, Zur Bedeutung der Paratexte am Beispiel von Alfred Döblins ‚Berlin Alexanderplatz – Die Geschichte vom Franz Biberkopf‘, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/198462