Die kritische Managementforschung/ Critical Management Studies (CMS) ist eine seit den 1990’er Jahren etablierte akademische Bewegung, welche die Herrschaft und Relevanz von Theorien und Praktiken entlang des Mainstreams der Managementforschung in Frage stellt, wobei der Fokus auf „Management“ als eine allgegenwärtige Institution liegt, die in kapitalistischen Wirtschaftsformen verwurzelt ist. Es geht dabei jedoch nicht um die Entwicklung von Techniken oder Legitimationsmustern für das Management, sondern um die Erforschung von Management. Dabei betrachten CMS gefestigte soziale Praktiken und institutionelle Systemarrangements, fordern die vorherrschenden dominanten Beziehungen heraus (patriarchalisch, neo-imperialistisch, kapitalistisch) und fördern die Entwicklung von Alternativen. Kurz: CMS ist an den negativen Seiten von Management und Organisationen interessiert.
Diese Arbeit will klären, wo der Ursprung von CMS liegt, wie die Programmatik und das Grundverständnis von CMS sind und zuletzt welche Verbindung zwischen Critical Management Studies und Kultur herrscht.
Inhaltsverzeichnis
1. Begriffsbestimmungen und Problemstellung
2. Historische Entwicklung
3. Programmatik und Grundverständnis der CMS
3.1. Absetzpunkte von CMS oder: Von welchen Standpunkten will sich CMS distanzieren?
3.2. Kernelemente von CMS: „de-naturalization“, „non-performative“ und „reflexivity“
3.3. CMS nach einem Vorschlag von Mats Alvesson
4. CMS und organisationale Kultur
4.1. Alternative kritische Denkrichtungen über organisationale Kultur
4.2. „cultural economy“ und „popular culture“ als neuere kritische Ansätze
5. Zusammenfassung und Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit setzt sich kritisch mit den "Critical Management Studies" (CMS) im Kontext von Kultur und organisationalen Strukturen auseinander. Ziel ist es, das Verständnis der CMS zu schärfen und die Verbindung zwischen kritischer Managementforschung und dem Kulturbegriff zu analysieren, wobei die Veränderung der Sichtweise von der Organisation als Kulturträger hin zur Organisation als kollektive, soziale Konstruktion im Mittelpunkt steht.
- Historische Herleitung und Entwicklung der CMS-Bewegung.
- Programmatische Abgrenzung der CMS gegenüber mainstream-orientierten Managementlehren.
- Analyse der Kernelemente "de-naturalization", "non-performative" und "reflexivity".
- Untersuchung des Kulturbegriffs in der Managementforschung und kritische Gegenentwürfe.
- Einsatz neuer Konzepte wie "cultural economy" und "popular culture" als Analyseinstrumente.
Auszug aus dem Buch
3.2.Kernelemente von CMS: „de‐naturalization“, „non‐performative“ und „reflexivity“
Aufgrund der eingangs genannten Pluralität innerhalb der CMS ist dementsprechend eine genaue Bezeichnung, was CMS ist und was nicht, schwierig. Valérie Fournier und Chris Grey (2000) konnten dennoch drei Kernelemente herausfiltern, die den meisten Forschungen gleich sind: „de-naturalization“, „non-performative“ und „reflexivity“. Diese sollen hier kurz erläutert werden.
„De-naturalization“ setzt eine bereits stattgefundene „naturalization“ voraus. Dieser natürliche Zustand bezeichnet die selbstverständliche und akzeptierte Ordnung innerhalb von Organisationen, welche als natürlich und notwendig ihre Legitimierung fand, sei es die Dominanz von Männern gegenüber Frauen, Weißen gegenüber Schwarzen oder des Kapitals gegenüber der Arbeiterschaft. Außerdem werden Hierarchiemodelle, Vormachtstreben, Habgier und Wettbewerbsfähigkeit als natürliche organisationale Prozesse angesehen. Eine „de-naturalization“ versucht diese festgeschriebenen Ideologien zu identifizieren und durch Rückerinnerung an deren Kontextabhängigkeit zu denaturalisieren.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Begriffsbestimmungen und Problemstellung: Dieses Kapitel führt in die Bewegung der Critical Management Studies ein und definiert deren Ziel, die herrschenden Managementtheorien und Machtstrukturen kritisch zu hinterfragen.
2. Historische Entwicklung: Hier wird die Entstehungsgeschichte der CMS nachgezeichnet, beginnend mit der frühen Managementlehre des frühen 20. Jahrhunderts bis hin zur modernen, kritischen Organisationssoziologie.
3. Programmatik und Grundverständnis der CMS: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Fundamente und Abgrenzungsmerkmale der CMS, einschließlich ihrer zentralen Forschungselemente und der methodischen Ansätze nach Mats Alvesson.
4. CMS und organisationale Kultur: Der Fokus liegt hier auf dem Verhältnis von Management zu Kultur, wobei kritische Ansätze wie "cultural economy" und "popular culture" zur Dekonstruktion traditioneller Kulturtheorien genutzt werden.
5. Zusammenfassung und Fazit: Das abschließende Kapitel resümiert die Erkenntnisse zur Verbindung von CMS und Unternehmenskultur und benennt zukünftige Herausforderungen für die kritische Forschung.
Schlüsselwörter
Critical Management Studies, Managementforschung, Unternehmenskultur, Organisationstheorie, De-naturalization, Non-performative, Reflexivity, Cultural Economy, Popular Culture, Organisationssoziologie, Machtstrukturen, Managementkritik, Kulturmanagement, Sozialwissenschaften, Arbeitsbedingungen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit bietet eine grundlegende Darstellung der Critical Management Studies (CMS) und untersucht deren theoretische Ansätze im speziellen Bezug zum Begriff der organisationalen Kultur.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentral sind die historische Entwicklung der CMS, ihre programmatischen Kernelemente sowie die Auseinandersetzung mit der Rolle der Kultur in Organisationen aus einer kritischen Perspektive.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Arbeit zielt darauf ab, zu klären, welche Verbindung zwischen den Critical Management Studies und dem Verständnis von Kultur in Organisationen besteht und wie diese kritisch hinterfragt werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit folgt einem interpretativen und dekonstruktiven Ansatz, wie er in den CMS üblich ist, um herrschende Managementdogmen zu hinterfragen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die historische Entwicklung, die Erläuterung der Programmatik der CMS durch die drei Kernelemente, eine differenzierte Betrachtung nach Mats Alvesson sowie eine Analyse der Kulturdarstellung in der modernen Forschung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen gehören Critical Management Studies, De-naturalization, Kulturmanagement, Machtstrukturen und Reflexivität.
Was unterscheidet die Sichtweise der CMS bei der Organisationskultur von klassischen Ansätzen?
Klassische Ansätze betrachten Kultur oft als etwas, das eine Organisation "hat" und gezielt zur Performancesteigerung nutzt; die CMS hingegen sehen Organisationen als soziale Konstrukte, die sich durch kollektive Interaktionen ständig neu bilden.
Welche Rolle spielen popkulturelle Artefakte wie die Serie "South Park" in diesem Kontext?
Sie dienen als Datenquellen oder Instrumente, um Machtgefüge innerhalb von Organisationen zu parodieren, zu relativieren und Alternativen zu den formalen Strukturen aufzuzeigen.
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- B. A. Bildungs- und Erziehungswissenschaften Michel Beger (Author), 2012, Critical Management Studies, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/198176