Kein anderes Ereignis des 20. Jahrhunderts war für die katholische Kirche so bedeutend wie das Zweite Vatikanische Konzil.
Am 25. Januar 1959 wurde es von Papst Johannes XXIII. als ökumenisches Konzil in der römischen Kirche „St. Paul vor den Mauern“ zur Überraschung vieler Gläubigen und zum Entsetzen der meisten Kurienmitglieder angekündigt. Seitens der Gläubigen entwickelten sich schnell hohe Erwartungen, da man sich „eine allgemeine Erneuerung der Kirche erhoffte“. Diese Erwartungen betrafen in erster Linie Fragen der Liturgie, der Ökumene, der Stellung von Klerus und Laien, sowie des Bezuges der Kirche zur Welt. Zu diesen Themen gab es bereits seit der Mitte des 19. Jahrhunderts durch Ordensgemeinschaften, katholische Vereine und Laienorganisationen bedingt erfolgreiche Versuche, Reformen herbeizuführen. Man hoffte, dass das Konzil diese Themen aufgreifen würde, und diese wurden dann auch tatsächlich aufgegriffen.
Heute, 40 Jahre nach dem Ende des Konzils, ist die Erinnerung vieler älterer Menschen an dieses Konzil noch sehr lebendig; mit ihm gingen schließlich Änderungen einher, die jede Pfarrgemeinde und jeden gläubigen Katholiken betrafen. Auch wenn sich manche Dinge anders entwickelten, als man das in der direkten Folgezeit des Konzils erwartete, sprechen die meisten Menschen doch überwiegend positiv über das Konzil. Auch viele junge Menschen, die katholisch sozialisiert sind, verbinden mit dem Begriff des Zweiten Vatikanischen Konzils in aller Regel Neuerungen und eine Öffnung der Kirche, was sehr erfreulich ist.
In dieser Arbeit möchte ich darstellen, wie die katholische Presse über das Geschehen des Konzils berichtete. In welcher Weise wurden die Leser über die Vorbereitung des Konzils informiert? Wie war die Berichterstattung während des Konzils? Wie wurden die Beschlüsse von den Gläubigen angenommen? Wie sahen die Reaktionen von anderen Religionsgemeinschaften aus? Die soll, ausgehend von einem kurzen Überblick über den Forschungsstand zum Zweiten Vatikanischen Konzil und über das generelle Verhältnis von Vatikan und Presse, am Beispiel der Kirchenzeitung des Bistums Mainz Glaube und Leben geschehen, die eine intensive Berichterstattung über das Konzil aufweist.Die meisten Berichte, die ich für die vorliegende Arbeit ausgewertet habe, sind Informationen, die von der Katholischen Presseagentur (KNA) übernommen wurden, da gerade in der Zeit von der Ankündigung des Konzils bis zu dessen Beginn Beiträge von eigenen Redakteuren [...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das Zweite Vatikanische Konzil in der heutigen Forschung
2.1. Das Konzil und die Presse
2.1.1. Die Berichterstattung in der Vorbereitungsphase
2.1.2. Die Berichterstattung während des Konzils
2.1.3. Versuche der Journalisten, eine adäquate Berichterstattung zu gewährleisten
2.1.4. Die Weiterentwicklung des Pressebüros und die Pressepolitik des Vatikans
2.1.5. Zusammenfassung
3. Die Berichterstattung des Konzils in der Kirchenzeitung Glaube und Leben
3.1. Die Ankündigung des Konzils von Papst Johannes XXIII.
3.2. Die Reaktionen von Vertretern anderer christlicher Kirchen
3.3. Die Vorbereitung des Konzils
3.3.1. Die ante-präparatorische Phase der Vorbereitung des Konzils
3.3.2. Die präparatorische Phase
3.3.2.1. Die Zentralkommission
3.3.2.2. Die Arbeit des Einheitssekretariats
3.3.3. Zusammenfassung
3.4. Die Voten der deutschen Bischöfe an das Konzil
3.5. Die Terminierung des Beginns des Konzils
3.6. Die Eröffnung des Konzils
3.7. Die Teilnehmer am Konzil
3.7.1. Die katholischen Teilnehmer
3.7.2. Die Entscheidung, nichtkatholische Beobachter zum Konzil einzuladen
3.7.2.1. Möglichkeiten der Teilnahme nichtkatholischer Vertreter am Konzil
3.7.3. Die nichtkatholischen Teilnehmer am Konzil
3.7.3.1. Die anglikanische Kirche
3.7.3.2. Die protestantischen Kirchen
3.7.3.3. Die orthodoxen Kirchen
3.7.3.4. Zusammenfassung
3.7.4. Der Empfang der Konzilsbeobachter durch den Papst
3.8. Die Wahl der Konzilskommissionen
3.8.1. Deutsche Konzilsväter in den Kommissionen
3.9. Der Übergang von Johannes XXIII. zu Paul VI.
3.10. Die Liturgiekonstitution (Sacrosanctum Consilium)
3.10.1. Die Liturgie vor dem Konzil
3.10.2. Liturgieänderungen durch Johannes XXIII.
3.10.3. Die Debatten über das Liturgieschema
3.10.4. Die Umsetzung der Liturgiekonstitution
3.10.5. Die Reaktionen auf die neue Liturgie
3.10.6. Zusammenfassung
3.11. Das Ökumenedekret (Unitatis redintegratio)
3.11.1. Die Stellung der katholischen Kirche zur Ökumene vor dem Konzil
3.11.2. Das Ökumeneschema in der Konzilsaula
3.11.3. Die Reaktionen auf das Ökumenedekret in Deutschland
3.11.4. Zusammenfassung
3.12. Das Ende des Konzils
3.12.1. Ausblick auf die Umsetzung der Ergebnisse im Bistum Mainz
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, wie die katholische Kirchenzeitung des Bistums Mainz, Glaube und Leben, über das Zweite Vatikanische Konzil berichtete. Dabei steht die Frage im Vordergrund, inwieweit die Leser über die Vorbereitung, den Verlauf und die Konsequenzen der Konzilsbeschlüsse – insbesondere im Hinblick auf die Liturgiekonstitution und das Ökumenedekret – informiert wurden und wie diese Informationen durch Berichte aus dem Vatikan sowie durch Kommentare und Briefe, etwa von Bischof Hermann Volk, vermittelt wurden.
- Analyse der Berichterstattung der Kirchenzeitung Glaube und Leben über das Zweite Vatikanische Konzil.
- Untersuchung der Pressepolitik des Vatikans und des Zugangs der Medien zu Informationen.
- Darstellung der Vorbereitungsphase und der Arbeit der Konzilskommissionen.
- Fokus auf zentrale Themenbereiche: Liturgiereform und Ökumene.
- Bewertung der Resonanz der Gläubigen und der Umsetzung der Ergebnisse im Bistum Mainz.
Auszug aus dem Buch
3.10.1. Die Liturgie vor dem Konzil
In der katholischen Kirche hatte vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil die Messordnung von 1570 Gültigkeit, die im Zuge des Konzils von Trient entstanden war und von Papst Pius V. eingeführt wurde. Danach durfte die Messe nur in lateinischer Sprache gehalten werden, der Priester zelebrierte mit dem Rücken zum Volk, die Mitwirkung von Laien war mit Ausnahme von männlichen Ministranten nicht vorgesehen. Die Gottesdienstbesucher hatten somit eine passive Rolle, man kann sogar sagen den Status von Zuschauern. Dies führte dazu, dass man begann, den Rosenkranz während der Messe zu beten oder sich anderweitig zu beschäftigen. In den folgenden Jahrhunderten entwickelte sich die Liturgie jedoch kontinuierlich weiter, besonders im deutschsprachigen Raum. Unmittelbar vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil unterschied man vier offizielle Liturgieformen, in denen die Gemeinde unterschiedlich aktiv am Gottesdienstgeschehen beschäftigt war.
1. Das feierliche Hochamt war eine Gottesdienstform mit verteilten Rollen. Es nahmen neben dem Zelebranten meist ein Chor, ein Lektor, ein Kantor, Diakone und Ministranten Aufgaben im Gottesdienst wahr, so dass der Pfarrer, welcher der Messe vorstand, nicht alle Aufgaben selbst wahrnehmen musste. Die Lieder im feierlichen Hochamt wurden vom Chor übernommen, so dass die Gemeinde passiv am Geschehen beteiligt war.
2. Das einfache Hochamt, das im Gegensatz zum feierlichen Hochamt ohne Diakon auskam, bildete in großen Pfarrgemeinden den normalen Sonntagsgottesdienst, an dem die Gläubigen wiederum nur eine passive Rolle einnahmen. Der Gesang wurde in diesem Hochamt vom Chor durchgeführt. Auch heute sind in Hochämtern an bestimmten Festen Chöre oder ein Kantor am Gottesdienst beteiligt.
3. Die Singmesse war vor allem im deutschsprachigen Raum eine Form der Sonntagsmesse. Während der Priester die Messe las, sangen die Gläubigen, mit Ausnahme jener Zeit, in der der Priester den Kanon las, dazu passende Lieder. Bei dieser Messform hatten sie einen aktiven Part inne.
4. Die vierte Gottesdienstform war die stille Messe am Werktag oder als Frühmesse an einem Sonntag gefeiert. Diese Messe, in der überhaupt nicht gesungen wurde, kann man als Privatmesse eines Priesters betrachten, da jeder Priester vor dem Konzil seine eigene tägliche Eucharistiefeier zelebrieren musste.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Bedeutung des Zweiten Vatikanischen Konzils ein und umreißt das Ziel der Arbeit, die Berichterstattung der Kirchenzeitung Glaube und Leben zu diesem historischen Ereignis zu analysieren.
2. Das Zweite Vatikanische Konzil in der heutigen Forschung: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über den Forschungsstand und beleuchtet das generelle Verhältnis zwischen dem Vatikan und der Presse während der Konzilszeit.
3. Die Berichterstattung des Konzils in der Kirchenzeitung Glaube und Leben: Dieses Hauptkapitel untersucht im Detail, wie die Kirchenzeitung über die Phasen der Vorbereitung, die Teilnehmergruppen, die Wahl der Kommissionen und zentrale Themen wie die Liturgie und Ökumene berichtete.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse der Analyse zusammen und stellt fest, dass die Kirchenzeitung trotz erschwerter Informationsbedingungen eine umfassende und sachliche Berichterstattung leistete, die den Lesern die Neuerungen des Konzils nahebrachte.
Schlüsselwörter
Zweites Vatikanisches Konzil, katholische Kirche, Glaube und Leben, Bistum Mainz, Presse, Berichterstattung, Liturgiekonstitution, Ökumene, Papst Johannes XXIII., Papst Paul VI., Konzilsbeobachter, Kirchengeschichte, Reformen, Bistumspresse, Konzilsdokumente
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die publizistische Aufarbeitung des Zweiten Vatikanischen Konzils durch die Bistumszeitung Glaube und Leben und untersucht, wie die Leser des Bistums Mainz über die weitreichenden kirchlichen Veränderungen informiert wurden.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Schwerpunkte liegen auf der Pressepolitik des Vatikans, dem Informationsfluss während der Vorbereitungs- und Durchführungsphase des Konzils sowie den spezifischen inhaltlichen Schwerpunkten der Liturgiereform und des ökumenischen Dialogs.
Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, nachzuzeichnen, wie eine regionale katholische Kirchenzeitung die komplexen Vorgänge eines Weltereignisses wie des Zweiten Vatikanischen Konzils für ihre Leser aufbereitete und bewertete.
Welche wissenschaftliche Methodik wurde angewandt?
Die Arbeit basiert auf einer intensiven Auswertung der Ausgaben der Kirchenzeitung Glaube und Leben über den Zeitraum von 1959 bis 1965 sowie der Einbeziehung von Sekundärliteratur zur historischen Konzilsforschung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Vorbereitungsphasen, die Rolle der Presse, die Beteiligung deutscher Bischöfe sowie eine detaillierte Auseinandersetzung mit der Liturgiekonstitution und dem Ökumenedekret.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Zweites Vatikanisches Konzil, Liturgiekonstitution, Ökumene, Kirchenpresse, Bistum Mainz, Bischof Hermann Volk und Konzilsrezeption.
Welche Bedeutung hatte Bischof Hermann Volk für die Berichterstattung?
Bischof Volk fungierte als wichtiger Vermittler, der durch seine persönlichen Briefe aus Rom „Hintergrundinformationen“ lieferte und somit half, die komplexen Beschlüsse des Konzils für die Gläubigen im Bistum verständlich und greifbar zu machen.
Wie reagierten die Leser auf die Berichterstattung über die Liturgiereform?
Die Reaktionen waren gemischt: Während viele Gläubige die aktivere Teilnahme an der Liturgie begrüßten, äußerten insbesondere Theologen und traditionell orientierte Gläubige Bedenken hinsichtlich des Verlusts der lateinischen Sprache und des sakralen Charakters der Messe.
- Arbeit zitieren
- Mario zur Löwen (Autor:in), 2005, Das Zweite Vatikanische Konzil in der katholischen Presse am Beispiel der Kirchenzeitung des Bistums Mainz "Glaube und Leben", München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/198440