Zum Tanken nach Belgien fahren, Käse und Kaffee kauft man am Besten in den nahen Niederlanden und in Deutschland finden sich durch das hohe Lohnniveau gute Arbeitsbedingungen: Der Alltag der Bewohner der Euregio Maas- Rhein ist - zumindest theoretisch- durch eine starke Verflechtung zwischen Belgien, den Niederlanden und Deutschland geprägt. Doch ist dieses Phänomen der Ausnutzung der komparativen Kostenvorteile nicht allein auf die Grenzregion zwischen Aachen, Maastricht und Lüttich begrenzt. Auch andere Grenzräume bieten durch einen Grenzüberschritt eine Bandbreite von Vorteilen.
Die Skandinavischen Länder Schweden, Norwegen und Dänemark scheinen für die Südeuropäer (aus der Sicht der Skandinavier alle übrigen Europäer südlich von Dänemark) relativ homogene Nationalstaaten zu sein (vgl. Löfgren 2008:197; Power 2003:168), die sich im Grunde ihrer Sozial-, Wirtschafts-, Politik- und Gesellschaftsstruktur nicht groß unterscheiden. Doch ist dieses Bild zu undifferenziert und falsch. Durch die Unterschiede zwischen den drei Staaten, seien sie von außen betrachtet auch noch so gering, entstehen enge Verflechtungen und ein Grenzgefälle, das einzigartig ist. Dieses soll in der vorliegenden Arbeit aufgezeigt werden.
Dafür ist zunächst eine Bestimmung der Begriffe der Grenzverflechtung und des Grenzgefälles vorzunehmen (vgl. Kap. 2). In Kapitel 3 werden zunächst kurz die politisch- gesellschaftlichen Rahmenbedingungen in Schweden und den beiden Nachbarstaaten Dänemark und Norwegen dargestellt (vgl. Kap. 3.1), um daraufhin einige makroökonomischen Indikatoren für Grenzverflechtungen darzustellen (3.2). Im Folgenden wird der Fokus der Arbeit auf die Betrachtung der Grenzräume zwischen Schweden und seinen Nachbarstaaten gelegt. Die Seminararbeit wurde im Rahmen der Exkursion Südschweden verfasst und daher soll die Øresundregion zwischen Dänemark und Schweden exemplarisch herausgestellt werden (Kap. 3.3), da dieser Raum von der Exkursionsgruppe besucht wird. Als Grenzregion zwischen Schweden und Norwegen wird abschließend kurz die Svinesundregion vorgestellt (Kap. 3.4).
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Grenzgefälle und Grenzverflechtungen: Möglichkeiten und Barrieren
3 Grenzverflechtungen und Grenzgefälle zwischen Schweden und seinen skandinavischen Nachbarn Norwegen und Dänemark
3.1 Politisch- gesellschaftliche Rahmenbedingungen in Schweden, Norwegen und Dänemark
3.2 Makroökomische Verflechtungen und das Grenzgefälle zwischen Schweden, Dänemark und Norwegen
3.3 Grenzverflechtungen und Grenzgefälle zwischen Schweden und Dänemark: Die Øresund Region
3.4 Grenzverflechtungen und Grenzgefälle zwischen Schweden und Norwegen: Die Svinesund Region
4 Vergleich und Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die grenzübergreifenden Verflechtungen und das bestehende Grenzgefälle zwischen Schweden und seinen Nachbarländern Dänemark und Norwegen. Ziel ist es, die ökonomischen und soziokulturellen Dynamiken in diesen Grenzräumen zu analysieren und anhand der Fallbeispiele Øresundregion und Svinesundregion aufzuzeigen, wie unterschiedliche Rahmenbedingungen die regionale Entwicklung beeinflussen.
- Theoretische Bestimmung von Grenzgefällen und Grenzverflechtungen
- Analyse der politisch-gesellschaftlichen Rahmenbedingungen in Skandinavien
- Untersuchung makroökonomischer Indikatoren wie Preisniveaus und Kaufkraft
- Detaillierte Betrachtung der Øresundregion als urbaner Wirtschaftsraum
- Erläuterung der Entwicklung der Svinesundregion als ländlicher Grenzraum
Auszug aus dem Buch
3.3 Grenzverflechtungen und Grenzgefälle zwischen Schweden und Dänemark: Die Øresund Region
Südschweden und Dänemark sind durch die Ostsee voneinander getrennt, sodass es keine Landverbindung zwischen den beiden Staaten gibt (vgl. Anhang 1). Das Großprojekt der Øresundbrücke, das im Jahr 2000 durch die Eröffnung der Brücke vollendet wurde, verringerte jedoch die physische Distanz zwischen den beiden Staaten erheblich. Die Brücke überquert den Øresund, verbindet damit die zwei Stadtregionen Kopenhagen und Malmö- Lund und die gesamte Grenzregion umfasst knapp 3,5 Millionen Einwohner (vgl. Lundquist/ Winther 2006:117). Die Rahmenbedingungen der beiden Regionen waren und sind dabei sehr unterschiedlich: Die Hauptstadtregion Kopenhagen stellt für Dänemark die bedeutendste Wirtschaftsregion dar und hat knapp doppelt so viele Einwohner wie die Region Scåne auf der schwedischen Seite des Øresunds, die sich zumindest räumlich in der süd- westlichen Peripherie Schwedens befindet (vgl. Lundquist/ Winther 2006:117; Löfgren 2008:198). Die Regionen „learned to turn their backs on the border“ (Löfgren 2008:195). Doch mit dem Bau der Brücke wuchsen die Stadtregionen näher zusammen und es entstand ein grenzüberschreitender Wirtschaftsraum, der durch wechselseitige Grenzübertritte gekennzeichnet ist. Dabei versuchen die Grenzgänger, jeweils – v.a. die ökonomische - Vorteile auf der andren Grenzseite auszunutzen.
Zu Beginn der 2000er Jahre stellte sich zunächst ein einseitiger Strom der Øresundüberquerung heraus. Dabei überschritten die schwedischen Einwohner die Grenze zunächst aus subjektiven und individuellen Gründen, da die Hauptstadt Kopenhagen im Vergleich zu schwedischen Region Scåne bis zum heutigen Tag bezogen auf bestimmte Aktivitäten (u.a. Kultur, Vergnügungs- und Einkaufsangebote) wesentlich mehr zu bieten hat. Dieses wurde und wird durch günstigere Preise für Genussmittel und mildere Gesetze bzgl. des Konsums von Alkohol und Drogen auf der dänischen Grenzseite verstärkt, sodass Kopenhagen v.a. für junge Schweden sehr attraktiv geworden ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in die Thematik der Grenzräume und Vorstellung der Zielsetzung sowie der untersuchten Fallbeispiele.
2 Grenzgefälle und Grenzverflechtungen: Möglichkeiten und Barrieren: Definition der theoretischen Grundlagen für Grenzräume, Grenzgefälle und Barrieren der Integration.
3 Grenzverflechtungen und Grenzgefälle zwischen Schweden und seinen skandinavischen Nachbarn Norwegen und Dänemark: Analyse der politischen und ökonomischen Rahmenbedingungen in Skandinavien sowie Darstellung der makroökonomischen Indikatoren.
3.1 Politisch- gesellschaftliche Rahmenbedingungen in Schweden, Norwegen und Dänemark: Historische Einordnung und heutiges Selbstverständnis der drei skandinavischen Staaten.
3.2 Makroökomische Verflechtungen und das Grenzgefälle zwischen Schweden, Dänemark und Norwegen: Quantitative Analyse des Außenhandels sowie der Unterschiede in Preisniveaus und Kaufkraft.
3.3 Grenzverflechtungen und Grenzgefälle zwischen Schweden und Dänemark: Die Øresund Region: Fallstudie zur Øresundregion als Beispiel für einen urbanen, stark integrierten Wirtschaftsraum.
3.4 Grenzverflechtungen und Grenzgefälle zwischen Schweden und Norwegen: Die Svinesund Region: Fallstudie zur Svinesundregion als Beispiel für einen ländlich geprägten Grenzraum mit hoher wirtschaftlicher Bedeutung.
4 Vergleich und Fazit: Zusammenfassender Vergleich der beiden Grenzregionen und Einordnung in das theoretische Modell der Integration.
Schlüsselwörter
Grenzgefälle, Grenzverflechtungen, Øresundregion, Svinesundregion, Wirtschaftsgeographie, Skandinavien, Pendlerverflechtung, Regionauten, Kaufkraft, Preisniveau, Grenzüberschreitende Kooperation, Regionalentwicklung, Integration, Arbeitsmarkt, Außenhandel
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die ökonomischen und soziokulturellen Verflechtungen sowie die bestehenden Grenzgefälle zwischen Schweden, Dänemark und Norwegen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Fokus stehen die theoretischen Konzepte von Grenzräumen, die makroökonomische Situation der skandinavischen Länder und die praktische Ausprägung der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit in zwei spezifischen Regionen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie sich durch ökonomische Unterschiede Grenzgefälle bilden und welche regionalen Verflechtungen daraus zwischen Schweden und seinen Nachbarn resultieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt einen komparativen Ansatz, der theoretische Rahmenkonzepte mit einer exemplarischen Analyse von zwei Fallbeispielen kombiniert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der allgemeinen Rahmenbedingungen, die makroökonomische Datenanalyse sowie die vertiefende Untersuchung der Øresundregion und der Svinesundregion.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Grenzgefälle, Grenzverflechtungen, Regionauten, Kaufkraft, Øresundbrücke und grenzüberschreitende Integration.
Warum ist die Øresundbrücke für diese Arbeit von zentraler Bedeutung?
Die Øresundbrücke fungiert als physischer Verbindungspunkt, der die Integration der Region erst ermöglicht hat und heute als Modell für einen grenzüberschreitenden Wirtschaftsraum dient.
Wie unterscheidet sich die Svinesundregion von der Øresundregion?
Während die Øresundregion einen urbanen, stark integrierten Raum darstellt, ist die Svinesundregion eher ländlich geprägt und zeigt deutlich die regionalwirtschaftliche Bedeutung norwegischen Kapitals für schwedische Peripherieregionen.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2012, Grenzgefälle und grenzübergreifende Verflechtungen zwischen Schweden und seinen Nachbarn Dänemark und Norwegen, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/198191